Posts Tagged ‘Ärger’

Essai 199: Über den Scheuer-Effekt

26. März 2021

Ganz Deutschland fragt sich: Warum ist A*** Scheuer eigentlich noch im Amt? Ganz Deutschland? Nein. A*** Scheuer fragt sich das nicht. Der scheint sich nach wie vor großartig zu finden – und das Merkwürdige ist: Viele seiner Parteikolleginnen und -kollegen scheinen seine Selbsteinschätzung zu teilen. Oder warum wurde er nicht schon längst gefeuert? Es ist ja geradezu faszinierend, wie viel Mist eine einzelne Person bauen, wie viel Steuergelder ein einzelner Minister in den Wind pupsen kann, ohne dass irgendwelche Konsequenzen drohen. Und noch faszinierender finde ich, wie man sich dafür nicht ansatzweise schämen kann, wenigstens ein klitzekleines bisschen. Gut, zu seiner Verteidigung, er ist ja nicht der Einzige, der trotz offenkundiger Inkompetenz und eklatanter Fehlbesetzung an seinem Platz klebt und sich kein bisschen peinlich findet.

Das hat doch eine kleine küchentischpsychologische Analyse verdient, bin ich der Meinung. Also: Was hat es mit dem Scheuer-Effekt auf sich? Wie schafft man es, trotz umfassender Unfähigkeit Karriere zu machen, nicht entlassen zu werden, obwohl man ständig Bockmist verzapft – und dann auch noch weiter Verantwortung übertragen zu bekommen?

Eine Sache vorweg: Ich weiß es nicht. Das heißt, ich rate, spekuliere, vermute und behaupte gleich fröhlich ins Blaue hinein. Aber wenn ein Scheuer null Konstruktives abliefern kann und dafür auch noch belohnt wird, dann darf ich das auch. Also, behaupte ich jetzt einfach mal.

Ein paar überzeugende Theorien hat das „browser ballett“ bereits zusammengestellt:

„Warum ist Scheuer noch im Amt?“ vom browser ballett

Ich denke, die „Schwarzes Schaf“-Theorie klingt plausibel. Neben Scheuer sehen einfach alle anderen weniger inkompetent aus – also kompetetenter, als sie sind. Und wäre er nicht mehr da, fiele auf, dass die anderen auch nichts auf die Kette kriegen und völlig überbezahlt sind. Träte Scheuer zurück, müssten die anderen sich an seiner statt die Frage stellen lassen, warum sie denn noch im Amt seien. Das möchte niemand riskieren – verständlicherweise.

Vielleicht spielt auch eine Art kognitive Dissonanz eine Rolle? Irgendjemand muss den Kerl doch überhaupt erst ins Amt des Verkehrsministers gebracht haben? Und der will sich bestimmt auch nicht mit der Frage auseinandersetzen, was ihn denn dabei geritten habe, und deswegen rechtfertigt dieser Mensch seine Entscheidung vor sich selbst damit, dass der Scheuer ja gar nicht sooo unfähig wäre, dass er ja auch schon viel geleistet hätte, hier … zum Beispiel … Dingens, ihr wisst schon. Eine ähnliche kognitive Dissonanz dürfte auch diejenigen umtreiben, die den Kerl immer noch nicht gefeuert haben. Im Ernst jetzt, warum nicht? In jedem beliebigem Unternehmen wäre der doch schon zig-mal achtkantig und fristlos rausgeflogen? Das regt mich ja schon wieder auf! *grummelbrummelschimpfmotzknurrzeter* Atme, Isa, atme, denk an deinen Blutdruck … Pfiuuuuuuhhhh …. OK, geht wieder.

Noch eine Theorie: Scheuer hat zu Beginn alle mit seinem völlig ungerechtfertigtem Selbstvertrauen und seinem selbstsicherem Auftreten darüber hinweg geblendet, dass seine Arroganz auf überhaupt keinem stabilen Fundament basiert. Sein substanzloses Herumgeschwadroniere, sein inhaltsleeres Geschwafel und seine nichtssagenden, rhetorischen Muskelspiele konnten die anderen lange genug täuschen, sodass sie tatsächlich glauben, er könnte irgendwas. Man müsste ihm nur noch mehr Chancen geben und Geduld haben, dann kann er zeigen, was WIRKLICH in ihm steckt. Das würde erklären, warum er jetzt mit Spahn zusammen die Test-Taskforce leitet (nebenbei bemerkt, meine Einschätzung dazu: Wir sind alle verloren.) – er hat zwar bislang stets auf ganzer Linie versagt, aber dieses Mal bekommt er das sicher hin! Man muss nur ganz fest daran glauben!

Was auch sein kann: Scheuer ist eigentlich ein psychologisches Experiment. Verrückte Wissenschaftler, zwischen Genie und Wahnsinn schwankend, wollten ausprobieren, wie weit die dummdreiste Arroganz der Ahnungslosen, besser bekannt als Dunning-Kruger-Effekt, sich in einer einzelnen Person steigern lässt, ohne dass ihr Gehirn implodiert. Die Antwort ist: sehr. Das Ergebnis ist Scheuer.

Nicht auszuschließen ist, dass Scheuer insgeheim doch etwas kann, nämlich Showhypnose. Er hat einfach alle in Trance versetzt und ihnen mantraartig eingeredet: „Scheuer ist der beste Verkehrsminister der Welt!“ Ja, und jetzt glauben das alle und Scheuer weiß nicht, wie er das wieder rückgängig machen kann und nun haben wir alle den Salat.

Möglicherweise schuldet aber irgendwer noch Scheuers Familie einen Gefallen. Und dann war der Gedanke, als Verkehrsminister kann er ja eigentlich nicht so viel falsch machen, unfähiger als sein Vorgänger kann man gar nicht sein, das wird schon. Tja, und jetzt wird man ihn nicht mehr los. Oder es ist eine Wette am Laufen, die CSU hat mit der CDU gewettet, wer den nächsten Bundeskanzler stellt, und die CSU will unbedingt gewinnen, deswegen haben sie ihren besten Mann (Höhö, Scherz) eingesetzt, um die Nerven der CDU so zu zermürben, dass die jemanden wie Laschet als Vorsitzenden wählen und daneben kann sich dann Söder stellen und einfach das Gegenteil von dem machen, was Laschet macht, und wirkt damit super-staatstragend.

Soweit meine Vermutungen. Was meint ihr? Was klingt plausibel, was ist eindeutig Quatsch? Was ist eure Erklärung für die Frage: Warum ist Scheuer noch im Amt?

Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂

Essai 193: Über vorgebliche Gleichgültigkeit als Wichtigtuer-Masche

14. März 2020

Was mich tierisch nervt: vorgespielte Gleichgültigkeit, in dem peinlich offensichtlichen Versuch, sich wichtig zu machen und cool zu wirken. Früher oder später sieht man in jeder Kommentarspalte einen Kasper aufploppen, der unbedingt dem ganzen Internet kundtun muss, wie total egal ihm das Thema ist, um das es in dem kommentierten Post geht.

Schön für dich, Idiot, dann frage ich mich nur, warum nimmst du dir die Zeit, verplemperst Energie, nur um zu schreiben, wie wurscht dir das Thema Frauenrechte, Impfschutz, der letzte Tatort oder sonstwas ist? Warum ignorierst du Posts zu diesem Thema, das dir ach so am Allerwertesten vorbeigeht, nicht einfach und lässt die Leute in Ruhe debattieren, die sich dafür interessieren? Was soll der Quatsch?

Ich habe da natürlich eine Theorie, die möglicherweise ein klitzekleines bisschen küchentischpsychologisch anmutet, aber ich verrate sie euch trotzdem. Leute, die extra Zeit und Energie aufwenden, um alle anderen darüber zu informieren, dass ihnen etwas egal ist, geht es um Selbstdarstellung, Aufplüschung des eigenen Egos und darum, sich wichtiger zu machen, als sie sind.

Vielleicht haben sie das Thema nicht verstanden, weil sie ein wenig doof sind. Vielleicht sind sie auch einfach nicht betroffen und ertragen es nicht, wenn es mal nicht um sie geht. Oder sie bilden sich ein, es ließe sie cool und abgebrüht wirken, wenn sie etwas nicht an sich herankommen lassen. Oder sie sind dem Trugschluss auferlegen, es machte sie in irgendeiner Weise interessant, besonders oder geheimnisvoll, wenn sie sich gleichgültig geben.

So oder so: Es geht dabei immer um sie und ihr eigenes Selbstbild – nicht ums Thema an sich. Und das geht mir auf den Keks, weil das eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und einen spannenden Austausch von Argumenten verhindert. Das macht doch überhaupt keinen Spaß und ist langweilig! Wer sich angeblich für nichts interessiert, ist nicht interessant – sondern fürchterlich öde. Das ist auch kein Zeichen von Stärke oder Coolness, wenn man von vorneherein sagt, dass einem ein Thema egal ist. Es ist feige, eitel und faul.

Ich meine damit übrigens nicht, wenn man sich aus einer Debatte heraushält oder keine Stellung zu einem Thema bezieht, weil einem die nötigen Kenntnisse dafür fehlen, für die eine oder andere Position Argumente aufzubringen. Das ist etwas völlig anderes. Denn dann hält man sich einfach raus oder antwortet auf Nachfragen: „Tut mir leid, dazu möchte ich aktuell nichts sagen, da fehlen mir zu viele Informationen über die Hintergründe“ oder etwas in der Art. Das ist ehrlich, sachlich und mutig – denn zuzugeben, dass man über ein Thema nicht gut genug Bescheid weiß, um seinen Senf dazugeben zu können, erfordert Rückgrat.

Aber dieses großkotzige, dummdreist-arrogante „Mir doch egal, es gibt Wichtigeres“ unter Themen, die anderen Menschen wichtig sind, finde ich richtig scheiße. Übrigens mache ich mir ab und zu mal den Spaß, und frage diese Wichtigtuer in den Kommentarspalten einfach direkt, warum sie das denn extra hinschreiben, wie total wumpe ihnen das Thema ist, wenn es ihnen so total wumpe ist? Warum scrollen sie nicht einfach weiter, zucken mit den Achseln, denken sich ihren Teil, und freuen sich ihres Lebens?

Meistens kommt dann im nicht minder dummdreist-arroganten Habitus der Hinweis, das sei eben ihre Meinung und sie dürften ja wohl noch ihre Meinung sagen!!1!!111!!!! Woraufhin ich dann freundlich darauf aufmerksam mache, dass „ist mir egal“ keine Meinung sei, sondern genau das Gegenteil, nämlich das Vermeiden einer Meinung/Stellungnahme/Haltung. Ab da dreht sich die Diskussion in der Regel im Kreis.

Manchmal mischen sich noch andere Leute ein und maßregeln mich, es sei ja wohl völlig in Ordnung, dass Typ XY seine Meinung sage und ob ich damit ein Problem hätte? Nein. Habe ich nicht. Jeder darf seine Meinung schreiben und sagen. Aber er muss dann eben auch damit rechnen, dass Leute darauf antworten. Wenn man keine Antwort haben will, dann behält man seine „Meinung“ für sich oder posaunt die nur im Kreise seiner Filterblasenbuddies heraus, die ohnehin bei jedem Gehirnfurz, den man aus seinem Mund pupsen lässt, lauthals zustimmen und Beifall klatschen.

In der realen Welt oder auch in der virtuellen Welt auf Social Media treffen aber nun mal eben verschiedene Ansichten aufeinander. Und das kann sehr spannend, interessant und bereichernd sein, wenn man sich sachlich miteinander austauscht. Man kann sich auch mal darauf einigen, dass man sich nicht einig ist. Das ist OK. Verschiedene Perspektiven, Lebensumstände, Persönlichkeiten und Hintergründe sorgen nun mal eben dafür, dass verschiedene Dinge uns wichtig sind.

Wenn dann so ein Spielverderber dazwischengrätscht, um großspurig zu verkünden: „Ihr seid alle Vollidioten, dass ihr euch mit dem und dem Thema überhaupt befasst – sehet mich an!!! Mir ist das egal!!! Denn ich!!! bin!!! oberaffensupercool!!! Und ihr! seid! Loser!!!“ – dann nervt das einfach nur.

Von daher, meine Meinung (!) zu Menschen, denen etwas egal ist: Haltet einfach die Fresse! (Mache ich im Übrigen auch, wenn’s zum Beispiel um Autos geht. Dazu sage ich dann einfach nichts.)


Und, wie seht ihr das? Nerven euch solche pseudo-gleichgültigen Großmäuler auch so wie mich? Oder ist euch das egal? 😉 Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

Essai 190: Über die Probleme anderer Leute

22. September 2019

In Internet-Diskussionen herrscht das Recht des Stärkeren – wobei mit „Stärke“ nicht Charakterstärke gemeint ist, sondern Lautstärke. Wer am aggressivsten herumpöbelt und am unfairsten kämpft, gewinnt. Das Spannende dabei ist, dass man eine Fülle an Beleidigungen lernt, die man Menschen wie mir angedeihen lassen kann, die sich vom Gepolter der Idioten unbeeindruckt zeigen und einfach weiter stur auf Gerechtigkeit pochen.

„Gutmensch“ ist dabei ja schon ein Klassiker. OK, ich hab den Begriff hier auf meinem Blog im „Essai 63: Über unhöfliche Weltverbesserer und Gutmenschen ohne Manieren“ auch schon abfällig benutzt, obwohl es ja eigentlich etwas Löbliches ist, wenn man ein guter Mensch ist. Ich meinte das allerdings in dem Sinne, dass jemand nur behauptet, er sei ein guter Mensch, sein Verhalten jedoch nicht sonderlich nett oder anständig ist. Also ein Heuchler. Die Pöbler im Internet meinen es wohl auch so, gehen aber anscheinend von vorneherein davon aus, dass alle Menschen, die sich bemühen, keine Arschlöcher zu sein, sich der Heuchlerei schuldig machen.

Ebenfalls sehr beliebt ist die Abkürzung „SJW“, die für „Social Justice Warrior“ steht und auch Menschen zugedacht wird, die Arschlochverhalten anderen gegenüber nicht unwidersprochen dulden wollen. Pöbler finden nämlich, dass es ein Zeichen von Schwäche sei, sich nicht wie ein egoistisches Arschloch zu benehmen respektive ein solches Gebahren zu kritisieren. Und um zu beweisen, dass sie selbst keine Schwächlinge sind, machen sie den als „SJW“ abgestempelten Zeitgenossen dann zusammen fertig. Zumindest versuchen sie es.

So, und nachdem ich so weit ausgeholt habe, komme ich nun auch zum eigentlichen Thema meines Essais: den Problemen anderer Leute. Es ist so, dass vor allem diejenigen als „SJW“ oder Gutmensch bepöbelt werden, die auch dann Mitgefühl mit anderen Menschen zeigen, wenn diese ein Problem haben, das sie selbst nicht von sich kennen. Arschlöcher hingegen brummen einfach „Wenn’s nicht mein Problem ist, ist es kein Problem“ in sich hinein und belehren als Nichtbetroffene dann Betroffene darüber, dass sie gar nicht betroffen sein können und dürfen, weil es schließlich kein Problem gebe.

Besonders häufig fällt mir das in Diskussionen zum Thema Rassismus, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung auf. Ich bin der Meinung, ich kann auch als weiße einsehen, dass es scheiße ist, aus reiner Rechthaberei darauf zu beharren „N****kuss“ statt „Schokokuss“ zu sagen. Zack, schon bin ich ein „SJW“. Ich denke auch, dass ich AKKs Karnevalsfrotzeleien über Menschen, die sich nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen können, total daneben finden kann, auch wenn ich selbst eine Cis-Frau bin. Boooaaaaah, was bin ich doch für ein Gutmensch! Ich kann auch den berüchtigten „Danke, dass du nicht Papa bist“-Edeka-Werbespot sexistisch und elterndiskriminierend und überhaupt nicht lustig finden, selbst wenn ich keine Kinder habe. Mannomann, ich habe ja wirklich ü-ber-haupt keinen Sinn für Humor und gehöre wahrscheinlich einfach mal wieder so richtig durch-ge-bumst, damit ich wieder etwas lockerer werde, nicht wahr?

Ganz ehrlich? DAS KOTZT MICH AN!!!!!

Ich bin es leid, dass so viele Menschen offenbar kein Mitgefühl mehr mit ihren Mitmenschen empfinden, wenn diese ein bisschen von der Norm abweichen. Das ist echt nicht einfach, wenn man nicht dem Durchschnitt entspricht, in welchem Bereich auch immer. Man muss sich viel häufiger für das rechtfertigen oder erklären, was man ist, man wird oft miss- oder gar nicht verstanden, man wird immer wieder von Arschlöchern gepiesackt und die erwarten auch noch Dankbarkeit dafür … das ist ätzend. Gut, wenn es einem gelingt, damit zurecht zu kommen und sich dagegen zu wehren, dann macht es einen innerlich stärker und man lernt sich im Laufe des Lebens immer besser kennen. Aber das kostet SO VIEL KRAFT und manchmal möchte man doch auch einfach nur dazugehören.

Ich kann einfach nicht verstehen, warum es so vielen Menschen anscheinend schwerfällt, das zu begreifen und einfach mal nett zu Leuten zu sein, ob sie einem selbst nun ähneln oder ein bisschen anders sind. Das hat man sich ja schließlich nicht ausgesucht, von der Norm abzuweichen. Ich hab mir zum Beispiel ganz bestimmt nicht ausgesucht, sensibler und klüger als der Durchschnitt zu sein. Ja, klingt arrogant, weiß ich auch … aber ist halt so.

Soll ich mich jetzt jedem Arschloch gegenüber dümmer und plumper geben, als ich bin, damit sein fragiles Selbstwertgefühl, das nur darauf beruht, Probleme anderer Leute als nichtexistent abzuwatschen und sich mit anderen Arschlöchern zusammenzurotten, keine Kratzer im Lack bekommt? Das sehe ich nun überhaupt nicht ein. Trotzdem ist mir klar, dass es sich bestimmt leichter lebt, wenn man weniger Mitgefühl mit anderen hat und einem die Dummdreistigkeit von Arschlöchern nicht weiter auffällt, weil man zu ihnen dazugehört. Aber so bin ich nun mal nicht.

Ich will nicht sagen, dass jeder normale Durchschnittsmensch ein Arschloch ist. Bitte versteht mich da nicht falsch. Aber normale Durchschnittsmenschen, die die Probleme nichtdurchschnittlicher Menschen als nichtexistent verurteilen, obwohl sie gar nicht wissen, wie das ist, in deren Haut zu stecken … das sind Arschlöcher. Und die werden von mir auch in Zukunft mit meiner geballten Klugscheißer-Power aufs Höflichste darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich schlecht benehmen. Es kommt nämlich niemand als Arschloch auf die Welt, sondern das ist eine Frage des Verhaltens – und das kann man ändern.


Und, mischt ihr euch manchmal in Diskussionen um Probleme ein, die euch streng genommen nicht selbst betreffen, weil euch das unfaire Verhalten der Pöbelarschlöcher auf den Zeiger geht? Wurdet ihr deswegen schon mal als „SJW“ oder „Gutmensch“ verhöhnt? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

Essai 182: Über die Schreckensherrschaft der Wüteriche

1. Juli 2018

Wenn man jemand ist, der gern Ärger vermeidet, kann man sich schon mal auf ein Leben voller Kompromisse einstellen, die zu den eigenen Ungunsten ausfallen. Ich weiß das, weil ich selbst zu diesen konfliktscheuen Harmoniejunkies gehöre. Und nein, ich bin nicht stolz darauf.

Das Problem ist, dass es manche Menschen gibt, die kein Problem damit haben, immer ein Theater zu machen, wenn etwas nicht nach ihrem Willen läuft. Und hat man sich ersteinmal einen Ruf als Wüterich erarbeitet, dann machen die meisten Menschen das, was man will, ohne dass man erst einen cholerischen Anfall simulieren muss.

Das lässt sich zum Beispiel in Familien gut beobachten. Oft gibt es ein bestimmtes Familienmitglied, das es sich zur Gewohnheit gemacht hat, stets einen Tobsuchtanfall zu bekommen, wenn irgendwer nicht nach seiner Pfeife tanzt. Aber generell gibt es in jeder größeren Gruppe einen solchen Kandidaten.

Und dann machen alle anderen lauter Sachen, auf die sie eigentlich nicht die geringste Lust haben, nur um nicht schon wieder angeschrien zu werden. Der Wüterich hingegen gewöhnt sich daran, dass er so viel Macht über die anderen ausübt.

Wie aber kann man diese Dynamik durchbrechen? Denn eigentlich fühlt sich ja niemand so wirklich wohl dabei, nehme ich an. Jedenfalls nicht die ganzen aufgescheuchten Hühner, die ihr Bestes geben, im vorauseilenden Gehorsam die Wünsche und Bedürfnisse des Cholerikers zu erfüllen, in der Hoffnung, dass er einigermaßen friedlich bleibt. Wie sich der Choleriker bei dem ganzen Theater fühlt, kann ich nicht beurteilen – auf dieser Seite der Macht stand ich einfach noch nie. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass einen das auf Dauer glücklich macht, wenn man zwar die Ehrfurcht seiner „Untergebenen“ genießt, aber gar nicht weiß, wie das geht, mal selbst einen Kompromiss einzugehen, gleichberechtigt zusammenzuarbeiten und es einfach zu genießen, dass nicht ständig Gewitterwolken über den Köpfen hängen.

Bloß denke ich, dass der Brüllaffe gar nicht weiß, wie Nachgeben funktioniert, weil das immer nur die anderen machen. Man wird also wohl als eingeschüchterter Konfliktvermeider hin und wieder aufmucken müssen. Ab und zu freundlich, aber bestimmt, eine Forderung des Wüterichs ablehnen (am besten dann, wenn man diese wirklich nicht erfüllen kann und will, dann fällt es leichter, überzeugt zu wirken) – dann merkt er, dass man sich nicht so einfach herumscheuchen lässt. Und vielleicht, wenn man das oft genug gemacht hat und andere mitziehen, lässt sich der Choleriker bändigen.

Ob’s funktioniert, weiß ich nicht. Ich nehme mir das zumindest vor 🙂 Das Komische ist, immer, wenn ich mir vornehme, mir ein bestimmtes Verhalten nicht mehr gefallen zu lassen, und dann entschlossen darauf warte, dass sich eine entsprechende Situation ergibt, um meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen – dauert es ewig, bis wieder eine solche Situation eintritt. Und bis dahin ist diese „Mir reicht’s jetzt, nächstes Mal gibt’s aber richtig Stress!“-Stimmung auch schon wieder verpufft. Aber, wie heißt es doch so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und, wie sind eure Erfahrungen mit Menschen, die jeden Ärger vermeiden wollen, und solchen, die ständig Ärger provozieren, um ihren Willen durchzusetzen? Gehört ihr mehr zu den Wüterichen? Oder mehr zu den Harmoniejunkies? Ich bin gespannt!

Essai 181: Über Weihnachten und wie man es für alle ruiniert

26. Dezember 2017

Weihnachten – das Fest der Liebe, des Friedens und der Freude. Zumindest für die meisten von uns und auch für mich. Normalerweise verlaufen unsere Weihnachtsfeste sehr harmonisch und wir verstehen uns in der Familie gut, jeder gibt sich Mühe, es sich miteinander möglichst schön und gemütlich zu machen.

Sagte ich „jeder“? Nun, das stimmt nicht ganz. Eine bestimmte Person in der Verwandtschaft kann irgendwie nicht anders, als Weihnachten für alle zu ruinieren. Für all diejenigen dort draußen, die es ihr gleichmachen wollen, gibt es hier jetzt ein paar Tipps.

1. Lade dich ungefragt bei Leuten ein, die du eigentlich nicht ausstehen kannst

Besagte Person kann Menschen im Allgemeinen und ihre große Schwester (meine Mutter) sowie ihre Nichten (meine Schwester und mich) im Besonderen eigentlich gar nicht leiden. Mein Vater betüddelt und tröstet sie immer, wenn sie mal wieder irgendeinen Pups quer sitzen hat, und meine Mutter geht bis an die Grenzen ihrer Kräfte, um Madame glücklich zu machen. Vielleicht kommt sie deswegen dann doch gern zu uns, um sich Bestätigung abzuholen oder keine Ahnung was.

Jedenfalls, sonst lädt sie sich nur für ein paar Tage über Silvester ein. Dann muss man sie nicht so lange ertragen und für die kurze Zeit kann man sich dann mit ein paar Mal tief durchatmen und sich mantraartig in Gedanken vorsagen „heute ist ein wunderbarer Tag“ soweit beruhigen, dass man keinen Wutanfall bekommt und sich um seinen Blutdruck sorgen muss. Und vor allem versaut sie einem dann nicht Weihnachten.

Dieses Jahr hat sie sich aus unerfindlichen Gründen dazu entschlossen, uns 10 (!) Tage mit ihrer Anwesenheit zu beglücken, also einen Tag vor Heiligabend bis einen Tag nach Neujahr. Wir hatten alle gedacht, dass sie vielleicht gerade eine Hochphase hat und mit ihrem Leben gerade nicht komplett unzufrieden ist, sodass ihr langer Aufenthalt nicht allzu schlimm wird. Na ja, aber wenn das ihre Hochphase ist, … Auweia.

2. Vergifte die Atmosphäre mit deiner Scheißlaune

Mein Freund und ich waren nur Heiligabend und den ersten Weihnachtstag vormittags da. Ich dachte, die kurze Zeit würde es schon gehen. Und schließlich hätte sie sich ja nicht für 10 Tage bei meinen Eltern eingeladen, wenn sie unerträglich gelaunt wäre, oder? Mein Optimismus verpuffte dann jedoch, sobald wir das Wohnzimmer betraten. Da saß sie dann zusammengesunken, mit hängenden Schultern und Mundwinkeln und strahlte ihren ganzen Missmut, ihre Bitterkeit und Menschenhass in die Gegend aus.

Gut, ich versuche dann immer, mich davon nicht zu sehr herunterziehen zu lassen, wenn andere eine Scheißlaune haben. Aber das schaffe ich nur mit Mühe und es zehrt an meinen Nerven. Ich probiere dann, mir zu sagen, dass das nicht persönlich gegen einen von uns gerichtet ist, sondern dass sie alle gleichermaßen wie Dreck behandelt.

Das ist so eine Art umgeleitete, passive Aggression. Sie ist unglücklich, gleichzeitig aber auch unfähig, ihren eigenen Anteil daran zu sehen, sondern sie ist überzeugt, dass alle anderen daran Schuld sind – und dafür büßen müssen. Für direkte Aggression ist sie aber zu faul und zu feige, deswegen wählt sie die passive Variante: Sticheln, Schmollen, emotionale Erpressung, andere zur Weißglut treiben, die ganze Palette.

Es funktioniert im Übrigen ganz hervorragend. Man hat tatsächlich ein quälend schlechtes Gewissen, dass man dieses arme Geschöpf, dem das Leben so übel mitgespielt hat, das überhaupt gar nichts dafür kann, dass es allein ist, dann auch noch so fies behandelt. Und dann macht man natürlich alles, was sie von einem verlangt oder unausgesprochen erwartet, in der (vergeblichen) Hoffnung, ihr doch ein kleines bisschen Glücksgefühl zu verschaffen. Spoiler: Das wiederum funktioniert nicht.

3. Gehe Leuten auf die Nerven, die gerade etwas spielen

Zum Glück begab sie sich dann in den Mittagsschlaf, nachdem sie übellaunig unsere freundliche Begrüßung über sich hatte ergehen lassen. Und – doppeltes Glück – der Mittagsschlaf dauerte fast 3 Stunden. Genug Zeit also, um sich mal in Ruhe mit den anderen Familienmitgliedern zu unterhalten, ohne dass sie beleidigt dazwischenquakt, weil es mal kurz nicht um sie geht. Und dann blieb sogar noch Zeit, „Siedler von Catan“ zu spielen.

Mitten in der zweiten Runde, es war gerade ziemlich spannend, weil meine Schwester soeben meinem Freund die Bonuspunkte für die längste Handelsstraße abgeluchst hatte, kam sie dann wieder herunter. Erst hegte ich die zarte Hoffnung, ihre Laune habe sich durch den Mittagsschlaf verbessert. Vergebens. Wobei – ein kleines bisschen weniger wehleidig war sie dann doch, dafür aber nicht minder garstig.

Jedenfalls sah sie uns alle da sitzen und friedlich miteinander spielen, da tigerte sie um den Tisch herum und gab unausgesprochen, aber unmissverständlich, zum Ausdruck, dass sie sich langweilte. Dann lief sie auch hinter uns auf und ab und atmete uns ihre Missbilligung darüber in den Nacken, dass wir es wagten, ohne sie Spaß zu haben. Weil uns das aber noch nicht vom Spielen abhielt, plärrte sie dann dazwischen: „Wann essen wir?“ oder „Was ist das denn für ein Spiel?“ oder „Braucht ihr noch lange?“

Aber auch das ertrugen wir alle mit der Geduld eines Zen-Meisters.

4. Ignoriere beim Essen sämtliche Tischmanieren

Schließlich gaben wir nach (wie immer) und unterbrachen unsere Partie, um zu essen. Meine Mutter hatte für meine Schwester und mich extra ein bisschen Soße ohne Pilze beiseite gepackt, weil wir die nicht so gern mögen. Meine Tante ignorierte den Hinweis „So, hier ist die Soße für euch beide“ und goss sich einfach mal die Hälfte davon auf ihren ansonsten leeren Teller. Unnötig hinzuzufügen, dass noch längst nicht alle am Tisch saßen.

Dann wollte ich mir gerade Kartoffeln nehmen, da verlangte sie selbige. Ich als artige Nichte, die keinen Streit will, gab ihr die Kartoffeln, wovon sie sich dann auch großzügig in ihre Soßenpfütze schaufelte. Als die Kartoffelschüssel einmal um den Tisch herum war, habe ich dann doch noch welche abbekommen, also alles gut, aber trotzdem. Man kann doch echt mal ein wenig höflich sein und fünf Minuten warten, bis man dran ist, anstatt gleich alles an sich zu reißen.

Als ihr Teller voll war, schlang sie alles laut schmatzend in sich hinein und kümmerte sich auch überhaupt nicht darum, sich fürs Kochen bei meiner Mama zu bedanken oder zu warten, bis alle was hatten oder sonst irgendwas, was sich an Tischmanieren eigentlich so gehört. Aber das reichte ihr anscheinend noch nicht.

5. Stelle indiskrete Fragen ohne jeden Grund

Also funkelte sie mich abschätzend an und fragte aus heiterem Himmel, ob mein Freund und ich schon ein Baby hätten. Dies verneinte ich, leicht irritiert über die Dämlichkeit dieser Frage, schließlich hätten wir ein vorhandenes Baby ja wohl mitgebracht. Sie ließ aber nicht locker. Nach meinem lapidaren „Nö“ musterte sie uns beide und fragte, wie alt wir denn seien. Ich: „35.“ Daraufhin sagte sie dann im gespielt vertraulichen Ton: „Ja, dann müsst ihr langsam mal ein Baby machen!“ – Fürs Protokoll: Sie hat keins.

Keine Ahnung, warum sie dieses Thema plötzlich anschnitt, das hat sie vorher nie gemacht. Vermutlich wollte sie gucken, wie sie mir eins reinwürgen kann, und meine biologische Uhr schien ihr ein geeignetes Thema. Da hat sie aber von sich auf andere geschlossen, denn ihr mag das Älterwerden was ausmachen, ich finde das eher spannend.

6. Sabotiere liebgewonnene Weihnachtstraditionen

Schließlich ging es an die Bescherung. Wir machen das in unserer Familie traditionell immer so, dass die jüngere Generation (also meine Schwester und ich inklusive Anhang) abwechselnd aufsteht, ein Geschenk auswählt und in die Runde fragt, für wen das ist. Dann lässt man den Beschenkten in Ruhe auspacken, unterhält sich danach noch kurz über das Geschenk, dann erst wird das nächste geholt.

Meiner Tante ging das nicht schnell genug. Ohne ein Wort zu sagen, wühlte sie sich durch den Geschenkeberg und knallte jedes Geschenk der entsprechenden Person – ohne diese eines Blickes zu würdigen – auf den Schoß. Dabei murmelte sie „Anonym“ vor sich hin, wenn ein Geschenk ohne Namen (den sie erkennen konnte) auftauchte. Das waren dann meine Geschenke, die ich nur dezent mit Namen versehen hatte, bzw. gar nicht, weil ich ja wusste, für wen die sind.

So entstand eine Unruhe, Hektik und Stress. Man konnte sich überhaupt nicht richtig anschauen, was man selbst und was die anderen bekommen hatten, weil man gleich schon das nächste Päckchen vor den Latz gepfeffert bekam. Man konnte sich auch überhaupt nicht über die Geschenke austauschen, sich darüber freuen und sich bedanken. Das ist meiner Meinung nach nicht Sinn der Sache.

7. Öffne anderer Leute Geschenke ohne zu fragen

Zu diesem Zeitpunkt schnaufte ich innerlich bereits wie ein Walross vor Zorn und musste mich mit aller Kraft zusammenreißen, um sie nicht an die Wand zu klatschen. Aber im Gegensatz zu anderen Leuten sind meine Frustrationstoleranz und Impulskontrolle recht gut ausgeprägt. Außerdem wollte ich es meiner Mutter nicht noch schwerer machen, als es ohnehin schon war, indem ich ihre Schwester vor versammelter Mannschaft zusammenfalte.

Dann fing sie aber an, ein „anonymes“ Geschenk nach dem anderen aufzureißen und mir („Da nimm“) in die Hand zu drücken – und dann reichte es mir.

8. Jemand reagiert verärgert auf dein Arschlochverhalten? Fang an zu flennen

Ich schoss vom Sofa empor, stürmte nach vorne und nahm ihr die „anonymen“ Geschenke aus der Hand. Sie guckte mich tief verletzt ob meiner Grobheit an wie ein getretener Hund und maulte: „Muss man halt mal die Namen draufschreiben“. Ich schnauzte: „Ich HABE die Namen draufgeschrieben. So. Das ist noch für Mama, das ist für Papa und jetzt ist gut.“ (Allerdings muss ich hinzufügen, dass mein „Schnauztonfall“ immer noch ziemlich freundlich klingt. Man erkennt nur, dass ich innerlich bis zum Anschlag gereizt bin, wenn man mich genau kennt und mein Verhalten im sonstigen Kontext betrachtet. Ansonsten klingt es einfach nur resolut.)

Dann packten wir – die Stimmung war hoffnungslos im Keller, aber dennoch versuchten wir, das Beste draus zu machen – die letzten Geschenke aus, unterhielten uns noch ein wenig – da fing sie plötzlich an zu schluchzen. Heulte sich die Seele aus dem Leib, sagte aber nicht, was denn verdammt noch mal jetzt schon wieder falsch war meine Fresse. Stand dann wortlos auf und ging in ihr Zimmer. Stampfte dort noch ein wenig hin und her. Knallte die Badezimmertür zu. Stampfte zurück in ihr Zimmer und legte sich dann (endlich!) schlafen.


So, wenn man sich an diese Vorgehensweise hält, kann man sicher sein, dass man allen anderen die Stimmung vermiest und es der Familie an Weihnachten zumindest vorübergehend genauso scheiße geht, wie man sich selber fühlt. Und das Beste ist: Man selbst ist nicht Schuld. Man kann überhaupt nichts dafür. Schließlich sind es ja die anderen, die einen dazu genötigt haben, sich wie ein asoziales Riesenarschloch zu benehmen, weil … darum. Die anderen sind halt immer gemein und so. Und dann pflaumen sie einen auch noch an, obwohl man gar nichts gemacht hat. Und bemitleiden einen noch nicht einmal, wenn man strategisch losflennt.

Grummel. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie man solche Szenarien künftig verhindern könnte. Man müsste halt selbst zu unlauteren Mitteln greifen und meine Tante anlügen, dass Weihnachten bei uns keiner zu Hause ist. Problem: Wir sind in unserer Familie alle miserable Lügner. Oder man faltet sie mal so richtig zusammen (nicht so ein Mini-Wutausbrüchlein wie bei mir) und haut ihr einfach ihr ganzes Scheißbenehmen ehrlich um die Ohren. Dann ist sie vielleicht so nachhaltig beleidigt, dass sie sich im Folgejahr nicht wieder selbst einlädt.

Und, was sind so eure Katastrophengeschichten von Weihnachten?

Essai 179: Über Schweigen und Nichtreagieren in Konfliktsituationen

21. Oktober 2017

Normalerweise bin ich nicht sooo nachtragend. Finde ich. Es ist meines Erachtens relativ schwierig, mich richtig wütend zu machen, und relativ einfach, sich hinterher wieder mit mir zu vertragen. Es gibt im Grunde nur eine Sache, die man tun muss, um garantiert alles schlimmer zu machen, und das ist: nichts. Mich macht es kirre, wenn ich mir alle Mühe gebe, eine Meinungsverschiedenheit oder sonstigen Konflikt zu klären, und mein Gegenüber schweigt und ignoriert mich komplett. Wie soll man denn zu einem Kompromiss oder einer Einigung kommen, wenn ich nur meine Sicht der Dinge kenne, von der anderen Perspektive aber einen Scheiß erfahre?

Leider ist es ziemlich schwierig, das Menschen klar zu machen, die eine andere Konfliktlösungsstrategie als ich verfolgen. Wenn ich mich mit jemandem streite, will ich das so schnell wie möglich lösen, damit wir uns wieder versöhnen und den Streit zu den Akten legen können. Generell ticke ich eher so, Unangenehmes schnell hinter mich zu bringen, es abzuhaken, und mich dann wieder den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Ansonsten kann ich nicht richtig abschalten, weil mir das Unangenehme die ganze Zeit wie ein Damoklesschwert über dem Kopf schwebt.

Dann gibt es aber noch die – sagen wir – Vogel-Strauß-Konfliktlöser. Sie stecken einfach den Kopf in den Sand und hoffen, dass das Unangenehme sich von selbst löst, bevor sie wieder auftauchen. Oft neigen sie generell zum Prokrastinieren (Aufschieben) und erledigen Unangenehmes – wenn überhaupt – auf den letzten Drücker, lassen Unordnung sich erst anhäufen, bevor sie aufräumen und sitzen Konflikte und Streitsituationen einfach aus. Und da frage ich mich, ob das wirklich jemals funktioniert hat? Muss es ja eigentlich, sonst würden sie es ja anders machen …

Na jedenfalls, ich versuche wirklich, Verständnis dafür aufzubringen, wenn jemand anders mit Konflikten umgeht als ich. Aber diese Vogel-Strauß-Strategie ist so total unlogisch und ineffizient, überhaupt nicht vorausschauend gedacht. Dabei ist es doch viel einfacher, man klärt ein Missverständnis gleich auf, bevor es überhaupt erst zu einem Streit mutiert. Man spart sich auch jede Menge Nervkram und Arbeit, wenn man Unordnung gar nicht erst entstehen lässt, und Sachen, die man benutzt, im Anschluss wieder an ihren Platz stellt. Das ist doch mit Rechnungen zum Beispiel genauso. Wenn man sie gleich bezahlt, ist alles fein. Wenn nicht, kommen mit der Zeit noch Mahnungen und Zinsen dazu und man muss mehr bezahlen als ursprünglich.

Das ist doch nun wirklich keine sonderlich zweckdienliche Vorgehensweise. Gut, manchmal geht’s nicht anders, aber was ich halt nicht verstehe, ist, wenn man prinzipiell und grundsätzlich diese Wenn-ich-das-Problem-nur-lange-genug-ignoriere-löst-es-sich-bestimmt-von-alleine-in-Wohlgefallen-auf-ohne-dass-ich-mich-dafür-anstrengen-muss-Strategie anwendet. Das regt mich echt auf. Und ja, schon klar, ich höre mich gerade wie der übelste Streber-Klugscheißer-Korinthenkacker an, aber ich hab ja wohl einfach recht, da kann ich doch nichts für.

Es ist nun mal eben langfristig betrachtet viel angenehmer und einfacher, Nervkram so schnell wie möglich zu erledigen, anstatt ihn sich anhäufen zu lassen. Sonst steht man da vor diesem Riesenberg an unangenehmem Zeug, und denkt sich: „Puh. Wo soll ich da jetzt anfangen?“ oder „Auweia, wie konnte es denn soweit kommen?“ – Da ist doch die Hürde plötzlich viel größer, vielleicht sogar zu groß, um sie zu überwinden. Und das ist nun wirklich nicht schwierig, diese Konsequenz des Nichthandelns vorauszusehen. Weil. Das. Verdammt. Noch. Mal. LOGISCH!!! Ist.

Das gilt nicht nur für Rechnungen, doofe Haushaltstätigkeiten, Hausaufgaben oder Arbeitskram, sondern auch für Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse in Beziehungen. Wenn man sich größere Streitereien und lästige Grundsatzdiskussionen und peinliche Beziehungsgespräche ersparen will (und wer will das nicht?), ist es besser, man redet kontinuierlich miteinander. Das heißt nicht, dass man ständig plaudern und plappern muss, das ist ja auch nicht jedermanns Sache. Aber wenn was ist, sollte man das einfach gleich sagen, bevor es einen so sehr stört, dass man es nicht mehr ertragen kann.

Zum Beispiel hatte ich neulich eine zunächst kleine Differenz mit meinem Freund. Normalerweise verstehen wir uns prima und können auch mal nicht reden und es ist trotzdem alles gut. Wir löchern uns jetzt nicht dauernd gegenseitig und bereden auch nicht jeden Pups. Nun war er aber für fast zwei Wochen weg und wir konnten nur übers Handy kommunizieren. Ich hasse telefonieren, weil ich nie weiß, ob mein Anruf nicht gerade nervt, also schreibe ich lieber.

Ich hatte ihm ein Foto meiner neuen Kameratasche für meine neue Kamera geschickt und mich darüber gefreut, dass sie so gut passt. Daraufhin meinte er sinngemäß, klasse, dann kann ich sie ja auf die nächste Reise mitnehmen. Ich dachte erst, das wäre ein Scherz, wies aber vorsichtshalber darauf hin, dass ich meine neue Kamera in dem Zeitraum gern selbst ausprobieren möchte. Darauf er, das muss ich erst klären, eventuell muss ich meine eigene Kamera hierlassen. Und dann war ich sauer. Weil ich dachte, was soll denn das, wieso klärt er das nicht erst mit mir, ob er meine Sachen ausleihen kann, und überlegt dann, ob er seine eigene Kamera verleiht?

Dummerweise bin ich nicht sehr geübt darin, wütend zu sein, wie gesagt, das passiert mir nicht so oft. Also habe ich ihm mitten in der Nacht eine ellenlange Schimpftirade geschickt, die inhaltlich aussagen sollte, klär das bitte erst mit mir, wenn du meine Sachen brauchen könntest. Aber das war zugegebenermaßen in ziemlich viele und sehr wütende Worte verpackt. Daraufhin wurde er erst einsilbig. Und dann, als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, und zu dem Schluss kam, vielleicht ein kleines bisschen überreagiert zu haben, habe ich mich entschuldigt. Und dann kam das große Schweigen.

So, mittlerweile haben wir uns „ausgesprochen“ (dieser Ausdruck weckt in mir einen Widerwillen, das klingt so nach Beziehungskrisengespräch, Bäh!) und es hat sich herausgestellt, dass ich ihn offenbar missverstanden habe. Warum hat er das denn dann nicht gleich gesagt? Er hätte doch einfach nur zu schreiben brauchen, nach meiner Schimpftirade, Hoppla, da ist wohl etwas in den falschen Hals geraten, gemeint war das-und-das. Zack. Sache geklärt, Konflikt gelöst, alle sind zufrieden.

Angenommen, ich habe ihn mit meinem Wortschwall so überrollt, dass er quasi unter Schock stand und deswegen so einsilbig reagiert hat. Spätestens nach meiner Entschuldigung hätte er doch einfach nur zu sagen brauchen, ja, da haben wir uns wohl missverstanden, mir tut’s auch leid, hab dich lieb – und schon wäre wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Aber stattdessen schweigt er und reagiert gar nicht. Und überlässt mir die Interpretation, was eine Scheißidee ist, weil meine hyperaktive Fantasie sonstwas in das Schweigen hineininterpretiert. Zum Beispiel, dass er beleidigt ist und mich bestrafen will, dass das irgendsoein blödes Machtspiel ist, um mich in meine Schranken zu weisen, dass er mich nicht mehr mag und sich längst eine Neue gesucht hat, dass er heimlich als Agent oder Auftragskiller arbeitet und gerade in Schwierigkeiten steckt, …

Schweigen ist finde ich einfach das Fieseste, was man machen kann in einer Konfliktsituation. Ich kann halt auch dieses „Ja, ich wusste nicht, was ich dazu sagen soll“ nicht nachvollziehen. Irgendwas wird man doch wohl von dem halten, was ich geschrieben oder gesagt habe. Und das kann man dann doch einfach ohne Vorwürfe sagen, dann kann ich wiederum schauen, was ich davon halte. Und entweder es stellt sich heraus, dass einer von beiden recht hatte, dann sehe ich kein Problem darin, das auch so zu sagen. Oder beide Standpunkte haben ihre Daseinsberechtigung und ihre sinnigen Argumente, dann trifft man sich halt in der Mitte.

Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Was meint ihr dazu?

Essai 177: Über die angemessene Reaktion auf nicht lustige Witze

12. August 2017

Alles in allem betrachtet, bin ich leider völlig humorlos. Das ist überhaupt nicht lustig, weil es echt Nerven kostet, die vielen schlechten Witze und lästigen Verarschungsversuche meiner Mitmenschen zu ertragen, wenn mir dafür einfach komplett das Humorverständnis fehlt.

Wenn ich zum Beispiel in einem Gruppenchat eine klare Frage stelle, auf die ich eine klare Antwort mit einer bestimmten Information erhalten möchte, dann stellt es meine Geduld wirklich auf eine extrem harte Probe, wenn irgendwelche Scherzbolde dazwischenhupen. Dann geht meine – völlig unmissverständlich formulierte, einfach zu beantwortende – Frage unter den Frotzeleien unter.

Das führt dazu, dass ich meine Frage noch mal wiederholen muss, und ich hasse es, wenn ich mich wiederholen muss, obwohl es an meiner ursprünglichen Frage oder Aussage nicht viel misszuverstehen gab. Es sei denn natürlich, man greift sich ein Mini-Detail heraus und spitzfindet und haarspaltet was das Zeug hält, um witzig zu sein und den ganzen Laden aufzuhalten.

Nun will ich aber trotzdem nicht gemein sein, wenn jemand mich mit seinem Herumgewitzel nervt, und das stellt mich vor ein echtes moralisches Dilemma. Was ist denn bloß die sozial angemessene Reaktion auf Witze, die man überhaupt nicht lustig findet? Es ist ja nicht so, dass ich die Absicht witzig zu sein nicht bemerke. Das schon. Wenn jemand ironisch, sarkastisch oder spöttisch ist, aus Spaß irgendwas Dummes oder Selbstverständliches sagt, dann bin ich intellektuell durchaus in der Lage, es als „Witz“ zu identifizieren.

Aber genausowenig wie „gut gemeint“ das Gleiche wie „gut“ ist, ist „witzig gemeint“ immer das Gleiche wie „witzig“. Und manchen Leuten scheint das Feingefühl zu fehlen, um intuitiv zu spüren, wann ein Witz gerade angebracht ist, und wann er einfach nur allen anderen auf den Wecker fällt. Andere spüren das schon, sind aber von der Sorte „Lieber einen Freund verlieren, als eine Pointe zu verpassen und apropos, meinen Humor kann man bequem unter der Tür durchschieben. Höhöhö.“ und die sind nicht in der Lage, einfach mal die Fresse zu halten, wenn sich eine Gelegenheit bietet, sich mit einem blöden Spruch wichtig zu machen und vor allen aufzuplustern. Anstrengend.

Echt mal, das Leben an sich und zwischenmenschliche Kommunikation sind doch so schon kompliziert genug. Da muss man doch nicht noch mit unnützen Scherzen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, obwohl man zur Klärung des Sachverhalts überhaupt nichts Konstruktives beizutragen hat. Kann man nicht einfach nach dem Motto handeln: „Wenn du nichts Interessantes oder Sinnvolles zu sagen hast, dann sei still.“ Ist das wirklich so schwer? Man kann dann doch seine Energie und Spucke dafür aufbewahren, einen guten, lustigen Witz zu reißen, wenn es vom Kontext her passt.

Das Problem ist: Ich habe nicht nur keinerlei Sinn für Humor, ich lege auch noch großen Wert auf Höflichkeit, freundlichen Umgang miteinander und Harmonie. Ich will ja gern Toleranz für Anderswitzige aufbringen. Aber das kostet mich wirklich einiges an Selbstbeherrschung. Und das zehrt mit der Zeit an meinen inneren Energie- und Geduldreserven, die mir dann an anderer Stelle fehlen.

Allerdings muss man wohl damit leben, dass es immer wieder irgendeinen Kasper gibt, der allen unter die Nase reiben muss, was für einen riesengroßen Clown er gefrühstückt hat. Irgendeine sozial angemessene Reaktionsstrategie bräuchte ich also doch, die möglichst wenig nervlichen Aufwand kostet.

Ist es zum Beispiel OK, wenn ich die Frotzeleien einfach ignoriere und stur meine Frage wiederhole? Oder ist es sehr unhöflich, wenn ich den Scherzcharakter der lustig gemeinten Sprüche nicht mit Aufmerksamkeit würdige?

Oder darf ich mit Ehrlichkeit reagieren und die Witzbolde mit einem „Alter, wenn du nichts zu sagen hast, dann halt die Klappe und lass die Erwachsenen ihren Kram in Ruhe regeln!“ in ihre Schranken weisen? Das kann man doch eigentlich nicht machen, oder? Schließlich war das ja nicht böse gemeint und die wollen bloß spielen. Außerdem will ich halt auch nicht wie ein Arschloch dastehen.

Ich tendiere daher zu der Strategie, das Herumgewitzel zu ignorieren. Was ist eure Meinung dazu?

Essai 174: Über grundlose Unhöflichkeit

2. Juli 2017

Beim besten Willen kann ich nicht nachvollziehen, warum manche Menschen unfreundlich zu Leuten sind, die ihnen gar nichts oder sogar etwas Nettes für sie getan haben. Da bin ich vielleicht auch etwas dogmatisch, ich weiß es nicht. Aber meiner Meinung nach gibt es keinen Grund, unhöflich zu sein, wenn der andere sich nicht wie ein Riesenarschloch aufführt. Und selbst, wenn jemand sich wie ein Riesenarschloch aufführt, sollte man höflich sein, weil man sich ja nicht zwingend auf dieses Arschloch-Niveau herabbegeben muss.

Genaugenommen gehe ich sogar soweit, zu behaupten, dass generell niemand unhöflich sein muss. Es gibt zwar manchmal begriffstutzige Vollpfosten, die völlig wahrnehmungsgestört und ich-bezogen sind, und die nicht kapieren, dass sie sich scheiße benehmen, sofern man sie nicht im Kasernentonfall anschnauzt und zusammenfaltet. Aber die haben dann ja angefangen. Sprich: Wenn die sich nicht unhöflich und achtlos verhalten hätten, gäbe es nichts, weswegen man sie anpflaumen müsste. Und für ihr ursprünglich pampiges Gebahren gibt es meines Erachtens keine Entschuldigung.

Sicher, manchmal hat man einen Pups quer sitzen, ist mit dem falschen Fuß aufgestanden oder PMS-bedingtes Hormongeschwurbel verhagelt einem die Laune (an die Herren: In diesem Fall ist davon abzusehen, eure Herzensdamen zu fragen, ob sie ihre Tage haben, wenn sie gereizt sind). Dann ist es verständlich und menschlich, wenn man etwas mürrisch ist und einem der Tonfall ein wenig harsch gerät. Aber dann kann man sich doch kurz entschuldigen, damit der andere weiß, es liegt nicht an ihm. „Sorry, heute ist echt nicht mein Tag“ oder sowas in der Art, das reicht dann ja schon, wenn man andere versehentlich brüskiert hat.

Was ich auch nicht verstehe – und es macht mich fuchsig, wenn ich was nicht verstehe – wenn Menschen grundsätzlich unhöflich und unfreundlich zu allen anderen sind. Die so eine Grundhaltung an den Tag legen, dass alle anderen immer alles falsch machen und das mit voller Absicht, nur um sie zu ärgern. Die davon ausgehen, dass alle ihnen Böses wollen. Die sich nicht vorstellen können, dass andere vielleicht Besseres zu tun haben, als jede Sekunde ihres Daseins mit Komplotten und perfiden Betrugsplänen zu verplempern, um dieser einen Person zu schaden.

Da kann man noch so aufrichtig freundlich und wohlwollend auf diese Menschen zugehen, sie finden immer irgendeinen subjektiven Vorwand, um einen auf den Schlips zu treten. Gut, es kann sein, dass dieser garstigen Grundhaltung ein langes Leben voller Gefühle der Einsamkeit, Enttäuschung und des Ungeliebtseins vorangegangen ist. Das tut mir ja auch leid. Aber trotzdem kann man sich ja wohl Leuten, die einem nichts getan haben, gegenüber zusammenreißen. Und wenn man das nicht kann, sollte man eine Psychotherapie in Erwägung ziehen. Ist ja nichts dabei, sich professionelle Hilfe bei Problemen zu holen, die man alleine nicht geregelt bekommt. Wenn man einfach weiterhin alle wie Dreck behandelt, nur weil man sich selbst wie Dreck fühlt, wird die eigene Situation nur noch schlimmer.

Früher oder später hat da nämlich keiner mehr Lust zu, sich ständig von jemandem, der den lieben langen Tag nur in seiner eigenen Galle versumpft und die ganze Welt außer sich selbst dafür verantwortlich macht, dass er sich schlecht fühlt, als Frustableiter missbrauchen zu lassen. Und dann ist derjenige wirklich einsam. Und hat dann niemanden, der ihm ab und zu mal den Spiegel vorhält, Grenzen aufzeigt, und sagt: So, jetzt reicht’s aber.

Aber vielleicht stelle ich mir das auch alles viel zu einfach vor. Ich gebe zu, ich kann mir das schwer vorstellen und mich da nicht hineinversetzen, wenn man so chronisch verbittert ist. Mich kostet es zugegebenermaßen überhaupt keine Mühe, freundlich und höflich zu meinen Mitmenschen zu sein. Klar, manchmal bin ich aus Versehen ein achtloser Paddel, und mache irgendwas, was andere verletzt, ohne es in dem Moment zu merken. Dann bin ich von meinem Selbstbild her überzeugt, dass ich voll nett war, aber in Wirklichkeit hat mich der andere als Arsch empfunden. Das habe ich noch nicht ausklamüsert, wie sich so etwas vermeiden lässt. Ich hoffe einfach, dass man mich in solchen Situationen sachlich darauf hinweist, dass ich was Blödes gemacht habe, damit ich mich entschuldigen und versuchen kann, es wieder gut zu machen.

Doch wenn jemand ständig scheiße zu allen ist, das kann ich nicht nachempfinden. Ich kann auch diesen falschen Stolz, der solche Leute daran hindert, sich Hilfe zu holen, um Probleme zu lösen, die sie alleine nicht in den Griff bekommen, nicht nachvollziehen. Gut, es gibt manche psychische Erkrankungen, die für Antriebslosigkeit sorgen, und es für Betroffene unheimlich schwer machen, eine Therapie anzufangen. Das ist dann noch mal was anderes. Aber ansonsten verstehe ich das nicht.

Was ich ebenfalls schwierig finde, ist der richtige Umgang mit solchen chronisch grundlos unhöflichen Zeitgenossen. Einerseits bin ich es allmählich leid, mein Seelenglück von solchen egozentrischen Stinkstiefeln vermiesen zu lassen. Dazu habe ich echt keine Lust mehr, ich bin jetzt Mitte 30 und langsam wirklich zu alt für diesen Scheiß. Die sollen sich entweder verdammt noch mal nicht so anstellen oder sich Hilfe suchen. Außerdem habe ich überhaupt nicht das professionelle psychologische Handwerkszeug, um solchen Leuten zu helfen. Andererseits habe ich aber ein schrecklich schlechtes Gewissen, weil ich ja niemanden im Stich lassen will, nur weil er ständig Scheißlaune hat und allen Menschen mit Misstrauen und Arroganz begegnet. Obwohl die das ja irgendwie nicht besser verdient haben, als dass ihnen die Freunde nach und nach davonlaufen.

Aber wenn sie alle Menschen gleichermaßen mies behandeln, ist es ja nicht persönlich gemeint, wenn sie bei mir keine Ausnahme machen. Und dann muss ich es doch eigentlich auch nicht persönlich nehmen … Allerdings sehe ich nicht ein, warum ich mich für Fieslinge aufreiben sollte, wenn es genug liebe, nette Menschen gibt, die meine Gesellschaft zu schätzen wissen und das ab und zu auch mal zeigen. Das muss ich doch nicht, oder?

Essai 168: Über Misologie und selbstgewähltes Arschlochtum

17. November 2016

Facebook-Diskussionen sind zum Glück ein nie versiegender Quell der Inspiration; dieses Mal geht es um den Begriff der Misologie, den ich im Zuge einer solchen Debatte entdeckt habe. Dabei handelt es sich laut Duden um eine starke Abneigung bis hin zu Hass gegen den Logos, also vernünftige, sachliche Auseinandersetzungen und Argumente. Ich habe so den Eindruck, damit bin ich auf ein Wort gestoßen, das absolut treffend das beschreibt, was auf dieser Welt schief läuft. Ein zeitgenössischer Trend ist es jedoch nicht, sondern – man rufe sich kurz Hexenverbrennungen oder von mir aus auch Jesus‘ Kreuzigung ins Gedächtnis – es scheint in der menschlichen Natur zu liegen, dem Logos grundsätzlich erst einmal zu misstrauen. Wie heißt es doch so schön? Niemand mag Klugscheißer. Isso.

In der entsprechenden Facebook-Diskussion ging es zunächst um Phobien, dann kam irgendwann die Frage auf, weshalb man denn bei Homophobie oder Xenophobie ebenfalls von einer krankhaften Angst spreche … schließlich hätten die Leute nicht in erster Linie Angst vor Homosexuellen oder Fremden, sondern seien schlichtweg Arschlöcher. Charakteristisch für eine Phobie ist ja, dass man wirklich Angst bis hin zu Panik vor etwas hat, obwohl man rational weiß, dass das unsinnig ist. Homophobe und Xenophobe hingegen haben einen starken Hass gegen Homosexuelle oder Fremde, sind jedoch davon überzeugt, dass das vollkommen rational sinnvoll und logisch begründet ist.

Neugierig wie ich bin, habe ich daraufhin kurz recherchiert, ob es nicht einen passenderen Begriff für solche Menschen gibt, die starrsinnig wider jede Vernunft darauf beharren, ihre Arschlochmeinung sei moralisch völlig legitim. Mir schwebte etwas mit der Vorsilbe „mis-“ oder „miso-“ vor, da ja Frauenfeindlichkeit Misogynie, Männerfeindlichkeit Misandrie, Kinderhass Misopädie und Menschenhass Misanthropie genannt wird. Dabei stieß ich letztendlich auf „Misologie“ und fand, das kam dem zumindest nahe. Schließlich hassen ja sowohl Homophobe als auch Xenophobe das, was sie als anders als sie selbst wahrnehmen.

Allerdings spielt Angst bei Hass schon eine Rolle. Bei einer Phobie weiß man jedoch, dass man Angst hat und weiß auch, dass es dafür eigentlich keinen Grund gibt. Bei Hass leugnet man vor sich selbst, dass man Angst hat, weil man sich nicht schwach und verletzlich fühlen will (wer will das schon?), und vor dieser Schwäche wiederum so viel Angst hat, dass man alles tut, um sie zu verdrängen und sich nichts anmerken zu lassen. Und dieses „alles“ bezieht dann auch die Angriff-ist-die-beste-Verteidigung-Taktik mit ein, wobei sich Betroffene dann so weit in ihre Paranoia hineinsteigern, dass sie überall Grund zur Verteidigung wittern – erst recht bei Dingen oder Menschen, die sie nicht sofort einschätzen können, weil sie anders sind.

Solche Misologen sind dann auch besonders anfällig für postfaktische Parolen pöbelnder Populisten (ich weiß, Alliterationen sind schlechter Stil, aber das bietet sich an dieser Stelle einfach an 😛 ). Das ist ja auch logisch (!), wer eine Abneigung gegen sachliche, vernünftige Argumente hat, bevorzugt das Gegenteil davon: Sündenböcke, am besten solche, die sich nicht wehren können als Schuldige, die dann an den Pranger gestellt werden – wahlweise und je nach Epoche und Kultur auch auf den Scheiterhaufen, aufs Schafott, unter die Guillotine, an den Galgen, auf den elektrischen Stuhl und was sich Menschen sonst noch so Feines ausgedacht haben, um sich wie Gott höchstselbst aufzuspielen und das Leben anderer Menschen zu beenden. Neben dem Sündenbock werden dann noch Katastrophenszenarien konstruiert, möglichst pompös und in einfachen Worten – die Zielgruppe will ja nicht erst über das Gesagte nachdenken müssen und auch die Populisten wollen tunlichst vermeiden, dass ihre Adressaten den hasserfüllten Scheißdreck hinterfragen, den sie ihnen so mühevoll vorgekaut haben.

Dabei wird absichtlich auch Angst geschürt, praktischerweise aber auch gleich ein einfaches Allheilmittel gegen die Furcht mitgeliefert, nämlich besagter Hass. Was mich wütend macht, ist, dass so viele Menschen dieses – wie ich finde – einfache Rezept so bereitwillig schlucken. Man müsste eigentlich nur kurz innehalten und den Populisten aufmerksam zuhören, ihre Parolen logisch auseinandernehmen und es bliebe nichts weiter übrig als heiße Luft, ausgefurzt von machtgeilen, gierigen Oberriesenarschlöchern, die diese ganzen „besorgten Bürger“, die frustrierten Abgehängten, als Wahlvieh missbrauchen, und sich darüber hinaus eine elende Mistkacke für sie interessieren. Man verzeihe mir meine Fäkalsprache, weil … ach … nur so.

Echt mal, glaubt zum Beispiel irgendeiner von den Dumpftröten, die Trump gewählt haben, dass der jetzt hingeht, dem Establishment in den verwöhnten Snobbyhintern tritt, Wohlstand, Jobs, Wohneigentum, Krankenversorgung, Bildungschancen und so weiter sozial gerecht unter allen Menschen aufteilt und dann mit seinem Schlitten und den Rentieren frohlockend und mit Glockengeläut zurück in den Himmel aufsteigt? Am Arsch! Gut, das hätte Hillary Clinton genausowenig gemacht, da muss man sich auch nichts vormachen. Und was die kriegstreiberische Außenpolitik angeht, wäre sie wohl auch nicht gerade zimperlich gewesen.

Aber das sind doch die eigentlichen Probleme: dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Dass die Armen immer weniger haben, die Reichen immer mehr. Dass die soziale Gerechtigkeit, so es sie denn überhaupt jemals gab, immer weiter kaputtgespart wird. Dass Bildung und Krankenversorgung kaputtgespart werden. Dass Kultur keine Sau interessiert. Dass sich Lobbyisten und Politiker gegenseitig beschenken, Nepotismus in den oberen Schichten alles schön in den eigenen Reihen belässt. Dass Banken mit Geld spekulieren, das sie sich ausgedacht haben. Dieser ganze neoliberale Irrsinn, der völlig außer Kontrolle geraten ist, und dass die Menschen aus der letzten Finanzkrise nichts gelernt haben. Dass Menschen auch aus den Weltkriegen nichts gelernt haben. Gier und Machtstreben, das ist das, was schiefläuft.

Aber nein, es ist ja so viel einfacher, gefühlte Wahrheiten und nachgeplappertes Hassgepredige von irgendwelchen Demagogen als Grundlage für seine heilige „Meinung“ zu nehmen, sich gegen jede Art von sachlichem Dialog und logischen Argumenten zu verschließen. In seinem eigenen Hass zu schwelgen und sich dabei stark zu fühlen, weil man mit seinem Hass und seiner Misologie nicht alleine ist. Dabei ist es möglich, dem zu widerstehen. Und ich bin der Ansicht, es ist sogar notwendig, dem zu widerstehen, nicht zum Arschloch zu werden, nur, weil man es kann und weil es im ersten Moment kurzfristig einfacher erscheint. Ansonsten werden keine Probleme gelöst, im Gegenteil, alles wird nur noch schlimmer. Und Gewinner gibt es am Ende keine.

Essai 166: Über Sprüche, die Introvertierte auf die Palme bringen

1. Oktober 2016

Meine Damen und Herren, herzlich Willkommen bei Isas Clickbaiting-Experiment! 10 Sprüche, die jeden Introvertierten sofort!!!111!1!!!einself!!1! auf die Palme bringen!!!1!! Bei Nummer 9 platzt mir immer garantiert die Hutschnur! Und Nummer 4 hat mich zum Heulen gebracht!

Aber im Ernst, ich weiß, jeder Introvertierte ist anders und sicher gibt es auch Leute, die sich nicht über die folgenden Sprüche aufregen, sondern sie gleichmütig zur Kenntnis nehmen oder als hilfreiche Ratschläge akzeptieren und umgehend in die Tat umsetzen. Mir persönlich gehen sie jedoch eklatant auf den Zeiger. Viel Spaß! Und lasst mich in den Kommentaren gern wissen, ob ihr meine Meinungen teilt oder findet, dass ich völligen Blödsinn verzapfe 😀

1. „Das Telefon klingelt“

Drrrinnng! Düdelüdelüdel! – DAS Geräusch aus der Hölle ist das Klingeln eines Telefons. Mein Handy habe ich meistens auf lautlos gestellt, aber leider kann man diesem grauenhaften Lärm nicht immer aus dem Weg gehen. In der heimlichen Hoffnung, der Anrufer möge bald aufgeben und mir eine Nachricht schreiben, die ich in Ruhe durchlesen kann, lasse ich das Telefon gern mal klingeln. (Einzige Ausnahme: Ich habe mich mit Freunden zum Telefonieren verabredet) Wenn dann jemand sagt „Das Telefon klingelt! Willst du nicht rangehen?“ finde ich das ganz furchtbar.

Natürlich habe ich gehört, dass das Scheißding herumdüdelt, ich bin nicht taub. Und nein, ich will nicht rangehen! Was, wenn der Anrufer irgendetwas von mir wissen will, was ich nicht beantworten kann? Dann stehe ich da und komme mir vor wie ein Idiot. Und das kann ich nicht leiden. Und außerdem kann doch derjenige, anstatt so eine scharfsinnige Beobachtungsmitteilung zu machen, ja auch selbst ans Telefon gehen. Ist doch wahr!

2. „Lass dir das doch nicht gefallen“

Gut, ich verstehe, das ist nett gemeint und soll mich aufbauen. Tut es aber nicht. Es ist nämlich so: Wenn ich mir etwas gefallen lasse von irgendwelchen Arschlöchern, dann schäme ich mich deswegen in Grund und Boden und fühle mich richtig dumm, dusselig und scheiße. Da ist das nicht hilfreich, wenn mir das jemand auch noch aufs Butterbrot schmiert und noch Salz in die Wunde streut und mir unter die Nase reibt, wie blöd und schwach ich bin. Nein, dann will ich einfach meine Ruhe haben, meine Wunden lecken, mich kurz selbst bemitleiden, bevor ich mich wieder aufrappel, mir den Staub von den Klamotten klopfe und wieder raus in die Welt gehe und mein Bestes gebe.

Wenn man in diesem Moment etwas Nettes tun möchte, kann man mir dabei gern Gesellschaft leisten und mir sagen, dass das echt voll gemein von diesen Fieslingen war (aber bitte so, dass ich es auch glauben kann). Aber irgendwelche herablassenden Handlungsaufforderungen, auf die ich ohnehin schon von selbst gekommen bin, machen es nur noch schlimmer.

3. „Du brauchst doch nicht schüchtern zu sein“

Ach so? Na, dann schnippe ich doch einfach mit dem Finger, stoße meine rotbeschuhten Hacken aneinander und – Zack – bin ich nicht mehr „schüchtern„. Warum hat man mir das nicht schon viel früher gesagt, wenn ich das eher gewusst hätte, was hätte ich da nicht alles erreichen können. Weh mir! Dass ich da nicht von selbst drauf gekommen bin!

So. Das ist auch so ein Spruch, der vom Sprücheklopfer selbst gut gemeint ist, aber mich richtig auf die Palme bringt. Es soll mich aufmuntern, mich ermutigen, ein Kompliment sein – und erreicht das komplette Gegenteil. Weil es suggeriert, dass ich zu doof bin, etwas an mir zu ändern, was allgemein gesellschaftlich als unerwünscht gilt. Kann man mir denn bitte einfach mal zutrauen, dass ich schon von alleine über meinen Schatten springe und meinen Hang zur Schüchternheit überwinde, wenn ich es für notwendig erachte? Es mag ja Leute geben, denen man alles sagen muss, weil sie von selbst nicht auf die Idee zu irgendwas kommen und permanente Arschtritte brauchen, um aus dem Quark zu kommen. Aber so bin ich nicht und will ich auch nicht sein, also soll man mich bitte auch nicht so behandeln.

4. „Sei nicht so zaghaft“

Das schlägt im Grunde in dieselbe Kerbe wie „Du brauchst doch nicht schüchtern zu sein“, ist aber noch eine Spur unverschämter und herablassender. Während das eine nämlich einfach nur von Unverständnis zeugt, aber ein ungeschickter Versuch ist, mich zu trösten oder was auch immer, ist „Sei doch nicht so zaghaft“ mit einem Vorwurf verbunden. Da schwingt Ungeduld mit, die kurz davor ist, in Aggression umzuschlagen. Und wenn man glaubt, dass ich plötzlich weniger zaghaft werde, wenn man mich so unter Druck setzt, dann sollte man noch mal an seinem Empathievermögen arbeiten und mich mit meinen „Problemen“ in Ruhe lassen.

5. „Sag ihm/ihr das doch einfach“

Ja, wenn das denn so einfach wäre, hätte ich es ja schon längst getan! Mit manchen Menschen kann man nicht vernünftig reden, weil sie cholerisch, narzisstisch, dumm, extremst überempfindlich, eitel oder chronisch beratungsresistent sind. Manche Leute sind sogar alles auf einmal. Da kann man nicht einfach hingehen und sagen, was man denkt und wie man es denkt, weil der andere das unter Garantie in den völlig falschen Hals bekommt und da, wo anfangs nur eine Meinungsverschiedenheit war, explodiert ein Streit, bei dem garantiert immer ich verliere, weil ich einfach nicht anders kann, als sachlich zu argumentieren.

Gut, ich neige auch zu emotionalen Argumenten, aber die kennzeichne ich stets als solche, und tu nicht so, als wären es Fakten. Und wenn dann jemand völlig unfair kämpft und mir Vorwürfe macht, auf die ich im Traum niemals gekommen wäre, dass man mir das ernsthaft unterstellen könnte, dann fange ich an zu heulen oder zu schreien oder beides, und es dauert ewig, bis ich mich wieder eingekriegt habe. Das ist anstrengend! Dazu habe ich nicht die geringste Lust! Und deswegen ziehe ich es gelegentlich vor, mich im Stillen über derartige impertinente Troglodyten zu ärgern, bis ich irgendwann ausgebrummelt habe.

6. „Wollen wir noch spontan irgendwohin?“

Spontane Antwort? Nein. Ich mag gern gemütlich mit Freunden und netten Menschen in einer muckeligen Runde zusammensitzen und klönen. Warum um alles in der Welt sollte man so einen schönen Moment unterbrechen, um in einen lauten, stinkigen, engen Club zu gehen, in eine verrauchte Kneipe oder sonstwohin, wo man sich nicht problemlos unterhalten kann? Ich habe das nie verstanden, warum man nicht einfach an einem Platz bleiben und sich dort amüsieren kann und was daran so toll sein soll, von einem Ort zum nächsten zu ziehen.

7. „Jetzt sei doch nicht so langweilig“

Und das ist der Vorwurf, den man dann oft von Leuten zu hören bekommt, wenn man auf die Frage „Wollen wir noch spontan irgendwohin?“ mit „Och nööö“ antwortet. Zum Glück bin ich jetzt in einem Alter, wo meine Freunde Ruhe und Frieden zu schätzen gelernt haben und es vollkommen in Ordnung finden, einen netten Abend zu Hause zu verbringen, anstatt auf die Piste zu gehen. Hinzu kommt, dass inzwischen die Freunde, die feierwütiger sind als meine Langweiligkeit, ihre eigenen Wege gehen und wir kaum noch Kontakt haben. Das ist aber auch in Ordnung so, schließlich hat ja jeder eine unterschiedliche Auffassung von Spaß und wenn die komplett anders ist als meine, hat man dann getrennt voneinander mehr Spaß als zusammen und da haben dann alle mehr von.

8. „Mach doch mal mehr aus deinem Typ“

Würde ich ja, wenn ich Lust dazu hätte. Habe ich aber nicht, also lass mich in Ruhe. Das Ding ist, ich bin in mancherlei Hinsicht ziemlich bequem und habe keine Lust, ewig viel Zeit in mein äußeres Erscheinungsbild zu investieren. Außerdem finde ich es Quatsch, mich zu schminken, wenn ich von Natur aus dunkle Augenbrauen und Wimpern, volle Lippen und einen einigermaßen glatten Teint habe. Natürlich würde ich mit Make-up noch schöner aussehen und bla. Aber ich bin einfach nicht eitel genug, um meine Abneigung gegen farbige Pampe im Gesicht und meine noch größere Abneigung dagegen, den Scheiß hinterher wieder abzuschmieren, zu überwinden.

9. „Drück dich doch mal klarer aus“

Hör du doch mal genauer hin. Ich hasse es, wenn Leute mir sagen, ich sollte mich klarer ausdrücken, weil ich finde, zu einem Missverständnis gehören immer zwei Leute und dann soll man sich um seine eigene Seite kümmern, anstatt mir Vorschriften und Vorwürfe zu machen. Man kann gern sagen, dass man mich falsch verstanden hat, dass man meine Aussage so und so interpretiert hat, und dann komme ich schon von selbst zu der Schlussfolgerung, dass ich mich künftig klarer ausdrücken muss. Aber mir einfach vor den Latz zu knallen, dass ich unverständlichen Dünnpfiff labere, ohne sich selbst und seine eigene Wahrnehmung auch nur eine Sekunde infrage zu stellen, finde ich überheblich und mir gegenüber ziemlich unfair.

10. „Wo liegt denn das Problem?“

Tja. Wie erklärt man jemandem, der kein Problem in einem Sachverhalt sieht, wo für einen selbst das Problem liegt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Dann erklärt man da ewig herum, und der andere guckt einen völlig ratlos an und versteht nicht ansatzweise, worauf man hinaus will und worüber man sich derart aufregt. Und das macht einen dann natürlich noch wütender. Und dann dauert es nicht lange, dann fällt der Satz „Reg dich doch nicht so auf“, was dann dazu führt, dass man sich noch mehr aufregt. Es mag ja Menschen geben, die sich gern aufregen, aber zu denen gehöre ich ganz und gar nicht.


Und, welche Sprüche treiben euch so richtig zur Weißglut?


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