Archive for August 2019

Essai 189: Über Stimmungsvergifter und Scheißlaune-Junkies

24. August 2019

Manche Menschen sind nur glücklich, wenn sie unglücklich sind. Sie inszenieren ihr eingebildetes Leid wie eine griechische Tragödie und geben keine Ruhe, bis sie alle mit ihrer miserablen Laune angesteckt haben. Es scheint ganz so, als bereite ihnen nichts auf der Welt größeres Vergnügen, als anderen die Freude und den Spaß zu verderben, die Stimmung zu vergiften und schöne Dinge zu ruinieren.

Was das soll, verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Aber müsste ich jetzt küchentischpsychologisch ins Blaue hineinspekulieren, würde ich raten, dass es den notorischen Stimmungsvergiftern um Macht und Dominanz geht, und dass es irgendwie ihr Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert, fröhlichen Menschen das Lächeln aus dem Gesicht zu schmettern. Ich nehme an, dass vermehrt Dopamin oder Adrenalin ausgeschüttet wird, wenn es ihnen gelingt, die Atmosphäre nach ihrem Gutdünken zu beeinflussen.

Zumindest habe ich so eine ähnliche Erklärung einmal in Bezug auf mobbende Hunde gelesen. Das ist nämlich hochinteressant, es gibt auch unter Tieren Mobbing. Hunde, die gern ihre Artgenossen mobben, verspüren einen unwiderstehlichen Belohnungseffekt, wenn sie andere unterbuttern. Und das macht quasi süchtig. Es ist möglich, ihnen das wieder abzuerziehen, aber einfach ist es nicht.

Der Unterschied zu Menschen, die gern andere ärgern, ist, dass man Hunde auch als Erwachsene noch erziehen kann. Aber habt ihr mal versucht, einen ausgewachsenen Menschen noch umzuerziehen? Kannste knicken. Klar, man kann immer noch was lernen, aber dafür muss man auch was lernen wollen. Und warum sollte so ein Arschloch lernen wollen, nett zu anderen zu sein und nicht dauernd den Spielverderber zu geben, wenn es sich für es so gut anfühlt, allen anderen seine beschissene Laune aufzuzwingen?

Außerdem ist es anstrengend, sich ein im Verlauf seines ganzen Lebens angeeignetes, für einen selbst bewährtes Verhaltensmuster abzugewöhnen und ein neues Verhalten zu lernen, von dem man gar nicht weiß, ob es sich genauso gut anfühlt. Diese Mühe wird sich wohl kaum jemand geben wollen, dem die Gefühle anderer grundsätzlich so scheißegal sind, dass er aus reinem Spaß an der Freude, die Stimmung zu verderben, dauernd auf den Gefühlen anderer herumtrampelt und wie ein Gockel auf den Ruinen der guten Laune auf- und abspaziert und sich dabei richtig geil findet.

Mich persönlich machen solche Leute stinksauer. Ich finde, sie sind faul und feige und machen es sich auf Kosten aller anderen verdammt leicht. Anstatt selbst etwas Schönes, Nettes zu erschaffen, machen sie das Schöne, Nette kaputt, das andere erschaffen haben. Das ist widerlich. Und dann schaffen sie es aber trotzdem, sich als Sieger zu fühlen und sich einzubilden, sie wären stark. Dabei sind sie schwach und kleingeistig und ein erbärmliches Nichts, sobald sie alleine sind. Sie brauchen es wie eine Droge, andere unterzubuttern. Wie armselig ist das?

So. Das musste mal raus.

Nun ist aber die Frage, wie geht man mit diesen Stimmungsvergiftern und Scheißlaune-Junkies um? Ändern kann man sie nicht wirklich. Zu ertragen sind sie eigentlich auch nicht, zumindest nicht für längere Zeit. Sie machen einen kaputt und genießen das.

Meiner Erfahrung nach, hilft nichts besser als Abstand und eine gewisse innerliche, unerschütterliche Heiterkeit, wenn man ihnen doch mal begegnet. Und man sollte sich mit den anderen Opfern des Scheißlaune-Junkies zusammenschließen – dann gelingt es ihm nicht so leicht, die Stimmung zu vermiesen. Ändern wird er sich dadurch wahrscheinlich nicht, aber immerhin kann man ihn so ein wenig ärgern.

Ein paar wohldosierte, mild-spöttische Bemerkungen sind ebenfalls eine gute Strategie, um dem Stimmungsvergifter ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen. Da ist aber Fingerspitzengefühl gefragt und man sollte sich sicher sein, dass die anderen Opfer hinter einem stehen. Sonst reagiert der Scheißlaune-Junkie aggressiv und wird zum Wüterich. Und dann wird’s unschön.

Ich sag dann zum Beispiel als Antwort auf irgendein Gemotze des Stimmungsvergifters, an die Zielscheibe des Gemotzes gewendet: „Tja, wie man’s macht, man macht’s verkehrt, ne?“ und ignoriere den Scheißlaune-Junkie gut gelaunt.

Oder, wenn mir ein solcher Zeitgenosse von seinen Luxusproblemen vorjammert und beleidigt reagiert, wenn ich darauf eingehe und zu einem Lösungsvorschlag ansetze, breche ich meinen konstruktiven Gesprächsbeitrag ab und sage: „OK, mach wie du denkst.“ Ganz wichtig: Freundlich bleiben, lächeln, nicht (offensichtlich) herablassend werden. Und dann elegant das Thema wechseln oder sich mit anderen Leuten unterhalten, die Interessantes zu erzählen haben.


Und, kennt ihr auch solche Leute, die ständig allen anderen die Stimmung vermiesen müssen? Wie geht ihr damit um? Schreibt es mir in die Kommentare 🙂

Essai 188: Über die dummdreiste Arroganz der Ahnungslosen

17. August 2019

Ich habe eine ganz schreckliche Vermutung: Möglicherweise bin ich intelligenter und gebildeter als der Durchschnitt. Wie ich auf diese anmaßend und eingebildet klingende Theorie komme?

Nun jaaa … ich bin, wie ihr wisst, viel in den Kommentarspalten sozialer Medien unterwegs. Und da begegnet einem ziemlich oft furchtbar dummes Zeug. Und ich kann und will unqualifizierten Quatsch nicht immer einfach so unwidersprochen stehen lassen. Am Ende glaubt das noch jemand, zum Beispiel, dass Impfungen mehr schaden als nutzen, dass es den Klimawandel gar nicht gibt, sondern dass die linksrotgrünversiffte Verbotspartei uns das nur einredet, um uns den Spaß zu verderben!!!1!111!!dankemerkel!!!1!12!“ Oder dass diese Ausländer an allem Schuld seien.

Und dann nehme ich es eben auf mich, und erkundige mich, wie die Kommentatoren auf diese Idee kommen. Manchmal, wenn ich müde und genervt bin von diesem haarsträubenden Ausmaß menschlicher Inkompetenz, schreibe ich auch sowas wie: „Was Sie da behaupten, stimmt nicht“, „Sie haben die Statistik falsch interpretiert“ oder „Sie haben sich offenbar nur auf Seiten informiert, die Ihre Sichtweise – die übrigens nicht den Tatsachen entspricht – bestätigen“.

So oder so: Es ist dann immer ein großes Hallo und die Leute, die den Quatsch verzapft haben sowie ihre ebenfalls geistig überforderten Zeitgenossen schießen sich auf mich ein, schreiben, ich wäre dumm und naiv und hoffentlich würde ich selbst mal von diesen „Rapefugees“ vergewaltigt/erleide selbst mal einen Impfschaden, dann würde ich ja wohl einsehen, wer Recht hat.

Seufz.

Was ich dabei immer wieder faszinierend finde, ist, dass meine Gesprächspartner offenkundig überhaupt keine Ahnung haben, was sie da reden, und das mit einer bestechend dummdreisten Arroganz einfach ignorieren. Bekannt ist dieses Phänomen auch als Dunning-Kruger-Effekt: Je inkompetenter jemand ist, desto eher überschätzt er seine eigenen und unterschätzt die Fähigkeiten seines (kompetenteren) Gegenübers.

Das begegnet mir gelegentlich auch im richtigen Leben, dass Leute in einem Brustton der Überzeugung irgendwelchen Scheiß behaupten, von dem ich entweder sofort weiß, dass es Blödsinn ist oder es durch eine kurze Recherche im Nachhinein als solchen entlarve.

So ein unerschütterliches Selbstvertrauen, selbst wenn man keine Ahnung von dem hat, was man da herausposaunt, hätte ich irgendwie auch ganz gern. Zumindest würde mir dann niemand mehr fiese Sachen an den Hals wünschen oder mich beleidigen, sondern dann würde man mir einfach alles abkaufen, was ich so an Unfug herauströte.

Dann würde ich vielleicht nicht ständig an mir zweifeln, Dinge hinterfragen oder so kreuzunglücklich darüber sein, dass niemand mehr heutzutage auf echte Experten hört und lieber Unfrieden stiftet, andere Leute mit Masern ansteckt oder weiterhin dazu beiträgt, die Erde zu zerstören, anstatt einmal kurz inne zu halten, zu reflektieren, ob der eigene Standpunkt überhaupt logisch ist, und dann wenigstens ein bisschen Demut zu zeigen.

Stattdessen hören dummdreist-arrogante Ahnungslose lieber auf Spinner, die unqualifizierten geistigen Dünnpfiff auf YouTube verzapfen, Hass säen oder beides gleichzeitig. Bestimmt fühlt es sich gut an, sich seiner selbst und seines (einfachen und nicht den Tatsachen entsprechenden) Weltbilds zu 100 Prozent sicher zu sein, zu einer Gemeinschaft anderer hasserfüllter Idioten zu gehören, die genau den gleichen Schwachsinn behaupten wie man selbst … da fühlt man sich bestimmt nicht so allein und so, als würde man gegen Windmühlen kämpfen, obwohl es völlig hoffnungslos ist.

Puh, das war jetzt ganz schön misanthropisch. Ich sollte solche polternden Vollidioten wahrscheinlich meinem eigenen Seelenheil zuliebe besser ignorieren. Aber das schaffe ich leider nicht. Ich denke, wenn man zu den Leuten gehört, die ein klitzekleines bisschen weniger dämlich sind als der Durchschnitt, hat man doch auch eine gewisse Verantwortung. Es gibt ja immer auch die stillen Mitleser oder die stillen Zuhörer, die sich nicht ganz sicher sind, ob der pöbelnde Dummdödel nicht vielleicht doch ein wenig Recht hat. Und da braucht es doch Menschen, die dagegenhalten, oder?

Komischerweise bin meistens ich diejenige, die dann als arrogante, eingebildete Intellektuelle dasteht, wenn ich Leute, die dummes Zeug behaupten, korrigiere. Anscheinend mögen es arrogante, eingebildete Dumpftröten nicht besonders, wenn man sie auf ihre Irrtümer aufmerksam macht. Dabei bin ich total höflich, ich sieze die Leute, ich bleibe sachlich, ich schreibe nie: „Halt die Fresse, du Honk“, sondern beziehe mich immer nur auf das Inhaltliche und kritisiere höchstens das Verhalten der Leute, werde also nicht persönlich ausfallend. Das scheint sie aber umso mehr zu reizen … verstehe ich gar nicht.


Und, wie sind eure Erlebnisse mit dummdreist-arroganten Ahnungslosen? Widersprecht ihr den Leuten? Oder habt ihr schon resigniert (ich selbst bin manchmal kurz davor …)?


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