Archive for April 2008

Essai 6: Über Kulturdrückeberger, Kunstmuffel und andere Idioten.

28. April 2008

Ich bin entsetzt darüber, wieviele Menschen es gibt, die die Frage „Kommst du mit ins Museum?“ mit „Nö, Kunst ist langweilig“ und die Frage „Kommst du mit ins Theater“ mit „Nä, ich bezahl doch nicht um mich über die Eitelkeiten eines größenwahnsinnigen Regisseurs zu ärgern“ beantworten.

Diese Antworten kommen nämlich prinzipiell von Leuten, die prinzipiell nie ins Theater oder Museum gehen. Woher wissen sie denn dann, dass es langweilig ist oder größenwahnsinnig? Vielleicht tue ich diesen Menschen ja auch Unrecht, wenn ich sie als Idioten und bornierte Schwachköpfe bezeichne? Vielleicht haben sie einfach so etwas wie einen sechsten Sinn, der langweilige und größenwahnsinnige Machwerke zehn Meilen gegen den Wind erschnuppert. Demnach wäre ich der Idiot, wenn ich sage, man sollte nicht vorschnell urteilen und sich auch ruhig mal zutrauen, Neues kennenzulernen und offen und interessiert durch die Weltgeschichte zu wandeln.
Sicher muss man nicht alles gut finden, was die Künstlerwelt so fabriziert.

Neulich hörte ich im Radio von einem Künstler, der Bilder sang.

Klingt komisch, ist aber so.

Der hatte dann so leere Leinwände vor sich stehen und besang diese Leinwände beispielsweise mit einem Blumenstrauß, und das in reichlich schiefer und schräger Tongestaltung. Ich fand es nicht schön, aber so hatte ich für den Rest des Tages was zum fremdschämen. Und das ist ja auch schonmal was.
Dennoch sollte man sich von komischen Künstler-Käuzen nicht dazu verleiten lassen, grundsätzlich alles abzulehnen, was auch nur annähernd kreativ ist. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir alles Kreative lassen würden? DAS wäre langweilig.

Essai 5: Über Sonntage

27. April 2008

Eigentlich sind Sonntage ja offiziell Ruhetage. Wie kommt es denn dann, dass der Sonntag oft der stressigste Tag der Woche ist? Also, bei mir jedenfalls. Ich vermute einen Zusammenhang mit chronischer Aufschieberitis, die bewirkt, dass alle zu lesenden Texte und zu bearbeitenden Aufgaben auf den Sonntag verlegt werden – da hat man ja schließlich frei und jede Menge Zeit sich darum zu kümmern. Und eh man sichs versieht, versinkt man Sonntags in Arbeit. Dazu kommt, dass einem während man lustlos die angehäuften Aufgaben abarbeitet, zig Dinge einfallen, die man jetzt lieber machen würde, vor allen Dingen, wenn die „Sonn-Tage“ ihrem Namen alle Ehre machen, so wie heute. Nun denn, es hilft ja alles nichts, also wieder frisch ans Werk und Aufgabenhaufen abgearbeitet. Menno.

Essai 4: Über Eifersucht

26. April 2008

Was ist logischer? Eifersüchtig zu sein, wenn die Freundin Johnny Depp auf der Leinwand anhimmelt? Oder auf den Ex-Freund eifersüchtig zu sein, mit dem sich die Freundin regelmäßig trifft, sehr guten Kontakt hat, der unverschämt gut aussieht und von dem sie immer noch als „meine große Liebe“ spricht? Vorausgesetzt, man kann in Sachen Eifersucht überhaupt von Logik sprechen, so finde ich es doch immerhin verständlicher, auf den Ex-Freund eifersüchtig zu sein, weil der ja eine konkrete Konkurrenz ist und eine „reelle“ Gefahr darstellt. Und Johnny Depp ist weit weg. Außerdem sehen Leinwandstars im Kino natürlich viel toller aus, als in echt, weil sie da geschminkt und zurechtgemacht sind. Und himmelt man nicht vielmehr die Figur an, die der Star auf der Leinwand verkörpert? Ewan McGregor in „Moulin Rouge“ zum Beispiel ist als Christian unglaublich hinreissend, während er in dieser komischen Parfum-Werbung auf dem Motorrad nicht hinreissend ist und außerdem doof synchronisiert. Wenn man für einen Leinwandstar schwärmt, dann schwärmt man für das Bild, das er in dem Moment darstellt. Es ist abstrakt und somit keine „reelle“ Gefahr. Warum also seine Energie darauf verschwenden, auf ein abstraktes Fantasie-Konstrukt eifersüchtig zu sein? Und bei tatsächlich vorhandenen Gefahren zu denken „Pft, wird schon nichts passieren.“?

Essai 3: Über den Sinn und Zweck von Hochzeiten

26. April 2008

Manche sagen, der Sinn und Zweck von Hochzeiten bestünde allein in den steuerlichen Vorteilen. Ich finde das ja hochgradig unromantisch. Das ist zwar ein netter Nebeneffekt, dass man steurliche Vorteile durch eine Hochzeit bekommt, doch im Vordergrund steht doch eigentlich, dass man mit einer symbolischen Geste einander verspricht, zusammen eine Familie zu gründen (selbst wenn die nur aus zwei Personen besteht) und zusammen alt zu werden und für einander da zu sein. Oder? Und das ist doch was Schönes, dass man mit Freunden und Familie diese symbolische Geste feiert.

Essai 2: Sag mir wie du dein Brot schmierst und ich sag dir welcher Typ du bist.

24. April 2008

Heute morgen beim Frühstück stellte sich mir die Frage, ob die Art, wie man sein Brot beschmiert, etwas über den Charakter verrät. Für mich ist das Broteschmieren ja so was wie ein meditativer Vorgang. Beim Broteschmieren komme ich zur Ruhe und kann mich sammeln. Ob das was mit meinem grüblerischen Wesen zu tun hat? Wer weiß… Meine Schwester hingegen schmiert ihr Brot in Windeseile, schmiert sich immer vorsichtshalber gleich mehrere Brote aufeinmal und das mit einer Hektik, die einen beinahe agressiv macht. Ist das ein Zeichen für innere Unruhe? Oder hat sie es heute morgen bloß einfach eilig gehabt? Fragen über Fragen.

Küchentisch-philosophischer Essai 1: Über Katzen

23. April 2008

Kann es sein, dass ich meine Katze zu sehr verwöhnt habe? Er frisst das Futter nicht, das ich ihm gebe. Stattdessen vergreift er sich an meinen Topfpflanzen, wenn ich nicht aufpasse. Oder ist das alles ein Missverständnis und in Wahrheit ist meine Katze Vegetarier? Die Wahrheit liegt irgendwo dort draußen…

Der Beginn

20. April 2008

Dies ist nun mein erster Beitrag in meinem Blog, den ich im Rahmen eines Uni-Projektes für den Medienkompetenz II-Kurs anlege. Ich werde versuchen, jeden Tag einen kurzen Küchentisch-Philosophischen Essai zu posten. Mal schauen, ob mir das gelingt.

Die Idee mit den Essais ist zugegebenermaßen nicht so ganz neu. Inspiriert wurde ich von den Essais Woody Allens, der wiederum von den Essais Francis Bacons inspiriert wurde. Und dieser wurde mit Sicherheit auch von jemandem inspiriert.

Schon Montaigne, La Bruyère und auch Voltaire haben Essais über die Sitten und Eigenarten ihrer Mitmenschen geschrieben. Im großen und ganzen hat sich zwar nicht soviel geändert, die Menschen machen immer noch die selben Fehler wie vor 400 Jahren, aber dennoch will ich versuchen, diese Idee in die Neuzeit zu versetzen.


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