Archive for Februar 2014

Essai 114: Über Pantoffeltyrannen, Wohnzimmerdiktatoren und Machtkomplexe

16. Februar 2014

Wenn in einem Menschen Feigheit, Neid, Missgunst, Frust, ein cholerisches Naturell sowie das Gefühl, ständig benachteiligt zu werden, zusammenkommen, dann ist das eine ziemlich üble Mischung. Heraus kommen dann Leute, die ich als Pantoffeltyrannen oder Wohnzimmerdiktatoren bezeichnen möchte. Enttäuschte Narzissten, die nicht damit klar kommen, dass sie ganz normale Durchschnittsleute sind und auch nicht besser, interessanter oder großartiger als andere. Mit der Zeit wächst ein Machtkomplex in ihnen heran, sodass sie jedes Mal, wenn sie den subjektiven Eindruck haben, man nehme sie nicht ernst, völlig durchdrehen und einen Tobsuchtanfall bekommen oder sich schmollend und grollend zurückziehen und irgendwann aus heiterem Himmel mit irgendeinem zickigen Kommentar herausbrechen, wenn alle anderen den „Vorfall“ schon längst wieder vergessen haben.

Solche Pantoffeltyrannen und Wohnzimmerdiktatoren würden sich übrigens niemals trauen, jemanden anzugiften oder ihren Frust an irgendwem auszulassen, den sie als stärker als sich selbst einschätzen. Ihre Wutanfälle und Zickereien müssen in der Regel nur diejenigen ertragen, bei denen sie sich am wenigsten Gegenwehr erhoffen. Denn, vergessen wir nicht, sie sind vor allem sehr, sehr feige. Die Attacken eines Pantoffeltyrannen müssen demnach vor allem sehr sanftmütige, pazifistisch veranlagte Menschen ertragen. Denn insgeheim weiß der feige Kotzbrocken natürlich, dass er mit seinen Vorwürfen, Hasstiraden und Zickereien völlig im Unrecht ist und dafür eigentlich eins auf die Fresse verdient hätte. Deswegen lässt er seinem quer sitzenden Furz nur Menschen gegenüber Luft, die er als harmlos einstuft.

Im Prinzip sind Leute mit unerfüllten Machtkomplexen ziemlich arme Schweine. Alle halten sie für hitzköpfige Vollpfosten, die nicht ganz richtig ticken, und je mehr sie versuchen, das Gegenteil zu beweisen, desto hitzköpfiger und irrationaler werden sie. Nichtsdestotrotz bin ich nicht der Meinung, dass Mitleid angebracht ist. Denn Menschen, in denen so viele negative Emotionen brodeln, können schnell mal explodieren. Da möchte man nicht in der Nähe sein.

Das Beste ist wohl, zu diesen tickenden Zeitbomben einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Dann kann man zwischendurch auch seine Nervenakkus wieder aufladen und dem Pantoffeltyrann ein kleines Bisschen Wertschätzung entgegenbringen, damit er keinen Grund hat, auszurasten. Auf Dauer hält man das nicht durch, jemandem Achtung und Respekt entgegen zu bringen, der alles dafür tut, sich vollkommen lächerlich zu machen und wie ein hyperaktives HB-Männchen zu wirken. Aber wenn man zwischen zwei Begegnungen die Zeit hatte, sich von dem Gezicke, Geschmolle und Gezeter zu erholen, fällt es leichter. Auf diese Weise kann man ganz gut eine Eskalation verhindern. In eine WG zu ziehen mit einem Pantoffeltyrannen oder einen Wohnzimmerdiktator zu heiraten halte ich hingegen für keine gute Idee.

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Essai 113: Über Ehrgeizlinge und Leistungsfaschisten

5. Februar 2014

Bevor hier ein Shitstorm losbricht: Ich hab nichts gegen Leistung und ich hab auch nichts gegen gesunden Ehrgeiz. Ohne Ehrgeiz kommt man nicht vom Fleck und ohne Leistung auch nicht. Was mich aber extrem nervt, sind Leute, die ständig immer nur das Allerbeste geben und dauernd besser sein müssen als andere. Und das nicht auf eine spielerische, humorvolle Art und Weise, sondern verbissen, krampfig und intolerant.

Im Job sollte man selbstverständlich sein Bestes geben und ab und zu auch mal dezent darauf hinweisen, dass man das tut. Sonst kraucht man ewig völlig unterfordert, unterbezahlt und unterschätzt vor sich hin und es ändert sich nie irgendwas. Das ist frustrierend und macht auf Dauer unzufrieden und krank. Aber wenn ich frei hab, dann hab ich frei. Dann ist mir das scheißegal, ob meine Freunde sportlicher sind als ich (sind sie ohnehin, was übrigens keine Leistung ist), ob sie öfter beim Pokern gewinnen als ich (tun sie, ich kann weder gut lügen noch überzeugend bluffen) oder mehr chemische Elemente auswendig kennen (was ebenfalls eine unverschweigbare Tatsache ist).

Ich möchte bitte in meiner Freizeit, in meinem Privatleben in Ruhe versagen dürfen. Ich möchte mir auf einer Radtour die Landschaft ansehen, gelegentlich anhalten und Fotos machen, zwischendurch in einem Café ein Eis oder ein Stück Torte essen und mit meinen Freunden klönen. Wer da nun am schnellsten am Ziel ist, ist mir doch wurscht. Ob ich meinen persönlichen Rekord breche oder nicht, ist mir auch wumpe – ich kenne meinen persönlichen Rekord noch nicht einmal, der jedoch nicht viel höher als meine Zu-Fuß-Geschwindigkeit liegen dürfte. Ich muss auch für eine Fahrradtour nicht am Wochenende um 6 Uhr morgens aufstehen, um möglichst viel zu schaffen und eine möglichst weite Strecke zu fahren. Wozu, wenn man sich die Landschaft eh nicht anguckt, sowieso keine Fotos macht und sich ohnehin nicht die Zeit nimmt, spontan in ein muckeliges kleines Lokal einzukehren. Aber bei manchen Leuten trifft man mit dieser entspannten Einstellung auf völliges Unverständnis.

Da gilt man dann als bequemer Faulpelz, wenn man einen Ausflug in aller Ruhe genießen möchte. Ich finde, wir haben doch ohnehin schon so wenig Zeit im Leben. Wenn man da wie ein Bekloppter durchhetzt ist irgendwann alles vorbei und man kann sich nicht daran erinnern, was man eigentlich die ganze Zeit gemacht hat. Weil man die Augen auf das Ziffernblatt der Armbanduhr, auf die Anzeige der Waage, auf sein Smartphone oder irgendwelche persönlichen Zahlen und Daten gerichtet hatte und gar nicht mehr mitbekommen hat, was in der wirklichen Welt um einen herum passiert ist.

Und dieser ewige Zeitersparnisterror! Wir sind hier doch nicht bei Momo, verdammt noch mal! Und ich seh hier auch keine grauen Herren Zigarre rauchend umherspazieren. Meistens kommt es doch auf ein paar Minuten mehr oder weniger nicht an, es sei denn, man muss eine Bahn oder einen Flug bekommen.

Richtig nervig sind Leistungsfaschisten und Ehrgeizlinge aber bei Spielen. Das sind nämlich ganz schlechte Verlierer. Selbstverständlich sollte man schon versuchen, zu gewinnen, sonst macht das keinen Spaß. Aber man muss doch nicht gleich miese Laune haben, herumzetern und die Mitspieler beleidigen, nur weil man Zweitbester war und nicht gewonnen hat. Unter Freunden muss man doch keinen idiotischen Konkurrenzkampf vom Zaun brechen. Damit macht man sich doch das eigene Leben unnötig schwer. Schlimm genug, dass man im Job ab und zu mal auf den Tisch hauen muss, um nicht unterzugehen, wenn ich Feierabend habe, will ich davor meine Ruhe haben. Dann will ich ganz entspannt und normal mit den Leuten umgehen und nicht ständig kämpfen müssen.


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