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Essai 116: Über Gute-Laune-Terrorismus und Zwangsbespaßungsmaßnahmen

16. März 2014

Karneval ist zwar für dieses Jahr glücklicherweise schon wieder abgefrühstückt, trotzdem frage ich mich jedes Mal aufs Neue, warum die Leute in den Karnevalshochburgen nicht einfach ihren Spaß haben und uns Faschingsmuffel aus norddeutschen Gefilden in Ruhe lassen können. Stattdessen laufen dann zwei Wochen lang auf den öffentlich-rechtlichen Sendern – die ich mit meinen Rundfunkgebühren, jawoll, mitfinanziere – diese fürchterlichen Karnevalssendungen und man kann sich diesem Gute-Laune-Terrorismus schlichtweg nicht entziehen. „Los Kinder, das macht Spaaaaaß“ krakeelt es dann hysterisch von allen Seiten und wenn man übellaunig brummt, man habe keine Lust auf derlei Zwangsbespaßungsmaßnahmen, gilt man gleich als das ultimative Böse.

Auf jeder Party gibt es dann auch immer diese Gute-Laune-Terroristen, die partout eine Polonäse vom Zaun brechen müssen und alle müssen mitmachen, weil das so viel Spaß macht und Ach so lustig ist. Ich mach dann natürlich auch mit, ich bin ja keine Spaßbremse, aber man glaube nicht, dass ich mich dabei nicht in Grund und Boden schäme und das Ende dieser Zwangsbespaßungsmaßnahme herbeisehne.

Im Prinzip bin ich durchaus ein sonniges Gemüt, optimistisch, fröhlich und mit Dauergrinsefresse ausgestattet. Aber wenn irgendwer mir vorschreiben will, was ich lustig und amüsant zu finden habe, finde ich das schon aus Protest doof. Zum Beispiel, wenn jemand auf einer Party eine Essensschlacht veranstaltet und plötzlich alle anfangen, sich Schokoküsse ins Gesicht zu klatschen und das ungemein komisch finden, dann denke ich nur: Die schönen Schokoküsse. Die isst doch jetzt keiner mehr. Und überhaupt gibt das garantiert Pickel, wenn man die klebrige Subsche nicht sofort abspült. Außerdem trage ich eine Brille und wenn die mit süßer Matsche vollgepampt ist, sehe ich nichts mehr und das nervt. Oder Kissenschlachten. Ich hasse Kissenschlachten. Habe ich schon immer gehasst. Hahaha, wie lustig, wir polieren uns jetzt mal mit Kissen die Fresse, Juhu. Das tut weh, verdammt!

Im Fernsehen gibt es ja nicht nur zu Karneval televisionären Gute-Laune-Terrorismus. Aber zum Glück kann man den dämlichen Gameshows üblicherweise gut aus dem Weg gehen. „Wetten dass..?“ ignoriere ich beispielsweise schon seit über zehn Jahren erfolgreich. Aber vor ein paar Monaten bekam ich dann doch mit, dass Tom Hanks gezwungen wurde, eine Katzenmütze aufzusetzen während Tausendsassa Markus Lanz Sackhüpfen um ihn herum vollführte. Mr. Hanks war not amused und ich glaube, in den USA haben wir damit die Klischees vom nichtvorhandenen Sinn für Humor in Deutschland nicht eben widerlegt. Das ist nämlich ein krasses Missverständnis, dass Sinn für Humor immer laut, schrill und plump zu sein habe. Nee, der kann auch mal heimlich, still und leise auf Samtpfötchen im Hintergrund umherschleichen.

Gute-Laune-Terroristen und Zwangsbespaßer sind jedoch diesem Irrtum aufgesessen, dass sie nur dann als lustig, humorvoll und infolgedessen als sympathisch herüberkommen, wenn sie möglichst laut, plump, schrill und unsensibel andere Leute zu ihrem vermeintlichen Glück zwingen. Dass manche Leute sich fantastisch amüsieren, wenn sie sich einfach in Ruhe, aber angeregt mit jemandem unterhalten, dass es für einige durchaus ein erfülltes Wochenende darstellen kann, wenn sie in Ruhe auf dem Sofa ihren Krimi weiterlesen können oder dass manche Leute das prima aushalten und es sogar genießen, nicht ständig von vielen lauten, penetranten, plumpen, unsensiblen Trampeltieren umgeben zu sein, kommt den Gute-Laune-Terroristen nicht in den Sinn.

Mir ist bewusst, dass sie ihre Zwangsbespaßungsmaßnahmen nicht böse meinen und ganz ehrlich und aufrichtig fest daran glauben, dass alle ihre Definition von Spaß und Unterhaltung teilen. Dass sie wirklich wollen, dass alle sich amüsieren und sich wohlfühlen und dass sie es wirklich nicht merken, wie sehr sie Anderstickenden damit auf den Wecker fallen. Aber ich würde mir manchmal doch etwas mehr Verständnis wünschen. Nur, weil ich es gern ruhiger angehen lasse, heißt das nicht, dass ich ein armes Würstchen bin, das ständig aus der Reserve gelockt werden muss. Ich komme da schon von alleine rausgekrochen, wenn man mich in Ruhe lässt und ich soweit bin. So. Das wollte ich einfach mal gesagt haben.

Essai 94: Über misslungene Werbung

16. Oktober 2012

Als ich letzte Woche mit dem Intercity von Hamburg nach Stuttgart juckelte, hielt ich in jeder größeren Stadt zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands. An jedem Bahnhof kreischten mir diverse Werbeplakate entgegen. Und das mit so miesen, unhöflichen, dummen, grammatisch mindestens fragwürdigen oder unfreiwillig komischen Sprüchen, dass ich mir dachte, das lohnt sich doch mal einen Essai drüber zu schreiben. Wenn ich daran denke, wieviel Geld für Werbung ausgegeben wird und dann ist die auch noch schlecht, dann weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Aber so ist das heutzutage, da wird versucht, die Fassade auf Hochglanz zu polieren und ob es dahinter fault und gammelt, interessiert keine Sau. Schlimm. Das Ding ist, mit der Werbung ist das ja wie mit Krieg, Waffen und Gewalt. Tut es einer, muss es jeder machen. Wenn einer Krieg führen will und jemand anderen angreift, muss der sich ja irgendwie verteidigen. Wenn nur einer eine Waffe trägt, müssen andere auch eine Waffe tragen, um sich zur Not vor dem Kerl mit der Waffe verteidigen zu können. Hätte niemand eine Waffe, bräuchte niemand eine. Würde niemand einen Krieg anzetteln – sei es aus Angst, selbst angegriffen zu werden – gäbe es keine Kriege. Und so ist das allgemein mit Gewalt. Würde niemand damit anfangen, andere Leute mit Gewalttätigkeit zu belästigen, provozierte er damit auch keine Gegengewalt oder präventive Gewalt oder was auch immer. Und genau so müsste niemand allen anderen mit dämlicher Werbung auf den Wecker fallen, wenn es niemand täte. Dann müsste man nämlich nicht darüber nachdenken, wie man seine eigene Fassade noch heller und strahlender glänzen lässt als die der Konkurrenz und alle könnten in Ruhe ihre Arbeit machen, anstatt sich über oberflächlichen Image-Scheiß den Kopf zu zerbrechen. Ja, ja, ich weiß, ich bin naiv. Aber ist doch wahr!

Wenn Werbung interessant, witzig, klug und informativ ist und bestenfalls nicht allzu verlogen, habe ich absolut nichts dagegen, dass Leute auf sich und das, was sie tun und womit sie Geld zu verdienen gedenken, aufmerksam machen und in aller Höflichkeit hinweisen. Aber – ich weiß nicht, woran das liegt – die meiste Werbung ist unhöflicher, witzloser, dummer, penetranter Nervkram. Dabei wäre weniger mehr. Wenn ich zum Beispiel an diese wahnsinnig schlechte Zigaretten- oder Tabakwerbung denke, die mit dem umständlichen Spruch wirbt: „Rauchen, was andere denken, dass Sie rauchen“, dann bekomme ich Lust, aus Trotz mit dem Rauchen anzufangen, nur um es gleich wieder aufgeben zu können. Überdies ist der Spruch auch noch grammatikalisch falsch. Wer den Fehler findet, kriegt von mir einen virtuellen Keks (die sind lecker und machen nicht dick). Ich kapier auch nicht, inwiefern dieser Spruch nun selbst den stärksten Kettenraucher dazu animieren soll, ausgerechnet diese Zigarettenmarke zu kaufen. Das Einzige, womit man Leute heutzutage noch zum Rauchen bewegen kann, ist doch dieses Cowboy-Freiheits-Individualitäts-Gedöns. Wobei ich nicht weiß, was Nikotinsucht mit Freiheit zu tun hat, aber das ist ein anderes Thema. Und nun kommen die mit so einem dummen Spruch, der nicht nur kein richtiges Deutsch ist und nicht nur holprig formuliert, sondern noch dazu die Botschaft vermittelt: „Sei berechenbar. Vermeide Überraschungen. Rauche einfach unseren Tabak, weil alle denken, dass du genau das tust“. Wer denkt sich so was aus?

Eine andere Unart, die sich vor allem auf Produkte bezieht, die eine jugendliche Zielgruppe anzusprechen versuchen, ist das ungefragte Duzen der potentiellen Kunden. Nun zähle ich mit meinen dreißig Lenzen vielleicht nicht mehr unbedingt zu den Jugendlichen, aber nichtsdestotrotz benutze auch ich gelegentlich Shampoo, um mein Haar seidig glänzend zu machen. Und dann will ich bitteschön nicht von meiner Shampooflasche geduzt werden. Und Befehle nehme ich auf die Art sowieso nicht gern entgegen. „Genieße das absolute Dufterlebnis“ oder „Erlebe jetzt die prickelnde Apfelfrische“. Manche Werbefuzzis gehen dann so weit, dass sie die Kunden auch noch grafisch anbrüllen mit ihrer ohnehin schon nicht subtilen Message. So gesehen auf einem Werbeplakat für irgendein superdupertolles Einkaufszentrum: „GENIEßE JETZT DAS TOTALE EINKAUFSERLEBNIS!“ So ein Käse, als ob jetzt dieses Einkaufszentrum anders wäre als jedes andere Einkaufzentrum zwischen Hamburg und Stuttgart. Die sind doch alle gleich. Der einzige Grund, warum man ein bestimmtes Einkaufszentrum öfter frequentiert als ein anderes, ist die räumliche Nähe. Man braucht irgendwas und das Einkaufszentrum XY liegt zufällig auf dem Weg, dann geht man da hin. Aber man wird nicht extra kilometerweit woanders hingurken, nur weil ein riesiges Werbeplakat mich anbrüllt, ich solle jetzt gefälligst umgehend das totale Einkaufserlebnis genießen. Was auch immer mit „totales Einkaufserlebnis“ gemeint ist. Total deprimierendes Neonlicht? Total nervige laute Musik in den Geschäften? Total schlechte Klimaanlagenluft im Gebäude? Total viel zu viele Menschen auf total viel zu wenig Raum, die einen dauernd anrempeln oder total im Weg herumstehen? Total die immergleichen Geschäfte? Oder totaler Quatsch? Außerdem, vielleicht bin ich da etwas empfindlich, aber auf Kommando irgendwas genießen, erleben, fühlen oder spontan empfinden gehört nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen.

Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass Werbung die Menschen mit ungefragtem Geduze, penetrantem Anbrüllen und plumpen Befehlen malträtiert, werden auch noch die dümmsten Klischees darin verwurstet. Ist das sonst schon mal jemandem aufgefallen, dass in Werbespots immer die Mütter zu Hause bleiben und die Kinder verwöhnen? Die Kinder in der Werbung sind übrigens ausnahmslos altkluge Nervensägen, schlechte Rapper oder kreischende Hohlbratzen. Mit Verlaub. Meistens sind auf wundersame Weise auch alle immer unglaublich blond. Es sei denn, es geht um Werbung für Medikamente gegen Verstopfung, Blähungen, Inkontinenz oder Fußpilz. Derlei gesundheitliche Unannehmlichkeiten ereilen in der Werbewelt überwiegend brünette Frauen. Sachen für Mädchen sind grundsätzlich schreiend rosa und für Jungs natürlich blau. Für echte Männer sind die Produkte dann in Schwarz oder Dunkelblau und immer ungemein männlich. Das heißt, Autos sind schnell (kann man prima vor seinen Kumpels mit angeben), Rasierer unheimlich scharf (*knurrrrr*) und wenn mal ein Mann den Abwasch macht oder kocht, dann ist der immer unglaublich lustig drauf. Bei letzterem wird allerdings dann immer relativ undezent darauf hingewiesen, dass der Mann jetzt aber auch nur aus Spaß oder reiner Großzügigkeit Haushaltstätigkeiten vornimmt. Immer als Ausnahme und aus einer freien Entscheidung heraus, nicht weil Mutti ihn dazu gezwungen hat oder er von alleine eingesehen hat, dass das einfach ab und zu mal gemacht werden muss. Wo kämen wir denn dann hin. Und so werden Vorurteile schön weiter geschürt, damit auch ja keiner auf die Idee kommt, zu glauben, Männer und Frauen wären gleichberechtigt. Pfff. Sonst noch was?

Manche Werbefuzzis sind da noch raffinierter und schreiben einfach irgendeine Selbstverständlichkeit vorne drauf und verkaufen es als große Sensation. Dann steht zum Beispiel auf der Gummibärchenpackung: „Ohne Fett“. Ach nee. Wozu sollte man in einem Produkt, das fast nur aus Zucker besteht, Fett brauchen? Da kann man auch gleich draufschreiben: „Ohne Zyankali“. Aber dann merken die Kunden, dass sie verarscht werden. Demnächst klebt in der Gemüseabteilung wahrscheinlich an so nem Brokkoli auch noch ein Etikett dran, wo draufsteht: „Ohne Zuckerzusatz.“ – Nein, das war kein Vorschlag, das war Sarkasmus. Und „Light“-Produkte sind übrigens auch Verarsche, das nur so am Rande. Die machen dann einfach die Salamischeiben dünner. Und wenn man dann statt einer dicken Scheibe fünf dünne aufs Brot packt, macht das genau so fett. Traurig, aber wahr.

Ich habe ja nichts dagegen, dass man sein Unternehmen und sein Produkt präsentiert, aber bitte, liebe Werbeleute, hört doch endlich auf, die Leute wie Idioten zu behandeln. Das ist voll das totale Nerverlebnis! Macht doch einfach mal gute Werbung. Dann müsst ihr auch nicht so viel Werbung machen und dann ist mehr Geld für wirklich relevante Dinge da und dann müsste man den Laden nicht durch Praktikanten, Studenten und Freiberufler am laufen halten, weil für Festangestellte angeblich kein Budget vorhanden ist.

Essai 89: Über das Betreuungsgeld

20. Juni 2012

Bislang hatte ich noch mit mir gehadert, ob das wirklich Not tut, etwas zu dieser bescheuerten Idee mit dem Betreuungsgeld zu sagen… Jetzt habe ich mich aber doch dazu entschieden, zumindest ein paar konstruktive Vorschläge zu formulieren, wie man’s denn besser machen könnte. (Vielleicht sollte ich meinen Blog doch noch mal umbenennen in „Isa09 – Profi-Klugscheißerin“? Ach neeeee, „Angry young woman“ ist entschieden cooler.)

Zunächst einmal, warum finde ich die Idee mit dem Betreuungsgeld, wie es aktuell der Plan ist, überhaupt bescheuert? Ich hätte übrigens gedacht, das findet jeder bescheuert, ich hab da diese dumme Angewohnheit, immer von mir auf andere zu schließen, obwohl ich mich damit schon oft genug geirrt habe, ich kann’s einfach nicht lassen. Schlimm, das. Wie dem auch sei, es gibt also tatsächlich auch Leute, die finden die Idee super und sind zutiefst beleidigt, wenn man sagt, die Idee ist aber blöd. Die Idee an sich ist ja auch nicht unbedingt blöd, nur wie sie ausgeführt werden soll. Geplant ist nämlich, den Müttern, die zu Hause bleiben, zunächst 100 Euro im Monat zu zahlen, bzw. später 150. Ich glaube, das hing auch irgendwie vom Alter der Kinder ab, weiß ich grad aber nicht so genau. Ausgeschlossen von dieser großzügigen Belohnung vorsintflutlichen Geschlechterrollengebahrens sind Hartz IV-Empfänger, damit die sich davon nicht Zigaretten holen oder in die Kneipe gehen, wie Hartz IV-Empfänger das in der Regel mit Geld so machen, und ihre Kinder vernachlässigen, so dass die am Ende alle Junkies und Sozialschmarotzer werden (Sarkasmus!). Und was kann man mit 100-150 Euro monatlich nicht so alles anfangen, zum Beispiel… öhm… tja… nun ja… äh… also, Essen für ein-zwei Wochen für eine vierköpfige Familie ist da wohl schon drin, vielleicht auch mal ein neues Paar Schuhe, wenn man dann halt mal eine Woche lang nichts isst. Allerdings muss man auch bedenken, dass die Frau dann ja nicht arbeiten geht, wenn sie auf das Kind aufpasst, so dass ihr Gehalt wegfällt. Heutzutage von nur einem Gehalt auszukommen, ist gar nicht so einfach, da muss man schon irgendwo Vorstandschef sein und seinen Bonus selbst bestimmen dürfen. Na gut, Arzt sein reicht vielleicht auch, auf die ist man nämlich angewiesen, da interessiert das auch wen, wenn die streiken. Aaaaber ich schweife schon wieder ab. Fakt ist, dass nur diejenigen es sich leisten können, zu Hause zu bleiben und die Kinderbetreuung in die eigenen Hände zu nehmen, die es sich ohne das Betreuungsgeld auch schon leisten können. Für die, die auf zwei Gehälter angewiesen sind, ist das keine ernsthafte Alternative. Es wäre eine ernsthafte Alternative, wenn das Betreuungsgeld tatsächlich ein richtiges Gehalt wäre. Wenn das Betreuen und Erziehen der eigenen Kinder als Beruf anerkannt würde. Dann hätte es auch nicht dieses antiemanzipatorische Geschmäckle. Denn, natürlich sagt das keiner, offiziell sind wir ja alle für Gleichberechtigung und da darf man auch als Frau sein Jodeldiplom machen, aber Kindererziehung ist nach wie vor Frauensache. Jaaaa, Männer sind halt Männer. Das ist nicht so ihr Ding, verstehste. Und Frauen können das doch viiiiiel besser, das ist bei denen auch angeboren und so. Männer sind halt Jäger und Frauen sammeln und hüten das Feuer und das ganze Gedöns. Das macht denen ja auch Spaß und liegt in ihrer Natur, also warum sollte man sie dafür auch noch respektieren? Pfff, da hört sich doch alles auf, da könnte ja nun jeder kommen. Als nächstes soll man(n) auch noch Hühner dafür respektieren, dass sie Eier legen oder Schafe wegen ihrer Wolle oder Kühe wegen ihrer Milch. Das ist doch lächerlich. Was aber WIRKLICH lächerlich ist, ist dieser alberne Kleckerbetrag von 100-150 Euro. Schon klar, mehr ist nicht drin. Aber warum dann die Leute verarschen und verhöhnen und das ganze auch noch euphemistisch „Betreuungsgeld“ schimpfen? Da gibt’s doch nun wirklich Besseres mit dem Geld für das Wohl unserer Kinder anzufangen, als dieser Betreuungsgeld-Unfug. Im Folgenden nun ein paar Vorschläge meiner Wenigkeit:

1.) Da es wohl kaum finanziell möglich ist, das Betreuungsgeld zu einem richtigen Gehalt aufzustocken, könnte man doch das Geld nehmen, um mehr qualifizierte Betreuer auszubilden und die Anzahl der Kitas zu erhöhen. Dann wüssten die Eltern ihre Kinder gut aufgehoben und könnten guten Gewissens arbeiten gehen.

2.) Wenn man das doof findet, könnte man auch das Geld nehmen und als Prämien an Firmen verteilen, die sich um die Kinderbetreuung ihrer Angestellten besonders verdient machen, indem sie z.B. eine firmeninterne Kinderbetreuung einrichten oder mehr Teilzeit oder flexible Arbeitszeiten oder Home office ermöglichen, so dass es für Eltern leichter ist, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.

3.) Man pfeift auf das Betreuungsgeld und erhöht einfach das Kindergeld.

4.) Man investiert das Budget fürs Betreuungsgeld in den Ausbau von Ganztagsschulen. Ist zwar für die Lehrer doof, weil sie dann auch länger arbeiten müssen. Auf der anderen Seite haben die wenigsten Leute vor 17h00 Feierabend und in anderen Ländern funktioniert das auch und da beschwert sich auch keiner. Und die Kinder wären den ganzen Tag lang gut aufgehoben, man könnte sogar noch überlegen, ob sie hinterher gemeinsam Hausaufgaben machen, die Lehrer könnten sich mit der Aufsicht abwechseln oder man engagiert dafür Studenten, dann können sie sich auch gegenseitig helfen, was wiederum gut für den Mannschaftsgeist ist. Aber ich komme schon wieder ins träumerische Weltverbessern.

5.) Man investiert das Budget für andere Formen der Nachmittagsbetreuung und -beschäftigung von Kindern und Jugendlichen. Treffpunkte und ähnliches.

Kurz gesagt, es gibt jede Menge besserer Ideen, wie man das Budget, das fürs Betreuungsgeld vorgesehen ist, sinnvoller für den Aufbau einer faireren, gleichberechtigteren, toleranteren Gesellschaft nutzen könnte. Und alles, was an Argumenten für das Betreuungsgeld kommt ist: „Ja, hier keine Diskussionen mehr, das Betreuungsgeld kommt.“
Ich bleibe dabei: Das Betreuungsgeld, wie es in der jetzigen Form angedacht ist, ist schlicht und ergreifend bescheuert. Selbstverständlich lasse ich mich gerne eines Besseren belehren, wenn ich nur endlich mal wenigstens den Versuch eines vernünftigen Dafür-Arguments wahrnehmen würde. Also, liebe Betreuungsgeld-Befürworter, lasst mal hören!

Essai 87: Über Migrationshintergründe

11. Mai 2012

Fürwahr, ein heikles Thema, das ich mir für diesen Essai ausgesucht habe. Man setzt sich da doch recht schnell in die Nesseln, wenn man was über Ausländer öhm tja nun Mitbürger mit migrationshintergründigen Wurzeln und Wurzelinnen erzählt. Aber da ich ja per Definition auch zu diesem Menschenschlag gehöre, weil meine Mutter nicht aus Deutschland kommt, denke ich reicht das an Qualifikation, um mich mal über diesen Begriff des „Migrationshintergrunds“ zu wundern und mich zu fragen, ob überhaupt irgendeiner eine Ahnung hat, was er meint, wenn er von „Integration“ spricht.

Recht schnell rutscht man bei den Begriffen „Migrationshintergrund“ und „Integration“ in die Klischee-Kiste ab und hüpft entweder zum einen Extrem, in dem man herumzetert, „die“ (Mitbürger mit Migrationshintergrund) würden sich ja gar nicht „integrieren“ wollen, würden außerdem „uns“ (Deutschen ohne Migrationshintergrund) die Arbeitsplätze wegnehmen und überdies seien „die“ ja auch alle faul und hätten keine Moral und was weiß ich. Oder man gleitet ins andere Extrem und gibt einem B*shid* (ich zensier den Namen mal bis zur Unkenntlichkeit, damit der mich nicht verklagt) den Bambi für seine tolle Integrationsarbeit. Der Kerl ist auch nicht ausländischer als ich, ein Elternteil kommt aus Woanders-als-Deutschland und der andere aus Deutschland. Zudem ist er in Deutschland aufgewachsen, wie ich auch. Wo bleibt also mein Bambi? Ich mag Rehe, ich würde mir das Ding sogar ins Regal stellen und mich freuen, versprochen! Meine vage Vermutung ist, dass besagter junger Mann deswegen mit dieser heuchlerischen ‚Ausländer-Scheißfreundlichkeit‘  behandelt wird, weil er eine Person des öffentlichen Lebens ist, den ‚Jugendlichen‘ als ‚Vorbild‘ dient und daher für die selbstbeweihräuchernde Prominenz bei der Bambi-Verleihung ungemein wichtig ist. Mich kennt ja kein Aas, also kann ich zwar schreiben, was ich will, aber ein goldenes Rehlein bekomme ich dafür nicht. Man muss halt Prioritäten setzen. Vielleicht bastel ich mir eins aus Alufolie und Klopapier. Aber das ist irgendwie nicht dasselbe…

Oh, ich schweife schon wieder ab, Verzeihung. Ich will mal versuchen, diesen Begriff des „Migrationshintergrunds“ ein wenig zu analysieren, vielleicht verstehe ich ja dann, was das eigentlich heißt. Dass das nicht ein fadenscheiniger Ersatz für den Begriff des „Ausländers“ ist, um politisch korrekt wirken zu können, selbst wenn man es nicht ist, ist denke ich klar. Wäre ja irgendwie auch ziemlich scheinheilig, einfach einen objektiv wirkenden Euphemismus für einen zur Beleidigung verkommenen, aber konkreten Ausdruck zu nehmen, damit keiner merkt, dass man Vorurteile hat. Dass man aber diese Vorurteile trotzdem noch hat, selbst wenn der Begriff sich geändert hat und durch seine neue Schwammigkeit auch gleich viel netter klingt, merkt man dann an Aussagen wie: „Sie sprechen aber gut Deutsch!“ – Ist wirklich wahr, das hat mal so ein Akquise-Fuzzi von einer Finanzberatung zu mir gesagt (keine Ahnung, aus welchem zwielichtigen Datenhandel-Deal der meine Nummer hatte), nachdem er festgestellt hatte, dass „Isabelle Dupuis“ doch ein französischer Name sei. Der Einfachheit halber habe ich gesagt „Ja“ und dann kam auch schon das vermeintliche Kompliment, mein Deutsch sei aber gut. Daraufhin habe ich mir den Spaß gemacht und in meinem schönsten Missingsch geantwortet: „Jo. Ich bin auch hiä geboor’n, nech“ und habe sogleich darauf verzichtet, diesem Stoffel meine spärlichen Ersparnisse anzuvertrauen. Ich kenne aber auch das andere Extrem, mir hat zwar bisher noch keiner vorgeworfen, ich hätte eine zweifelhafte Moral und würde hart arbeitenden Deutschen den Arbeitsplatz wegnehmen (wobei ich ja auch nur zur Hälfte „Ausländerin“ bin, sprich, ich bin dann nicht moralisch völlig verdorben, sondern nur halbseiden und wenn, dann nehme ich den hartarbeitenden Deutsch-Deutschen auch nur eine Teilzeitstelle weg), aber trotzdem scheinen manche Leute zu denken, sie könnten mich beleidigen, indem sie irgendwelche Sprüche über den Verzehr von Froschschenkeln und den angeblich mangelnden Wohlgeruch von Franzosen klopfen. Ich bin dann höchstens über den Mangel an Einfallsreichtum und psychologischer Subtilität enttäuscht. Einmal habe ich auch gekontert, wenn dem so ist, dass Franzosen das mit der Hygiene nicht so genau nähmen, dann stänke ich ja nur auf der einen Hälfte. Das kann man natürlich auch positiv sehen, auf der anderen Hälfte dufte ich nach Rosenblüten und so.

Was ich mit diesen kleinen Anekdoten zu demonstrieren gedenke, ist die totale Absurdität des „Migrationshintergrund“-Begriffs. Hinzu kommt, dass es offenbar bestimmte „Migrationshintergründe“ gibt, die migrationshintergründiger sind, als andere „Migrationshintergründe“. Wenn ich zum Beispiel jemanden, der gerade über „Ausländer“ herzieht, freundlich darauf hinweise, dass auch meine Mutter per Definition zu dieser Spezies gehört, bekomme ich zu hören: „Ja, du! Das ist ja wohl was anderes“. Wieso ist das was anderes? Entweder man ist Deutscher oder nicht und wenn nicht, dann ist man doch in Deutschland ein Ausländer. Ich bin Deutsche und Französin und Deutsch-Französin. Ich bin gleichzeitig Deutsche, Ausländerin, Halb-Deutsche und Halb-Ausländerin, zieht euch das mal rein. Da stößt dann doch dieses ganze Konzept an seine Grenzen und dann ist es vielleicht einfach mal an der Zeit, diese Dichotomie von „Inländer“ und „Ausländer“ fallen zu lassen. Außerdem, wie kann denn das angehen, dass ein Franzose weniger ausländisch ist, als beispielsweise ein Türke oder ein Türke mit deutscher Staatsbürgerschaft oder ein Deutscher mit türkischem Migrationshintergrund? Das ist doch Blödsinn! Wo fängt überhaupt ein „Migrationshintergrund“ an und wo hört er auf? Gibt es dabei auch eine Verjährungsfrist, so wie bei Verbrechen? Mein Vater hat zum Beispiel hugenottische Wurzeln, sprich, irgendwann vor einigen Jahrhunderten, lebten meine Vorfahren väterlicherseits in Frankreich und frönten ihrem protestantischen Glauben. Frankreich war damals in der Hand von Katholiken und aus unerfindlichen Gründen haben diese etwas gegen Protestanten gehabt und ihnen nach dem Leben getrachtet, woraufhin diese geflüchtet sind, im Falle meiner Familie nach Deutschland. Übrigens hat wenige Generationen später irgendein Urahn dann doch zum Katholizismus konvertiert, um im katholisch geprägten Süddeutschland Bürgermeister werden zu können. Ich verstehe das nicht, das ist ja nicht nur der gleiche Gott wie in allen monotheistischen Religionen, es ist auch noch derselbe, ist doch alles Christentum, wo liegt also das Problem? Manche Leute WOLLEN aber auch einfach nicht ihr Hirn benutzen. Außerdem sieht man doch daran, wie unterschiedlich sich die Texte in der Bibel deuten lassen, wie will man denn da mit Sicherheit sagen, wer denn nun eigentlich Recht hat und wer falsch liegt? Aber ich komme schon wieder vom Ästchen aufs Stöckchen, schlimm das. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Verjährungsfrist für „Migrationshintergründe“. Genau. Also, hat mein Vater jetzt mit seinem hugenottischen Nachnamen und den dazugehörigen Wurzeln einen Migrationshintergrund oder nicht? Was ist mit meiner Oma, die im Elsass geboren wurde, was ja zwischendurch auch mal zu Deutschland gehörte. Das heißt, irgendwann waren ihre Vorfahren zwischenzeitlich Deutsche und dann wieder Franzosen und dann wieder Deutsche. Migrationshintergrund oder nicht? Hat überhaupt auch schon mal irgendwer den Umstand bedacht, dass Deutschland und überhaupt alle anderen Länder auch, nicht seit Anbeginn der Erde ihre heutige Beschaffenheit hatten? Was ist mit den großen Völkerwanderungen? Gilt das nicht auch schon als „Migrationshintergrund“? Was ist mit den Amerikanern, wieso spricht man da von „Afro-Amerikanern“, aber nicht von „Euro-Amerikanern“, „Australo-Amerikanern“, „Asia-Amerikanern“? Und wieso nennt man die eigentlichen Amerikaner nicht „Amerikaner“ sondern „amerikanische Ureinwohner“ („Indianer“ darf man ja nicht mehr sagen)? Wobei, ich meine gelesen zu haben, dass besagte „Ureinwohner“ auch nicht immer in Amerika gelebt haben… Da wird man ja ganz wirr im Kopf. Aber ernsthaft, entweder, man unterscheidet überhaupt nicht („Diskriminierung“ heißt übrigens nichts anderes als „Unterscheidung“/“Trennung“) oder man unterscheidet alles. Wobei letzteres, wie man an meinen kleinen Beispielen sieht, ziemlich unübersichtlich und verwirrend werden kann. Sowieso, wird dieser ganze Quark mit dem „Migrationshintergrund“ meiner Erfahrung nach komplett hinfällig, sobald man jemanden als individuellen Menschen kennenlernt. Klingt zugegebenermaßen jetzt etwas kitschig und gutmenschelnd, aber es stimmt. Deswegen sagen ja meine Freunde auch, wenn ich ihnen sage, ich hätte sozusagen auch einen „Migrationshintergrund“, so was wie „Ja, DU!“ und finden, dass das bei mir nicht als „Migrationshintergrund“ gelten könne. Weil sie mich halt persönlich kennen. Wenn ich jemanden persönlich kennen lerne, ist er dann nicht mehr „Der Pole“, „Der Türke“, „Der Iraner“, „Der Österreicher“, sondern dann hat er einen Namen und dann ist das spannend, davon zu erfahren, wenn er eine andere Kultur und andere Traditionen hat, als ich, aber dann schiebe ich den nicht mehr in irgendeine Schublade, klebe ein Etikett drauf und fertig. Dabei ist es ja auch egal, ob auf dem Etikett etwas Erfreuliches draufsteht, wie „ist integriert“ oder etwas Unschönes, wie „will sich ja gar nicht integrieren, die Sau“, Vorurteile sind Vorurteile und die kann man nur ablegen, wenn man sich von bescheuerten, absurden Begriffen wie „Migrationshintergrund“ verabschiedet und offen und neugierig auf andere Menschen zugeht und sich ein bisschen Mühe gibt, denjenigen näher kennen zu lernen.

So, und nun gehe ich mein Klopapier-Alufolien-Bambi für den Weltfrieden anbeten.

Essai 85: Über Vor- und Nachteile einer Frauenquote

31. März 2012

Unglaublich, dass ich zum umstrittenen Thema der Frauenquote noch nicht meinen Senf dazu gegeben habe. Asche auf mein Haupt, aber sowas von! Nun, aber die Einführung einer Frauenquote in der deutschen Arbeitswelt ist ja noch lange nicht vom Tisch und so für mich noch Gelegenheit, besagtes Versäumnis nachzuholen. Wohlan denn, frisch ans Werk! Welche Vorteile, welche Nachteile sprechen für, bzw. gegen die Einführung einer Frauenquote? Selbstverständlich ist der folgende Essai garantiert frei von Objektivität und voll von subjektiven Spekulationen. Beschwerden, Beschimpfungen, Beleidigungen bitte über die Kommentarfunktion loswerden.

Erst einmal muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich es als beleidigend, diskriminierend und im 21. Jahrhundert einfach nur als peinlich empfinde, dass über die Einführung einer Frauenquote in Deutschland diskutiert werden muss. Eigentlich sollte es doch heutzutage selbstverständlich sein, dass die Stellen wirklich nach Qualifikation und sowohl fachlicher, als auch sozialer Kompetenz besetzt und dementsprechend honoriert werden, nicht nach Geschlecht, Religion, Hautfarbe, Alter, sexueller Ausrichtung, was auch immer. Ist es aber nicht. Noch immer sitzen erschreckend wenige Frauen in den oberen und obersten Etagen und weniger Geld kriegen sie obendrein auch noch. Das ist angesichts der Tatsache, dass Frauen mehr als 50% der Weltbevölkerung ausmachen, ein absoluter Skandal. Dass wir weniger qualifiziert wären, müssen wir uns nicht sagen lassen. Das stimmt schlicht und ergreifend nicht. Inzwischen machen wir die besseren Abschlüsse, wir sind (in der Regel, wir wollen hier ja keine Vorurteile schüren) fachlich und vor allem sozial kompetenter, sind mutiger, innovativer, kreativer, kritischer, überlegter und neugieriger als die männlichen Platzhirsche. Problem ist aber, dass die männlichen Platzhirsche das Sagen haben und die wollen in ihren erlesenen Kreis keine Frauen lassen. Warum, darüber kann ich hier nur wild und völlig unwissenschaftlich herumspekulieren. Dass sie Frauen tatsächlich für unfähig halten, kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube eher, sie haben Angst, dass wir Frauen eben einfach fähiger sind als sie und ihnen ohne Weiteres ihren Platz streitig machen können, wenn sie uns lassen. Die Zeiten, in denen sich die Männer darauf ausruhen konnten, dass sie in der Regel physisch kräftiger und somit für bestimmte Berufe fähiger sind als Frauen, sind – zum Unglück der Männer – überholt. Sicher gibt es diese Berufe immer noch, aber mit dem technischen Fortschritt sind sie seltener geworden, weil vieles heute von Maschinen erledigt oder derart unterstützt wird, dass auch kleine zierliche Frauen diesen Beruf ausüben können. Das heißt, die meisten der modernen Berufe haben keine geschlechtsspezifischen Anforderungen mehr. Nur streben weniger Männer in frühere ‚Frauenberufe‘ (Kinderbetreuung, Pflege, diverse Assistenz-Positionen), als Frauen in ehemals den Männern vorbehaltenen Posten. Das heißt, Männer haben ihrerseits keine glaubhafte Möglichkeit, eine Männerquote für bestimmte Stellen zu fordern. Wie hört sich denn das an: „Manno, wenn wir mehr Frauen in Führungspositionen lassen müssen, dann müssen die Frauen aber auch mehr Männer in die Kinderbetreuung lassen, das ist sonst voll gemein und alles.“ Da macht man(n) sich ja lächerlich. Wir Frauen haben doch überhaupt nichts dagegen, wenn mehr Männer sich sozial engagieren wollen. Aber den meisten Männern ist das nicht prestigeträchtig genug. Und mit prestige-untauglichen Berufen, in denen es darum geht möglichst mitfühlend und sozial zu sein, lässt sich vor anderen Männern nicht herumprotzen. „Mein Haus, mein Auto, mein Swimmingpool“ macht sich zum Angeben immer noch besser als „Meine Kindergartengruppe, unser Sandkasten, unser Gemüsebeet“. Uns Frauen ist das egal, wir finden dieses Herumposaunen mit Statussymbolen sowieso total albern und denken dann nur, der Herr habe offensichtlich Einiges zu kompensieren, aber bei anderen Männern können die Jungs offenbar Eindruck schinden. Und da wir Mädels nach wie vor nicht wirklich etwas zu melden haben, ist es auch das, was zählt.

Die Frage ist, lassen die Männer uns auch ohne Quote in den höheren beruflichen Positionen mitspielen? Ich denke: Nein! Gibt es denn für uns Frauen die Möglichkeit, auch ohne Quote, uns gegen die alteingesessenen männlichen Herrschaftsformen durchzusetzen? Nur, wenn wir uns den männlichen Spielregeln anpassen und ihre Hierarchie akzeptieren, aber dann heißt es ja gleich wieder: Zicke!

Es muss sich also grundlegend, strukturell etwas ändern, damit Frauen und Männer wirklich auf allen Gebieten die gleichen Chancen haben. Von alleine und freiwillig wird sich da nichts tun, wenn man die Leute machen lässt, was sie wollen, lassen sie einfach alles so, wie es ist, das macht keine Mühe und bisher ist ja auch immer alles gut gegangen. So leid es mir also tut, ich glaube, dass wir am Anfang, um diese grundlegende, strukturelle Änderung anzuwerfen, um eine gesetzliche Frauenquote nicht herumkommen. Wenn sich das dann eingependelt hat – und das wird es irgendwann – ist diese Quote vielleicht nicht mehr nötig. Aber für den Anfang ist sie das.

Verflixt. Ich wollte ja noch ein paar Nachteile der Frauenquote aufzählen… Hmm… Also… Nun ja… Die alteingesessenen Platzhirsche würden ganz schön schmollen.

Essai 80: Über die Akkumulation gleichgearteter Nutzlosigkeiten

21. Januar 2012

Männer und Kinder haben ja bekanntermaßen so Einiges gemeinsam. Sie brauchen ständig Aufmerksamkeit, verstehen einen so, wie es ihnen gerade in den Kram passt, obwohl sie ganz genau verstanden haben, was man meint, sie sind laut und manchmal nervig, dabei aber irgendwie putzig, mitunter gar rührend.
Es gibt noch eine Gemeinsamkeit zwischen Männern und Kindern, die ich heute mal dem geneigten Leser und seinem weiblichen Pendant schildern möchte: Die Sammelwut. Oder anders gesagt, die Akkumulation gleichgearteter Nutzlosigkeiten. Ich habe zum Beispiel als Kind Schneekugeln, Parfumflacons und Stofftiere gesammelt, es gab auch mal eine Münz- und Briefmarkensammelphase. Jetzt da ich allmählich altersweise werde (meine Sammelhochzeit hatte ich zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts) habe ich die kathartische Wirkung des Ausmistens für mich entdeckt und meine Schneekugeln und Flacons im Müll entsorgt, meine Münzsammlung für mickrige 10 Euro verschachert (ich vermute, der feiste Kerl, Typ „Klischee-Kapitalist“, der in dem kleinen Münzgeschäft-Kabuff wie die Made im Speck auf seinem Stuhl thronte, hat mich über den Tisch gezogen. Aber bei Krempel muss man immer abwägen, ob man ihn los- oder reich werden will.), einen Großteil der Stofftiere für Tombolas gespendet und die Briefmarkensammlung verschenkt. Herrlich! Dinge, die einfach nur herumstehen und Staub fangen, dabei aber keinerlei Nutzen aufweisen, loszuwerden ist ungemein befreiend. Bücher und DVDs zählen übrigens nicht dazu, die haben nämlich einen Nutzen.

Nun begibt es sich aber so, dass Männer, erwachsene Männer, es häufig total super finden, völlig nutzfreie Dinge anzusammeln, zu katalogisieren, in Alben zu stecken und diese Alben wiederum ins Regal zu stellen, sich eine Extravitrine zuzulegen, wo dann die gesamte Reihe irgendwelcher Sammelfiguren von geringem ästhetischen Wert Platz hat und sich einfach nur daran zu erfreuen, dass sie die Reihe komplett haben und dass sie mit diesem Sachverhalt vor anderen Männern angeben können. Wie gesagt, rührend und putzig und liebenswert. Solange sie alleine wohnen auch überhaupt kein Problem. Ansonsten sehe ich den Beziehungsknatsch schon vorprogrammiert: „MUSS das sein, dass deine Sammlung von Fantasy-Skulpturen in unserem Schlafzimmer steht? Diese Elfe hat überhaupt nichts drunter an und wie dieser Troll mich anstarrt, das irritiert mich!“ – „Stehe NICHT zwischen mir und meinem Hobby!“ … Man stelle sich vor, die Frau nutzt einen unbeobachteten Moment und wischt zum Beispiel ein wenig Staub und aus Versehen, wirklich aus Versehen! verschiebt sich der Troll oder die Elfe fällt herunter und ein Zacken ihres Sternchen-Haarbands bricht ab… Es hat sicher schon Morde gegeben deswegen.

Ich habe da ja so eine Theorie, was männliche und kindliche Sammelwut voneinander unterscheidet. Kinder sammeln Dinge, die sie schön finden. Es macht ihnen Spaß und sie haben Freude daran, hübsche Dinge – egal ob diese einen realen monetären Wert haben oder nicht – nebeneinander zu stellen, mit anderen ähnlichen Dingen zu ergänzen, mit ihren Freunden zu tauschen und ähnliches. Im Vordergrund steht immer der Spaß an der Freude. Diese Einstellung scheinen übrigens auch erwachsene Frauen mit ausgeprägtem Sammeltrieb zu teilen (Ja, ja, die gibt es auch, schon klar). Sammelnde Frauen akkumulieren bevorzugt Kitsch-Figuren, wie Porzellanpuppen oder neckisch aus der Wäsche guckende Clowns mit Luftballons und Grübchen, die mit flauschigen, kulleräugigen Kätzchen spielen, die ebenfalls Grübchen haben. Alles in allem an Scheußlichkeit nur von nackten Elfen zu überbieten. Ich möchte nicht wissen, was das mit der sensiblen Kinderpsyche macht, wenn sie in einem Umfeld aufwachsen, indem sie von Porzellanpuppen und Grinseclowns zugekitscht werden. Da wird man bestimmt ganz komisch von und sammelt sowas später selbst. Wenn hingegen erwachsene Männer sammeln, steht der Spaß an der Freude eher im Hintergrund. Es geht darum, möglichst eine bestimmte Reihe komplett zu haben, von der irgendwelche anderen männlichen Sammler – selbsternannte Sammelexperten – behaupten, man müsse sie komplett haben, sonst wäre sie nichts wert. Und wenn eines von diesen Teilen aus welchen Gründen auch immer von diesen ‚Experten‘ als besonders schwer zu bekommen qualifiziert wird, ist es umso toller, dieses Ding zu erwerben. Ganz egal, ob das eine geschmacklose, hässliche Elfenskulptur, ein kleines Plastikfigürchen  oder ein Stückchen buntes Papier ist. Das ist natürlich super für Leute, die ihr Gerümpel loswerden wollen, die brauchen das dann nur ins Netz zu stellen oder bei irgendeinem Gerümpelhändler vorbeizubringen und schon kriegen sie Geld für etwas, das bei ihnen zu Hause eh nur im Weg herumgestanden hat. Wenn sie sich vorher bei selbsternannten Sammelexperten schlau gemacht haben, vielleicht sogar viel Geld.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich noch halbwegs nachvollziehen kann, dass die Jagd nach einem imaginiert kostbaren Objekt Spaß machen kann. Ich verstehe aber überhaupt nicht, was daran Spaß macht, sich die Sammlung – ist sie einmal komplett – ins Regal zu stellen und nie wieder anzufassen. Wenn das irgendwelche Sammelkarten sind, die man einrahmt, das ist vielleicht nicht immer im eigentlichen Sinne schön, nimmt aber wenigstens keinen Platz weg, also jedem Tierchen sein Pläsierchen. Aber dicke Alben mit Zeugs drin oder Skulpturen nehmen Platz weg und Figürchen versperren einem den Weg zu den Büchern, ist das nicht irgendwann nervig? Fällt einem da nicht manchmal vor lauter Gedöns in der Umgebung die Decke auf den Kopf? Kriegt man da nicht irgendwann einen Rappel und schmeißt die ganze Scheiße weg?

Neulich bin ich auf eine unsäglich peinliche Fernsehsendung gestoßen, die in bester ‚Scripted reality‘-Manier gerümpelgeplagten Ehegattinnen hilft, ihren Mann dazu zu bewegen den Trödel zu entsorgen, den er schon seit Jahren hortet und allen Ernstes glaubt, der Schrott sei irgendetwas wert. Alte Kaffeemaschinen, bei der einen fehlt die Kanne, bei der anderen ist der Deckel abgebrochen, bei der dritten ist das Kabel durchgeschmort. Milchkannen von monströser Kitschigkeit, angemalte Schaufeln, jede Menge Harken und Kisten mit undefinierbarem Kleinkram. Der küchentischpsychologisch geschulte Hanswurst von einem Moderator äußerte dann auch gleich die Vermutung, dass die Gattin sich durch das Vergraben ihres Mannes in seinen Krempel vernachlässigt fühle. Nun bin ich nicht minder küchentischpsychologisch geschult und vermute, dass das Problem gar nicht Liebesentzug ist, wenn die Sammelwut des Göttergatten soweit geht, dass der Mann nichts wegwerfen mag (Kann man noch kleben! Ist doch noch gut! Kann man doch noch gebrauchen! Da kann man doch noch was draus machen! Man weiß ja nie! Wieso, was stimmt denn damit nicht! Das ist doch schön! Man muss nur Leute finden, die das auch wertschätzen können!), sondern schlicht und ergreifend darin, dass ein Übermaß an Krempel einfach erdrückend ist. Wenn es mit der Sammelwut des Gatten soweit ist, muss man als Frau tricksen. Am besten nicht fragen und die Sachen heimlich entsorgen. Ja, ja, ja, das macht man nicht, von wegen Ehrlichkeit blablabla. Aber Extremsituationen erfordern mitunter drastische Methoden. Man muss das natürlich geschickt machen und erst mal nur Kleinigkeiten entsorgen und nicht zu viel auf einmal. Ich wette, das merkt der gar nicht. Aber wenn man ihn fragt, ob man diese ramponierte Kaffeemaschine ohne Kanne, die kein Mensch mehr benutzt, entsorgen darf, wird er sich vehement weigern. Schmeißt man sie einfach weg, sind alle zufrieden.

Essai 79: Über kommunikationsbedingte Schwierigkeiten im Balzverhalten und misslingende Flirtstrategien

14. Dezember 2011

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen, das wusste schon Loriot. Sie sprechen zwar dieselbe Sprache, aber nicht die gleiche. Eine grammatikalische Spitzfindigkeit, so mag es auf den ersten Blick scheinen, die aber nichtsdestoweniger schwerwiegende Folgen für das Gelingen oder Scheitern von Balzverhalten und Flirtstrategien mit sich bringt.

Normalerweise halte ich ja nichts von diesem ewigen ‚typisch Frau – typisch Mann‘-Gedöns, aber irgendwie stoße ich mit dieser Haltung dann doch immer wieder an meine Argumentationsgrenzen. Manche Dinge scheinen doch überwiegend ‚typisch Frau‘ andere wiederum ‚typisch Mann‘ zu sein. Das passt mir nicht in den Kram, aber bietet immerhin viel Diskussionsstoff, also passt mir das doch in den Kram.

Meiner Meinung nach ließe sich ein erheblicher Teil von Liebesleid und Herzschmerz vermeiden, wenn Frauen lernen würden, die ‚Männersprache‘ zu verstehen und umgekehrt die Männer die ‚Frauensprache‘. Natürlich gibt es auch da immer wieder Ausnahmen, aber der Regelfall ist meiner Erfahrung nach doch der, dass das Männchen in eindeutiger Balzabsicht auf das Weibchen zumarschiert, es nach einigem – aus seiner Sicht – lästigen Vorgeplänkel mit einem – seiner Meinung nach – ausgeklügelten Flirtangebot überrumpelt und das Weibchen vollkommen überrascht in ein Herumgeeiere verfällt, welches das Männchen völlig verunsichert zurücklässt. Hinterher jammert das Männchen, es klappe doch nie mit diesen Frauen, nie könnten die mal eine eindeutige Antwort geben und eine klare Ansage machen und diese Weiber seien doch alle gleich. Das Weibchen indes, von dem Schock noch nicht ganz erholt, beklagt sich darüber, was das denn solle, diese Männer immer, warum müssten die einen so plump überrollen, man habe doch überhaupt nichts getan, jedenfalls nicht bewusst, was hätte als Interessensbekundung ausgelegt werden können, man habe doch nur freundlich gegrüßt und überhaupt kenne man sich doch nur vom Sehen, was denkt der eigentlich, man müsse sich doch erstmal nett unterhalten und sich kennenlernen anstatt gleich mit der ganzen Tür ins Haus zu fallen, oder habe man etwa doch etwas kommuniziert, was der falsch verstanden hat und Oh nein! jetzt habe man diesem armen Menschen falsche Hoffnungen gemacht, wie komme man aus dieser unangenehmen Situation nur bloß wieder heraus, am besten, man gehe ihm aus dem Weg und hoffe, man laufe sich nicht zufällig doch über selbigen und Ohgottogott! was, wenn man ihm doch mal zufällig begegne, was solle man da bloß tun…

Allein an der Länge beider Gedankenströme lässt sich schon eine bemerkenswerte Tendenz ausmachen: Frauen grübeln und denken viel mehr nach als Männer, neigen zu Schuldgefühlen und Gewissensbissen, suchen die Schuld grundsätzlich erst einmal bei sich selbst und haben Mitleid mit dem armen Kerl, dem sie gerade eine so dumme, uneindeutige Abfuhr erteilt haben. Männer machen es sich leicht, da sind einfach alle Frauen Schlampen (außer Mutti), das wird dann von den männlichen Leidensgenossen abgenickt und damit ist der Fall erledigt.

Dieses Balzverhalten KANN nicht funktionieren.

Das Folgende richtet sich vornehmlich an die Jungs, tut mir leid, aber die Mädels haben schon genug von mir abbekommen in meinem Essai über nicht komische Frauen, jetzt  seid ihr halt auch mal dran. Muahahaha. Also. Hört um Himmels willen endlich einmal auf, ständig den Frauen die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, dass eure Flirtstrategien für’n Arsch sind! Ernsthaft, was soll denn das, ihr könnt doch nicht erwarten, dass das Objekt eurer Begierde euch sofort um den Hals fällt, nur weil ihr mit den Fingern schnipst. Und nein, zwei-drei Sätze Vorgeplänkel reichen in der Regel nicht aus, um sich kennen zu lernen. Und ja, das muss sein, dass man sich erst einmal kennen lernt, bevor frau weitergehende Schritte in Erwägung zieht. Ich rede jetzt davon, dass man(n) tatsächlich an der Dame interessiert ist und nicht bloß irgendwen für’s Bett sucht. Ist letzteres der Fall, sollte man(n) am besten sorgfältig die Lage peilen und nach Gleichgesinnten Ausschau halten. Ist der Mann aber wirklich gewillt, auch außerhalb dessen Kontakt mit dem Zielobjekt zu halten, sollte er dieses Interesse auch dadurch kund tun, dass er sich für die Frau tatsächlich interessiert.

Hö?

Das ist die typische Reaktion, wenn ich versuche, dies einem Mann klar zu machen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was es daran nicht zu verstehen gibt, aber da ich heute in großmütiger Stimmung bin, werde ich mal versuchen, dieses Geheimnis zu lüften. Wenn eine Frau anfängt, etwas zu erzählen und der Mann geht überhaupt nicht darauf ein, wartet nur notdürftig, bis sie einigermaßen fertig ist, um ganz kurz etwas von sich zu erzählen, dabei den Eindruck zu erwecken, seine Sichtweise sei die einzig Richtige, um dann aus völlig heiterem Himmel mit der Frage herauszuplatzen, ob die Dame möglicherweise geneigt sei, mit ihm zu dinieren, dann ist das ganz falsch. Das, was bei der Frau ankommt ist nämlich folgendes: „Ja, ja, Blablabla, du mich auch, ach à propos, Bock auf Sex?“ Dass die Frau in einer normalen Alltagssituation darauf mit nicht zu bändigendem Enthusiasmus reagiert ist sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist die oben bereits erwähnte Reaktion. Das weibliche Herumeiern: „Äääääääääääääääääääääääh, Öööööööööööööööhm, Na jaaaaaaaaa, weiß niiiiiiich, neeee, irgendwie nich soooooooooo, also, du bist ja ganz nett und alles, aber mehr auch nicht, also, als Freund vielleicht, aber du bist einfach nicht so mein Typ….“

Wenn ein Mann aber erst einmal völlig ohne Hintergedanken sich ernsthaft mit der Frau unterhält, sich wirklich für das interessiert, was sie erzählt, dann läuft das Gespräch von ganz alleine und dann kann er ja ganz beiläufig fallen lassen, wenn man sich schon eine Weile angeregt unterhalten hat, ob man das Gespräch nicht bei einem Kaffee fortführen wolle, oder so etwas in der Richtung. Schön subtil, höflich, unaufdringlich. Das ist keine Garantie für Erfolg, aber die Wahrscheinlichkeit, eine eindeutige, aber freundliche Antwort („Würde ich gern, aber ich habe einen Freund“, „Würde ich gern, aber ich muss zum Seminar/zur Arbeit/etc.“, „Ja.“, …) ist doch um einiges höher, als in Version 1.

Wichtig ist auch, dass die Männer dieses Herumgeeiere den Frauen nicht allzu übel nehmen. Ich weiß, das ist echt doof von uns, keine klaren Antworten zu geben. Obzwar ich finde, dass Herumgeeiere eigentlich schon ein eindeutiges ‚Nein!‘ ist, das sich nur noch überlegen muss, wie es sich möglichst wenig verletzend seinen Weg nach draußen bahnt. Und das ist der Punkt. Frauen eiern nicht herum, um die Männer zu ärgern, sie eiern herum, weil sie sie gerade nicht ärgern wollen, aber wissen, dass der arme Kerl gerade seinen ganzen Mut aufgebracht hat, um sie anzusprechen und zu fragen und jetzt muss man diesem bedauernswerten Tropf einen Korb geben, will aber auch nicht gemein sein. Frauen wurde und wird seit Anbeginn der Menschheit eingebläut, sie müssten immer hübsch freundlich und höflich sein, immer nett lächeln und winken. Das heißt, wenn eine Frau nett lächelt und winkt, dann heißt das in erster Linie gar nichts. Männer denken dann immer gleich, das wäre eine Flirteinladung, aber nein, es ist einfach nur nett und höflich gemeint. Und wenn eine Frau sich eine Haarsträhne hinter das Ohr klemmt, heißt das in erster Linie nur, dass diese Haarsträhne sie vor dem Ohr genervt hat, das ist kein Geheimcode für „Ich will mit dir schlafen. Jetzt. Sofort.“ Das wäre wirklich mal ein Fortschritt, wenn Männer das endlich mal kapieren könnten! Alles, was nicht „Ja“ ist, ist ein „Nein“. Und Körpersprache muss man immer im Gesamtkontext betrachten, die Persönlichkeit der Zielperson und die gegenwärtige Situation mitberücksichtigen. Das ist nun mal immer ein Risiko, wenn man versucht mit jemandem ins Gespräch zu kommen, man kann sich nicht im Vorhinein dadurch absichern, dass man die Frau beobachtet und sobald sie ihr Haar geschüttelt hat auf sie losstürmt und sie mit seiner Paarungsbereitschaft überrumpelt.
Also, noch mal konkret: „Äääääähm… Na jaaaaaa…. Öööööhm“ heißt „Nein“. „Ich hab gerade keine Zeit“ heißt „Nein“. „Nein“ heißt „Nein“. „Danke, aber ich will / muss jetzt irgendwas anderes tun / irgendwo hin“ heißt „Nein“. „Du, das passt mir gerade nicht“ heißt „Nein“. „Ja“ heißt „Ja“. Eigentlich sind das doch ganz klare Ansagen, oder?

Abschließend doch noch ein kleiner Arschtritt für meine Geschlechtsgenossinnen: Sprecht doch auch mal die Männer an. Die meisten Männer freuen sich und wenn nicht, dann sind sie rückständige Troglodyten und dann ist man ohne sie sowieso besser dran. Hört auf, euch hinter längst überholten Balztraditionen zu verstecken und immer nur zu verlangen, der Mann müsse den ersten Schritt machen und wenn er es dann tut, eiert ihr wieder rum. Das lässt sich ganz einfach vermeiden, indem ihr auch mal die Initiative ergreift.

So.

Und nun packe ich meine kleinen Cupido-Flügelchen wieder in die Schublade, räume Köcher und Pfeile ordnungsgemäß weg und gucke How I met your mother.

Essai 76: Über nicht komische Frauen

11. Oktober 2011

Eine kleine Warnung vorweg: Der folgende Essai entbehrt jeglicher politischer Korrektheit und stellt keinerlei Ansprüche darauf, die absolute Wahrheit zu verkünden. Er ist infolgedessen für Gutmenschen, Gleichstellungsfanatiker und Emanzipationsheuchler denkbar ungeeignet. Sollte sich ein solcher dennoch dieses Machwerk zu Gemüte führen, bitte ich die Kommentarfunktion nach Belieben zu nutzen, um mich mit Schimpftiraden und Zurechtweisungen jeder Couleur zu bedenken.

So. Das wäre erledigt. Dann kann ich ja jetzt loslegen.

Ich frage mich schon seit Längerem, warum weibliche Komikerinnen nicht so witzig sind, wie ihre männlichen Kollegen. Ich weiß, das ist ein Klischee, aber leider stimmt das auch. Ich würde dem zu gerne widersprechen, aber ich habe leider keine guten Gegenbeispiele. Seit jeher ist das Komische eine Männerdomäne. Und das finde ich persönlich ziemlich unfair. Vielleicht will ich als Frau ja auch mal komisch sein. Stattdessen muss man als Frau funktionieren. Man muss Karriere machen und den Haushalt schmeißen, zwischendurch mal ein paar Kinder in die Welt setzen, damit die Menschheit nicht ausstirbt, um die muss man sich dann auch noch kümmern, währenddessen kriegt Männe eine Midlifecrisis, so dass man noch ein Kind mehr betüddeln muss und Sonntagabend gibt’s den Fernsehkrimi. Wann hat man denn bei all den Problemen Zeit und Lust komisch zu sein? Eben.

Nichtsdestotrotz gibt es ein paar wagemutige Geschlechtsgenossinnen, die wenigstens versuchen witzig zu sein. In Ermangelung weiblicher Vorbilder orientieren sie sich dabei jedoch an ihren männlichen Kollegen und das Ergebnis ist in der Regel beschämend. Das ist dann die ersten zwei Male noch ganz ulkig, weil es ungewohnt ist, einer Frau dabei zuzusehen, wie sie sich um Witzigkeit bemüht, aber beim dritten Mal ist es nur noch peinlich. Wobei ich recht viele Männer kenne, die eine Carolin Kebekus oder wie die heißt, außerordentlich komisch finden. Zugegeben, die kleinen halbstarken Assis, wie man sie in cineastischen Popcornunterhaltungsangeboten in Multiplexkinos in der hintersten Reihe ertragen muss, macht sie hervorragend nach. Aber da lacht man zwei Mal drüber und beim dritten Mal gähnt man. Oder Cindy aus Marzahn. Die ersten zwei Male denkt man sich, Oho, Mut zur Hässlichkeit, sehr schön, Hahaha und was sie erzählt ist auch ganz drollig. Und beim dritten Mal: Pff, die schon wieder.

Eine Frau, die die Komik eines Mannes kopiert, ist nicht witzig. Das ist dann Mario Barth mit Brüsten (Hihi, ich hab Brüste gesagt *kicher*). Und der ist schon im brustfreien Zustand nicht sehr witzig. Ob nun eine Frau skatologische Klischees verzapft oder ein Mann, die Geschmacksfreiheit solcher Witzeleien ist dieselbe. Aber bei Männern sind solche plumpen Scherze normal, von denen erwartet man nichts Feinsinniges, deswegen amüsiert man sich da eher drüber, als bei einer Frau. An eine Frau stellt man mehr Ansprüche. Man erwartet da mehr feinsinnigen, hintergründigen Humor und nicht irgendwelche Frotzeleien über die eigene Periode oder sonst ein Tröt, der keinen interessiert. Das kann ja jeder, sich auf die Bühne stellen und „Kaka, Pisse, Ficken, Boah, immer wenn ich meine Tage habe, muss ich ständig pupsen *furz*“ sagen und dann erwarten, dass das als komisch gilt. Ist es aber nicht. Blähungen während der Periode sind ein ernstzunehmendes Problem, darüber macht man keine Witze. Darüber macht man Werbung für verdauungsfördernden Joghurt.

Mich nervt es persönlich immer fürchterlich, wenn Leute Klischees bestätigen. Da kann ich mir ja mit meinem Appell an Gleichberechtigung, das Hinterfragen von Vorurteilen und den ganzen Krams den Mund fusselig reden, wenn da ständig Realsatiren auf zwei Beinen mir ins Handwerk pfuschen. Man muss doch nun wirklich kein Genie sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Bestätigung von Klischees bedeutet, dass man sich ans eigene Bein pinkelt. Und die künstliche Herstellung eines Anti-Klischees bestätigt ebenfalls das eigentliche Klischee. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Wenn eine Frau, in dem Versuch komisch zu sein, sich wie ein Mann aufführt, versucht sie als Frau dadurch komisch zu sein, dass sie typische Männerklischees kopiert. Das heißt, sie ist das Anti-Klischee einer Frau. Damit bestätigt sie jedoch das Klischee, das man Frauen vorwirft, sie seien einfach von Natur aus nicht witzig. Sie bestätigt das Vorurteil, dass, wenn man witzig sein will, man sich wie ein Mann aufzuführen hat. Und zwar wie das Klischee eines Mannes. Denn dass es auch Männer gibt, die durchaus feinsinnigen Humor praktizieren (Loriot, Dittsche, Dieter Nuhr, Woody Allen, …), ist Fakt. Warum sich unsere Komiker-Mädels nicht mal an denen orientieren können, ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist es einfach einfacher, dümmliche Klischees zu bestätigen, als mal ein bisschen intelligente Komik zu versuchen.

Frauen sollten ruhig mal den Mut haben, Frauen zu sein, auch wenn das Komischsein ihr Beruf ist. Oder, wenn man mal die Klischees außen vor lassen will, sollten Frauen einfach die Menschen sein, die sie sind. Also nicht nur plump die männlichen Kollegen imitieren, sondern mal was Eigenes wagen, ein Jodeldiplom sozusagen. Dann würden vielleicht auch endlich mal die Unkenrufe aufhören, dass Frauen einfach nicht komisch seien. Dass das Witzige einfach keine weibliche Eigenschaft sei und schlicht nicht in der weiblichen Natur liege. Und dann hätte ich auch endlich mal ein paar überzeugende Gegenbeispiele.

Essai 54: Über den Valentinstag

14. Februar 2010

Nachdem ich in der Zeitung einen unglaublich dummen Kommentar zum Valentinstag gelesen habe, fühle ich mich nun bemüßigt, zur Feier des Selbigen ebenfalls meinen Senf beizutragen.

In dem Artikel ging es darum, dass die Schreiberline zu einer „seltenen“ „vom Aussterben bedrohten“ Art gehöre, nämlich der der hoffnungslosen Romantiker, die – Achtung, Klischee-Alarm! – noch an die „große Liebe“ glaube. Und als ob es der Klischees nicht damit schon genug wäre, führte sie dann auch gleich an, dass sie diesem romantischen Glauben anhänge, obwohl doch die Hälfte der Ehen geschieden würden. Dass im Gegenzug die andere Hälfte der Ehen nicht geschieden werden, wurde geflissentlich ignoriert.

Damit nicht genug, die Platitüden gingen noch weiter. Die literarische Einfallsfreiheit tönte dann rum, sie habe eine Freundin, die – das ist jetzt meine eigene Interpretation – offenbar irgendwo im geistigen und emotionalen Alter zwischen 13 und 14 hängen geblieben war, gleichzeitig aber der Meinung war, die Weisheit mit Tanklastern schnabuliert zu haben. Und vermutlich zuviele Vampirkitschromane gelesen und dabei die ironisch-distanzierte Haltung vergessen zu haben. Diese besagte Freundin wurde nun mit einer ihrer Weisheiten zitiert und als Beweis für die (stereotype, unreflektierte, selbstdiskriminierende) Meinung der „Autorin“ angeführt, was es denn mit der großen Liebe auf sich habe.

Mit dem Grundton der Überzeugung wurde so nun der uralte Irrtum hochgehalten, Liebe bedeute Schmerzen. Wenn es nicht wehtut, ist es keine Liebe.

Und das ist der Punkt, wo ich einfach mal ganz vehement widersprechen muss. Meiner Meinung nach ist es zwar spannender, tragische Liebesgeschichten zu lesen, zu sehen oder zu hören, so wie auch traurige Liebeslieder oft schöner sind als fröhliche. Aber: Wenn es um das RICHTIGE Leben geht, dann ist es einfach nur zum – Pardon – Kotzen, wenn die Liebe weh tut und man Liebeskummer hat. Im Nachhinein kann man das natürlich alles verklären, vielleicht muss man das auch, um mit den Schmerzen klar zu kommen. Aber mir kann keiner erzählen, dass er eine unglückliche, schmerzhafte Beziehung einer glücklichen, harmonischen vorzieht.

Sicher, es gibt den einen oder anderen, der auch diesem bekloppten Mythos der schmerzhaften Liebe aufgesessen ist, der möglicherweise auch aus irgendwelchen unglücklichen Verkettungen fieser Umstände glaubt, es nicht besser verdient zu haben.

Aber die wirkliche, wahre Liebe ist ganz ruhig, still und unspektakulär. Sie tut nicht weh, sie ist nicht laut und penetrant, sie beruht nicht auf Unausgewogenheit und Disharmonie, sie ist auch nicht schmerzhaft.

Natürlich muss man was dafür tun, damit die Liebe nicht weh tut. Und genau dafür finde ich den Valentinstag gut. Denn er bietet einem einen Anlass, mal wieder gemeinsam etwas zu unternehmen, dem anderen eine Freude zu machen und sich selbst damit auch. Das hat nichts mit hoffnungslosem Romantismus zu tun, sondern das ist reiner Überlebenswille. Denn wo kommen wir denn da hin, wenn das, was unser Leben lebenswert macht – nämlich die Liebe – wenn selbst das mit Leiden und Schmerzen verbunden ist.

Es wird mal Zeit, diesen dämlichen Mythos zu überdenken. Und nicht alles zu glauben, was in der Zeitung steht.

Einen fröhlichen Valentinstag noch an alle.


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