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Essai 200: Über die Laschet-Masche oder wie sage ich alles und nichts gleichzeitig?

16. Mai 2021

Es ist Wahlkampf und die deutsche Politik dreht am Rad. Die Union, noch immer ohne Programm, denkt sich einen Blödsinn nach dem nächsten aus, um eimerweise Mist über die Grünen auszukübeln. Anscheinend findet die CDU/CSU nichts, was sie den Grünen inhaltlich ankreiden und ihnen sachlich entgegensetzen kann. Peinlich ist das. Nun gut, aber ein Mann, der Nachfahre von Karl dem Großen höchstselbst, macht da nicht mit und präsentiert einfach überhaupt keine Inhalte: Armin Laschet.

Das Faszinierende aber ist, dass Armin Laschet zwar überhaupt nichts mit Substanz sagt, zu nichts Stellung bezieht und keine Haltung zu irgendwas zeigt – ohne dass das auf Anhieb auffällt. Ihm gelingt das Kunststück, gleichzeitig alles und nichts zu sagen. Er ist ein Virtuose des Vagen, ein Meister des Um-den-heißen-Brei-Herumeierns, sodass alle genau das in sein Geplapper hineininterpretieren können, was sie wollen.

Wie schafft dieser Mann das bloß, dass seine Belanglosigkeiten nicht sofort als solche auffliegen? Eine Analyse:

1. Bedeutungsschwangerer Tonfall

Armin Laschet spricht und betont stets auf eine Weise, die das Gesagte bedeutungsvoll erscheinen lässt. Er setzt Pausen, vermeidet „Ähs“ weitestgehend, betont einzelne Wörter … das macht er schon ziemlich gut, soviel muss ich ihm lassen. Dadurch klingt alles, was er sagt, wie eine grandiose Erkenntnis, die superwichtig ist, und die ihm, Armin, eingefallen ist. Ob er nun sagt: „Kräht der HAHN auf dem MIST … ändert sich das WETTER oder BLEIBT … wie es IST“ oder „Auf REGEN … folgt SONNENSCHEIN. Oder … auch NICHT“ oder „Deswegen brauchen wir JETZT einen BRÜCKEN-Lock-down. Also als BRÜCKE bis genug geimpft sind … so lange müssen WIR ALLE noch ein BISSCHEN durchhalten“ -> Das macht überhaupt keinen Unterschied. Inhaltlich ist das alles ziemlich substanzlos, aber durch den bedeutungsschwangeren Tonfall klingt es total erhaben und staatstragend.

2. Ruhe bewahren

Ein Armin Laschet lässt sich so schnell durch nichts aus der Ruhe bringen. Ob das dubiose Maskendeals sind, in die er wie viele seiner Parteikolleg*innen verwickelt zu sein scheint, ein polternder – und deutlich beliebterer – Mitbewerber um die Kanzlerkandidatur, Kritik von Bürger*innen, kritische Nachfragen in Talkshows oder von Pressemenschen oder ein Friedrich Merz, der mit seinem Geltungsbedürfnis so ziemlich allen auf die Nerven geht, ist – Armin Laschet bleibt gelassen. Zumindest vermittelt er den Eindruck, und das ist ja das, was zählt. Er schafft es irgendwie immer, sich aus allem herauszureden, und dank bedeutungsschwangerem Tonfall hört sich das auch zunächst halbwegs plausibel an, auch wenn es herumgeeiert war.

3. Putziges Erscheinungsbild

Mal ganz ehrlich: Kann man Armin Laschet wirklich böse sein? Wenn er einen so treu anguckt, mit seinen Knopfäuglein, und dann noch die roten Bäckchen und das Knubbelnäschen? Und dann strahlt er auch immer so, wenn er wieder etwas völlig Banales sagt! Da möchte man ihn doch am liebsten knuddeln, oder? Nein, Spaß, aber sein putziges Erscheinungsbild trägt meines Erachtens definitiv dazu bei, dass man ihm abkauft, ihm ginge es um das Wohl seiner Mitmenschen und als würde er irgendwas total Weises sagen – obwohl er in Wirklichkeit nur hohle Phrasen drischt.

4. Cleveres Taktieren im Hintergrund

Laschet selbst vermeidet es zwar konsequent, zur irgendetwas klar Stellung zu beziehen, aber das muss er auch gar nicht. Denn er kann sich einfach einen Friedrich Merz ins Team holen, der nun wirklich gar kein Problem damit hat, zu irgendetwas Stellung zu beziehen, auch wenn er vom Thema überhaupt keine Ahnung hat, wie zum Beispiel von gendergerechter Sprache. Wie er es geschafft hat, Markus Söder auszubooten, obwohl er die schlechteren Umfragewerte hatte, werden wir Bürger*innen wohl nie erfahren. Aber es ist ihm gelungen. An den Argumenten kann es nicht gelegen haben, ich denke auch nicht, dass ein Mann-gegen-Mann-Schlammcatch-Wettkampf mit ihm als Sieger ausgegangen wäre. Einzige Erklärung, die mir plausibel erscheint: Armin Laschet hat so clever intrigiert – äh, taktiert -, dass es wie eine gute Idee wirkte, ihn als Kanzlerkandidaten aufzustellen.


Soweit erst einmal meine Analyse. Was fällt euch denn noch ein, weshalb nicht allen Menschen sofort auffällt, dass Armin Laschet nichts zu sagen hat? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂


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