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Essai 140: Über klare Ansagen

19. April 2015

Neulich las ich einen von diesen Beziehungsratgebern, die einem weismachen wollen, Männer bräuchten klare Ansagen. Frauen würden sich halt immer so undeutlich ausdrücken und deswegen seien sie selber Schuld, dass ihre Partner nicht im Haushalt helfen. Diesen ausgemachten Unfug konnte ich so natürlich nicht stehen lassen. Allerdings ist mein Facebook-Kommentar wieder gelöscht worden, ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil ich angedeutet habe, dass Leute, die behaupten klare Ansagen zu brauchen, nur zu faul sind, der Bitte nachzukommen und dieses „Ich brauche halt klare Ansagen“ nichts weiter als eine Ausrede ist. Wobei, angedeutet habe ich das eigentlich nicht. Ich habe die klare Ansage gemacht, dass solche Leute Faulpelze sind. Das wurde wohl als Beleidigung gesehen.

Aber einmal ganz von vorn: Was sollen klare Ansagen überhaupt sein? Wenn damit ehrliche Antworten gemeint sind, dann muss ja auch vorher eine Frage gestellt worden sein. Sprich, wenn jetzt zum Beispiel eine Frau zu ihrem Mann sagt: „Schatz, magst Du bitte nach dem Essen die Spülmaschine ausräumen, bevor Du ins Bett gehst?“, dann ist das eine eindeutige, klare Frage. Da kann der Mann entweder mit „Ja, mach ich“ oder „Nee, kein Bock“ drauf antworten. Das wäre eine klare Ansage. Ein eindeutiger Fall, sollte man meinen.

In dem Ratgeber hieß es jedoch, der Mann würde das nicht als klare Frage deuten, weil da gleich drei Informationen auf einmal (Essen, Spülmaschine ausräumen, ins Bett gehen) drin enthalten sind. Die Frau hätte also sagen müssen: „Schatz, Du räumst jetzt sofort die Spülmaschine aus!“, damit der Mann der Aufforderung Folge leistet. Wobei der Ratgeber auch behauptete, Männer würden grundsätzlich keine Anweisungen von Frauen befolgen, beziehungsweise nur sehr ungern. Da habe ich dann aber nicht verstanden, wie man die Bitte, im Haushalt zu helfen, denn dann formulieren soll. Eigentlich ist es ja sowieso sehr nervig, dass man das überhaupt erstmal sagen muss, ich meine, das sieht man doch, wenn die Spülmaschine fertig gespült hat und das Geschirr trocken ist. Dann räumt man die Maschine halt aus, da kann man ja auch von selbst drauf kommen.

Wenn man es trotzdem nicht tut und auch dann nicht macht, wenn man darauf aufmerksam gemacht wurde, dann, weil man keine Lust dazu hat und zu faul ist. Sitzt man es daraufhin so lange aus, bis der/die andere die Nerven verliert und sich selbst drum kümmert, dann macht einen das zum Faulpelz. So. Da habt ihr eure klare Ansage! Bevor ich wieder als feminazistische Kampfemanze da stehe, ich meine damit alle Leute, die sich so verhalten, dass das nur Männer betrifft, stand in dem – wie ich finde – dummen Ratgeber.

Vielleicht sind klare Ansagen aber nicht nur ehrliche Antworten auf Fragen, sondern generell Aussagen, bei denen Inhalt und Form, das „Was“ und das „Wie“ identisch sind. Das ist allerdings schlichtweg unmöglich, weil immer mehrere Aspekte in einer Aussage mitschwingen. Die eigene Persönlichkeit, eigene Erfahrungen, eigene Stimmungen, die Beziehung zum anderen, aktuelle Umstände und so weiter färben die Aussage mit ein.

Mir wird des Öfteren vorgeworfen, es kämen von mir nie klare Ansagen. Allein das ist ja auch schon keine klare Ansage, weil keine konkreten Beispiele genannt werden, das Wort „nie“ mir von vorneherein suggeriert, dass ich es auch gar nicht kann und außerdem nicht mit erwähnt wird, dass man mir ebendies vorwirft und man sich wünscht, ich würde es ändern.

Das Problem ist, ich bin eine ganz schauderhafte Lügnerin. Ich kann mich nicht hinstellen und eine klare Ansage machen, wenn ich mir selbst unschlüssig bin. Und ich bin mir ganz oft unschlüssig, weil ich erst einmal über Dinge nachdenke, bevor ich mir eine Meinung dazu bilde. So kommt es, dass ich auf Vorschläge erst einmal mit einem „Mal gucken“ oder Varianten davon wie „Mhm“ oder „Mjoa“ antworte. So sehr ich verstehen kann, dass das nervt, kann ich aber nicht einfach „OK, super, ja, mach ich!“ sagen, wenn ich „Uff, keine Ahnung, weiß ich jetzt grad nicht, muss ich erstmal drüber nachdenken“ oder „Nehme ich zur Kenntnis, ist aber in diesem konkreten Moment nicht relevant, wird jedoch bei Gelegenheit wieder aus dem Gedächtnis gekramt und dann, wenn es mir in dem Moment für richtig erscheint, in die Tat umgesetzt“ denke. Vor allem will die lange Version ja auch keiner hören. Wenn ich also „Weiß ich nicht“ oder „Mal gucken“ sage, dann meine ich das in dem Augenblick auch so. Dafür kann man sich bei mir darauf verlassen, dass ich „Ja“ meine, wenn ich „Ja“ sage und „Nein“, wenn ich „Nein“ sage – und natürlich Varianten davon wie „Klar“, „OK“, „Kein Problem“, „Mach ich“, etc. beziehungsweise „Nee“, „Nä“, „Och nöööö“ ,“Muss das sein?“, „Pffffoa … hmpf“.

Darüber hinaus kann ich ja nicht wissen, dass meine für mich eindeutige, ehrliche Aussage beim anderen nicht als solche angekommen ist. Ich bin zwar ziemlich toll und alles, aber Gedanken lesen kann ich nicht. Wenn es also zu Missverständnissen kommt, haben beide Seiten es verbockt und nicht nur ich. Schließlich hätte man ja auch mit einer klaren Frage nachhaken können, wenn man meine schwammige Antwort nicht verstanden hat.

Vielleicht können wir uns ja einfach mal alle ein bisschen mehr Mühe geben und großzügiger sein, besser zuhören und zwischen den Zeilen lesen und dann nachfragen, wenn uns eine Aussage unklar erscheint.

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