Essai 47: Über ein Mindestmaß an Höflichkeit …

… sollte eigentlich jeder Mensch verfügen. Das ist zumindest meine naive Weltsicht, die solch eine unglaubliche Voraussetzung fordert.

Es gibt doch wohl so etwas wie Grundregeln der Höflichkeit, oder? Dass man zum Beispiel jemanden, der einem gerade etwas erzählt, nicht sang- und klanglos stehen lässt wie bestellt und nicht abgeholt. Das bricht doch niemandem einen Zacken aus der Krone zu sagen: „Tut mir leid, ich muss weiter.“ Warum also tun Leute so etwas? Wie kann man so fundamental Ich-bezogen sein, dass man sich nicht einmal entschuldigen kann, bevor man den andern mitten im Satz stehen lässt? Wie das geht, ist mir ein Rätsel, aber irgendwie ist das wohl möglich.

Na ja, aber ich gehe ja auch davon aus, dass Leute sich entschuldigen, wenn sie einem auf der Straße ihr Kind ins Gesicht pfeffern. Wie dumm ist DAS denn? Ist mir im Übrigen wirklich neulich passiert, ich geh – nichts Böses ahnend wie das nun mal eben mein Naturell ist – auf dem Bürgersteig spazieren, fühle mich mit der Welt in Einklang und freue mich meines Lebens – Wumms – klatscht mir ein Kinderkopf in die Fresse. Ich find das ja schön, dass die junge Frau, die das Kind trug, so stolz darauf ist, für den Fortbestand unserer Art zu sorgen, dass sie sich nicht scheut, das anderen – die das bisher noch nicht tun – skrupellos unter die Nase zu reiben. Aber: auch hier bricht es ihr keinen Zacken aus der Krone sich kurz zu entschuldigen. Ist doch wahr! Menno!

Das scheint irgendwie ein Phänomen zu sein heutzutage, dass sich die meisten Leute permanent benachteiligt und ungerecht behandelt fühlen und noch dazu Egozentriker der übelsten Sorte sind und es deswegen für absolut legitim halten, andere Leute genauso kacke zu behandeln, wie sie (angeblich!) von ihnen behandelt werden. Dabei ist es doch überhaupt nicht schwer, einfach mal ein bisschen netter zu sein. Dann würden vielleicht auch „die Anderen“ (sprich: die Bösen *huuu*) aufhören, gemein und unhöflich zu einem zu sein. Das wäre zumindest mal wünschenswert.

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5 Antworten to “Essai 47: Über ein Mindestmaß an Höflichkeit …”

  1. Essai 56: Über den Konflikt zwischen Höflichkeit und Ehrlichkeit und daraus resultierende Missverständnisse « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] der Titel bekannt vorkommt, ich habe tatsächlich schon einen Essai über Ehrlichkeit und einen über Höflichkeit geschrieben. Aber noch nie etwas über die Missverständnisse, die entstehen, wenn man versucht, […]

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  2. Essai 63: Über unhöfliche Weltverbesserer und Gutmenschen ohne Manieren « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] finde das sehr unhöflich. Man kann doch wenigstens “Tschüss” sagen. Aber das reine Effizienzstreben ist […]

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  3. Essai 79: Über kommunikationsbedingte Schwierigkeiten im Balzverhalten und misslingende Flirtstrategien « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] und jetzt muss man diesem bedauernswerten Tropf einen Korb geben, will aber auch nicht gemein sein. Frauen wurde und wird seit Anbeginn der Menschheit eingebläut, sie müssten immer hübsch freundlic… Das heißt, wenn eine Frau nett lächelt und winkt, dann heißt das in erster Linie gar nichts. […]

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  4. Essai 150: Über Selbstverständlichkeiten, die keine sind | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] Das ist eigentlich völlig lächerlich und spießig, aber ich lege wirklich großen Wert auf Höflichkeit und Zuverlässigkeit. Und wenn dann jemand sich nicht an eine Abmachung hält, nicht einmal von […]

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  5. Essai 174: Über grundlose Unhöflichkeit | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] chronisch verbittert ist. Mich kostet es zugegebenermaßen überhaupt keine Mühe, freundlich und höflich zu meinen Mitmenschen zu sein. Klar, manchmal bin ich aus Versehen ein achtloser Paddel, und mache […]

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