Essai 42: Über Liebe

Liebe hat viele Gesichter.

Hier soll nun aber nicht von der platonischen Liebe oder der Mutterliebe die Rede sein, sondern von dem merkwürdigen Etwas, das zwei Menschen für mal mehr, mal weniger Zeit aneinander bindet. Manchmal hält diese Liebe auch ein Leben lang, wenn man Glück hat und sich ein bisschen Mühe gibt. Manchmal, weil man Pech hat oder weil man sich keine Mühe gibt, verflüchtigt sie sich wieder. Manchmal glaubt man auch, einen Menschen zu lieben, ist aber in Wahrheit einfach von ihm abhängig.

Wobei, so einfach ist das dann nicht, sondern ziemlich kompliziert. Meistens tut einem dieser Mensch, von dem man abhängig ist, gar nicht gut, aber man kann sich einfach nicht lösen. Aber das ist dann prima Stoff für Filme, Romane und Theaterstücke. Ohnehin ist unglückliche Liebe ein Evergreen unter den Erzählstoffen. Aber im wirklichen Leben, ist es dann doch netter, wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich denke, für jeden bedeutet Liebe etwas Anderes, es hängt ja auch immer von dem Menschen ab, den man liebt. Den einen liebt man wegen seiner inneren Ruhe, den nächsten vielleicht, weil mit dem immer der Bär steppt. Manche Verbindungen wirken nach außen hin rätselhaft. Wenn zum Beispiel zwei Leute aufeinander treffen, die ein riesengroßes Ego haben und furchtbar eitel und stur sind, gibt es ständig Krieg. Da fragt man sich, das soll Liebe sein? Ja, vielleicht brauchen sie ja beide genau das.

Es kommt ja auch immer darauf an, was man selber braucht, und was der andere braucht, das man ihm geben kann. Die richtige Mischung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden macht’s.

Ich denke Liebe ist, wenn man sich gegenseitig ergänzt, respektiert und füreinander da ist. Das hat nichts zu tun mit Besessenheit („Ich werde niiiiiiiiiiiie wieder jemanden so lieben können wie XY!“) oder Schwärmerei („XY ist ja soooooooooooo toll und kann so toll tanzen/Gitarre spielen/Jonglieren, etc.“) oder bloßer Leidenschaft („Oh, Ah, Oh, Ah“). Sicher, Leidenschaft gehört dazu und Schwärmerei kann am Anfang einer Verliebtheit stehen, die wiederum am Anfang von Liebe stehen kann – denn Liebe muss erst wachsen – aber das allein ist noch keine Liebe.

Es ist leichter zu sagen, was keine Liebe ist, als zu sagen, was Liebe ist. So ist das halt mit den Gefühlen, entweder man spürt es, oder nicht.

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Eine Antwort to “Essai 42: Über Liebe”

  1. Essai 45: Über Liebeskonzeptionen und den rätselhaften Erfolg der Twilight-Buchreihe « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] hab nun schon einen Essai über Liebe geschrieben und einen über Romantik. Nun habe ich mir inzwischen die “Twilight”-Romane […]

    Gefällt mir

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