Essai 197: Über Schuld und Verantwortung

9. September 2020

Wenn ich mich auf Facebook mit beratungsresistenten Idioten herumstreite, die der Meinung sind, es gäbe weder Sexismus noch Rassismus noch sonst irgendeine Form von Diskriminierung, weil sie selbst das Glück hatten, nicht davon betroffen zu sein, fällt mir eine Sache immer wieder auf: Diese Leute verwechseln ständig Verantwortung und Schuld. Und da dachte ich, als eure Klugscheißerin der Herzen ist es meine Pflicht, darüber mal einen meiner küchentischphilosophischen Essais zu schreiben.

Was ist Schuld, was ist Verantwortung und was ist der Unterschied zwischen beidem? Es gibt ja durchaus Überschneidungen zwischen Schuld und Verantwortung und vielleicht lässt es sich nicht immer eindeutig trennen. Allerdings ist Schuld grundsätzlich negativ behaftet und Verantwortung ist ein eher neutraler Begriff. Wer schuldig ist, hat mit voller Absicht und wider besseren Wissens etwas getan, das anderen geschadet, ihnen Schmerzen oder Verletzungen zugefügt hat – obwohl der/die Schuldige auch anders hätte handeln können. Dass also niemand Schuld haben möchte, ist absolut verständlich.

Allerdings kann man sich auch aus Versehen daneben benehmen und andere verletzen, kränken oder ihnen schaden – weil man es nicht besser weiß, weil man in dem Moment ein Trampel ist, weil man es nicht so mit dem Feingefühl hat, weil man von sich auf andere schließt und einem das eigene Verhalten selbst nichts ausmachen würde … Da gibt es ja viele Gründe, weswegen wir alle unsere blinden Flecken haben und uns manchmal wie Arschlöcher benehmen, obwohl wir es nicht bewusst böse meinen. Und da kann man doch nicht mehr wirklich von Schuld sprechen, oder?

In diesem Fall finde ich dann den Begriff „Verantwortung“ sinnvoller. Denn Schuld liegt immer in der Vergangenheit, man kann sie nicht rückgängig machen, was passiert ist, ist passiert, was man getan hat, hat man getan. Man kann für Schuld büßen, sicher, aber lernt man auch wirklich etwas dabei? Oder geht man nach der Buße wieder mit federleichtem Gewissen hinaus in die Welt und trampelt wieder voller Absicht auf seinen Mitmenschen herum, weil sie in irgendeiner Weise anders sind als man selbst und man deswegen findet, man sei etwas Besseres als sie? Schließlich kann man danach ja wieder büßen und gut ist.

Übernimmt man aber Verantwortung für sein Verhalten, dann bezieht sich das auf die Gegenwart und die Zukunft. Dann begreift man, dass das eigene Verhalten Konsequenzen für andere haben kann, und bemüht sich, dass diese Konsequenzen nicht schädlich oder verletzend für die Mitmenschen sind. Während Schuld von der Frage getrieben wird, WER die verwerfliche Tat begangen hat, und das Finden eines Schuldigen, eines Missetäters zum Ziel hat, geht es bei Verantwortung um etwas anderes. Hier steht nicht die Person im Mittelpunkt, sondern das Verhalten. Die Fragen, die mit Verantwortung einhergehen, sind: Was kann ich tun, um diesen Missstand, dieses Fehlverhalten zu verbessern oder wenigstens nicht noch schlimmer zu machen und weiter zu verfestigen? Wie kann ich das Problem lösen? Wie kann ich Betroffenen helfen und sie unterstützen?

Geht es um Schuld, so ist das Thema in der Regel erledigt, wenn man den Schuldigen identifiziert und bestraft hat. Verantwortung fängt dann erst an, wenn man das Problem bestimmt hat. Verantwortung ist außerdem etwas, das wir alle übernehmen können, das muss man nicht alles alleine wuppen. Und eigentlich ist das doch etwas Gutes und sollte Hoffnung machen, oder?

Bezieht man diese Unterscheidung nun auf alltäglichen, unterschwelligen Sexismus und Rassismus, dann ist es meines Erachtens nicht sinnvoll, über Schuld zu diskutieren. Denn der absichtliche, bösartige Sexismus und Rassismus kommt gar nicht sooo oft vor und die, die sich dessen schuldig machen, sind Arschlöcher, denen man mit Verantwortung gar nicht erst zu kommen braucht. Die sollte man wegen Beleidigung oder Volksverhetzung anzeigen und nicht eine Diskussion auf Augenhöhe versuchen.

Aber was viel häufiger verbreitet und den Menschen oft nicht bewusst ist, ist der unterschwellige Rassismus oder Sexismus, der sich in verunglückten Komplimenten, scheinbar beiläufigen Bemerkungen, Vorurteilen oder anderen Mikroaggressionen äußert. Die Menschen, die diese Mikroaggressionen von sich geben, merken nicht unbedingt, dass sie sich sexistisch oder rassistisch verhalten. Schließlich hat sich noch nie irgendjemand vorher beschwert, sie haben ja selbst ausländische Freunde, soll doch jeder machen was er will, leben und leben lassen, sie sehen jedenfalls keine Farben und grundsätzlich haben sie auch überhaupt nichts dagegen, wenn Frauen und Männer gleichbehandelt werden, man müsse doch aber auch die kulturellen respektive biologischen Unterschiede beachten und so weiter und so fort.

Was passiert, wenn man diese Menschen nun wie Schuldige behandelt? Sie gehen in Abwehrhaltung, denn sie haben ja nichts Böses im Sinn und wollen niemandem absichtlich wehtun – sind also in ihrer eigenen Wahrnehmung unschuldig. Was wäre, wenn es gelänge, diese Menschen von ihrer Verantwortung zu überzeugen? Dann könnten wir alle zusammen an einem Strang ziehen, um die Welt ein bisschen gerechter zu machen. Dann könnte man sich sachlich und auf Augenhöhe mit Betroffenen über ihre Erfahrungen und Wünsche unterhalten, voneinander lernen, die blinden Flecken vielleicht ein wenig sichtbarer machen und ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie man anderen Menschen seltener auf die Füße tritt.


Und, wie seht ihr das? Habe ich völligen Quatsch verzapft oder ist da etwas dran? Schreibt es mir in die Kommentare, widersprecht mir, stimmt mir zu, ich bin gespannt 🙂

Essai 196: Über das Besondere am Sonderbaren

4. August 2020

Ist euch das auch schon mal aufgefallen, wie ähnlich sich im Deutschen Begriffe sind, die etwas Merkwürdiges beschreiben, und solche, die etwas Bemerkenswertes bezeichnen? Etwas Seltenes ist besonders, aber etwas Seltsames ist sonderbar. Jeder wäre gern wunderbar und einzigartig, aber wunderlich und eigenartig möchte niemand sein. Eine Eigenschaft ist ein neutraler Begriff, aber eine Eigenheit ist es nicht. Das ist doch ziemlich komisch.

Was ist überhaupt normal? Im medizinischen Sinne heißt „normal“ in der Regel „im gesunden Bereich“. Im sozialen Kontext gibt es bestimmte Normen und „normal“ ist, wer diesen entspricht. „Normal“ kann aber auch ein Synonym für „durchschnittlich“ sein. Das Bemerkenswerte sowie das Merkwürdige weichen davon ab und fallen auf. Und so gesehen ist es sinnvoll, dass alles, was sich von der Norm unterscheidet, sowohl besonders als auch sonderbar ist. Im Grunde sind es wohl zwei Seiten einer Medaille: Das Besondere sorgt für Bewunderung, das Sonderbare für Verwunderung.

Mein Eindruck ist, dass viele Menschen etwas Besonderes sein wollen – gerade die Menschen, die nicht sonderlich sonderbar sind, sehnen sich häufig danach, sich vom Durchschnitt abzuheben. Ich für meinen Teil zähle mich eher zu den seltsamen, eigentümlichen, wunderlichen Zeitgenossen und wäre gern ein bisschen weniger seltsam. Vielleicht ist es auch einfach eine Eigenart der Menschen, dass sie immer das sein wollen, was sie nicht sind? Oder es geht um Bewunderung und (positive) Aufmerksamkeit – das scheinen ja die meisten Menschen anzustreben und zu genießen.

Das kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen. Aufmerksamkeit ist mir in jeder Form unangenehm – egal ob als Bewunderung oder Verwunderung. So oder so bekomme ich das Gefühl, dass ich nicht so wirklich zur Norm dazugehöre, ohne dass ich irgendetwas Besonderes oder Sonderbares gemacht habe – soweit ich weiß. Und das fühlt sich merkwürdig an.


Wie seht ihr das? Seid ihr eher besonders, sonderbar oder normal? Mögt ihr es, aufzufallen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂

Essai 195: Über Privilegien

16. Juli 2020

Privilegien sind eine seltsame Angelegenheit. Man merkt meistens nicht, wenn man welche hat, weil man es nicht anders kennt und man an sie gewöhnt ist – man möchte sie aber auch nicht missen. Werden diese Privilegien in einer öffentlichen Debatte angesprochen, weil plötzlich Menschen, die sie nicht genießen, nach Gleichwertigkeit verlangen (und das völlig zu Recht), lassen sich meistens zwei Typen Gewohnheitsprivilegierter ausmachen: der beratungsresistente und der lernbereite Typ.

Der beratungsresistente Gewohnheitsprivilegierte ist ein unangenehmer Geselle, der einem besonders oft in den Kommentarspalten sozialer Medien begegnet. Lernbereite Privilegiengewöhnte sind eher selten, so mein Eindruck. Ich würde mich gern dazu zählen, aber die Beratungsresistenten sind sich ja auch keiner Verantwortung bewusst und halten sich für vernünftig denkende, mitfühlende Mitmenschen (denke ich mal) und von daher … vielleicht habe ich auch meine blinden Flecken, ohne es zu merken, und bin manchmal ein Arsch, ohne das zu beabsichtigen. Wobei, man kann mir das dann eigentlich auch schon sagen und dann schäme ich mich fürchterlich und versuche, mich zu bessern.

Vermutlich geht es auch den Beratungsresistenten so, dass sie sich ertappt fühlen und sich schämen, wenn man sie auf ihre Privilegien aufmerksam macht und ihnen erklärt, dass andere diese Privilegien nicht haben und deswegen vor Problemen stehen, die Gewohnheitsprivilegierte niemals hatten und nie haben werden. Aber anstatt dann zu sagen: „Oh, das war mir nicht bewusst, du hast Recht, ich versuche, darauf zu achten“ und dann vielleicht weiter bei den Betroffenen nachzufragen, was man tun könne, um zu helfen oder um wenigstens kein Arsch zu sein, fühlen sich beratungsresistente Gewohnheitsprivilegierte durch Kritik Nichtprivilegierter sofort angegriffen. Als sei ihre ureigene Existenz und ihr komplettes Selbstbild dadurch bedroht, ein Problem als solches anzuerkennen, das sie selbst nicht betrifft.

Die Diskussionen, die sich daraus ergeben, dass manche Menschen bestimmte Privilegien genießen – einfach so, durch einen Zufall der Geburt, durch Dinge, die außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegen – und andere nicht – ebenfalls ohne tieferen Grund -, sind meistens sehr emotional und drehen sich schnell im Kreis. Dabei sollten wir doch viel mehr darüber sprechen, wie wir die Privilegien ausweiten können? Wie können wir Menschen, die bestimmte Privilegien nicht in die Wiege gelegt bekommen haben, unterstützen, sie fördern und ihnen helfen, damit wir alle möglichst gleiche Startbedingungen im Leben haben? Ganz gleich wird es wohl nie sein – schön wäre es, aber ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen. Es wird immer Menschen geben, denen der Start ins Leben leichter fällt als anderen. Aber wir sollten doch alle zum gemeinsamen Ziel haben, dass die Unterschiede nicht mehr so groß sind.

Klar: Wenn andere, bislang nicht privilegierte Menschen durch Förderung, bestimmte Regelungen (z. B. Quoten), Hilfen etc. plötzlich dieselben Privilegien genießen wie die Gewohnheitsprivilegierten, dann sind es keine Privilegien mehr. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es das ist, was die Beratungsresistenten im Geheimen wurmt. Vielleicht mögen sie es, besser gestellt zu sein, haben sich möglicherweise unbewusst eingeredet, dass sie dadurch auch etwas Besseres sind, dass sie irgendwie ein Geburtsrecht auf diese Privilegien haben – und zwar nur sie und ihresgleichen. Das würde erklären, warum sie sich so emotional und vehement dagegen zur Wehr setzen, die Privilegien aufzulösen und anderen die gleichen Chancen zu ermöglichen. Dann wären sie ja nichts Besseres, nichts Besonderes mehr – und ich kann mir vorstellen, wenn man jemand ist, für den die Vorstellung, etwas Besseres zu sein als andere, wesentlich fürs Selbstbild und Selbstwertgefühl ist, dann stellt die Chancengleichheit subjektiv eine als existenziell empfundene Bedrohung dar.

Trotzdem finde ich, sollten wir uns von diesen – Pardon und bei allem Respekt – Schreihälsen eigentlich nicht den Diskurs vorschreiben lassen. Ich würde mir wünschen, dass wir sachlich diskutieren und lösungsorientiert überlegen können, wie Menschen mit bestimmten Privilegien anderen ohne diese Privilegien helfen können. Da sind wir doch alle als Gesellschaft gefragt, oder?

Ich kann nichts dafür, dass ich weiß bin und deswegen nie erlebt habe, wie es ist, von Racial Profiling betroffen zu sein. Für mich ist es ganz normal und selbstverständlich, dass die Polizei „mein Freund und Helfer“ ist. Ich kann auch nichts dafür, dass ich mit Akademiker-Eltern, umgeben von Büchern, Theater, Musik und Kultur aufgewachsen bin und es deswegen für mich überhaupt kein Problem war, aufs Gymnasium zu kommen, Abitur zu machen (und das mit einer 1 vor dem Komma in der Abschlussnote), eine Schauspielausbildung zu machen und anschließend noch zu studieren und das bis zum Master. Ich kann ebenfalls nichts dafür, dass ich zweisprachig und mit zwei Kulturen aufgewachsen bin und deswegen bereits von Geburt an einen weiteren Horizont betrachten konnte als einsprachig und monokulturell Aufgewachsene.

Das sind so meine Privilegien, die mir gerade einfallen. Vielleicht gibt es noch mehr, die mir gerade nicht bewusst sind. Es fühlt sich irgendwie wie Angeben an, das so aufzuschreiben, und ist ziemlich seltsam. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, jemanden, der mir von seinem Leben erzählt, der mir erklärt, er habe diese Privilegien nicht gehabt, und mir dann von den Schwierigkeiten berichtet, die er durch das Fehlen dieser Möglichkeiten und Chancen hatte, keinen Glauben zu schenken. Ihn vielleicht auch noch zu belehren oder ihm herablassend Einbildung oder Übertreibung zu unterstellen. Wer weiß, vielleicht hat diese Person dann wiederum andere Privilegien, die mir vorenthalten sind. Möglicherweise kann ich auch alleine und selbst nicht viel an der Situation ändern. Aber wenn man einander zuhört und sich gegenseitig unterstützt, kann man eventuell für nachfolgende Generationen etwas mehr Chancengleichheit schaffen. Selbst, wenn das nicht möglich ist, so kann ich mich doch wenigstens bemühen, anderen zuzuhören, nicht im Weg zu stehen und kein Arsch zu sein

Und, was sind eure Privilegien? Oder fehlen euch bestimmte Privilegien, sodass ihr deswegen Schwierigkeiten habt? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

Essai 194: Über Machtkämpfe in Kommentarspalten

1. Juni 2020

Vor Corona waren Verschwörungsschwurbler, zum Beispiel Impfgegner, vergleichsweise eine Randerscheinung in den sozialen Medien. Jetzt haben sie Oberwasser und rotzen ihren Blödsinn mit immer mehr Selbstvertrauen und Frechheit in die Kommentarspalten – egal, um welches Thema es ursprünglich ging. Diese Arroganz ohne jede Grundlage ist nervtötend, trotzdem ist es meiner Meinung nach wichtig, diesen gequirlten, unzählige Male in Faktenchecks widerlegten Mumpitz nicht einfach so stehen zu lassen. Wir müssen dem widersprechen. Aber wie?

Da gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: sachlich oder unsachlich. Ich bemühe mich immer um sachlichen Widerspruch. Eine einfache, aber effektive Methode, ist das Nachfragen. Wie kommt der Kommentierende auf die Idee, die er da verbreitet? Woher hat er seine Informationen? Was meint er mit Mainstream-Medien? Was ist seiner Meinung nach das Kernproblem, um das es in dem Post geht? Was will er eigentlich, was ist sein Ziel, was bezweckt er mit seinem Geschreibsel?

Dann bekommt man in der Regel noch ein paar zusätzliche Informationen, die einem erlauben, die Logik des Kommentars zu analysieren und auseinanderzunehmen. In der Folge wird man üblicherweise beleidigt oder zumindest wüst beschimpft, weil dann die Kommentierenden merken, dass man an ihrem Weltbild zu kratzen begonnen hat. Und das mag niemand.

Die überzeugten Verschwörungsschwurbler, die auf sachliche und logische Rückfragen und Kritik aggressiv reagieren, wird man nicht überzeugen können und das sollte auch nicht das Ziel sein. Aber es gibt unzählige stille Mitleser, die sich vielleicht noch keine Meinung zu der ganzen Chose gebildet haben, und wenn die sehen, da ist auf der einen Seite ein extrem aufgebrachter Wüterich, der auf höfliches Nachfragen und konstruktive Kritik ausfallend wird oder sogar völlig ausrastet, und auf der anderen Seite ein ruhig, sachlich und höflich argumentierender, vernünftig wirkender Mensch – dann, so meine Hoffnung, stimmt man eher letzterem zu.

Was ich ärgerlich finde, ist, wenn dann eigentlich vernünftige Menschen ankommen, die eigentlich der gleichen Meinung sind wie ich, aber die davon ausgehen, man müsse Feuer mit Feuer bekämpfen und es den aggressiven Schwurblern mit gleicher Münze heimzahlen. Die gefallen sich selbst in einem arrogant-herablassenden Ton, werden ausfallend, beleidigend und respektlos, höhnen im offensichtlich ironischen Tonfall, wie dumm doch der Schwurbler sei und können es einfach nicht lassen, sich auf seine Kosten erhöhen zu wollen.

Und das verstehe ich nicht. Was soll denn das?

Es ist absolut unnötig, persönlich ausfallend oder respektlos zu werden, wenn man sachlich recht hat. Wenn man überhaupt eine Chance haben will, das schwurbelnde Gegenüber noch zu erreichen, es zum Nachdenken zu bringen, Zweifel an den Verschwörungsideologien zu sähen, auf die es hereingefallen ist – dann MUSS man sachlich und respektvoll bleiben. Denn die Menschen, die auf diesen Budenzauber der Verschwörungsideologen hereinfallen, sind ja nicht zwingend Idioten. Vielleicht sind einige von ihnen naiv oder nicht sehr gebildet, ein paar haben vielleicht psychische Probleme oder ihnen fehlt es an einem Sinn in ihrem Leben oder sie sind auf der Suche nach Spiritualität etc. Selbst wenn einige wirklich klinisch dumme Menschen darunter sind – haben sie es dann verdient, dass man sie deswegen verhöhnt? Ich finde nicht.

Und wie gesagt: Selbst wenn die Betroffenen schon zu tief im Verschwörungssumpf versunken sind, gibt es Mitlesende, die vielleicht noch am Rande des Sumpfes stehen, und überlegen, ob sie dort eintauchen sollen oder nicht. Die hält man doch nicht davon ab, indem man andere Menschen herabsetzt. Im Gegenteil: Man riskiert, dass die Mitlesenden sich eher auf die Seite desjenigen stellen, der gerade bepöbelt und niedergemacht wird.

Meine Vermutung ist, dass eigentlich vernünftige Menschen, die Schwurblern oder Personen mit anderer politischer Einstellung als sie, von oben herab im genau gleichen unsachlichen Arschlochtonfall zu erniedrigen suchen, den diese Schwurbler selbst gern Andersdenkenden zuteil werden lassen, gar nicht darauf aus sind, irgendwen zu überzeugen. Die wollen ihr eigenes Ego plüschen. Es geht ihnen dabei nur um sich und darum, sich als was Besseres zu fühlen. Die brauchen das für ihr Selbstwertgefühl, andere herunterzuputzen. Und darin sind sie nicht anders als die Schwurbler, die sie bepöbeln.

Vor allem gehen bei diesen Machtkämpfen zuverlässig immer die vernünftigen, sachlichen und höflichen Kommentare unter. Die Diskussion verschiebt sich daraufhin vollkommen von der Sachebene weg auf die Ego-Ebene. Beide „Seiten“ plüschen ihre Egos um die Wette und wer als erster aus dem Machtkampf aussteigt, hat verloren. Dann hilft es auch nichts mehr, wenn ich noch dazwischengrätsche und versuche, das Ganze auf die Sachebene zurückzuholen, indem ich etwa frage: „Was wollt ihr eigentlich? Was meint ihr, könnt ihr auf einer Hygiene-Demo ohne Mundschutz und Abstand zum Ausdruck bringen, was ihr nicht auch mit Mundschutz und Abstand oder in einem offenen Brief zum Ausdruck bringen könntet?“

Nein, der Hahnenkampf ist im vollen Gange und beide „Seiten“ kämpfen verbissen darum, im Statuswettkampf das letzte Wort – und sei es noch so unsachlich und am Thema vorbei – zu haben. Das ist überhaupt nicht konstruktiv, höchst ermüdend und nervt. Man möchte am liebsten „Mars Attacks!“ zitieren, wenn der von Jack Nicholson verkörperte amerikanische Präsident fragt: „Why can’t we all just get along?“ – „Warum können wir nicht einfach mal alle miteinander klarkommen?“

Mit dieser Frage entlasse ich meine werte Leserschaft dieses Mal in einen hoffentlich entspannten Abend ohne Egogeplüsche und Statuswettkämpfe. Was meint ihr? Warum können wir nicht einfach alle miteinander klarkommen? Warum müssen ständig irgendwelche Leute ein Säbelrasseln und Schwanzvergleich vom Zaun brechen, anstatt die Sache inhaltlich zu diskutieren? Nervt euch das auch so wie mich oder bin ich empfindlich? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂

Essai 193: Über vorgebliche Gleichgültigkeit als Wichtigtuer-Masche

14. März 2020

Was mich tierisch nervt: vorgespielte Gleichgültigkeit, in dem peinlich offensichtlichen Versuch, sich wichtig zu machen und cool zu wirken. Früher oder später sieht man in jeder Kommentarspalte einen Kasper aufploppen, der unbedingt dem ganzen Internet kundtun muss, wie total egal ihm das Thema ist, um das es in dem kommentierten Post geht.

Schön für dich, Idiot, dann frage ich mich nur, warum nimmst du dir die Zeit, verplemperst Energie, nur um zu schreiben, wie wurscht dir das Thema Frauenrechte, Impfschutz, der letzte Tatort oder sonstwas ist? Warum ignorierst du Posts zu diesem Thema, das dir ach so am Allerwertesten vorbeigeht, nicht einfach und lässt die Leute in Ruhe debattieren, die sich dafür interessieren? Was soll der Quatsch?

Ich habe da natürlich eine Theorie, die möglicherweise ein klitzekleines bisschen küchentischpsychologisch anmutet, aber ich verrate sie euch trotzdem. Leute, die extra Zeit und Energie aufwenden, um alle anderen darüber zu informieren, dass ihnen etwas egal ist, geht es um Selbstdarstellung, Aufplüschung des eigenen Egos und darum, sich wichtiger zu machen, als sie sind.

Vielleicht haben sie das Thema nicht verstanden, weil sie ein wenig doof sind. Vielleicht sind sie auch einfach nicht betroffen und ertragen es nicht, wenn es mal nicht um sie geht. Oder sie bilden sich ein, es ließe sie cool und abgebrüht wirken, wenn sie etwas nicht an sich herankommen lassen. Oder sie sind dem Trugschluss auferlegen, es machte sie in irgendeiner Weise interessant, besonders oder geheimnisvoll, wenn sie sich gleichgültig geben.

So oder so: Es geht dabei immer um sie und ihr eigenes Selbstbild – nicht ums Thema an sich. Und das geht mir auf den Keks, weil das eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und einen spannenden Austausch von Argumenten verhindert. Das macht doch überhaupt keinen Spaß und ist langweilig! Wer sich angeblich für nichts interessiert, ist nicht interessant – sondern fürchterlich öde. Das ist auch kein Zeichen von Stärke oder Coolness, wenn man von vorneherein sagt, dass einem ein Thema egal ist. Es ist feige, eitel und faul.

Ich meine damit übrigens nicht, wenn man sich aus einer Debatte heraushält oder keine Stellung zu einem Thema bezieht, weil einem die nötigen Kenntnisse dafür fehlen, für die eine oder andere Position Argumente aufzubringen. Das ist etwas völlig anderes. Denn dann hält man sich einfach raus oder antwortet auf Nachfragen: „Tut mir leid, dazu möchte ich aktuell nichts sagen, da fehlen mir zu viele Informationen über die Hintergründe“ oder etwas in der Art. Das ist ehrlich, sachlich und mutig – denn zuzugeben, dass man über ein Thema nicht gut genug Bescheid weiß, um seinen Senf dazugeben zu können, erfordert Rückgrat.

Aber dieses großkotzige, dummdreist-arrogante „Mir doch egal, es gibt Wichtigeres“ unter Themen, die anderen Menschen wichtig sind, finde ich richtig scheiße. Übrigens mache ich mir ab und zu mal den Spaß, und frage diese Wichtigtuer in den Kommentarspalten einfach direkt, warum sie das denn extra hinschreiben, wie total wumpe ihnen das Thema ist, wenn es ihnen so total wumpe ist? Warum scrollen sie nicht einfach weiter, zucken mit den Achseln, denken sich ihren Teil, und freuen sich ihres Lebens?

Meistens kommt dann im nicht minder dummdreist-arroganten Habitus der Hinweis, das sei eben ihre Meinung und sie dürften ja wohl noch ihre Meinung sagen!!1!!111!!!! Woraufhin ich dann freundlich darauf aufmerksam mache, dass „ist mir egal“ keine Meinung sei, sondern genau das Gegenteil, nämlich das Vermeiden einer Meinung/Stellungnahme/Haltung. Ab da dreht sich die Diskussion in der Regel im Kreis.

Manchmal mischen sich noch andere Leute ein und maßregeln mich, es sei ja wohl völlig in Ordnung, dass Typ XY seine Meinung sage und ob ich damit ein Problem hätte? Nein. Habe ich nicht. Jeder darf seine Meinung schreiben und sagen. Aber er muss dann eben auch damit rechnen, dass Leute darauf antworten. Wenn man keine Antwort haben will, dann behält man seine „Meinung“ für sich oder posaunt die nur im Kreise seiner Filterblasenbuddies heraus, die ohnehin bei jedem Gehirnfurz, den man aus seinem Mund pupsen lässt, lauthals zustimmen und Beifall klatschen.

In der realen Welt oder auch in der virtuellen Welt auf Social Media treffen aber nun mal eben verschiedene Ansichten aufeinander. Und das kann sehr spannend, interessant und bereichernd sein, wenn man sich sachlich miteinander austauscht. Man kann sich auch mal darauf einigen, dass man sich nicht einig ist. Das ist OK. Verschiedene Perspektiven, Lebensumstände, Persönlichkeiten und Hintergründe sorgen nun mal eben dafür, dass verschiedene Dinge uns wichtig sind.

Wenn dann so ein Spielverderber dazwischengrätscht, um großspurig zu verkünden: „Ihr seid alle Vollidioten, dass ihr euch mit dem und dem Thema überhaupt befasst – sehet mich an!!! Mir ist das egal!!! Denn ich!!! bin!!! oberaffensupercool!!! Und ihr! seid! Loser!!!“ – dann nervt das einfach nur.

Von daher, meine Meinung (!) zu Menschen, denen etwas egal ist: Haltet einfach die Fresse! (Mache ich im Übrigen auch, wenn’s zum Beispiel um Autos geht. Dazu sage ich dann einfach nichts.)


Und, wie seht ihr das? Nerven euch solche pseudo-gleichgültigen Großmäuler auch so wie mich? Oder ist euch das egal? 😉 Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

Essai 192: Über das richtige Maß an Auffälligkeit

28. Dezember 2019

Es soll Menschen geben, die gern im Mittelpunkt stehen. Diese Zeitgenossen genießen es dann tatsächlich, die volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, von allen beachtet zu werden. Sie verhalten sich dementsprechend auffällig, damit man sie stets bemerkt. Zu diesen Menschen gehöre ich nicht. Ganz und gar nicht.

Ich empfinde es als hochgradig gruselig, wenn ich ständig im Mittelpunkt stehe. Also, ich als Person – wenn ich einen Vortrag, eine Präsentation oder einen Workshop halte oder als Schauspielerin auf der Bühne stehe und eine Rolle spiele, ist das etwas anderes. Denn dann stehe nicht ich im Fokus, sondern der Inhalt meiner Präsentation oder des Theaterstücks. Und darauf kann ich mich vorbereiten. Aber wenn ich als Person im Zentrum der Aufmerksamkeit stehe, hasse ich das wie die Pest.

Dann denke ich, ich müsste jetzt irgendwas Interessantes, Fantastisches, Großartiges tun, um die mich Anstarrenden nicht zu enttäuschen, merke dann, dass mir überhaupt nichts Krasses einfällt, bin überzeugt davon, alle zu enttäuschen, und fühle mich schrecklich. Deswegen halte ich mich lieber im Hintergrund, checke ersteinmal die Lage, höre mir an, was andere Leute zu sagen haben, mache mir meine Gedanken, überlege, ob diese sachdienlich und zielführend sein könnten, und dann warte ich brav ab, bis ich an der Reihe bin oder eine ausreichend lange Gesprächspause entsteht, bevor ich meinen wohlüberlegten Gedanken höflich äußere.

Das Problem dabei ist, dass ich dann teilweise gar nicht an die Reihe komme und überhaupt gar nicht auffalle. Möglicherweise bekommt der eine oder andere in der Runde auch gar nicht mit, dass ich überhaupt da bin. Und dann kann ich auch meine wohlüberlegten Gedanken nicht äußern beziehungsweise gehen sie einfach unter. Da hat dann auch keiner was von.

Auf der anderen Seite will ich mich da aber auch gar nicht von Grund auf ändern, weil ich Menschen, die ständig überall im Mittelpunkt stehen und sämtliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen müssen, sehr anstrengend finde. Ich verstehe die Motivation dahinter einfach nicht. Warum sollte man das wollen, dass alle ihre Aufmerksamkeit auf einen richten, anstatt sich um ihre eigene Verantwortung zu kümmern? Da läuft man doch Gefahr, dass man dann für andere die Verantwortung mit übernehmen muss, dass sich alle darauf verlassen, dass man alles für sie regelt, und weil das nicht funktionieren kann, wird man alle anderen zwangsläufig enttäuschen. Und ich finde das ganz unerträglich, die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen. Dann doch lieber gar nicht erst große Erwartungen wecken, indem man gar nicht erst auffällt. Oder?

Gleichzeitig nervt es mich aber auch, dass nie jemand auf mich hört, dass meine guten Ideen kein Gehör finden und niemand mitzubekommen scheint, was ich alles leiste.

Also, was tun? Muss ich mich da jetzt verbiegen und mich zur Rampensau umerziehen? Oder gibt es nicht vielleicht einen Zwischenweg? Ich möchte mich gern bei Bedarf in den Mittelpunkt stellen können, ohne dort stehenbleiben zu müssen. Wenn ich mein Anliegen vorgebracht habe, möchte ich mich aber wieder in den Hintergrund zurückmuckeln, wo ich in Ruhe überlegen kann, bevor ich was sage. Ich habe nur noch nicht herausgefunden, wie das gehen soll.

Irgendwie lasse ich mich immer wieder von lauteren Menschen übertönen und von aggressiveren, offensiveren Zeitgenossen überrumpeln, sodass ich ersteinmal nachdenken möchte, bevor ich entscheide, wie ich mich dazu verhalten will. Ich reagiere da instinktiv mit Rückzug. Und dabei habe ich überhaupt kein Problem damit, vor anderen Menschen über ein Thema zu reden oder eine Geschichte zu erzählen. Ich finde auch Lampenfieber eher spannend als quälend. Aber wenn ich unvorbereitet, spontan in eine Situation geworfen werde, in der ich gern etwas sagen möchte, aber noch nicht zuende gedacht habe, was das sein könnte, bekomme ich den Mund nicht rechtzeitig auf.


Wie geht es euch damit: Steht ihr gern im Mittelpunkt oder fühlt ihr euch da, so wie ich, extrem unwohl? Wenn ihr auch zu denen gehört, die lieber ersteinmal nachdenken, bevor sie sich äußern, wie verschafft ihr euch Gehör und Aufmerksamkeit? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂

Essai 191: Über Zweifel an Selbstzweifeln

19. Oktober 2019

Ich habe schon des Öfteren zu hören bekommen, ich machte mir zu viele Gedanken. Und wenn ich so darüber nachdenke, denke ich: das stimmt. Ich grüble und zweifle und frage mich und wundere mich, staune und versuche immer zu verstehen und zu begreifen. Gelingt mir das nicht, macht mich das kirre. Und ganz vielleicht übertreibe ich damit gelegentlich ein klitzekleinwenig.

Manchmal habe ich das Gefühl, die Selbstzweifel sind schon weniger geworden mit dem Alter. Dass ich jetzt schon besser weiß, was ich will, was ich kann – und was nicht. Aber dann reicht eine Bemerkung à la früher sei ich mutiger, extrovertierter, experimentierfreudiger oder risikobereiter gewesen – und schon sind die Selbstzweifel wieder da.

Als ob das nicht schon beknackt genug wäre, habe ich dann auch noch Zweifel an den Selbstzweifeln. In meiner Wahrnehmung bin ich nämlich deswegen ruhiger geworden, weil ich nicht mehr so viel herumprobieren und Risiken eingehen muss, um zu wissen, was ich will und was ich kann. Das hätte ich ohne die Erfahrungen meiner Jugend nicht herausgefunden – deswegen war das damals richtig und wichtig, öfter aus mir herauszugehen und auch mal Dinge auszuprobieren, die mich zunächst einmal gegruselt haben. Aber nun, da ich langsam auf die 40 zugehe, darf ich doch allmählich mal zur Ruhe kommen. Oder nicht? Oder doch?

Muss ich denn jede sich bietende Herausforderung annehmen, jede sich bietende Schlacht kämpfen, dauernd gegen meine Natur angehen, die es am liebsten ruhig, gemütlich, sicher, warm und kuschelig hat? Das ist keine rhetorische Frage, ich bin da echt unsicher. Persönlich finde ich, dass das nur Not tut, wenn ich für dieses Überwinden auch eine Belohnung erwarten kann. Zum Beispiel einen tollen neuen Job, etwas zu lernen, eine spannende Begegnung, ein schönes Erlebnis … und natürlich kann man das nicht immer alles im Voraus wissen. Aber muss ich deswegen wahllos jeden Kampf mitnehmen? Ist es nicht in Ordnung, spontan nach Bauchgefühl zu entscheiden, ob ich gerade die Energie habe, mich einer Herausforderung zu stellen, oder ob ich dafür gerade keinen Nerv habe?

Prinzipiell bin ich der Meinung, dass Zweifel auch etwas Gutes haben. Wer hinterfragt, bleibt geistig beweglich, wer sich nicht zu sicher ist, bleibt offen für die Ansichten anderer. Wissenschaft und Lernen haben ihren Ursprung im Zweifel, in der Suche, im Fragenstellen. Aber ein paar Konstanten braucht man dann doch auch, an die man sich halten kann – sonst kommt man auch nicht vorwärts, weil man sich die ganze Zeit nur orientierungslos abstrampelt.

Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen ich mir nicht sicher bin, ob das, was ich für richtig halte, auch wirklich richtig ist. Gleichzeitig kann ich aber auch sehr störrisch und hartnäckig sein, wenn ich mir einer Sache sicher bin – einfach, weil ich mich so freue und das so schön finde, auch mal Gewissheit über etwas zu haben. Dann bin ich manchmal auch etwas intolerant, fürchte ich. Was dann dazu führt, dass ich wieder Zweifel bekomme, ob diese Gewissheit wirklich berechtigt ist.

Immerhin hat dieser ganze Wirrwarr auch sein Gutes. So wird’s wenigstens nicht langweilig in meinem Kopf.


Könnt ihr die Zweifel an den Selbstzweifeln nachvollziehen? Macht ihr euch auch oft zu viele Gedanken über alles Mögliche? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

Essai 190: Über die Probleme anderer Leute

22. September 2019

In Internet-Diskussionen herrscht das Recht des Stärkeren – wobei mit „Stärke“ nicht Charakterstärke gemeint ist, sondern Lautstärke. Wer am aggressivsten herumpöbelt und am unfairsten kämpft, gewinnt. Das Spannende dabei ist, dass man eine Fülle an Beleidigungen lernt, die man Menschen wie mir angedeihen lassen kann, die sich vom Gepolter der Idioten unbeeindruckt zeigen und einfach weiter stur auf Gerechtigkeit pochen.

„Gutmensch“ ist dabei ja schon ein Klassiker. OK, ich hab den Begriff hier auf meinem Blog im „Essai 63: Über unhöfliche Weltverbesserer und Gutmenschen ohne Manieren“ auch schon abfällig benutzt, obwohl es ja eigentlich etwas Löbliches ist, wenn man ein guter Mensch ist. Ich meinte das allerdings in dem Sinne, dass jemand nur behauptet, er sei ein guter Mensch, sein Verhalten jedoch nicht sonderlich nett oder anständig ist. Also ein Heuchler. Die Pöbler im Internet meinen es wohl auch so, gehen aber anscheinend von vorneherein davon aus, dass alle Menschen, die sich bemühen, keine Arschlöcher zu sein, sich der Heuchlerei schuldig machen.

Ebenfalls sehr beliebt ist die Abkürzung „SJW“, die für „Social Justice Warrior“ steht und auch Menschen zugedacht wird, die Arschlochverhalten anderen gegenüber nicht unwidersprochen dulden wollen. Pöbler finden nämlich, dass es ein Zeichen von Schwäche sei, sich nicht wie ein egoistisches Arschloch zu benehmen respektive ein solches Gebahren zu kritisieren. Und um zu beweisen, dass sie selbst keine Schwächlinge sind, machen sie den als „SJW“ abgestempelten Zeitgenossen dann zusammen fertig. Zumindest versuchen sie es.

So, und nachdem ich so weit ausgeholt habe, komme ich nun auch zum eigentlichen Thema meines Essais: den Problemen anderer Leute. Es ist so, dass vor allem diejenigen als „SJW“ oder Gutmensch bepöbelt werden, die auch dann Mitgefühl mit anderen Menschen zeigen, wenn diese ein Problem haben, das sie selbst nicht von sich kennen. Arschlöcher hingegen brummen einfach „Wenn’s nicht mein Problem ist, ist es kein Problem“ in sich hinein und belehren als Nichtbetroffene dann Betroffene darüber, dass sie gar nicht betroffen sein können und dürfen, weil es schließlich kein Problem gebe.

Besonders häufig fällt mir das in Diskussionen zum Thema Rassismus, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung auf. Ich bin der Meinung, ich kann auch als weiße einsehen, dass es scheiße ist, aus reiner Rechthaberei darauf zu beharren „N****kuss“ statt „Schokokuss“ zu sagen. Zack, schon bin ich ein „SJW“. Ich denke auch, dass ich AKKs Karnevalsfrotzeleien über Menschen, die sich nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen können, total daneben finden kann, auch wenn ich selbst eine Cis-Frau bin. Boooaaaaah, was bin ich doch für ein Gutmensch! Ich kann auch den berüchtigten „Danke, dass du nicht Papa bist“-Edeka-Werbespot sexistisch und elterndiskriminierend und überhaupt nicht lustig finden, selbst wenn ich keine Kinder habe. Mannomann, ich habe ja wirklich ü-ber-haupt keinen Sinn für Humor und gehöre wahrscheinlich einfach mal wieder so richtig durch-ge-bumst, damit ich wieder etwas lockerer werde, nicht wahr?

Ganz ehrlich? DAS KOTZT MICH AN!!!!!

Ich bin es leid, dass so viele Menschen offenbar kein Mitgefühl mehr mit ihren Mitmenschen empfinden, wenn diese ein bisschen von der Norm abweichen. Das ist echt nicht einfach, wenn man nicht dem Durchschnitt entspricht, in welchem Bereich auch immer. Man muss sich viel häufiger für das rechtfertigen oder erklären, was man ist, man wird oft miss- oder gar nicht verstanden, man wird immer wieder von Arschlöchern gepiesackt und die erwarten auch noch Dankbarkeit dafür … das ist ätzend. Gut, wenn es einem gelingt, damit zurecht zu kommen und sich dagegen zu wehren, dann macht es einen innerlich stärker und man lernt sich im Laufe des Lebens immer besser kennen. Aber das kostet SO VIEL KRAFT und manchmal möchte man doch auch einfach nur dazugehören.

Ich kann einfach nicht verstehen, warum es so vielen Menschen anscheinend schwerfällt, das zu begreifen und einfach mal nett zu Leuten zu sein, ob sie einem selbst nun ähneln oder ein bisschen anders sind. Das hat man sich ja schließlich nicht ausgesucht, von der Norm abzuweichen. Ich hab mir zum Beispiel ganz bestimmt nicht ausgesucht, sensibler und klüger als der Durchschnitt zu sein. Ja, klingt arrogant, weiß ich auch … aber ist halt so.

Soll ich mich jetzt jedem Arschloch gegenüber dümmer und plumper geben, als ich bin, damit sein fragiles Selbstwertgefühl, das nur darauf beruht, Probleme anderer Leute als nichtexistent abzuwatschen und sich mit anderen Arschlöchern zusammenzurotten, keine Kratzer im Lack bekommt? Das sehe ich nun überhaupt nicht ein. Trotzdem ist mir klar, dass es sich bestimmt leichter lebt, wenn man weniger Mitgefühl mit anderen hat und einem die Dummdreistigkeit von Arschlöchern nicht weiter auffällt, weil man zu ihnen dazugehört. Aber so bin ich nun mal nicht.

Ich will nicht sagen, dass jeder normale Durchschnittsmensch ein Arschloch ist. Bitte versteht mich da nicht falsch. Aber normale Durchschnittsmenschen, die die Probleme nichtdurchschnittlicher Menschen als nichtexistent verurteilen, obwohl sie gar nicht wissen, wie das ist, in deren Haut zu stecken … das sind Arschlöcher. Und die werden von mir auch in Zukunft mit meiner geballten Klugscheißer-Power aufs Höflichste darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich schlecht benehmen. Es kommt nämlich niemand als Arschloch auf die Welt, sondern das ist eine Frage des Verhaltens – und das kann man ändern.


Und, mischt ihr euch manchmal in Diskussionen um Probleme ein, die euch streng genommen nicht selbst betreffen, weil euch das unfaire Verhalten der Pöbelarschlöcher auf den Zeiger geht? Wurdet ihr deswegen schon mal als „SJW“ oder „Gutmensch“ verhöhnt? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

Essai 189: Über Stimmungsvergifter und Scheißlaune-Junkies

24. August 2019

Manche Menschen sind nur glücklich, wenn sie unglücklich sind. Sie inszenieren ihr eingebildetes Leid wie eine griechische Tragödie und geben keine Ruhe, bis sie alle mit ihrer miserablen Laune angesteckt haben. Es scheint ganz so, als bereite ihnen nichts auf der Welt größeres Vergnügen, als anderen die Freude und den Spaß zu verderben, die Stimmung zu vergiften und schöne Dinge zu ruinieren.

Was das soll, verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Aber müsste ich jetzt küchentischpsychologisch ins Blaue hineinspekulieren, würde ich raten, dass es den notorischen Stimmungsvergiftern um Macht und Dominanz geht, und dass es irgendwie ihr Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert, fröhlichen Menschen das Lächeln aus dem Gesicht zu schmettern. Ich nehme an, dass vermehrt Dopamin oder Adrenalin ausgeschüttet wird, wenn es ihnen gelingt, die Atmosphäre nach ihrem Gutdünken zu beeinflussen.

Zumindest habe ich so eine ähnliche Erklärung einmal in Bezug auf mobbende Hunde gelesen. Das ist nämlich hochinteressant, es gibt auch unter Tieren Mobbing. Hunde, die gern ihre Artgenossen mobben, verspüren einen unwiderstehlichen Belohnungseffekt, wenn sie andere unterbuttern. Und das macht quasi süchtig. Es ist möglich, ihnen das wieder abzuerziehen, aber einfach ist es nicht.

Der Unterschied zu Menschen, die gern andere ärgern, ist, dass man Hunde auch als Erwachsene noch erziehen kann. Aber habt ihr mal versucht, einen ausgewachsenen Menschen noch umzuerziehen? Kannste knicken. Klar, man kann immer noch was lernen, aber dafür muss man auch was lernen wollen. Und warum sollte so ein Arschloch lernen wollen, nett zu anderen zu sein und nicht dauernd den Spielverderber zu geben, wenn es sich für es so gut anfühlt, allen anderen seine beschissene Laune aufzuzwingen?

Außerdem ist es anstrengend, sich ein im Verlauf seines ganzen Lebens angeeignetes, für einen selbst bewährtes Verhaltensmuster abzugewöhnen und ein neues Verhalten zu lernen, von dem man gar nicht weiß, ob es sich genauso gut anfühlt. Diese Mühe wird sich wohl kaum jemand geben wollen, dem die Gefühle anderer grundsätzlich so scheißegal sind, dass er aus reinem Spaß an der Freude, die Stimmung zu verderben, dauernd auf den Gefühlen anderer herumtrampelt und wie ein Gockel auf den Ruinen der guten Laune auf- und abspaziert und sich dabei richtig geil findet.

Mich persönlich machen solche Leute stinksauer. Ich finde, sie sind faul und feige und machen es sich auf Kosten aller anderen verdammt leicht. Anstatt selbst etwas Schönes, Nettes zu erschaffen, machen sie das Schöne, Nette kaputt, das andere erschaffen haben. Das ist widerlich. Und dann schaffen sie es aber trotzdem, sich als Sieger zu fühlen und sich einzubilden, sie wären stark. Dabei sind sie schwach und kleingeistig und ein erbärmliches Nichts, sobald sie alleine sind. Sie brauchen es wie eine Droge, andere unterzubuttern. Wie armselig ist das?

So. Das musste mal raus.

Nun ist aber die Frage, wie geht man mit diesen Stimmungsvergiftern und Scheißlaune-Junkies um? Ändern kann man sie nicht wirklich. Zu ertragen sind sie eigentlich auch nicht, zumindest nicht für längere Zeit. Sie machen einen kaputt und genießen das.

Meiner Erfahrung nach, hilft nichts besser als Abstand und eine gewisse innerliche, unerschütterliche Heiterkeit, wenn man ihnen doch mal begegnet. Und man sollte sich mit den anderen Opfern des Scheißlaune-Junkies zusammenschließen – dann gelingt es ihm nicht so leicht, die Stimmung zu vermiesen. Ändern wird er sich dadurch wahrscheinlich nicht, aber immerhin kann man ihn so ein wenig ärgern.

Ein paar wohldosierte, mild-spöttische Bemerkungen sind ebenfalls eine gute Strategie, um dem Stimmungsvergifter ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen. Da ist aber Fingerspitzengefühl gefragt und man sollte sich sicher sein, dass die anderen Opfer hinter einem stehen. Sonst reagiert der Scheißlaune-Junkie aggressiv und wird zum Wüterich. Und dann wird’s unschön.

Ich sag dann zum Beispiel als Antwort auf irgendein Gemotze des Stimmungsvergifters, an die Zielscheibe des Gemotzes gewendet: „Tja, wie man’s macht, man macht’s verkehrt, ne?“ und ignoriere den Scheißlaune-Junkie gut gelaunt.

Oder, wenn mir ein solcher Zeitgenosse von seinen Luxusproblemen vorjammert und beleidigt reagiert, wenn ich darauf eingehe und zu einem Lösungsvorschlag ansetze, breche ich meinen konstruktiven Gesprächsbeitrag ab und sage: „OK, mach wie du denkst.“ Ganz wichtig: Freundlich bleiben, lächeln, nicht (offensichtlich) herablassend werden. Und dann elegant das Thema wechseln oder sich mit anderen Leuten unterhalten, die Interessantes zu erzählen haben.


Und, kennt ihr auch solche Leute, die ständig allen anderen die Stimmung vermiesen müssen? Wie geht ihr damit um? Schreibt es mir in die Kommentare 🙂

Essai 188: Über die dummdreiste Arroganz der Ahnungslosen

17. August 2019

Ich habe eine ganz schreckliche Vermutung: Möglicherweise bin ich intelligenter und gebildeter als der Durchschnitt. Wie ich auf diese anmaßend und eingebildet klingende Theorie komme?

Nun jaaa … ich bin, wie ihr wisst, viel in den Kommentarspalten sozialer Medien unterwegs. Und da begegnet einem ziemlich oft furchtbar dummes Zeug. Und ich kann und will unqualifizierten Quatsch nicht immer einfach so unwidersprochen stehen lassen. Am Ende glaubt das noch jemand, zum Beispiel, dass Impfungen mehr schaden als nutzen, dass es den Klimawandel gar nicht gibt, sondern dass die linksrotgrünversiffte Verbotspartei uns das nur einredet, um uns den Spaß zu verderben!!!1!111!!dankemerkel!!!1!12!“ Oder dass diese Ausländer an allem Schuld seien.

Und dann nehme ich es eben auf mich, und erkundige mich, wie die Kommentatoren auf diese Idee kommen. Manchmal, wenn ich müde und genervt bin von diesem haarsträubenden Ausmaß menschlicher Inkompetenz, schreibe ich auch sowas wie: „Was Sie da behaupten, stimmt nicht“, „Sie haben die Statistik falsch interpretiert“ oder „Sie haben sich offenbar nur auf Seiten informiert, die Ihre Sichtweise – die übrigens nicht den Tatsachen entspricht – bestätigen“.

So oder so: Es ist dann immer ein großes Hallo und die Leute, die den Quatsch verzapft haben sowie ihre ebenfalls geistig überforderten Zeitgenossen schießen sich auf mich ein, schreiben, ich wäre dumm und naiv und hoffentlich würde ich selbst mal von diesen „Rapefugees“ vergewaltigt/erleide selbst mal einen Impfschaden, dann würde ich ja wohl einsehen, wer Recht hat.

Seufz.

Was ich dabei immer wieder faszinierend finde, ist, dass meine Gesprächspartner offenkundig überhaupt keine Ahnung haben, was sie da reden, und das mit einer bestechend dummdreisten Arroganz einfach ignorieren. Bekannt ist dieses Phänomen auch als Dunning-Kruger-Effekt: Je inkompetenter jemand ist, desto eher überschätzt er seine eigenen und unterschätzt die Fähigkeiten seines (kompetenteren) Gegenübers.

Das begegnet mir gelegentlich auch im richtigen Leben, dass Leute in einem Brustton der Überzeugung irgendwelchen Scheiß behaupten, von dem ich entweder sofort weiß, dass es Blödsinn ist oder es durch eine kurze Recherche im Nachhinein als solchen entlarve.

So ein unerschütterliches Selbstvertrauen, selbst wenn man keine Ahnung von dem hat, was man da herausposaunt, hätte ich irgendwie auch ganz gern. Zumindest würde mir dann niemand mehr fiese Sachen an den Hals wünschen oder mich beleidigen, sondern dann würde man mir einfach alles abkaufen, was ich so an Unfug herauströte.

Dann würde ich vielleicht nicht ständig an mir zweifeln, Dinge hinterfragen oder so kreuzunglücklich darüber sein, dass niemand mehr heutzutage auf echte Experten hört und lieber Unfrieden stiftet, andere Leute mit Masern ansteckt oder weiterhin dazu beiträgt, die Erde zu zerstören, anstatt einmal kurz inne zu halten, zu reflektieren, ob der eigene Standpunkt überhaupt logisch ist, und dann wenigstens ein bisschen Demut zu zeigen.

Stattdessen hören dummdreist-arrogante Ahnungslose lieber auf Spinner, die unqualifizierten geistigen Dünnpfiff auf YouTube verzapfen, Hass säen oder beides gleichzeitig. Bestimmt fühlt es sich gut an, sich seiner selbst und seines (einfachen und nicht den Tatsachen entsprechenden) Weltbilds zu 100 Prozent sicher zu sein, zu einer Gemeinschaft anderer hasserfüllter Idioten zu gehören, die genau den gleichen Schwachsinn behaupten wie man selbst … da fühlt man sich bestimmt nicht so allein und so, als würde man gegen Windmühlen kämpfen, obwohl es völlig hoffnungslos ist.

Puh, das war jetzt ganz schön misanthropisch. Ich sollte solche polternden Vollidioten wahrscheinlich meinem eigenen Seelenheil zuliebe besser ignorieren. Aber das schaffe ich leider nicht. Ich denke, wenn man zu den Leuten gehört, die ein klitzekleines bisschen weniger dämlich sind als der Durchschnitt, hat man doch auch eine gewisse Verantwortung. Es gibt ja immer auch die stillen Mitleser oder die stillen Zuhörer, die sich nicht ganz sicher sind, ob der pöbelnde Dummdödel nicht vielleicht doch ein wenig Recht hat. Und da braucht es doch Menschen, die dagegenhalten, oder?

Komischerweise bin meistens ich diejenige, die dann als arrogante, eingebildete Intellektuelle dasteht, wenn ich Leute, die dummes Zeug behaupten, korrigiere. Anscheinend mögen es arrogante, eingebildete Dumpftröten nicht besonders, wenn man sie auf ihre Irrtümer aufmerksam macht. Dabei bin ich total höflich, ich sieze die Leute, ich bleibe sachlich, ich schreibe nie: „Halt die Fresse, du Honk“, sondern beziehe mich immer nur auf das Inhaltliche und kritisiere höchstens das Verhalten der Leute, werde also nicht persönlich ausfallend. Das scheint sie aber umso mehr zu reizen … verstehe ich gar nicht.


Und, wie sind eure Erlebnisse mit dummdreist-arroganten Ahnungslosen? Widersprecht ihr den Leuten? Oder habt ihr schon resigniert (ich selbst bin manchmal kurz davor …)?


%d Bloggern gefällt das: