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Essai 96: Über die Kunst der Zicken-Bändigung

2. Dezember 2012

Die Welt ist voll von anstrengenden Mitmenschen, Narzissten, Egoisten und anderen Nervensägen. Das ist Fakt, aber kein Grund zum Verzweifeln. Das fällt den anstrengenden Zeitgenossen nämlich erstens sowieso nicht auf und zweitens – selbst wenn – es interessiert sie überhaupt nicht. Zwar kann das, was Nervensägen so anstrengend macht, die unterschiedlichsten Formen annehmen, aber eine Gemeinsamkeit haben alle Quälgeister auf dieser Welt: Es geht immer nur um sie. Dabei merken sie auch überhaupt nicht, dass sie nerven. Im Gegenteil, sie erwarten, dass man für ihre Riesen-Superprobleme ganz viel Verständnis und Rücksicht aufbringt und um Gottes Willen nicht auch noch das Gleiche im Gegenzug von ihnen erwartet. Dafür fehlt ihnen dann die Zeit oder sie haben dafür grad keinen Kopf und dieser Stress immer und überhaupt. Da möchte man am liebsten das Weite suchen, sich aufs Sofa kuscheln, eine flauschige Katze knuddeln und heiße Schokolade trinken und dabei einen spannenden Krimi lesen. Geht aber meistens nicht, Mist, Moppelkotze und Mäusedreck. Was also tun? Das Beste ist, man eignet sich den einen oder anderen kleinen Trick aus der Kunst der Zicken-Bändigung an, damit man mit anstrengenden Leuten so gut es geht auskommt. Denn ändern werden sie sich nicht. Meine Forschungen auf diesem Gebiet sind allerdings noch lange nicht abgeschlossen, das wird wohl eine lebenslange Aufgabe werden. Aber immerhin bin ich inzwischen zu alt, um jung zu sterben, also den einen oder anderen Kniff habe ich schon ausklamüsert.

1.) Nichts persönlich nehmen und innere Distanz wahren.

Das ist natürlich nicht immer einfach, gerade, wenn man mit der (weiblichen oder männlichen) Zicke, die sich gerade einen selbst als Opfer ihrer Nervattacken auserkoren hat, verwandt oder befreundet ist. Da nimmt man eher mal eine schnippische Bemerkung, eine Provokation oder eine Aufforderung zum Machtkampf persönlich und rutscht ins nervenzersägende Spielchen hinein, merkt es aber erst, wenn’s schon zu spät ist. Aber irgendwann weiß man ja, wie der andere tickt und weiß auch selbst, worauf man immer wieder anspringt. Beim nächsten Mal kann man dann versuchen, innerlich „Stopp“ zu rufen, sich daran zu erinnern, dass der andere eine Zicke ist und man ihn nicht wird ändern können und sich von der inneren Haltung her von der Situation distanzieren. Das klappt wahrscheinlich erstmal nicht auf Anhieb, aber wenn man das Problem erstmal erkannt hat und weiß, woran es liegt, kann man das jedes Mal üben und dann wird es mit jedem Mal ein bisschen besser. Immer daran denken: Der Zicke geht es nur um sich selbst, ihre Anfälle von Quälgeisttum sind nicht mein Problem, sondern ihr Problem.

2.) Ruhe bewahren und geduldig sein.

Ja, ich weiß, das fällt einem schwer. Da trampelt einer unermüdlich auf den eigenen Nerven herum und kümmert sich einen Scheiß um die Gefühle anderer Leute und das soll man nicht persönlich nehmen? Wie gesagt, das muss man üben, eventuell ein Leben lang. Aber mit jedem Versuch wird es ein bisschen besser. Oder zumindest weniger schlimm. Auch leichter gesagt als getan ist der zweite Tipp zur Zicken-Bändigung: Ruhe bewahren und geduldig sein. Es ist ja nicht persönlich gemeint, dass der andere so anstrengend ist. Der ist einfach so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er wirklich glaubt, seine Probleme wären die größten, wichtigsten und schlimmsten auf der ganzen Welt. Eigentlich muss man mit den Zicken ja fast schon ein bisschen Mitleid haben. Aber man muss es ja nicht gleich übertreiben. Mit ihnen auskommen reicht ja fürs Erste. Da hilft es wirklich, sich nicht über den anderen aufzuregen und möglichst geduldig zu bleiben. Vielleicht entspannt sich die Zicke dann auch ein wenig und reduziert ihr Anstrengendsein auf ein erträgliches Maß. Viele Zicken sind nämlich deswegen so nervig, weil sie kein Vertrauen in ihre Mitmenschen haben und dann lieber von vorneherein kratzbürstig auftreten, nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Mit Geduld, Ruhe und Zeit gewinnt man jedoch allmählich das Zutrauen der Zicke und sie wird ein wenig netter. Aber nicht heucheln hier, ne, das ist geschummelt. Das merkt die Zicke und verliert noch mehr das Vertrauen und das macht logischerweise alles nur noch schlimmer. Also, tief durchatmen, bis zehn zählen, mental und mantraartig wiederholen „es ist nicht persönlich gemeint“ und der Zicke klar machen, dass sie nichts zu befürchten hat und dass ihre pampige, auf Krawall gebürstete Art, bei einem nicht nötig ist.

3.) Den anderen akzeptieren, wie er ist und Rettungsversuche unterlassen.

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Man kann andere Menschen nicht ändern, man kann nur sich selbst ändern. Bei Zicken ist das genau so. Es bringt also überhaupt nichts, zu hoffen, der andere würde von alleine weniger anstrengend oder sich vom Quälgeist zum Friedensengel entwickeln. Wenn man das einmal begriffen hat, ist man gleich viel entspannter, weil man ja sowieso nichts dagegen tun kann. Wenn man die Zicke jedoch akzeptiert wie sie ist und aufhört, ihr helfen, sie retten oder sie ändern zu wollen, dann fühlt man sich für ihre Ausbrüche von Querulantentum auch nicht mehr verantwortlich und quält sich nicht mehr so damit. Und wenn sie dann meckert, motzt und jammert, lässt man sie einfach machen und denkt sich seinen Teil (innere Distanz), wartet geduldig ab (Ruhe bewahren) und versucht nicht, sie zu ändern (sie so akzeptieren, wie sie ist), dann merkt sie vielleicht – ganz vielleicht – dass sie bei einem selbst weniger Grund zum Lamentieren hat. Und mit der Zeit wird vielleicht aus der Zicke ein Zicklein.

Hat sonst noch jemand Erfahrungen auf dem Gebiet der Zicken-Bändigung? Dann her mit euren Tipps! Bin gespannt, welche Tricks es da noch gibt, um mit anstrengenden Leuten klarzukommen.

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