Archive for August 2008

Das (vorläufige?) Finale

24. August 2008

So, morgen früh ist der Abgabetermin für mein Medienkompetenz II-Projekt, das heißt, die Essai-Schreiberei hat jetzt erstmal ein Ende. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass es mich vielleicht mal wieder in den Fingern juckt und ich irgendwas mitteilen will. Aber das wird sich dann zeigen.

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Essai 42: Über Liebe

24. August 2008

Liebe hat viele Gesichter.

Hier soll nun aber nicht von der platonischen Liebe oder der Mutterliebe die Rede sein, sondern von dem merkwürdigen Etwas, das zwei Menschen für mal mehr, mal weniger Zeit aneinander bindet. Manchmal hält diese Liebe auch ein Leben lang, wenn man Glück hat und sich ein bisschen Mühe gibt. Manchmal, weil man Pech hat oder weil man sich keine Mühe gibt, verflüchtigt sie sich wieder. Manchmal glaubt man auch, einen Menschen zu lieben, ist aber in Wahrheit einfach von ihm abhängig.

Wobei, so einfach ist das dann nicht, sondern ziemlich kompliziert. Meistens tut einem dieser Mensch, von dem man abhängig ist, gar nicht gut, aber man kann sich einfach nicht lösen. Aber das ist dann prima Stoff für Filme, Romane und Theaterstücke. Ohnehin ist unglückliche Liebe ein Evergreen unter den Erzählstoffen. Aber im wirklichen Leben, ist es dann doch netter, wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich denke, für jeden bedeutet Liebe etwas Anderes, es hängt ja auch immer von dem Menschen ab, den man liebt. Den einen liebt man wegen seiner inneren Ruhe, den nächsten vielleicht, weil mit dem immer der Bär steppt. Manche Verbindungen wirken nach außen hin rätselhaft. Wenn zum Beispiel zwei Leute aufeinander treffen, die ein riesengroßes Ego haben und furchtbar eitel und stur sind, gibt es ständig Krieg. Da fragt man sich, das soll Liebe sein? Ja, vielleicht brauchen sie ja beide genau das.

Es kommt ja auch immer darauf an, was man selber braucht, und was der andere braucht, das man ihm geben kann. Die richtige Mischung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden macht’s.

Ich denke Liebe ist, wenn man sich gegenseitig ergänzt, respektiert und füreinander da ist. Das hat nichts zu tun mit Besessenheit („Ich werde niiiiiiiiiiiie wieder jemanden so lieben können wie XY!“) oder Schwärmerei („XY ist ja soooooooooooo toll und kann so toll tanzen/Gitarre spielen/Jonglieren, etc.“) oder bloßer Leidenschaft („Oh, Ah, Oh, Ah“). Sicher, Leidenschaft gehört dazu und Schwärmerei kann am Anfang einer Verliebtheit stehen, die wiederum am Anfang von Liebe stehen kann – denn Liebe muss erst wachsen – aber das allein ist noch keine Liebe.

Es ist leichter zu sagen, was keine Liebe ist, als zu sagen, was Liebe ist. So ist das halt mit den Gefühlen, entweder man spürt es, oder nicht.

Essai 41: Über Freundschaft

23. August 2008

In jede Essai-Sammlung, die was auf sich hält, gehört auch ein Essai über Freundschaft und einer über Liebe. Über die Liebe schreib ich morgen, jetzt ist erstmal die Freundschaft an der Reihe.

Ja, die Freundschaft, ein schwieriges Thema. Ich bin ja der Meinung, das ist auch eine Form von Liebe, halt nur platonisch. Aber interessanterweise ist man in einer Freundschaft toleranter, als in der Liebe. Das hängt wohl mit den Ansprüchen zusammen. Man erwartet weniger von einem Freund, als von dem Partner. Es fällt leichter, den Freund so zu nehmen, wie er ist. Dabei ist die sogenannte „wahre Freundschaft“ wie allseits bekannt, schwer zu finden und oft genug täuscht man sich. Dann ist sie noch schwieriger zu finden.

Manchmal verwechselt man die Freundschaft – wie auch die Liebe – mit Abhängigkeit. Solche Beziehungen kann man nur durch einen Knall beenden mit gebrochenen Herzen, zertrümmertem Vertrauen und tiefen Wunden. Zum Glück verheilt das irgendwann, aber mit der Person, mit der man vorher befreundet zu sein glaubte, kann man nie wieder ein echtes Vertrauensverhältnis aufbauen. Wenn eine Liebesbeziehung zerbricht, kann man die Freundschaft retten. Zerbricht eine Freundschaft, gibt es hinterher nichts mehr. Wenn man Glück hat, wird immerhin keine Feindschaft draus. Eine Zeitlang ist das zwar ganz unterhaltsam, sich gegenseitig anzuzicken, aber auf Dauer ist das extrem anstrengend. Mit zerbrochenen Freundschaften macht man am besten seinen Frieden und versucht für die Zukunft draus zu lernen.

Meiner Ansicht nach ist eine Freundschaft von Gegenseitigkeit geprägt. Denn wenn sie einseitig ist, wird zu schnell Abhängigkeit draus, in jedem Fall aber wird derjenige, der mehr in die Freundschaft investiert über kurz oder lang ziemlich frustriert sein und sich überlegen müssen, ob er auf diese Einseitigkeit auf Dauer Lust hat. Im Großen und Ganzen ist das mit der Freundschaft wohl so, dass man gar nicht genau erklären kann, was das ist. Man merkt, wenn es da ist und man merkt, wenn es nicht mehr da ist.

Essai 40: Über Bedenkenträger und andere Miesepeter

23. August 2008

Es gibt Menschen, die immer an allem irgendwelche Bedenken äußern. Denen darf man eigentlich gar nichts erzählen, von dem man total begeistert ist, weil sie dann wieder mit ihren Bedenken um die Ecke biegen und man hinterher nur frustriert ist.

Das klingt dann etwa so: „Weißt du was toll ist! Ich hab jetzt endlich einen Job, endlich verdien ich mein eigenes Geld und das auch noch in einer Buchhandlung, ist das nicht großartig!“ „Hmpf, willst du nicht was Vernünftiges machen, dir nen richtigen Job suchen? Bücher verkaufen kann doch jeder Idiot.“ Zack, Laune im Keller.

Das sind oft die Gleichen, die mit stolz geschwellter Brust verkünden, keine Pessimisten zu sein, sondern Realisten.

Also erstens ist das schonmal großer Quatsch, denn zu einer realistischen Weltsicht gehören die positiven und die negativen Seiten des Lebens, weder nur die positiven, noch nur die negativen. Und zweitens tut man weder sich, noch irgendwem anders einen Gefallen damit, wenn man immer gleich nur das Schlechte sieht und immer nur vom Schlimmsten ausgeht.

Irgendwann wird man das nicht mehr los und dann wird man zum Miesepeter, auch bekannt als Grummel Griesgram, Stinkstiefel und Meckerpott – und das sind nur die Synonyme die mir gerade spontan einfallen. Dann kann man sich irgendwann über gar nichts mehr wirklich freuen und steckt seine Mitmenschen damit an. Eh man sich versieht hat man dann einen Haufen Trauerklöße (noch ein Synonym) um sich, die sich gegenseitig runterziehen und in Selbstmitleid versinken. Was ich von übermäßigem Selbstmitleid halte, habe ich ja schon geschrieben.

Ich verstehe einfach nicht, was daran so schwer ist, sich für andere Leute zu freuen. Selbst wenn das, worüber sie sich freuen, für einen selbst vielleicht kein Grund zum Jubeln wäre. Aber deshalb den Leuten gleich alles zu vermiesen finde ich einfach überhaupt nicht lustig.

Man kann sich doch einfach darüber freuen, dass der andere glücklich ist, das ist doch nicht schwer. Und wenn man das nicht kann, dann einfach mal den Mund halten.

Essai 39: Über Problemmacher und das schlimme Wörtchen „schlimm“

22. August 2008

In letzter Zeit gab es viel Aufhebens ob der gestiegenen Benzinpreise. Da hörte man ein Wort besonders oft, sobald man den Fernseher oder das Radio anschaltete: schlimm.

Plötzlich war alles schlimm, ganz besonders diese Benzinpreise. Wo solle das denn alles noch hinführen? Überhaupt werde ja alles teurer, wer soll das bloß alles bezahlen, das ist wirklich schlimm. Wenn man einmal in den bizarren hypnotischen Strudel des Wörtchens „schlimm“ geraten ist, kommt man da so schnell nicht wieder raus. Ja, und dass die Handwerker – die sind ja auch nicht mehr das was sie mal waren, es ist ja so schwer, heutzutage noch gutes Personal zu kriegen, das ist wirklich schlimm – machen was sie wollen, das ist auch schlimm, die werden wohl nie fertig, ist das schlimm. Und das Wetter, kein Regen, keine Sonne, da kriegt man ja ganz schlimme Kopfschmerzen, das ist wirklich schlimm.

Das Schlimme ist, dass diese Schlimmeritis nicht nur alte Leute erwischt – bei denen ist man ja kaum was anderes gewohnt – sondern vermehrt auch auf die jungen Leute übergreift. Wieviele Mittzwanziger laufen mit herunterhängenden Mundwinkeln durch die Weltgeschichte, weil das alles so schlimm ist mit dem Arbeitsmarkt und überhaupt, der ganze Uni-Stress, der ist besonders schlimm und dann diese schlimmen Verhältnisse überall, so kann man nicht arbeiten, das ist echt schlimm, schlimm, schlimm.

Solche Leute kann man auch als Problemmacher bezeichnen, man erkennt sie von außen an den bereits erwähnten Mundwinkeln, die die Existenz der Schwerkraft illustrieren, und sobald sie anfangen zu sprechen an dem jammerigen Tonfall. Dann heißt es möglichst, sich von der Schlimmeritis nicht anstecken zu lassen. Am Besten beipflichten, dass alles ganz schlimm ist und schnellstmöglich die Flucht ergreifen und ein Stück Schokolade essen, oder eine Banane, wegen des Serotonin.

Problemmacher sind meistens Leute, die nur mit sich selbst beschäftigt sind, sich dauernd selbst analysieren und die Ergebnisse stirnrunzelnd allen Anwesenden unter die Nase reiben. Dabei wird aber nicht nach Lösungen und Handlungsmöglichkeiten gesucht, sondern nach Gründen und nach Schuldigen, die auf jeden Fall jeder andere sind, als man selbst.

Das klingt dann ungefähr so: „Ich würde ja gerne mit dir ins Kino, aber das kann ich erst, wenn du zugegeben hast, dass unsere Beziehung wegen deiner Bindungsunfähigkeit so nicht mehr möglich ist und du mir mehr Abstand lässt und du erstmal deinen verdrängten Minderwertigkeitskomplex wegen deines überstrengen Großonkels verarbeitest und dich mir öffnest und nicht deinen Problemen davonläufst.“ Das Rezept ist ganz einfach: Ich bin unschuldig, DU bist schuld. Ich bin das Opfer, DU bist verantwortlich. Ich stelle mich meinen Problemen (die es gar nicht gäbe, wenn ich sie mir nicht einanalysieren würde), DU bist ignorant und unsensibel und flüchtest dich in illusionäre Fantasien, um dich nicht deinen Problemen stellen zu müssen (die es ebenfalls nicht gäbe, hätte ich sie nicht in dich hineinanalysiert).

Was lernen wir daraus? Problemmacherei ist wirklich ganz, ganz schlimm. Schlimm, schlimm, schlimm…

Essai 38: Über Quoten

18. August 2008

Mir ist seit jeher ein riesengroßes Rätsel, was es mit den Fernsehquoten auf sich hat.

Ich bin sicher auch nicht die erste, die sich darüber aufregt, aber geändert hat sich trotzdem nichts. Immer noch wird das Schicksal von Fernsehsendungen von dieser ominösen Quote abhängig gemacht und ich frage mich warum.

Die wird dadurch ermittelt, dass bei irgendwelchen „repräsentativen“ Leuten, angeblich aus sämtlichen Schichten, ein kleines Gerät an den Fernseher angeschlossen wird, das dann ermittelt, was man so guckt. Und offensichtlich mögen repräsentative Leute keine Sendungen von guter Qualität. Die schauen lieber irgendwelchen Z-Promis dabei zu, wie sie versuchen, nicht in Vergessenheit zu geraten, indem sie alles erdenklich Demütigende tun, was so sadistischen Fernsehmachern einfällt. Je größer der Fremdschämfaktor, desto besser.

Und die wirklich guten Sendungen werden abgesetzt! Ich find das doof. Aber Herr Mustermann und Frau Durchschnitt schätzen offenbar kein Niveau.

Das ist auch zu beobachten, wenn man sich mal einen Film im Kino anschaut. Neulich war ich in „Superhero movie“, der – man glaubt es kaum – zwischendurch immer mal wieder intelligenten, kritischen Humor durchblicken ließ. Das sind die Stellen, wo ich gelacht habe. Der Rest des Kinos hat sich köstlich amüsiert über stundenlanges Gepupse und Tittenwitzelchen.

Oh Mann.

Tja, so ist das, ein einzelner Mensch mag ja klug sein, aber ein Haufen Menschen, sind Idioten.

Essai 37: Über Wichtigkeit

4. August 2008

Keine Frage, Wichtigkeit ist eines der wichtigsten Themen, die man sich vorstellen kann.

Wenn man wichtig ist, kann man sich alles erlauben, keiner wird es wagen, etwas dagegen zu sagen. Wenn man unwichtig ist, kann man sich eigentlich auch alles erlauben, bemerken wird es eh niemand.

Ein Beispiel: Wenn ich bloggendes, unbedeutendes Nichts von einem Niemand mir innerhalb von zwei Sekunden den folgenden Spruch aus den Fingern sauge: „Nach Regen folgt Sonne, welch Segen welch Wonne.“ dann denken die zwei – drei Leute, die ich meine Leserschaft nennen kann, boah, was für ein Quatsch. Stimmt, es ist Quatsch, es bringt niemanden weiter, der Reim ist schlecht und die Botschaft trivial. Angenommen, ich behaupte ganz dreist, dieser Spruch sei ein Aphorismus von Goethe. Plötzlich werden alle sagen, Mensch, doll, was für ein weiser Spruch, dieser Goethe, der trifft den Nagel aber auch immer auf den Kopf, das werde ich sofort auswendig lernen und zu jeder Gelegenheit zitieren, damit man mich gebildet findet. Dass das immernoch derselbe Quatsch ist, wird niemanden kümmern, denn wenn eine Berühmtheit, ein hohes Tier in der deutschen Literatur, das gesagt hat, dann kann es ja nur klug und weise sein.

Das Ganze erinnert an die Geschichte des Kaisers mit seinen neuen Kleidern. Darin geht es um einen eitlen Fatzken von Kaiser – einer enorm wichtigen Persönlichkeit also – der sich von zwei Gaunern, die um seine Vorliebe für ausgefallene Mode wissen, übers Ohr gehauen wird, indem sie behaupten, der Stoff, aus dem die Klamotten sind, könne nur von außerordentlich klugen Menschen gesehen werden. Da niemand als dumm gelten will, tun alle so, als sähen sie den Stoff und loben ihn in den höchsten Tönen. Schließlich geht der Kaiser in seinen neuen Kleidern auf die Straße, alle jubeln ihm zu und loben seinen exquisiten Modegeschmack, nur ein kleines Mädchen ruft: „Aber der hat ja gar nichts an!“

Ich finde diese Geschichte spiegelt perfekt die Dummheit der Menschen wider. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich mir in Avignon auf dem Theaterfestival eine Performance von einem Rodrigo Garcia angeschaut, der als total wichtig angesehen wurde und als großes Performance-Nachwuchstalent gilt. Diese Performance bestand darin, dass drei mehr oder weniger nackte Menschen mit Erde, Milch und einem Kärcher rumsauten, mit bloßen Händen einen Salat auf der Bühne machten und sich am Ende völlig nackig mit Honig besudelten und übereinander wälzten. Währenddessen wurde auf eine Leinwand das projeziert, was eine Schildkröte mit Kamera auf dem Rücken gefilmt hatte und irgendsoein pseudo-kommerzkritischer Text darübergelegt, in dem ein Zusammenhang zwischen den kleinen Shampooflaschen im Hotel und den verheerenden Folgen des Kapitalismus hergestellt werden sollte. Und das soll dann also Kunst sein. Ich habe reagiert wie das kleine Mädchen in der Geschichte und gesagt: „Huch, aber die haben ja gar nichts an!“ beziehungsweise: „Das ist ja totaler Blödsinn!“ Das hat aber niemanden interessiert, die Kunstkenner waren einfach in der Überzahl.

Die Wichtigen und ihre arschkriechenden Kompanions haben immer recht, auch wenn sie unrecht haben. Es ist absolut unwichtig, was man tut, sagt oder denkt, Nein, was zählt ist, WER das tut, sagt oder denkt. Und wenn das „was“ der größte Mist ist, wenn ein berühmter und wichtiger Mensch das sagt, ist es automatisch die größte Weisheit schlechthin.

Das sieht man ja auch an schauspielenden Schauspielerknirpsen. Da gibt es zwei Söhne eines berühmten deutschen Schauspielers, die haben exotische Vornamen, sind häßlich wie die Grottenolme und haben absolut kein Talent, sind aber die neuen Teenie-Idole und verdienen einen Haufen Kohle. Einer von denen singt jetzt obendrein auch noch. Hurra.

Ganz besonders schlimm wird es, wenn einst wichtige Menschen plötzlich nicht mehr wichtig sind. Dann lassen sie sich mal eben vor laufender Kamera rundum „Schönheits“-operieren oder machen mal eben einen fröhlichen Drogen- und Alkoholentzug, natürlich von Kameras begleitet, damit die voyeuristische Mehrheit unter den fernsehenden Idioten auch was zu gucken hat. Die Quote freut sich.


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