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Essai 131: Über das Vermasseln von Liebesbeziehungen

9. September 2014

Wenn man wissen möchte, wie man eine stabile Liebesbeziehung führt, die auch dem Alltag und seinen Widrigkeiten trotzt, sollte man möglichst die im Folgenden beschriebenen Fehler vermeiden. Hat man jemanden gefunden, bei dem es passt (das merkt man daran, dass es einfach passt und sich natürlich anfühlt), ist es leichter, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Nichtsdestotrotz kann man eine ursprünglich glückliche Beziehung natürlich trotzdem durch hartnäckiges Fehlverhalten ruinieren.

1.) Kein Einfühlungsvermögen

Davon auszugehen, der andere könnte Gedanken und Gefühle lesen und sich automatisch danach richten, ist der beste Weg in Richtung Enttäuschung und Verbitterung. Und damit eine wunderbare Strategie, um die Liebe und Zuneigung des anderen im Keim zu ersticken. Schmollen und beleidigt sein wegen Dingen, die man nicht ausgesprochen hat, wirkt auf das Gegenüber so als wäre man völlig grundlos eingeschnappt. Daraufhin fühlt der andere sich zu Unrecht wegen irgendwas angeklagt, von dem er nicht einmal weiß, was genau es ist. Das führt zu Verwirrung, Verunsicherung und schließlich auch zu Verärgerung, vor allem, wenn die beleidigte Leberwurst auf Nachfragen dann auch noch mit einem pampigen „Nichts!“ reagiert und noch schmolliger tut. Anstrengend!

Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder, man sagt, was man hat und was man nicht so super fand. Und zwar möglichst offen, aber auch wohlwollend. Also nicht aggressiv-anklagend. Oder man schmollt ersteinmal zuende und entschuldigt sich im Nachhinein beim anderen und erklärt dann, was einen geärgert hat. Und für den anderen gilt, das dann auch anzunehmen und nicht durch Einwände, Rechtfertigungen oder Veralberungen die Gefühle des Sensibelchens erneut zu verletzen. Öfter mal in den anderen hineinversetzen und nicht immer nur von sich ausgehen und um sich selbst kreisen, dann klappt das schon.

2.) Falsche Erwartungen

Auch unausgesprochene Erwartungen und Ansprüche können dafür sorgen, dass eine vielversprechend begonnene Liebesbeziehung irgendwann zerbricht. Notorisch Beziehungsunbegabte haben gemeinsam, dass sie ihren Partner nicht so nehmen wollen wie er oder sie ist, sondern dass sie ihn in eine bestimmte Form pressen wollen. Der oder die wird sich schon noch fügen, lautet dann das Motto und dann wird geflissentlich ignoriert, dass der andere eine völlig unterschiedliche Vorstellung von der Beziehung und ihrer Zukunft hat als man selbst. Wichtig ist auch, dass man – sind die falschen Erwartungen erst einmal rettungslos enttäuscht – den anderen mit Vorwürfen bombardiert und ständigen Nörgeleien zermürbt. Schließlich hätte der andere ja wohl wissen müssen, dass man das und das erwartet und dass er sich danach zu richten hat, ist doch wahr. Deswegen muss man sich natürlich nicht gleich trennen. Man kann auch zusammen bleiben, sich das Leben zur Hölle machen und unglücklich werden.

Um das zu vermeiden, hat man wieder zwei Möglichkeiten: Sobald klar ist, dass es sich um eine feste, ernst gemeinte Beziehung handelt, sollte man mit seinen Erwartungen offen umgehen und bereit sein, sie neu zu formen, wenn die Erwartungen vom anderen nicht erfüllt werden können oder wollen. Oder man beharrt auf seinen Erwartungen und sucht sich jemanden, der diesen von allein entspricht und den man sich nicht erst zurecht erziehen muss.

3.) Ich, ich, ich

Das mag für manchen hartgesottenen Egozentriker überraschend klingen, aber zu einer Liebesbeziehung gehören immer mindestens zwei Leute. Wenn man außer sich selbst niemanden leiden kann und nicht bereit ist, sich auf jemand anderen einzustellen, sollte man das mit der Beziehung einfach lassen und damit klarkommen, dass man allein bleibt. Da haben dann alle was davon. Mit rücksichtslos egoistischem Verhalten züchtet man sich vielleicht einen Groupie oder Jünger heran, der einen anbetet, aber auf Dauer wird eine solche Schieflage in der Beziehung nicht wirklich glücklich enden.

Der Egozentriker wird der Bewunderung seines kleinen Fans eines Tages überdrüssig sein und sich langweilen, die Anbetung auch irgendwann nicht mehr glauben und für vorgespielt halten. Und was, wenn der kleine Fan irgendwann die Schnauze voll hat, ständig hinter jemandem her zu tapern, der sie nur als Fußabtreter gebraucht? Früher oder später knallt es in einer solchen Konstellation und dann kann man die Beziehung in die Tonne treten. Also: Lieber auch mal aufeinander achten und auf den anderen eingehen.

4.) Respektlosigkeit und Verachtung

Eigentlich ist eine Liebesbeziehung bereits rettungslos im Eimer, wenn Respektlosigkeit und Verachtung Einzug erhalten haben. Beides entsteht nämlich als Folge unausgesprochener und somit unerfüllter Wünsche, Erwartungen und Gefühle. Und durch übertriebenen Egoismus auf einer oder auf beiden Seiten. Wenn man bei allem, was der andere sagt oder tut mit den Augen rollt, einen genervten Seufzer ausstößt oder eine gemeine Stichelei (nur notdürftig als „Witz“ getarnt) vom Stapel lässt, nur noch mit Häme auf alles reagiert, dann lässt sich das kaum rückgängig machen. Meistens spürt der andere die Verachtung und versucht dann verzweifelt, alles zu vermeiden, was beim Partner für Verärgerung und Genervtheit sorgt. Diese Ängstlichkeit wiederum provoziert gerade die Verachtung des Partners und so gerät die Beziehung in einen Teufelskreis.

Die einzige Lösung ist hier leider die Trennung. Möglicherweise, wenn beide lange genug getrennte Wege gegangen sind, kann man einen Neuanfang wagen. Es muss dann aber wirklich ein Neuanfang sein und keine Wiederholung der letzten vermasselten Beziehung. Ist alles nicht so einfach, weil gewisse Verhaltensmuster dann sofort die Erinnerungen wieder wachrufen können. Man muss das dann schon wirklich wollen.

5.) Klammern und sich selbst aufgeben

Wenn man sich die Verachtung und Respektlosigkeit seines Partners erarbeiten will, gelingt das am besten durch Klammern, Jammern und Wehklagen, sobald der andere mal etwas allein machen will. Man kultiviere seine Angst vor Einsamkeit und dem Verlassenwerden bis ins Absurde hinein und lasse sich dabei keinesfalls (zum Beispiel durch eine Therapie) helfen, dann ruiniert man eine Beziehung unter Garantie. Idealerweise fühlt man sich sofort ungeliebt, wenn der andere seine Aufmerksamkeit – auch nur kurz – von einem selbst ablenkt und macht das mit Vorhaltungen deutlich. Reagiert der andere daraufhin verständnislos, ist tiefste Verzweiflung und großes Drama angesagt. Eine bunte Palette an Mitteln der emotionalen Erpressung dienen dabei der Verdeutlichung des eigenen Standpunkts. Auf keinen Fall sollte man dem anderen dann die Gelegenheit geben, seinen eigenen Standpunkt zu erläutern, er liegt ja ohnehin falsch und man selbst richtig.

Lösung: Sich ein Hobby suchen, seinen eigenen Freundeskreis pflegen und öfter mal was allein machen. Aufhören, nur um sich selbst zu kreisen (siehe Punkt 3) und einfach mal klar kommen. Und wenn man das nicht kann, professionelle Hilfe suchen.


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