Archive for Januar 2012

Essai 81: Über Leute, die sich für was Besseres halten

31. Januar 2012

Gibt es etwas Schlimmeres, als Leute, die sich für was Besseres halten? Dieser ganze elitäre Haufen Snobs geht einem doch fürchterlich auf den Keks. Mein Haus, mein Auto, mein Pool, meine Fresse! Wenn es eine Sache gibt, die mir einfach mal komplett nicht imponiert, dann sind das Statussymbole. Und ich pfeife auch auf Markenklamotten. Es ist mir wurscht, ob die Handtasche nun von dieser Firma mit dem Reiter im Logo ist, oder nicht. Es ist mir auch egal, ob die Turnschuhe nun von der Firma ist mit den drei Streifen oder von der mit dem Panther oder was auch immer vorne drauf. Und wenn man meint, mir erzählen zu müssen, wie ungemein angesagt das gerade ist, was man trägt, kann man von mir nicht mehr als ein müdes Achselzucken erwarten.
Nicht minder anstrengend sind geltungssüchtige Narzissten mit ausgeprägtem Mangel an Selbstwertgefühl, die einem permanent vor der Nase herumhopsen und einem ständig unter selbige reiben müssen, was sie alles können, was sie alles wissen und wie total toll sie sind. Ich habe wirklich Interessanteres mit meiner Zeit anzufangen, als ständig Groupie für irgendwelche aufmerksamkeitsgeilen Pappnasen zu spielen, die sich selbst keine Sekunde aushalten und deswegen ständig allen anderen auf die Nerven gehen müssen.
Ganz schlimm sind aber die, die sich für was Besseres halten und so tun, als hielten sie sich nicht für etwas Besseres. Die tragen dann zum Beispiel so einen seligen Gesichtsausdruck spazieren um allen zu zeigen, wie wunderbar mit sich im Reinen sie sind. Und weil sie so zufrieden mit sich sind, müssen sie das auch gleich mit allen teilen. Zum Beispiel, indem man furchtbar betroffen tut und den anderen bedauert, da er ja nicht so selbstzufrieden scheint und der andere fühlt sich plötzlich so, als sei er unheilbar krank, dabei war er bis eben noch soweit ganz glücklich mit seinem Leben.

Schließlich und endlich gibt es aber noch die Schlimmsten der Schlimmen, die sich für etwas Besseres halten. Das sind dann die, die irgendwelche Essais über Leute schreiben, die sich für was Besseres halten und diese kritisieren und sich dabei erst recht als was Besseres vorkommen.

Essai 80: Über die Akkumulation gleichgearteter Nutzlosigkeiten

21. Januar 2012

Männer und Kinder haben ja bekanntermaßen so Einiges gemeinsam. Sie brauchen ständig Aufmerksamkeit, verstehen einen so, wie es ihnen gerade in den Kram passt, obwohl sie ganz genau verstanden haben, was man meint, sie sind laut und manchmal nervig, dabei aber irgendwie putzig, mitunter gar rührend.
Es gibt noch eine Gemeinsamkeit zwischen Männern und Kindern, die ich heute mal dem geneigten Leser und seinem weiblichen Pendant schildern möchte: Die Sammelwut. Oder anders gesagt, die Akkumulation gleichgearteter Nutzlosigkeiten. Ich habe zum Beispiel als Kind Schneekugeln, Parfumflacons und Stofftiere gesammelt, es gab auch mal eine Münz- und Briefmarkensammelphase. Jetzt da ich allmählich altersweise werde (meine Sammelhochzeit hatte ich zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts) habe ich die kathartische Wirkung des Ausmistens für mich entdeckt und meine Schneekugeln und Flacons im Müll entsorgt, meine Münzsammlung für mickrige 10 Euro verschachert (ich vermute, der feiste Kerl, Typ „Klischee-Kapitalist“, der in dem kleinen Münzgeschäft-Kabuff wie die Made im Speck auf seinem Stuhl thronte, hat mich über den Tisch gezogen. Aber bei Krempel muss man immer abwägen, ob man ihn los- oder reich werden will.), einen Großteil der Stofftiere für Tombolas gespendet und die Briefmarkensammlung verschenkt. Herrlich! Dinge, die einfach nur herumstehen und Staub fangen, dabei aber keinerlei Nutzen aufweisen, loszuwerden ist ungemein befreiend. Bücher und DVDs zählen übrigens nicht dazu, die haben nämlich einen Nutzen.

Nun begibt es sich aber so, dass Männer, erwachsene Männer, es häufig total super finden, völlig nutzfreie Dinge anzusammeln, zu katalogisieren, in Alben zu stecken und diese Alben wiederum ins Regal zu stellen, sich eine Extravitrine zuzulegen, wo dann die gesamte Reihe irgendwelcher Sammelfiguren von geringem ästhetischen Wert Platz hat und sich einfach nur daran zu erfreuen, dass sie die Reihe komplett haben und dass sie mit diesem Sachverhalt vor anderen Männern angeben können. Wie gesagt, rührend und putzig und liebenswert. Solange sie alleine wohnen auch überhaupt kein Problem. Ansonsten sehe ich den Beziehungsknatsch schon vorprogrammiert: „MUSS das sein, dass deine Sammlung von Fantasy-Skulpturen in unserem Schlafzimmer steht? Diese Elfe hat überhaupt nichts drunter an und wie dieser Troll mich anstarrt, das irritiert mich!“ – „Stehe NICHT zwischen mir und meinem Hobby!“ … Man stelle sich vor, die Frau nutzt einen unbeobachteten Moment und wischt zum Beispiel ein wenig Staub und aus Versehen, wirklich aus Versehen! verschiebt sich der Troll oder die Elfe fällt herunter und ein Zacken ihres Sternchen-Haarbands bricht ab… Es hat sicher schon Morde gegeben deswegen.

Ich habe da ja so eine Theorie, was männliche und kindliche Sammelwut voneinander unterscheidet. Kinder sammeln Dinge, die sie schön finden. Es macht ihnen Spaß und sie haben Freude daran, hübsche Dinge – egal ob diese einen realen monetären Wert haben oder nicht – nebeneinander zu stellen, mit anderen ähnlichen Dingen zu ergänzen, mit ihren Freunden zu tauschen und ähnliches. Im Vordergrund steht immer der Spaß an der Freude. Diese Einstellung scheinen übrigens auch erwachsene Frauen mit ausgeprägtem Sammeltrieb zu teilen (Ja, ja, die gibt es auch, schon klar). Sammelnde Frauen akkumulieren bevorzugt Kitsch-Figuren, wie Porzellanpuppen oder neckisch aus der Wäsche guckende Clowns mit Luftballons und Grübchen, die mit flauschigen, kulleräugigen Kätzchen spielen, die ebenfalls Grübchen haben. Alles in allem an Scheußlichkeit nur von nackten Elfen zu überbieten. Ich möchte nicht wissen, was das mit der sensiblen Kinderpsyche macht, wenn sie in einem Umfeld aufwachsen, indem sie von Porzellanpuppen und Grinseclowns zugekitscht werden. Da wird man bestimmt ganz komisch von und sammelt sowas später selbst. Wenn hingegen erwachsene Männer sammeln, steht der Spaß an der Freude eher im Hintergrund. Es geht darum, möglichst eine bestimmte Reihe komplett zu haben, von der irgendwelche anderen männlichen Sammler – selbsternannte Sammelexperten – behaupten, man müsse sie komplett haben, sonst wäre sie nichts wert. Und wenn eines von diesen Teilen aus welchen Gründen auch immer von diesen ‚Experten‘ als besonders schwer zu bekommen qualifiziert wird, ist es umso toller, dieses Ding zu erwerben. Ganz egal, ob das eine geschmacklose, hässliche Elfenskulptur, ein kleines Plastikfigürchen  oder ein Stückchen buntes Papier ist. Das ist natürlich super für Leute, die ihr Gerümpel loswerden wollen, die brauchen das dann nur ins Netz zu stellen oder bei irgendeinem Gerümpelhändler vorbeizubringen und schon kriegen sie Geld für etwas, das bei ihnen zu Hause eh nur im Weg herumgestanden hat. Wenn sie sich vorher bei selbsternannten Sammelexperten schlau gemacht haben, vielleicht sogar viel Geld.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich noch halbwegs nachvollziehen kann, dass die Jagd nach einem imaginiert kostbaren Objekt Spaß machen kann. Ich verstehe aber überhaupt nicht, was daran Spaß macht, sich die Sammlung – ist sie einmal komplett – ins Regal zu stellen und nie wieder anzufassen. Wenn das irgendwelche Sammelkarten sind, die man einrahmt, das ist vielleicht nicht immer im eigentlichen Sinne schön, nimmt aber wenigstens keinen Platz weg, also jedem Tierchen sein Pläsierchen. Aber dicke Alben mit Zeugs drin oder Skulpturen nehmen Platz weg und Figürchen versperren einem den Weg zu den Büchern, ist das nicht irgendwann nervig? Fällt einem da nicht manchmal vor lauter Gedöns in der Umgebung die Decke auf den Kopf? Kriegt man da nicht irgendwann einen Rappel und schmeißt die ganze Scheiße weg?

Neulich bin ich auf eine unsäglich peinliche Fernsehsendung gestoßen, die in bester ‚Scripted reality‘-Manier gerümpelgeplagten Ehegattinnen hilft, ihren Mann dazu zu bewegen den Trödel zu entsorgen, den er schon seit Jahren hortet und allen Ernstes glaubt, der Schrott sei irgendetwas wert. Alte Kaffeemaschinen, bei der einen fehlt die Kanne, bei der anderen ist der Deckel abgebrochen, bei der dritten ist das Kabel durchgeschmort. Milchkannen von monströser Kitschigkeit, angemalte Schaufeln, jede Menge Harken und Kisten mit undefinierbarem Kleinkram. Der küchentischpsychologisch geschulte Hanswurst von einem Moderator äußerte dann auch gleich die Vermutung, dass die Gattin sich durch das Vergraben ihres Mannes in seinen Krempel vernachlässigt fühle. Nun bin ich nicht minder küchentischpsychologisch geschult und vermute, dass das Problem gar nicht Liebesentzug ist, wenn die Sammelwut des Göttergatten soweit geht, dass der Mann nichts wegwerfen mag (Kann man noch kleben! Ist doch noch gut! Kann man doch noch gebrauchen! Da kann man doch noch was draus machen! Man weiß ja nie! Wieso, was stimmt denn damit nicht! Das ist doch schön! Man muss nur Leute finden, die das auch wertschätzen können!), sondern schlicht und ergreifend darin, dass ein Übermaß an Krempel einfach erdrückend ist. Wenn es mit der Sammelwut des Gatten soweit ist, muss man als Frau tricksen. Am besten nicht fragen und die Sachen heimlich entsorgen. Ja, ja, ja, das macht man nicht, von wegen Ehrlichkeit blablabla. Aber Extremsituationen erfordern mitunter drastische Methoden. Man muss das natürlich geschickt machen und erst mal nur Kleinigkeiten entsorgen und nicht zu viel auf einmal. Ich wette, das merkt der gar nicht. Aber wenn man ihn fragt, ob man diese ramponierte Kaffeemaschine ohne Kanne, die kein Mensch mehr benutzt, entsorgen darf, wird er sich vehement weigern. Schmeißt man sie einfach weg, sind alle zufrieden.


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