Archive for Dezember 2009

Essai 47: Über ein Mindestmaß an Höflichkeit …

13. Dezember 2009

… sollte eigentlich jeder Mensch verfügen. Das ist zumindest meine naive Weltsicht, die solch eine unglaubliche Voraussetzung fordert.

Es gibt doch wohl so etwas wie Grundregeln der Höflichkeit, oder? Dass man zum Beispiel jemanden, der einem gerade etwas erzählt, nicht sang- und klanglos stehen lässt wie bestellt und nicht abgeholt. Das bricht doch niemandem einen Zacken aus der Krone zu sagen: „Tut mir leid, ich muss weiter.“ Warum also tun Leute so etwas? Wie kann man so fundamental Ich-bezogen sein, dass man sich nicht einmal entschuldigen kann, bevor man den andern mitten im Satz stehen lässt? Wie das geht, ist mir ein Rätsel, aber irgendwie ist das wohl möglich.

Na ja, aber ich gehe ja auch davon aus, dass Leute sich entschuldigen, wenn sie einem auf der Straße ihr Kind ins Gesicht pfeffern. Wie dumm ist DAS denn? Ist mir im Übrigen wirklich neulich passiert, ich geh – nichts Böses ahnend wie das nun mal eben mein Naturell ist – auf dem Bürgersteig spazieren, fühle mich mit der Welt in Einklang und freue mich meines Lebens – Wumms – klatscht mir ein Kinderkopf in die Fresse. Ich find das ja schön, dass die junge Frau, die das Kind trug, so stolz darauf ist, für den Fortbestand unserer Art zu sorgen, dass sie sich nicht scheut, das anderen – die das bisher noch nicht tun – skrupellos unter die Nase zu reiben. Aber: auch hier bricht es ihr keinen Zacken aus der Krone sich kurz zu entschuldigen. Ist doch wahr! Menno!

Das scheint irgendwie ein Phänomen zu sein heutzutage, dass sich die meisten Leute permanent benachteiligt und ungerecht behandelt fühlen und noch dazu Egozentriker der übelsten Sorte sind und es deswegen für absolut legitim halten, andere Leute genauso kacke zu behandeln, wie sie (angeblich!) von ihnen behandelt werden. Dabei ist es doch überhaupt nicht schwer, einfach mal ein bisschen netter zu sein. Dann würden vielleicht auch „die Anderen“ (sprich: die Bösen *huuu*) aufhören, gemein und unhöflich zu einem zu sein. Das wäre zumindest mal wünschenswert.

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Essai 46: Über die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert

13. Dezember 2009

In Zeiten, in denen Mario Barth mit seinem „Humor“ der erfolgreichste „Komiker“ – ich fürchte sogar – der Welt ist und wo „Ratgeber“ über warum Männer nicht zuhören, vom Mars kommen und supertoll Auto fahren können und warum Frauen nicht einparken können, von der Venus kommen und viel zu viel nachdenken *Luft hol* In diesen Zeiten also, wo so ein genderdefinierender Unsinn verbraten wird, ist es denke ich eine legitime Frage, was Männer und Frauen nun eigentlich auszeichnet. Gibt es da überhaupt Unterschiede oder ist das alles nur wieder ein Teil unserer illusionären Identitätskonstrukte, die wir uns so zurechtschustern, weil man ja sonst nichts mehr hat an das man noch glauben kann? Zumindest hier in Europa ist man ja bei den meisten Glaubensfragen doch recht aufgeklärt, also überwiegend jetzt und an den schnöden Mammon kann man ja nun auch nicht mehr so wirklich glauben, nachdem die ganzen großen Bankfuzzis da so rumgemurkst haben. Hm, was gibt es da denn sonst noch? Wie wäre es mit Liebe, Frieden, Freude, Eierkuchen? Neee, da wäre man ja glücklich und zufrieden und hätte nichts mehr zu meckern und dann? Ja, was bleibt einem denn da anderes, an das man sich halten kann, als daran, dass Männer und Frauen fundamental anders sind und dass es deswegen auch völlig legitim ist, dass Frauen IMMERNOCH weniger Geld für die gleiche Arbeit kriegen und es IMMERNOCH überwiegend die Frauen sind, die sich um den Nachwuchs kümmern müssen und um die außerfinanzielle Versorgung der Familie, während Papa seinen Spaß bei der Arbeit haben darf.

Und das finde ich gemein, vielleicht will ich ja auch arbeiten und vielleicht habe ich auch absolut nichts dagegen, das gleiche Gehalt zu bekommen wie ein Mann? Vielleicht finde ich ja auch, dass Frauen nach der Geburt Unterstützung bei der Aufzucht ihrer Sprößlinge bekommen sollten, anstatt sie 9 Monate mit sich herumzuschleppen, sie unter qualvollsten Schmerzen auf die Welt zu befördern und anschließend trotzdem wieder zum großen Teil alleine da zu stehen.

Aber was passiert? Es sind die Männer, die jammern. Die Emanzipation hätte sie entmannt, sie wüssten gar nicht mehr was einen Mann eigentlich ausmacht (das hat sich ja bereits Grönemeyer in den 80ern gefragt), geraten in Identitätskrisen und so weiter und so fort. Ja, warum erwarten eigentlich alle, dass es für uns Frauen so viel einfacher sein soll? Von uns wird viel mehr erwartet: Wir sollen arbeiten und Karriere machen und trotzdem noch treusorgende Mutter sein und Deutschland vor dem Aussterben bewahren und was ist das eigentlich mit diesen fortpflanzungsunwilligen Akademikerinnen? Und bei alldem, Arbeit, Karriere, Kind und Kochen sollen wir trotzdem noch immer jung und sexy und frisch aussehen und wilde Liebhaberinnen sein, die immer und überall Lust haben. Hallo??? Da ist doch ein eklatanter Denkfehler in der Kombinationsgabe der Allgemeinheit zugange. Und um gleich mal wieder mit einem bescheuerten Mythos aufzuräumen: Nein, Frauen sind nicht multitaskingfähig. Niemand ist multitaskingfähig. Das ist Blödsinn! Sicher, einige können stricken und dabei fernsehen (ich nicht, ich kann nicht stricken) und andere können – oh Wunder – kochen und dabei Musik hören. Aber das ist doch kein Multitasking. Kein Mensch kann zum Beispiel gleichzeitig arbeiten und Geld verdienen und sich zu Hause um Haushalt und Kinder kümmern. Das geht nicht zur selben Zeit, das muss man aufteilen und nacheinander machen oder sich für eins davon entscheiden. Warum erwartet man denn, dass Frauen sich automatisch für den Haushalt entscheiden? Wir saugen genauso ungerne Staub, putzen das Bad, spülen Geschirr, räumen auf etc. Meine persönliche Meinung ist, man sollte das aufteilen, dass sowohl die Männer als auch die Frauen sich sowohl in ihrer Arbeit verwirklichen können und die Familie finanziell ernähren, als auch die ätzenden Aufgaben im Haushalt, die getan werden müssen, aufteilen, als auch sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Sprösslinge kümmern. Das ist meiner Ansicht nach das, was die Emanzipation der Frau uns eigentlich hätte bringen sollen: Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung.

Was passiert stattdessen? Eine neue Spießigkeit greift um sich, junge Frauen sabotieren die Errungenschaften der Emanzipationsbewegung indem sie freimütig verkünden, sie fänden es total supi, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, während Männe arbeiten geht. Das ist ja auch schön und ihr gutes Recht, solange sie den Frauen, für die Aufopferung ihrem Mann gegenüber nicht die totale Erfüllung ist, nicht mit einer Arroganz entgegentreten, als wären „die Anderen“ Rabenmütter. Genauso finde ich es allerdings verwerflich, wenn die Karrierefrauen stolz verkünden, sie könnten nicht kochen und sich dann für was Besseres halten als die Hausmütterchen (die ja jetzt euphemistisch „Haushaltende“ geschimpft werden, wenigstens in der Sprache scheint die Emanzipation ja gefruchtet zu haben).

Also, wann ist eine Frau eine Frau? Frauen haben’s schwer, nehmen’s leicht… (um Grönemeyer nochmals in abgeänderter Form zu zitieren) Und wann ist ein Mann ein Mann? Vielleicht ist das auch einfach alles scheißegal und vielleicht sollten wir einfach mal Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen walten lassen und uns gegenseitig unterstützen wo wir nur können, anstatt unsere Zeit damit zu vergeuden uns über eventuelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen den Kopf zu zerbrechen. Männer sind nicht vom Mars und Frauen nicht von der Venus – wir sind alle von der Erde und sollten den Boden der Tatsachen beackern, anstatt an zeitraubenden ideellen Identitätsluftschlössern zu feilen.

Zwischenbemerkung: Name meines Blogs

13. Dezember 2009

Doof, dass ich meinen Benutzernamen nicht wechseln kann, isa09 ist kein sehr aussagekräftiger Name für meinen Blog. Passender wäre – finde ich, Proteste können gerne in den Kommentaren verewigt werden – dass „angry young woman“ oder „die neuesten Leiden im www“ viel besser passen würden. Ersteres ist eine Anspielung auf John Osbornes Stück „Blick zurück im Zorn“ („Look Back in Anger“  – Oasis haben auch nichts erfunden), welches seinerzeit im England Mitte der 50er Jahre den Nerv einer Generation traf, die „die alten gesellschaftlichen Strukturen, die sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wesentlich veränderten“ (Harenberg Schauspielführer, 2003)  ablehnten und dagegen zu rebellieren suchten. Nach Vorbild der Hauptfigur Jimmy wurden diese als „angry young men“ bezeichnet. Und hier kommt jetzt die Neuigkeit: Auch Frauen können stinksauer sein über die alten gesellschaftlichen Strukturen und auch im 21. Jahrhundert hat sich nicht übermäßig viel dahingehend geändert. Vielleicht ist alles schneller, lauter und hektischer geworden, einiges hat sich zugegebenermaßen tatsächlich auch verbessert … nichtsdestotrotz gibt es immer noch Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft, die wir ändern könnten, wenn wir wollten und wenn wir einfach mal die Augen aufmachten, aber das tun wir nicht, weil es ja unbequem ist. In einigen Aspekten haben wir sogar Rückschritte zu vermelden, was ist beispielsweise aus der weiblichen Emanzipationsbewegung geworden? Aber dieses Thema verdient wohl einen eigenen Beitrag …

Der zweite Name „Die neuesten Leiden im www“ ist natürlich eine Anspielung auf Goethes Werther und dessen DDR-Nachfolger „Die neuen Leiden des jungen W.“ von U. Plenzdorf. Auch hier geht es – unter anderem, beide Werke zeichnen sich durch ihre Polysemie (Vieldeutigkeit) aus – um ein Individuum, das gegen die starren gesellschaftlichen Strukturen rebelliert und dann damit scheitert. Vermutlich, weil sowohl Werther als auch Edgar versuchen allein gegen den Rest der Welt anzutreten und nur innerlich rebellieren, aber nichts wirklich Konkretes tun. Na ja und ich schwafel hier ja auch reichlich altklug rum, aber ändern tut sich dadurch auch nichts 🙂

Zumindest der Name meines Blogs wird sich dadurch nicht ändern, der bleibt wohl vorerst bei „isa09“.


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