Archive for Oktober 2011

Essai 76: Über nicht komische Frauen

11. Oktober 2011

Eine kleine Warnung vorweg: Der folgende Essai entbehrt jeglicher politischer Korrektheit und stellt keinerlei Ansprüche darauf, die absolute Wahrheit zu verkünden. Er ist infolgedessen für Gutmenschen, Gleichstellungsfanatiker und Emanzipationsheuchler denkbar ungeeignet. Sollte sich ein solcher dennoch dieses Machwerk zu Gemüte führen, bitte ich die Kommentarfunktion nach Belieben zu nutzen, um mich mit Schimpftiraden und Zurechtweisungen jeder Couleur zu bedenken.

So. Das wäre erledigt. Dann kann ich ja jetzt loslegen.

Ich frage mich schon seit Längerem, warum weibliche Komikerinnen nicht so witzig sind, wie ihre männlichen Kollegen. Ich weiß, das ist ein Klischee, aber leider stimmt das auch. Ich würde dem zu gerne widersprechen, aber ich habe leider keine guten Gegenbeispiele. Seit jeher ist das Komische eine Männerdomäne. Und das finde ich persönlich ziemlich unfair. Vielleicht will ich als Frau ja auch mal komisch sein. Stattdessen muss man als Frau funktionieren. Man muss Karriere machen und den Haushalt schmeißen, zwischendurch mal ein paar Kinder in die Welt setzen, damit die Menschheit nicht ausstirbt, um die muss man sich dann auch noch kümmern, währenddessen kriegt Männe eine Midlifecrisis, so dass man noch ein Kind mehr betüddeln muss und Sonntagabend gibt’s den Fernsehkrimi. Wann hat man denn bei all den Problemen Zeit und Lust komisch zu sein? Eben.

Nichtsdestotrotz gibt es ein paar wagemutige Geschlechtsgenossinnen, die wenigstens versuchen witzig zu sein. In Ermangelung weiblicher Vorbilder orientieren sie sich dabei jedoch an ihren männlichen Kollegen und das Ergebnis ist in der Regel beschämend. Das ist dann die ersten zwei Male noch ganz ulkig, weil es ungewohnt ist, einer Frau dabei zuzusehen, wie sie sich um Witzigkeit bemüht, aber beim dritten Mal ist es nur noch peinlich. Wobei ich recht viele Männer kenne, die eine Carolin Kebekus oder wie die heißt, außerordentlich komisch finden. Zugegeben, die kleinen halbstarken Assis, wie man sie in cineastischen Popcornunterhaltungsangeboten in Multiplexkinos in der hintersten Reihe ertragen muss, macht sie hervorragend nach. Aber da lacht man zwei Mal drüber und beim dritten Mal gähnt man. Oder Cindy aus Marzahn. Die ersten zwei Male denkt man sich, Oho, Mut zur Hässlichkeit, sehr schön, Hahaha und was sie erzählt ist auch ganz drollig. Und beim dritten Mal: Pff, die schon wieder.

Eine Frau, die die Komik eines Mannes kopiert, ist nicht witzig. Das ist dann Mario Barth mit Brüsten (Hihi, ich hab Brüste gesagt *kicher*). Und der ist schon im brustfreien Zustand nicht sehr witzig. Ob nun eine Frau skatologische Klischees verzapft oder ein Mann, die Geschmacksfreiheit solcher Witzeleien ist dieselbe. Aber bei Männern sind solche plumpen Scherze normal, von denen erwartet man nichts Feinsinniges, deswegen amüsiert man sich da eher drüber, als bei einer Frau. An eine Frau stellt man mehr Ansprüche. Man erwartet da mehr feinsinnigen, hintergründigen Humor und nicht irgendwelche Frotzeleien über die eigene Periode oder sonst ein Tröt, der keinen interessiert. Das kann ja jeder, sich auf die Bühne stellen und „Kaka, Pisse, Ficken, Boah, immer wenn ich meine Tage habe, muss ich ständig pupsen *furz*“ sagen und dann erwarten, dass das als komisch gilt. Ist es aber nicht. Blähungen während der Periode sind ein ernstzunehmendes Problem, darüber macht man keine Witze. Darüber macht man Werbung für verdauungsfördernden Joghurt.

Mich nervt es persönlich immer fürchterlich, wenn Leute Klischees bestätigen. Da kann ich mir ja mit meinem Appell an Gleichberechtigung, das Hinterfragen von Vorurteilen und den ganzen Krams den Mund fusselig reden, wenn da ständig Realsatiren auf zwei Beinen mir ins Handwerk pfuschen. Man muss doch nun wirklich kein Genie sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Bestätigung von Klischees bedeutet, dass man sich ans eigene Bein pinkelt. Und die künstliche Herstellung eines Anti-Klischees bestätigt ebenfalls das eigentliche Klischee. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Wenn eine Frau, in dem Versuch komisch zu sein, sich wie ein Mann aufführt, versucht sie als Frau dadurch komisch zu sein, dass sie typische Männerklischees kopiert. Das heißt, sie ist das Anti-Klischee einer Frau. Damit bestätigt sie jedoch das Klischee, das man Frauen vorwirft, sie seien einfach von Natur aus nicht witzig. Sie bestätigt das Vorurteil, dass, wenn man witzig sein will, man sich wie ein Mann aufzuführen hat. Und zwar wie das Klischee eines Mannes. Denn dass es auch Männer gibt, die durchaus feinsinnigen Humor praktizieren (Loriot, Dittsche, Dieter Nuhr, Woody Allen, …), ist Fakt. Warum sich unsere Komiker-Mädels nicht mal an denen orientieren können, ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist es einfach einfacher, dümmliche Klischees zu bestätigen, als mal ein bisschen intelligente Komik zu versuchen.

Frauen sollten ruhig mal den Mut haben, Frauen zu sein, auch wenn das Komischsein ihr Beruf ist. Oder, wenn man mal die Klischees außen vor lassen will, sollten Frauen einfach die Menschen sein, die sie sind. Also nicht nur plump die männlichen Kollegen imitieren, sondern mal was Eigenes wagen, ein Jodeldiplom sozusagen. Dann würden vielleicht auch endlich mal die Unkenrufe aufhören, dass Frauen einfach nicht komisch seien. Dass das Witzige einfach keine weibliche Eigenschaft sei und schlicht nicht in der weiblichen Natur liege. Und dann hätte ich auch endlich mal ein paar überzeugende Gegenbeispiele.

Essai 75: Über Coolness

5. Oktober 2011

Normalerweise halte ich mich an den Grundsatz, man solle die Fresse halten, wenn man von nichts eine Ahnung hat. Im Prinzip bin ich nämlich eine Frau mit Prinzipien, Jawoll. Allerdings – und da offenbart sich die widersprüchliche Natur meiner Wenigkeit – ist noch ein anderes meiner Prinzipien, dass es mir manchmal einfach Spaß macht, auf meine eigenen Prinzipien zu pfeifen.

So weit, so gut. Heute möchte ich mich mal erdreisten, trotz absoluter Unkenntnis des Gegenstands, etwas über Coolness zu erzählen. Genaugenommen bin ich mit meiner zutiefst lächerlichen Erscheinung, die man nicht anders als als Kindchenschema auf zwei Beinen bezeichnen kann, eher die personifizierte Uncoolness. Zu allem Überfluss habe ich auch noch Grübchen. Aber was hilft Jammern, was hilft Klagen, gegen die Allmacht chronischer Putzigkeit ist kein Kraut gewachsen. Zudem steht meine Possierlichkeit hier nicht zur Debatte, sondern das soll hier ein total objektives Abhandlungsdings über den Mythos ‚Coolness‘ werden.

Ich glaube, Coolness spielt nur bis zu einem bestimmten Alter eine Rolle. Wenn man fast 30 ist, ist eh Hopfen und Malz verloren, dann kann man ruhig zu seiner allumfassenden Uncoolness stehen und keinen juckt’s. Glück für mich. Geht man allerdings noch zur Schule und hat die Hoffnung auf ein wenig Glamour noch nicht vollends aufgegeben, ist das allerdings etwas anderes. Man will dann ja auch dazu gehören und alles. Das ist nicht einfach, wenn man nicht nur mit einer angeborenen Niedlichkeit zu kämpfen hat sondern obendrein auch noch mit Brille, Zahnspange, Pausbacken und Hasenzähnen gesegnet ist. Ehrlich gesagt habe ich das Unterfangen, irgendwie zur Gruppe der Coolen und Beliebten zu gehören auch nicht so wirklich ernsthaft durchgehalten. Ich könnte jetzt herumnostalgieren, dass ich immer Außenseiterin gewesen sei und eine stille Rebellin, die kontemplativ mit einem gesunden Maß an Verachtung auf die sozial Favorisierten herniederblickt hätte, aber das wäre Quatsch. So wichtig bin ich nun auch wieder nicht und war ich auch nie. Nö, mich haben die Klamotten, die man tragen musste, die Musik, die man hören musste, die Frisuren, in die man seine Haare formen sollte, der ganze Kram, schlicht nicht interessiert.

Ich habe auch nie begriffen, was daran so ungemein toll ist, irgendwas zu machen, nur weil es alle machen. Wobei mit ‚alle‘ hierbei die auf dem Schulhof ‚herrschende Klasse‘ der Coolen und Beliebten gemeint ist. Die, die in der Raucherecke stehen (als ich zur Schule ging, durfte man auf dem Schulhof noch rauchen und ja, ich werde alt, das hatten wir schon) und die sich anlässlich dümmlicher, sinnentleerter Besäufnisse zusammenfinden. Die hässliche Schuhe mit dicken Sohlen tragen (in den 90ern war das modern, die Älteren mögen sich vielleicht noch an die Spice Girls erinnern). Deren Eltern ihnen schon riesige Handys besorgt hatten, als die Dinger für Normalsterbliche noch nicht erschwinglich und für mehr als zum Telefonieren nicht geeignet waren (Ja, Kinder, so war das damals).

Vielleicht ist Coolness ja auch genetisch bedingt und wird von den Eltern vererbt, sowie auch das Nichtvorhandensein desselben vererbt wird. So wie früher mit dem Adel, wo man dann auch hineingeboren wird, und alles was der Adel bei Hofe so treibt, wird Mode und das Bürgertum versucht das nachzuäffen, aber wer hat der hat und wer nicht der nicht. Und wer nicht hat, der nicht gewinnt. Gewollt und nicht gekonnt, so blamiert man sich, so macht man sich peinlich. Ich finde das eine interessante Theorie, dass die Coolen der Adel des Schulhofs sind. Die haben dann ja auch ihre Lakaien, die sich ihrer Persönlichkeit entledigt haben, um den Coolen nachzueifern. Und dann gibt’s noch die chronisch Uncoolen, die eh nichts zu verlieren haben und gar nicht erst versuchen müssen, sich den Coolen anzubiedern, weil es absolut offensichtlich ist, dass ihnen das niemals gelingen wird. Wenn ich mir das so recht überlege, ist Coolness ziemlich anstrengend, es ist eine Lebensaufgabe. Was man da an Verantwortung trägt, man muss immer für neue Trends sorgen und man darf sich nie zum Affen machen, weil man dann seinen Lakaien die Persönlichkeitsgrundlage und das Identifikationsangebot raubt…

Puh…

Ich glaube, da bin ich lieber niedlich.


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