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Essai 179: Über Schweigen und Nichtreagieren in Konfliktsituationen

21. Oktober 2017

Normalerweise bin ich nicht sooo nachtragend. Finde ich. Es ist meines Erachtens relativ schwierig, mich richtig wütend zu machen, und relativ einfach, sich hinterher wieder mit mir zu vertragen. Es gibt im Grunde nur eine Sache, die man tun muss, um garantiert alles schlimmer zu machen, und das ist: nichts. Mich macht es kirre, wenn ich mir alle Mühe gebe, eine Meinungsverschiedenheit oder sonstigen Konflikt zu klären, und mein Gegenüber schweigt und ignoriert mich komplett. Wie soll man denn zu einem Kompromiss oder einer Einigung kommen, wenn ich nur meine Sicht der Dinge kenne, von der anderen Perspektive aber einen Scheiß erfahre?

Leider ist es ziemlich schwierig, das Menschen klar zu machen, die eine andere Konfliktlösungsstrategie als ich verfolgen. Wenn ich mich mit jemandem streite, will ich das so schnell wie möglich lösen, damit wir uns wieder versöhnen und den Streit zu den Akten legen können. Generell ticke ich eher so, Unangenehmes schnell hinter mich zu bringen, es abzuhaken, und mich dann wieder den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Ansonsten kann ich nicht richtig abschalten, weil mir das Unangenehme die ganze Zeit wie ein Damoklesschwert über dem Kopf schwebt.

Dann gibt es aber noch die – sagen wir – Vogel-Strauß-Konfliktlöser. Sie stecken einfach den Kopf in den Sand und hoffen, dass das Unangenehme sich von selbst löst, bevor sie wieder auftauchen. Oft neigen sie generell zum Prokrastinieren (Aufschieben) und erledigen Unangenehmes – wenn überhaupt – auf den letzten Drücker, lassen Unordnung sich erst anhäufen, bevor sie aufräumen und sitzen Konflikte und Streitsituationen einfach aus. Und da frage ich mich, ob das wirklich jemals funktioniert hat? Muss es ja eigentlich, sonst würden sie es ja anders machen …

Na jedenfalls, ich versuche wirklich, Verständnis dafür aufzubringen, wenn jemand anders mit Konflikten umgeht als ich. Aber diese Vogel-Strauß-Strategie ist so total unlogisch und ineffizient, überhaupt nicht vorausschauend gedacht. Dabei ist es doch viel einfacher, man klärt ein Missverständnis gleich auf, bevor es überhaupt erst zu einem Streit mutiert. Man spart sich auch jede Menge Nervkram und Arbeit, wenn man Unordnung gar nicht erst entstehen lässt, und Sachen, die man benutzt, im Anschluss wieder an ihren Platz stellt. Das ist doch mit Rechnungen zum Beispiel genauso. Wenn man sie gleich bezahlt, ist alles fein. Wenn nicht, kommen mit der Zeit noch Mahnungen und Zinsen dazu und man muss mehr bezahlen als ursprünglich.

Das ist doch nun wirklich keine sonderlich zweckdienliche Vorgehensweise. Gut, manchmal geht’s nicht anders, aber was ich halt nicht verstehe, ist, wenn man prinzipiell und grundsätzlich diese Wenn-ich-das-Problem-nur-lange-genug-ignoriere-löst-es-sich-bestimmt-von-alleine-in-Wohlgefallen-auf-ohne-dass-ich-mich-dafür-anstrengen-muss-Strategie anwendet. Das regt mich echt auf. Und ja, schon klar, ich höre mich gerade wie der übelste Streber-Klugscheißer-Korinthenkacker an, aber ich hab ja wohl einfach recht, da kann ich doch nichts für.

Es ist nun mal eben langfristig betrachtet viel angenehmer und einfacher, Nervkram so schnell wie möglich zu erledigen, anstatt ihn sich anhäufen zu lassen. Sonst steht man da vor diesem Riesenberg an unangenehmem Zeug, und denkt sich: „Puh. Wo soll ich da jetzt anfangen?“ oder „Auweia, wie konnte es denn soweit kommen?“ – Da ist doch die Hürde plötzlich viel größer, vielleicht sogar zu groß, um sie zu überwinden. Und das ist nun wirklich nicht schwierig, diese Konsequenz des Nichthandelns vorauszusehen. Weil. Das. Verdammt. Noch. Mal. LOGISCH!!! Ist.

Das gilt nicht nur für Rechnungen, doofe Haushaltstätigkeiten, Hausaufgaben oder Arbeitskram, sondern auch für Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse in Beziehungen. Wenn man sich größere Streitereien und lästige Grundsatzdiskussionen und peinliche Beziehungsgespräche ersparen will (und wer will das nicht?), ist es besser, man redet kontinuierlich miteinander. Das heißt nicht, dass man ständig plaudern und plappern muss, das ist ja auch nicht jedermanns Sache. Aber wenn was ist, sollte man das einfach gleich sagen, bevor es einen so sehr stört, dass man es nicht mehr ertragen kann.

Zum Beispiel hatte ich neulich eine zunächst kleine Differenz mit meinem Freund. Normalerweise verstehen wir uns prima und können auch mal nicht reden und es ist trotzdem alles gut. Wir löchern uns jetzt nicht dauernd gegenseitig und bereden auch nicht jeden Pups. Nun war er aber für fast zwei Wochen weg und wir konnten nur übers Handy kommunizieren. Ich hasse telefonieren, weil ich nie weiß, ob mein Anruf nicht gerade nervt, also schreibe ich lieber.

Ich hatte ihm ein Foto meiner neuen Kameratasche für meine neue Kamera geschickt und mich darüber gefreut, dass sie so gut passt. Daraufhin meinte er sinngemäß, klasse, dann kann ich sie ja auf die nächste Reise mitnehmen. Ich dachte erst, das wäre ein Scherz, wies aber vorsichtshalber darauf hin, dass ich meine neue Kamera in dem Zeitraum gern selbst ausprobieren möchte. Darauf er, das muss ich erst klären, eventuell muss ich meine eigene Kamera hierlassen. Und dann war ich sauer. Weil ich dachte, was soll denn das, wieso klärt er das nicht erst mit mir, ob er meine Sachen ausleihen kann, und überlegt dann, ob er seine eigene Kamera verleiht?

Dummerweise bin ich nicht sehr geübt darin, wütend zu sein, wie gesagt, das passiert mir nicht so oft. Also habe ich ihm mitten in der Nacht eine ellenlange Schimpftirade geschickt, die inhaltlich aussagen sollte, klär das bitte erst mit mir, wenn du meine Sachen brauchen könntest. Aber das war zugegebenermaßen in ziemlich viele und sehr wütende Worte verpackt. Daraufhin wurde er erst einsilbig. Und dann, als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, und zu dem Schluss kam, vielleicht ein kleines bisschen überreagiert zu haben, habe ich mich entschuldigt. Und dann kam das große Schweigen.

So, mittlerweile haben wir uns „ausgesprochen“ (dieser Ausdruck weckt in mir einen Widerwillen, das klingt so nach Beziehungskrisengespräch, Bäh!) und es hat sich herausgestellt, dass ich ihn offenbar missverstanden habe. Warum hat er das denn dann nicht gleich gesagt? Er hätte doch einfach nur zu schreiben brauchen, nach meiner Schimpftirade, Hoppla, da ist wohl etwas in den falschen Hals geraten, gemeint war das-und-das. Zack. Sache geklärt, Konflikt gelöst, alle sind zufrieden.

Angenommen, ich habe ihn mit meinem Wortschwall so überrollt, dass er quasi unter Schock stand und deswegen so einsilbig reagiert hat. Spätestens nach meiner Entschuldigung hätte er doch einfach nur zu sagen brauchen, ja, da haben wir uns wohl missverstanden, mir tut’s auch leid, hab dich lieb – und schon wäre wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Aber stattdessen schweigt er und reagiert gar nicht. Und überlässt mir die Interpretation, was eine Scheißidee ist, weil meine hyperaktive Fantasie sonstwas in das Schweigen hineininterpretiert. Zum Beispiel, dass er beleidigt ist und mich bestrafen will, dass das irgendsoein blödes Machtspiel ist, um mich in meine Schranken zu weisen, dass er mich nicht mehr mag und sich längst eine Neue gesucht hat, dass er heimlich als Agent oder Auftragskiller arbeitet und gerade in Schwierigkeiten steckt, …

Schweigen ist finde ich einfach das Fieseste, was man machen kann in einer Konfliktsituation. Ich kann halt auch dieses „Ja, ich wusste nicht, was ich dazu sagen soll“ nicht nachvollziehen. Irgendwas wird man doch wohl von dem halten, was ich geschrieben oder gesagt habe. Und das kann man dann doch einfach ohne Vorwürfe sagen, dann kann ich wiederum schauen, was ich davon halte. Und entweder es stellt sich heraus, dass einer von beiden recht hatte, dann sehe ich kein Problem darin, das auch so zu sagen. Oder beide Standpunkte haben ihre Daseinsberechtigung und ihre sinnigen Argumente, dann trifft man sich halt in der Mitte.

Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Was meint ihr dazu?

Essai 153: Über das (Aus)lösen von Problemen durch Reden

13. Februar 2016

Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass sich sämtliche Probleme durch Reden lösen ließen. Für konkrete Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten unter zivilisierten Menschen, die der sachlichen Diskussion aufgeschlossen gegenüber stehen und willens sind, ihre eigene Meinung der kritischen Selbstreflexion zu unterziehen, mag das ja stimmen. Bei allem anderen führt Reden meistens von einem Missverständnis zum nächsten, bis einer heult (das bin dann in der Regel ich). Und oft erschafft man da erst ein Problem, wo vorher keins war. Das nervt.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich manchmal selbst nicht so genau weiß, ob es ein Problem gibt und worin dieses Problem bestehen könnte, wenn ich mal einen kleinen Pups quer sitzen habe. Meistens ist das ja nur eine diffuse Mischung aus PMS-Hormongeschwurbel, doofem Graunieselkaltpisswetter, schlechtem oder zu wenig Schlaf, Zwicken und Zwacken hier und da, Heuschnupfen oder anderen Wohlstandswehwehchen, die eigentlich nicht wirklich schlimm sind, aber einem trotzdem die Laune trüben können. Da macht man sich ja vollkommen lächerlich, wenn man diese vielen Kleinigkeiten ausdiskutiert und zerredet, obwohl sie am nächsten Tag von alleine weggegangen wären, ohne dass man darüber nachdenken hätte müssen.

Wenn man allerdings doch über seinen unerklärlich miesepetrigen Ausnahmegemütszustand redet, dann denkt man ja auch drüber nach, woran die Übellaune liegen könnte, das kann ja nicht so eine Kleinigkeit sein, das ist ja kein richtiger Grund, und ohne richtigen Grund darf man keine schlechte Laune haben. Dann sucht man also nach einer richtig coolen Ursache, und weil es keine gibt, findet man auch keine. Und es bleibt nur noch die Schlussfolgerung, dass man eine hysterische dumme Pute und nicht ganz dicht ist. Schwupps, schon hat man ein Problem geschaffen, wo vorher nur ein Minipups ein bisschen schief saß. Und man hat noch eine große Portion Schuldgefühle dazu gewonnen, weil man die netten, hilfsbereiten Menschen, die es nur gut mit einem meinen (das ist kein Sarkasmus, sie meinen es ja wirklich von Herzen gut), die Zeit mit irgendwelchen Lächerlichkeiten stiehlt, und sich dann noch nicht einmal wirklich helfen lässt.

Ich habe früher auch gedacht, man müsste ständig über alles reden und jede Kleinigkeit auseinanderanalysieren, jedes noch so kleine Gefühl theoretisieren. Auch ich habe Leute genervt, die einfach doofe Laune hatten und sich einfach mal auskotzen wollten, indem ich versucht habe, irgendein Problem zu finden, das sich lösen lässt. Dabei wäre die Problemlösung in diesem Fall einfach nur, zuzuhören, vielleicht ab und zu ein verständnisvolles „Ach Mensch, wie doof“ oder „Och, wie ärgerlich“ einzuwerfen und bei Gelegenheit freundlich das Thema zu wechseln. Manchmal will man auch einfach nur mal in den Arm genommen werden und hören, dass alles OK ist.

Ganz blöd ist es, wenn ich zum Beispiel wegen einer Sache geknickt, ein bisschen traurig oder etwas beleidigt bin, vom Verstand her aber ganz genau weiß, dass ich dazu keinen Grund habe. Zum Beispiel: Ich schnarche. Laut. Mein Freund verdrückt sich dann manchmal mitten in der Nacht aufs Sofa, weil er dort besser wieder einschlafen kann. Ist also überhaupt nicht böse gemeint. Und trotzdem fühle ich mich dadurch vor den Kopf gestoßen und bin mega eingeschnappt. Das ergibt rational betrachtet nicht den geringsten Sinn und ist einfach nur völlig bescheuert. Aber trotzdem ist es so wie es ist und ich bin grundlos gekränkt. Wir haben dann drüber geredet, aber eine Lösung fürs Problem haben wir nicht gefunden – weil es eben einfach keine gibt. Immerhin ging es mir aber zugegebenermaßen hinterher ein wenig besser, weil mir durch das Reden die ganze Situation so idiotisch absurd vorkam, dass ich danach akzeptieren konnte, dass es eben manchmal keine Lösung gibt, und dass das aber auch nicht schlimm ist.

Das muss man wohl in solchen Situationen mit Humor nehmen und sich eine Art heitere Gelassenheit gegenüber Nicht-Problemen-ohne-Lösung angewöhnen. Tatsächlich kann Reden da unter Umständen etwas bringen, weil man dann nicht so in sich hineingrummelt, sondern die Absurdität besser sehen kann, wenn man seine Gedanken laut ausspricht.

Ich weiß auch nicht genau, wie man das erkennt, wann Reden angebracht ist, und wann es mehr schadet als nützt. Vielleicht kann man das ja so ausprobieren, dass man erst einmal nur zuhört und versucht, herauszuhören, ob der andere sich nur Luft machen möchte, nach Ablenkung sucht oder tatsächlich meine Meinung hören will.

Ich merke gerade, das war wieder einer dieser Essais, in denen ich mir selbst widerspreche und die nicht sonderlich logisch aufgebaut sind. Aber jetzt habe ich es selbst zugegeben, dann kann es mir keiner mehr vorwerfen, Ätsch! 😛 Trotzdem bin ich auf eure Meinungen und Erfahrungen gespannt, die ihr gern in die Kommentare tippen dürft.

Essai 140: Über klare Ansagen

19. April 2015

Neulich las ich einen von diesen Beziehungsratgebern, die einem weismachen wollen, Männer bräuchten klare Ansagen. Frauen würden sich halt immer so undeutlich ausdrücken und deswegen seien sie selber Schuld, dass ihre Partner nicht im Haushalt helfen. Diesen ausgemachten Unfug konnte ich so natürlich nicht stehen lassen. Allerdings ist mein Facebook-Kommentar wieder gelöscht worden, ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil ich angedeutet habe, dass Leute, die behaupten klare Ansagen zu brauchen, nur zu faul sind, der Bitte nachzukommen und dieses „Ich brauche halt klare Ansagen“ nichts weiter als eine Ausrede ist. Wobei, angedeutet habe ich das eigentlich nicht. Ich habe die klare Ansage gemacht, dass solche Leute Faulpelze sind. Das wurde wohl als Beleidigung gesehen.

Aber einmal ganz von vorn: Was sollen klare Ansagen überhaupt sein? Wenn damit ehrliche Antworten gemeint sind, dann muss ja auch vorher eine Frage gestellt worden sein. Sprich, wenn jetzt zum Beispiel eine Frau zu ihrem Mann sagt: „Schatz, magst Du bitte nach dem Essen die Spülmaschine ausräumen, bevor Du ins Bett gehst?“, dann ist das eine eindeutige, klare Frage. Da kann der Mann entweder mit „Ja, mach ich“ oder „Nee, kein Bock“ drauf antworten. Das wäre eine klare Ansage. Ein eindeutiger Fall, sollte man meinen.

In dem Ratgeber hieß es jedoch, der Mann würde das nicht als klare Frage deuten, weil da gleich drei Informationen auf einmal (Essen, Spülmaschine ausräumen, ins Bett gehen) drin enthalten sind. Die Frau hätte also sagen müssen: „Schatz, Du räumst jetzt sofort die Spülmaschine aus!“, damit der Mann der Aufforderung Folge leistet. Wobei der Ratgeber auch behauptete, Männer würden grundsätzlich keine Anweisungen von Frauen befolgen, beziehungsweise nur sehr ungern. Da habe ich dann aber nicht verstanden, wie man die Bitte, im Haushalt zu helfen, denn dann formulieren soll. Eigentlich ist es ja sowieso sehr nervig, dass man das überhaupt erstmal sagen muss, ich meine, das sieht man doch, wenn die Spülmaschine fertig gespült hat und das Geschirr trocken ist. Dann räumt man die Maschine halt aus, da kann man ja auch von selbst drauf kommen.

Wenn man es trotzdem nicht tut und auch dann nicht macht, wenn man darauf aufmerksam gemacht wurde, dann, weil man keine Lust dazu hat und zu faul ist. Sitzt man es daraufhin so lange aus, bis der/die andere die Nerven verliert und sich selbst drum kümmert, dann macht einen das zum Faulpelz. So. Da habt ihr eure klare Ansage! Bevor ich wieder als feminazistische Kampfemanze da stehe, ich meine damit alle Leute, die sich so verhalten, dass das nur Männer betrifft, stand in dem – wie ich finde – dummen Ratgeber.

Vielleicht sind klare Ansagen aber nicht nur ehrliche Antworten auf Fragen, sondern generell Aussagen, bei denen Inhalt und Form, das „Was“ und das „Wie“ identisch sind. Das ist allerdings schlichtweg unmöglich, weil immer mehrere Aspekte in einer Aussage mitschwingen. Die eigene Persönlichkeit, eigene Erfahrungen, eigene Stimmungen, die Beziehung zum anderen, aktuelle Umstände und so weiter färben die Aussage mit ein.

Mir wird des Öfteren vorgeworfen, es kämen von mir nie klare Ansagen. Allein das ist ja auch schon keine klare Ansage, weil keine konkreten Beispiele genannt werden, das Wort „nie“ mir von vorneherein suggeriert, dass ich es auch gar nicht kann und außerdem nicht mit erwähnt wird, dass man mir ebendies vorwirft und man sich wünscht, ich würde es ändern.

Das Problem ist, ich bin eine ganz schauderhafte Lügnerin. Ich kann mich nicht hinstellen und eine klare Ansage machen, wenn ich mir selbst unschlüssig bin. Und ich bin mir ganz oft unschlüssig, weil ich erst einmal über Dinge nachdenke, bevor ich mir eine Meinung dazu bilde. So kommt es, dass ich auf Vorschläge erst einmal mit einem „Mal gucken“ oder Varianten davon wie „Mhm“ oder „Mjoa“ antworte. So sehr ich verstehen kann, dass das nervt, kann ich aber nicht einfach „OK, super, ja, mach ich!“ sagen, wenn ich „Uff, keine Ahnung, weiß ich jetzt grad nicht, muss ich erstmal drüber nachdenken“ oder „Nehme ich zur Kenntnis, ist aber in diesem konkreten Moment nicht relevant, wird jedoch bei Gelegenheit wieder aus dem Gedächtnis gekramt und dann, wenn es mir in dem Moment für richtig erscheint, in die Tat umgesetzt“ denke. Vor allem will die lange Version ja auch keiner hören. Wenn ich also „Weiß ich nicht“ oder „Mal gucken“ sage, dann meine ich das in dem Augenblick auch so. Dafür kann man sich bei mir darauf verlassen, dass ich „Ja“ meine, wenn ich „Ja“ sage und „Nein“, wenn ich „Nein“ sage – und natürlich Varianten davon wie „Klar“, „OK“, „Kein Problem“, „Mach ich“, etc. beziehungsweise „Nee“, „Nä“, „Och nöööö“ ,“Muss das sein?“, „Pffffoa … hmpf“.

Darüber hinaus kann ich ja nicht wissen, dass meine für mich eindeutige, ehrliche Aussage beim anderen nicht als solche angekommen ist. Ich bin zwar ziemlich toll und alles, aber Gedanken lesen kann ich nicht. Wenn es also zu Missverständnissen kommt, haben beide Seiten es verbockt und nicht nur ich. Schließlich hätte man ja auch mit einer klaren Frage nachhaken können, wenn man meine schwammige Antwort nicht verstanden hat.

Vielleicht können wir uns ja einfach mal alle ein bisschen mehr Mühe geben und großzügiger sein, besser zuhören und zwischen den Zeilen lesen und dann nachfragen, wenn uns eine Aussage unklar erscheint.


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