Posts Tagged ‘Banausen’

Essai 101: Über Nazi-Witze

17. März 2013

Heute habe ich mal wieder ein ganz besonders kontroverses Thema für meine werte Leserschaft hervorgekramt: Nazi-Witze. Darf man das, über Nazis Witze zu machen? Und darf man das überhaupt, darüber zu schreiben, ob man über Nazis Witze machen darf? Ich bin der Meinung, man darf das natürlich, aber es müssen ein paar Bedingungen erfüllt sein, damit daraus keine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus wird. Aber aufzeigen und entlarven, mit dem Mittel des Humors und der Satire, wie Nazis ticken, wie Mitläufer ticken und wie es möglich sein konnte (und nach wie vor möglich ist!), dass ein paranoider Fanatiker so viele Anhänger finden konnte, halte ich nicht nur für erlaubt, sondern auch für dringend notwendig. Das reicht ja nicht, dass etwas verboten ist. Wenn man gar nicht weiß, warum etwas verboten ist und es auch nicht versteht, scheint es in der menschlichen Natur zu liegen, dieses Etwas erst recht zu tun oder gut zu finden. Da sind Menschen wie kleine Kinder.

Allerdings birgt die Satire auch immer die Gefahr, nicht verstanden zu werden. So geschehen mit Timur Vermes Roman „Er ist wieder da“. Das hat beim NPD-Obermotz großen Anklang gefunden, weil der nicht kapiert hat, dass das Satire war. Und offenbar auch überlesen hat, dass gerade die NPD ihr Fett weg kriegt in dem Roman. Aber nur, weil ein paar Leute zu doof sind, sollte man meiner Meinung nach nicht einfach alles unter den Teppich kehren oder mit dem Vermerk „verboten“ abheften, denn dann nimmt man den Menschen die Möglichkeit, zu verstehen. Wer nicht versteht, kann es auch nicht besser machen. Oder anders gesagt: „Wer die Vergangenheit nicht versteht, ist gezwungen, sie zu wiederholen.“ (Leider habe ich vergessen, von wem das Zitat ist, aber ich finde es sehr zutreffend). Und gibt es ein besseres Mittel, um zu verstehen, als Humor? Der erhobene moralische Zeigefinger jedenfalls nicht und das Verbergen und zum Tabu erklären auch nicht.

Was ich schon eher problematisch finde, ist, wenn man wie im Film „Der Untergang“ mit vollem Ernst und bar jeden Humors Hitler als kranken Menschen präsentiert, ohne dabei jedoch seine Denke, seine Strategie, seine Motivation und so weiter zu entlarven. Stattdessen wird durch Pathos und Katastrophenkitsch verhindert, dass man begreift, was da eigentlich geschehen ist zu der Zeit. Das Mittel der Überwältigung und Faszination haben ja auch die Nazis für ihr Propagandakino genutzt, wenn sie nicht gerade durch Ablenkung und Heiterkeit in Filmen wie „Die Feuerzangenbowle“ so getan haben, als sei alles paletti. Bei beiden Methoden geht es jedenfalls darum, dem Publikum zu suggerieren, „wir“ seien toll, moralisch überlegen und voll die Helden, aber „die Anderen“ seien böse, moralisch unterlegen und „unsere“ Feinde. Was ich von diesem dualistischen Weltbild und diesem Schwarz-Weiß-Denken halte, habe ich ja schon das eine oder andere Mal erwähnt. Nämlich nichts. Man beraubt sich durch diese bornierte Haltung der Möglichkeit, selbständig zu denken und das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der gesunde Menschenverstand entscheidet und nicht irgendein fanatischer selbsternannter „Führer“. Aber diesen Mechanismus muss man erst mal verstehen. Das tut man nicht, wenn man alles vorgekaut bekommt. Aber auch nicht, wenn man vom eigentlichen Thema abgelenkt wird.

Leider haben nicht nur Satiren über Nazis das Problem, missverstanden zu werden, sondern Satiren im Allgemeinen. „Fight Club“ von David Fincher zum Beispiel, ist meiner Meinung nach eine der genialsten Satiren auf den modernen Konsumzwang überhaupt. Trotzdem gibt es Idioten, die denken: „Geil, auf die Fresse, cool!“ und das dann nachmachen und sich toll vorkommen. Und dabei nicht kapieren, dass genau diese Haltung im Film verarscht und dabei entlarvt wird. Oder die Fernsehserie „Dexter“, da gibt’s natürlich reaktionäre Vollpfosten, die denken: „Selbstjustiz, geil, auf die Fresse, böse Buben plattmachen, cool!“ und in der Tat kann man die Serie so verstehen. Man kann sie aber auch kritisch als Satire lesen, die genau dieses Selbstjustizthema hinterfragt. Kürzlich habe ich Paul Thomas Andersons „The Master“ im Kino gesehen und auch da ist mir aufgefallen, dass man es entweder als Satire und Kritik an Fanatikern, fehlgeleiteten Idealisten und Sekten sehen kann, aber auch als Befürwortung dessen missverstehen könnte. Vielleicht hat deswegen Scientology noch nicht lauthals zum Boykott dieses Films aufgerufen. Es ist halt immer die Gefahr, wenn Kunstwerke – gleich ob literarisch, theatral, filmisch, musikalisch oder anderes – ihren Rezipienten nicht zweifelsfrei vorschreiben, wie sie das dargestellte Geschehen zu bewerten haben, dass nicht voraus zu sehen ist, wie es interpretiert wird. Deswegen darauf umzuschwenken, die moralische Botschaft eines Werkes widerspruchsfrei und ohne jede Ambivalenz den Leuten vor den Latz zu knallen, halte ich für keine gute Idee. Denn das ist dann wieder Propaganda, die eigenes freies Denken und somit echtes Verstehen verhindert. Und dann macht man die gleichen Fehler immer und immer wieder.

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Essai 94: Über misslungene Werbung

16. Oktober 2012

Als ich letzte Woche mit dem Intercity von Hamburg nach Stuttgart juckelte, hielt ich in jeder größeren Stadt zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands. An jedem Bahnhof kreischten mir diverse Werbeplakate entgegen. Und das mit so miesen, unhöflichen, dummen, grammatisch mindestens fragwürdigen oder unfreiwillig komischen Sprüchen, dass ich mir dachte, das lohnt sich doch mal einen Essai drüber zu schreiben. Wenn ich daran denke, wieviel Geld für Werbung ausgegeben wird und dann ist die auch noch schlecht, dann weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Aber so ist das heutzutage, da wird versucht, die Fassade auf Hochglanz zu polieren und ob es dahinter fault und gammelt, interessiert keine Sau. Schlimm. Das Ding ist, mit der Werbung ist das ja wie mit Krieg, Waffen und Gewalt. Tut es einer, muss es jeder machen. Wenn einer Krieg führen will und jemand anderen angreift, muss der sich ja irgendwie verteidigen. Wenn nur einer eine Waffe trägt, müssen andere auch eine Waffe tragen, um sich zur Not vor dem Kerl mit der Waffe verteidigen zu können. Hätte niemand eine Waffe, bräuchte niemand eine. Würde niemand einen Krieg anzetteln – sei es aus Angst, selbst angegriffen zu werden – gäbe es keine Kriege. Und so ist das allgemein mit Gewalt. Würde niemand damit anfangen, andere Leute mit Gewalttätigkeit zu belästigen, provozierte er damit auch keine Gegengewalt oder präventive Gewalt oder was auch immer. Und genau so müsste niemand allen anderen mit dämlicher Werbung auf den Wecker fallen, wenn es niemand täte. Dann müsste man nämlich nicht darüber nachdenken, wie man seine eigene Fassade noch heller und strahlender glänzen lässt als die der Konkurrenz und alle könnten in Ruhe ihre Arbeit machen, anstatt sich über oberflächlichen Image-Scheiß den Kopf zu zerbrechen. Ja, ja, ich weiß, ich bin naiv. Aber ist doch wahr!

Wenn Werbung interessant, witzig, klug und informativ ist und bestenfalls nicht allzu verlogen, habe ich absolut nichts dagegen, dass Leute auf sich und das, was sie tun und womit sie Geld zu verdienen gedenken, aufmerksam machen und in aller Höflichkeit hinweisen. Aber – ich weiß nicht, woran das liegt – die meiste Werbung ist unhöflicher, witzloser, dummer, penetranter Nervkram. Dabei wäre weniger mehr. Wenn ich zum Beispiel an diese wahnsinnig schlechte Zigaretten- oder Tabakwerbung denke, die mit dem umständlichen Spruch wirbt: „Rauchen, was andere denken, dass Sie rauchen“, dann bekomme ich Lust, aus Trotz mit dem Rauchen anzufangen, nur um es gleich wieder aufgeben zu können. Überdies ist der Spruch auch noch grammatikalisch falsch. Wer den Fehler findet, kriegt von mir einen virtuellen Keks (die sind lecker und machen nicht dick). Ich kapier auch nicht, inwiefern dieser Spruch nun selbst den stärksten Kettenraucher dazu animieren soll, ausgerechnet diese Zigarettenmarke zu kaufen. Das Einzige, womit man Leute heutzutage noch zum Rauchen bewegen kann, ist doch dieses Cowboy-Freiheits-Individualitäts-Gedöns. Wobei ich nicht weiß, was Nikotinsucht mit Freiheit zu tun hat, aber das ist ein anderes Thema. Und nun kommen die mit so einem dummen Spruch, der nicht nur kein richtiges Deutsch ist und nicht nur holprig formuliert, sondern noch dazu die Botschaft vermittelt: „Sei berechenbar. Vermeide Überraschungen. Rauche einfach unseren Tabak, weil alle denken, dass du genau das tust“. Wer denkt sich so was aus?

Eine andere Unart, die sich vor allem auf Produkte bezieht, die eine jugendliche Zielgruppe anzusprechen versuchen, ist das ungefragte Duzen der potentiellen Kunden. Nun zähle ich mit meinen dreißig Lenzen vielleicht nicht mehr unbedingt zu den Jugendlichen, aber nichtsdestotrotz benutze auch ich gelegentlich Shampoo, um mein Haar seidig glänzend zu machen. Und dann will ich bitteschön nicht von meiner Shampooflasche geduzt werden. Und Befehle nehme ich auf die Art sowieso nicht gern entgegen. „Genieße das absolute Dufterlebnis“ oder „Erlebe jetzt die prickelnde Apfelfrische“. Manche Werbefuzzis gehen dann so weit, dass sie die Kunden auch noch grafisch anbrüllen mit ihrer ohnehin schon nicht subtilen Message. So gesehen auf einem Werbeplakat für irgendein superdupertolles Einkaufszentrum: „GENIEßE JETZT DAS TOTALE EINKAUFSERLEBNIS!“ So ein Käse, als ob jetzt dieses Einkaufszentrum anders wäre als jedes andere Einkaufzentrum zwischen Hamburg und Stuttgart. Die sind doch alle gleich. Der einzige Grund, warum man ein bestimmtes Einkaufszentrum öfter frequentiert als ein anderes, ist die räumliche Nähe. Man braucht irgendwas und das Einkaufszentrum XY liegt zufällig auf dem Weg, dann geht man da hin. Aber man wird nicht extra kilometerweit woanders hingurken, nur weil ein riesiges Werbeplakat mich anbrüllt, ich solle jetzt gefälligst umgehend das totale Einkaufserlebnis genießen. Was auch immer mit „totales Einkaufserlebnis“ gemeint ist. Total deprimierendes Neonlicht? Total nervige laute Musik in den Geschäften? Total schlechte Klimaanlagenluft im Gebäude? Total viel zu viele Menschen auf total viel zu wenig Raum, die einen dauernd anrempeln oder total im Weg herumstehen? Total die immergleichen Geschäfte? Oder totaler Quatsch? Außerdem, vielleicht bin ich da etwas empfindlich, aber auf Kommando irgendwas genießen, erleben, fühlen oder spontan empfinden gehört nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen.

Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass Werbung die Menschen mit ungefragtem Geduze, penetrantem Anbrüllen und plumpen Befehlen malträtiert, werden auch noch die dümmsten Klischees darin verwurstet. Ist das sonst schon mal jemandem aufgefallen, dass in Werbespots immer die Mütter zu Hause bleiben und die Kinder verwöhnen? Die Kinder in der Werbung sind übrigens ausnahmslos altkluge Nervensägen, schlechte Rapper oder kreischende Hohlbratzen. Mit Verlaub. Meistens sind auf wundersame Weise auch alle immer unglaublich blond. Es sei denn, es geht um Werbung für Medikamente gegen Verstopfung, Blähungen, Inkontinenz oder Fußpilz. Derlei gesundheitliche Unannehmlichkeiten ereilen in der Werbewelt überwiegend brünette Frauen. Sachen für Mädchen sind grundsätzlich schreiend rosa und für Jungs natürlich blau. Für echte Männer sind die Produkte dann in Schwarz oder Dunkelblau und immer ungemein männlich. Das heißt, Autos sind schnell (kann man prima vor seinen Kumpels mit angeben), Rasierer unheimlich scharf (*knurrrrr*) und wenn mal ein Mann den Abwasch macht oder kocht, dann ist der immer unglaublich lustig drauf. Bei letzterem wird allerdings dann immer relativ undezent darauf hingewiesen, dass der Mann jetzt aber auch nur aus Spaß oder reiner Großzügigkeit Haushaltstätigkeiten vornimmt. Immer als Ausnahme und aus einer freien Entscheidung heraus, nicht weil Mutti ihn dazu gezwungen hat oder er von alleine eingesehen hat, dass das einfach ab und zu mal gemacht werden muss. Wo kämen wir denn dann hin. Und so werden Vorurteile schön weiter geschürt, damit auch ja keiner auf die Idee kommt, zu glauben, Männer und Frauen wären gleichberechtigt. Pfff. Sonst noch was?

Manche Werbefuzzis sind da noch raffinierter und schreiben einfach irgendeine Selbstverständlichkeit vorne drauf und verkaufen es als große Sensation. Dann steht zum Beispiel auf der Gummibärchenpackung: „Ohne Fett“. Ach nee. Wozu sollte man in einem Produkt, das fast nur aus Zucker besteht, Fett brauchen? Da kann man auch gleich draufschreiben: „Ohne Zyankali“. Aber dann merken die Kunden, dass sie verarscht werden. Demnächst klebt in der Gemüseabteilung wahrscheinlich an so nem Brokkoli auch noch ein Etikett dran, wo draufsteht: „Ohne Zuckerzusatz.“ – Nein, das war kein Vorschlag, das war Sarkasmus. Und „Light“-Produkte sind übrigens auch Verarsche, das nur so am Rande. Die machen dann einfach die Salamischeiben dünner. Und wenn man dann statt einer dicken Scheibe fünf dünne aufs Brot packt, macht das genau so fett. Traurig, aber wahr.

Ich habe ja nichts dagegen, dass man sein Unternehmen und sein Produkt präsentiert, aber bitte, liebe Werbeleute, hört doch endlich auf, die Leute wie Idioten zu behandeln. Das ist voll das totale Nerverlebnis! Macht doch einfach mal gute Werbung. Dann müsst ihr auch nicht so viel Werbung machen und dann ist mehr Geld für wirklich relevante Dinge da und dann müsste man den Laden nicht durch Praktikanten, Studenten und Freiberufler am laufen halten, weil für Festangestellte angeblich kein Budget vorhanden ist.

Essai 86: Über Gerichte mit Geschichte

4. April 2012

Im französischen Radio lief vorhin eine Sendung über das Essen und dabei habe ich einen interessanten Gedanken aufgeschnappt, den ich meiner werten Leserschaft nicht vorenthalten wollte. Jedes Gericht hat seine eigene Geschichte, hieß es. Als Studentin der Literaturwissenschaft und Narratologie (Erzähltheorie) möchte ich dem nicht ganz vorbehaltlos zustimmen, so schön ich diesen Gedanken auch finde. Wobei, wenn man zum Beispiel auch sagen kann, dass ein Bild eine Geschichte erzählt oder ein instrumentales Musikstück, warum dann nicht auch eine Ansammlung von Gerüchen und Geschmäckern, wie man sie in Gerichten findet? Schließlich können diese eine ganze Flut von Erinnerungen und Assoziationen hervorrufen, die zusammengenommen eine Art Geschichte bilden. Aber dann ist diese Geschichte ja bei jedem Menschen eine andere, während bei einem (nicht-abstrakten) Bild oder einem Musikstück die Geschichten, die der Betrachter oder Zuhörer damit verbindet sich doch eher ähneln.

Vielleicht war damit aber auch so etwas wie eine Tradition gemeint, die hinter bestimmten Gerichten steckt. Da gibt es ja tatsächlich Rezepte, die schon sehr alt sind und wirklich eine Geschichte haben, die ursprünglich für irgendwelche Könige gedacht waren oder Ähnliches. Es kann aber auch eine ganz persönliche Familiengeschichte dahinterstecken. Der Apfelkuchen, den meine Mutter immer macht und den ich auch in mein Repertoire übernommen habe, ist zum Beispiel ein Rezept, das schon meine Urgroßmutter immer benutzt hat. Oder die leckeren Käseplätzchen, die mein Opa immer gebacken hat. Meine Schwester und ich haben sein Rezept übernommen und wenn wir heute Käseplätzchen essen, ist das auch immer eine Erinnerung an unseren Opa und Teil unserer Familiengeschichte. Das hat doch auch etwas Tröstliches, oder?

Ich find’s bloß schade, dass es in Deutschland so ein merkwürdiges Verhältnis zur Nahrungsaufnahme gibt. In Frankreich oder auch in Wien, wo ich neulich für eine Woche war, habe ich den Eindruck, man geht viel natürlicher, freudiger und sinnlicher mit dem Essen um. Natürlich ist auch da nicht immer alles supertoll und Friede, Freude, Eierkuchen, aber zumindest die Esskultur wird mit einer gewissen Zuneigung gepflegt. In Deutschland macht man da entweder so eine Wissenschaft draus und sich das Leben viel zu kompliziert (Eier in den Mürbeteig? Backpulver für Crèpes? Zucker in die Salatsoße?) oder man isst, um satt zu werden und hauptsache, die Größe der Portion ist möglichst umfangreich. Kein Wunder, dass der Anteil der Übergewichtigen hier so hoch ist. Essen sollte doch auch Spaß machen, man sollte das doch auch genießen können. Wie will man denn etwas genießen, was so völlig ohne Vergnügen zubereitet wurde? Dann schaufelt man eben in Windeseile Nahrung in sich hinein, damit man nicht merkt, wie leidenschaftslos das Essen schmeckt. Das ist doch öde. Und da merkt man natürlich auch nichts von der Geschichte eines Gerichts.

Mich nerven ja immer die Leute, die mit stolzgeschwellter Brust verkünden, sie könnten nicht kochen. Das ist Unsinn. Jeder kann kochen, da halte ich es wie der Koch im Film Ratatouille, der der kleinen Ratte Rémi als Vorbild dient. À propos, diese kocht ja auch nicht sklavisch nach Rezept, sondern intuitiv, sinnlich, mit Spaß am Vergnügen. Und das kann wirklich jeder. Einfach mal in die Schränke gucken, eine Packung Nudeln hat man ja immer irgendwo und die kann man mit allem essen. Sogar mit Apfelkompott. Und dann improvisiert man mit dem, was man sonst so findet, eine Soße. Dafür braucht man kein kulinarisches Talent, nur ein wenig Experimentierfreude und Fantasie. Oder wenigstens Salz und Pfeffer. Dann kann man sich nämlich auch diesen widerlichen Dosenfraß sparen, bei dem sogar das am wenigsten eklige immer noch schlimmer ist, als das misslungenste Selbstgekochte. Außerdem weiß ja auch kein Mensch, was in diesen Dosenravioli und dergleichen Verbrechen gegen die Geschmacksnerven eigentlich drin ist. Das ist ja wie bei Katzenfutter, dann steht drauf „mit Rind“ und in der Zutatenliste, ganz klein gedruckt, ja mir ist manchmal langweilig im Supermarkt, dann lese ich mir das durch, „0,3% Rinderknochenasche“.

Aber so lange es Leute gibt, die diesen – Pardon – Scheiß in sich hineinschaufeln, weil sie stolz auf ihr eingebildetes Koch-Untalent sind, wird dieser Mist auch immer weiter produziert. Natürlich gibt’s diesen Ekelkram auch in Frankreich oder Österreich, aber da steht dem wenigstens eine traditionelle Esskultur gegenüber, mit Gerichten, die etwas zu erzählen haben. Es wäre schön, wenn sich in Deutschland auch mal so eine Wertschätzung von gutem, leckeren Essen etablieren könnte.

Essai 73 : Über Pattex-Pärchen – nervenraubende Zeitgenossen im Doppelpack

3. Februar 2011

Vermutlich hat jeder so ein Pattex-Pärchen in seinem Bekanntenkreis. Das sind dann die, die immer nur von „Wir“ und „Uns“ sprechen und mit ihren Identitäten bis zur Auflösung jeglicher persönlicher Eigenheiten zu einer Art Kuschelbrei verschmolzen sind. Die die ganze Zeit demonstrativ aneinander kleben, als wären sie mit Sekundenkleber aneinander gebabscht. Die mit entrücktem Strahlen in den manischen Augen seufzend verkünden, sie machten „alles gemeinsam“. Die selbst im pazifistischsten Menschen des Universums tiefsitzende Aggressionen wecken.

Da war zum Beispiel mal dieses Pärchen, das unter dem Code-Namen ‚Die Egal-Fraktion‘ in die Geschichtsbücher meines Freundeskreises eingegangen ist. Bevor man „Hurz!“ sagen konnte, waren sie auch schon auf dem Sofa zu einer nicht definierbaren Masse verschmolzen und zelebrierten ihre unendliche Liebe zueinander durch hemmungsloses Trockenpoppen. Man möge mir meine Ausdrucksweise verzeihen, diese Erlebnisse haben mich zutiefst traumatisiert. Ging es nun aber daran, zu entscheiden, welches Spiel als nächstes gespielt oder welcher Film als nächstes gesehen werden sollte, kam von unserer ‚Egal-Fraktion‘ immer nur ein lustloses Schulterzucken. Wenn sie an dem Tag hyperaktiver Laune waren, wurde das Schulterzucken verbal untermalt: „Weiß nicht, mir egal, was meinst du Schatz?“ – „Weiß nicht, mir egal. Was meinst du Schatz?“… – Glücklicherweise hielten sich diese hyperaktiven Schübe in Grenzen. Übrigens hielt die ‚Egal-Fraktion‘ auch nur zwei Wochen, dann hatte sie sich neu formiert. Allerdings hatte sich nur der männliche Protagonist geändert, das Prinzip hielt sich gleich. Die Bekanntschaft meiner Wenigkeit mit der ‚Egal-Fraktion‘ ist denn auch recht bald im Sand verlaufen. Aber der Eindruck ist geblieben…

Das ist aber ja noch gar nichts. Die ‚Egal-Fraktionen‘ auf unserer schönen Erde sind ja wenigstens noch friedfertig. Die nerven zwar kolossal, aber weiter tun sie einem nichts. Was es relativ leicht macht, sie wieder los zu werden. Man meldet sich einfach nicht mehr. Da sie immer alles gemeinsam nicht entscheiden – schließlich sind sie zu sehr damit beschäftigt, das lustige „Weiß nicht, was meinst du Schatz“-Spielchen zu spielen – schläft der Kontakt ganz von alleine ein und alle sind zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind, kleben sie immer noch aneinander und flöten sich gegenseitig ein leidenschaftliches „Mir egal, was meinst du Schatz“ ins Ohr. Schööön!

Was aber macht man mit den weniger friedfertigen Pattex-Pärchen? Die gibt es nämlich auch und sie sind noch weit anstrengender als unsere Freunde vom „Mir egal“-Planeten. Deren Konzept von ‚Wir‘ kann nämlich nur bestehen, wenn es auch ein Konzept von ‚Ihr‘ gibt, das dem feindlich gegenübersteht. Bei Nicht-Pattex-Pärchen gibt es ja ein ‚Ich‘ und ein ‚Du‘, das zusammen ein ‚Wir‘ ergibt, aber weder das ‚Ich‘ noch das ‚Du‘ löst sich in diesem ‚Wir‘-Konzept auf. Beim Aggro-Pattex-Pärchen jedoch gibt es nur noch das ‚Wir‘.

Das ist wie in Yasmina Rezas Stück „Kunst“: „Wenn ich ‚Ich‘ bin, weil ich ‚Ich‘ bin und du ‚Du‘ bist, weil du ‚Du‘ bist, dann bin ich ‚Ich‘ und du bist ‚Du‘. Wenn ich ‚Ich‘ bin, weil du ‚Du‘ bist und du ‚Du‘ bist, weil ich ‚Ich‘ bin, dann bin ich nicht ‚Ich‘ und du bist nicht ‚Du‘.“

Das klingt zunächst nach Quatsch. Aber wenn man nochmal darüber nachdenkt, ergibt das durchaus einen Sinn.

Zurück zu unseren Pattex-Pärchen. Das Unglück fängt für gewöhnlich ganz harmlos damit an, dass sich diese Pärchen in ihren eigenen Kokon ein- und den Rest der Welt ausschließen. Sie bauen sich ihr eigenes kleines Universum auf, in welchem außer ihnen sonst keiner mehr Platz hat. Das ist nicht nur außerordentlich egozentrisch, nein, es birgt auch einfach die Gefahr, dass man die Realität komplett aus den Augen verliert und zu einem von diesen asozialen Aggro-Pattex-Pärchen mutiert. Dass das für die Umwelt nicht gerade sehr angenehm ist (und für die Betroffenen auch nicht, sobald sie mal aus ihrem Kokon auszubrechen suchen) hat zum Beispiel Christopher Nolans Film „Inception“ anschaulich dargestellt. Da ist die Person, die im Kokon bleiben will ja auch ziemlich aggressiv gegenüber der Person, die ausbrechen will.

Gesellt sich zum Egozentrismus eines Aggro-Pattex-Pärchens noch eine gute Portion Materialismus und Paranoia, sind wir im Handumdrehen bei Lady McBeth und ihrem Göttergatten angelangt. Und dementsprechend zu ihren Pendants des Alltagslebens im 21. Jahrhundert. Da fühlt sich nämlich das ‚Wir‘ (das Pattex-Pärchen) von ‚Ihnen‘ (allen anderen) permanent benachteiligt und schlecht behandelt. Und das kann das ‚Wir‘ nicht auf sich sitzen lassen. Es endet zum Glück nicht immer mit Königsmord und dergleichen, aber es sind schon diverse Familien daran zerbrochen, dass sich Pattex-Pärchen paranoider Natur gebildet hatten, die dann beispielsweise den Umgang mit den Enkelkindern verbieten oder einem mit völlig absurden Erbschaftsforderungen auf den Senkel gehen.

Was kann man also tun? Es wie Ingeborg Bachmanns „Guter Gott von Manhattan“ halten und Eichhörnchen zu Terroristen abrichten, die Hotelzimmer mit Pattex-Pärchen in die Luft sprengen? Vielleicht ist das ein wenig drastisch. Außerdem nicht ganz legal. Und moralisch nur bedingt vertretbar. Außerdem, wer schon einmal versucht hat, ein Eichhörnchen einzufangen, kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, es zu überhaupt irgendetwas abzurichten. Den Plan kann man also getrost vergessen.

Es bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren und die Angriffspunkte möglichst gering zu halten. Dann schafft man es vielleicht zu einer Art Waffenstillstand mit den Aggro-Pattex-Pärchen. Und das ist doch auch schon was.

Essai 69: Über unterschwellige Ideologievermittlung in angeblichen Kinderfilmen

16. November 2010

Die Kategorisierung medialer Erzeugnisse stößt bei mir immer wieder auf höchste Verwunderung. Vor allem die Kriterien der Kategorie „Kinder-irgendwas“ sind mir völlig schleierhaft. Da wird etwas als Kinderbuch bezeichnet und darin geht es um Mord, Totschlag, selbsternannte „Herrenrassen“ und vielerlei weiterer Grausamkeiten.

Ich bin ja der Meinung, ein gutes Buch, ein guter Film, überhaupt eine gute Geschichte, funktioniert immer auf mehreren Ebenen. In „Harry Potter“ zum Beispiel gibt es Elemente, die für Kinder tatsächlich zu brutal sind (wie bereits erwähnter Mord, Totschlag und „Herrenrassen“-Fascho-Gedöns), aber es gibt auch Elemente, die Kinder toll finden (Tiere, Magie, Freundschaft). Das ist aber längst nicht alles, es gibt auch Elemente, die eher Jugendliche ansprechen (Liebe und Streit, Generationskonflikte und nicht zuletzt bewährte Suspense-Elemente) und wenn man will, findet man sogar als Literaturwissenschaftler jede Menge Material, welches man analysieren kann (alles was bisher erwähnt wurde und bestimmt kann man das auch psychoanalytisch irgendwie deuten. Das geht nämlich immer).

Vor ein paar Wochen startete ein vermeintlicher „Kinderfilm“ in den Kinos, „Die Legende der Wächter“, nach einem vermeintlichen „Kinderbuch“. Ich kann jetzt nur von dem Film sprechen, das Buch kenne ich nicht. Jedenfalls ist es mir auch hier Schleier(eulen)haft, wieso man einen solchen ideologie-gespickten Streifen als „Kinderfilm“ verkauft. Gut, die Figuren sind Tiere (Eulen) und es ist ein Animationsfilm (übrigens atemberaubend animiert), da sind ja gerade meine Landsleute immer schnell dabei, solchergleichen als „Kinder-irgendwas“ zu deklassieren. Über dieses Thema hatte ich ja bereits im Essai 61 geschrieben. Man scheint hier nämlich so zu denken, wie der eine Einbrecher in „Kevin – allein zu Haus“: „Er ist ein Kind und Kinder sind doof.“ Folglich ist auch alles, was „für Kinder“ ist, für Idioten. Also unseriös und minderwertig. Und alles was mit Tieren ist und dann auch noch gezeichnet/animiert, ist natürlich nur was für Kinder, also Volltrottel, Nullpeiler, Schwachköpfe. Wer was auf sich hält, belächelt solche Machwerke von möglichst weit oben herab, damit alle merken, wie ungemein seriös, klug und erwachsen man ist.

Würde man allerdings sich weniger wichtig nehmen und stattdessen mal genauer hinsehen, würde man auch in Animations-Tierfilmen vieles entdecken können, das man kritisch betrachten, hinterfragen und analysieren kann. Was – man korrigiere mich gerne, sollte ich mich irren – doch wohl durchaus eine hirnbedingte Tätigkeit ist. Und da das Hirn wie ein Muskel funktioniert – hält man es in Bewegung, freut es sich und belohnt seinen Besitzer mit erhöhter Leistungsbereitschaft – ist das sogar das Gegenteil von bescheuert, dämlich und unseriös.

Aber ich schweife ab…

In der „Legende der Wächter“ also geht es um zwei verfeindete Lager, die Figuren sind Eulen, könnten aber genauso gut Menschen sein. Aber dann könnte man es nicht mehr als Kinderfilm verkaufen und die Kinder schon im frühesten Alter mit fragwürdigem Schwarz-Weiß-Denken und dualistischen Weltbildern indoktrinieren. Das Ganze funktioniert also als eine Art Perversion des Fabelprinzips. In der Fabel treten ja wie man weiß auch Tiere anstatt Menschen auf, die aber allesamt menschliche Züge tragen. In exemplarischer Weise werden moralische Fragestellungen verhandelt und zum Schluss in einem Epimythion die moralisch erwünschte Verhaltensweise auf den Punkt gebracht („Und die Moral von der Geschicht:…“). Dieses Prinzip finden wir im Grunde auch in der „Legende der Wächter“ mit dem nicht unerheblichen Unterschied, dass in der Fabel die erwünschte Lesart und moralische Interpretation explizit am Ende zusammengefasst, in diesem Film aber unterschwellig, implizit, dem Zuschauer untergeschummelt wird.

Wir haben in dem Film also auf der einen Seite „die Bösen“, die sich in dieser Variante des „Kampf Gut gegen Böse“-Plots „die Reinsten“ nennen. Auch sie jonglieren mit faschistoidem „Herrenrassen“-Gedankengut und wollen so eine Art Elite-Eulenrasse zurecht züchten, damit… äh… weil… öhm… nun ja… weil sie halt böse sind. Und deswegen wollen sie auch alle, die aufmucken oder sonstwie nicht in ihr kleines „Herrenrassen“-Hirnchen passen, abmurksen. Aber zum Glück gibt es ja noch „die Guten“, die in diesem Fall „die Wächter“ heißen. Die setzen sich zusammen aus lauter Auserwählten, wo jeder seinen vorherbestimmten Platz hat, seine „Bestimmung“. Und sie wollen „die Reinsten“ vernichten, weil… äh… nun ja… öhm… weil sie halt gut sind und die anderen halt böse. Und deswegen wollen sie auch alle, die aufmucken oder sonstwie nicht in ihr vermeintlich überdimensionales „Weltretter“-Hirn passen, abmurksen.

Wer jetzt aufgepasst hat, merkt, das ist ja beides das Gleiche in Grün. Genau. Und das ist der Punkt. Dem Zuschauer wird nämlich unterschwellig vorgegaukelt, es gäbe so etwas wie angeborene Bosheit und angeborene Gutheit. Und dass es die Aufgabe der „Guten“ ist, die „Bösen“ – O-Ton Film – „auszurotten“ (Das Zitat lautet allen Ernstes: „Wir werden nicht ruhen […] bis alles Unrecht ausgerottet ist“). Sicher, das ist ein beliebtes Motiv von Fantasy-Filmen und ähnlichem Machwerk. Dass man eine Bestimmung hat, der man folgen muss, dass alles Schicksal ist, dass man tun muss, wofür man geboren wurde, laber Rhabarber sülz und schwafel. Aber es macht doch einen Riesenunterschied, ob das Menschen sind, die solch fatalistisches Gedöns verzapfen, oder süße, putzig-flauschige Tierchen. Dadurch wird der Metadiskurs des dualistischen Weltbildes (Gut – Böse, Gott – Teufel, Wir – Sie) nämlich eklatant verharmlost und eingeniedlicht. Kindern wird dieser Quatsch als Normalität vorgegaukelt und somit erschwert, dass sie zu selbständig denkenden, kritisch hinterfragenden und differenzierenden Erwachsenen werden. Und das betrachte ich persönlich als kritisch…

Essai 61: Über das zwiespältige Verhältnis der Deutschen zu Comics, Trickfilmen etc.

13. Mai 2010

Manchmal sind meine Landsleute – tut mir leid das sagen zu müssen – ignorante Banausen. Und nicht nur das, sie ignorieren sogar ihr ignorantes Banausentum. Schlimm, schlimm, schlimm möchte man da sagen.

Wie oft erlebe ich hierzulande, dass sich jemand für furchtbar intellektuell und über alle Maßen gebildet wähnt und dann noch nie auch nur eine Folge von den „Simpsons“ gesehen hat. Geschweige denn in ein Album von Tim und Struppi, Johann und Pfiffikus oder Asterix und Obelix geschaut.

Warum nicht? Weil es „was für Kinder“ sei. Warum das? Weil es gezeichnet ist.

Das ist der einzige Grund.

Denn – wie ja allgemein bekannt ist – Kinder sind dumm (wie einst schon die überaus intelligenten Einbrecher in Kevin allein zu Haus feststellten und die müssen es ja wissen). Daher kann das, was „für Kinder“ ist, auch nur was für Idioten sein und da ist sich unsere erwachsene intellektuelle Elite zu schade für.

Es ist hier in unserer Kultur wirklich ein großer Irrtum zu beobachten. Allein schon, dass man alles, was gezeichnet ist, in einen Pott schmeißt, ist eine Riesenidiotie. Man kann doch nicht die Simpsons mit zum Beispiel dieser Barbie-Trickfilm-Serie auf SuperRTL vergleichen oder Asterix und Obelix mit Hulk. Wobei… Warum eigentlich nicht? Ich bin mir sicher, dass man mit etwas Interesse, Neugierde und wissenschaftlicher Offenheit auch bei Barbie und Hulk etwas finden kann, über das es sich kritisch nachzudenken lohnt. Das Frauenbild bei Barbie im Vergleich zur Simpsons-Folge Lisa contra Malibu Stacy oder die Rolle der Gewalt in Asterix und Obelix im Vergleich zu Hulk. Wäre bestimmt interessant.

Comics und Trickfilme ermöglichen doch gerade dadurch, dass sie gezeichnet sind, Sozial- und Gesellschaftskritik, politische Anspielungen, literarische Zitate und historische Zusammenhänge ironisch und nur scheinbar harmlos zu verpacken.

Und wenn man sich dann einfach hinstellt und hoch erhobenen Hauptes deklariert, man halte von „so etwas“ nichts, dann finde ich das borniert und dämlich. Wenn man nämlich einfach mal genauer hinschaute, würde man entdecken, dass sich die Macher zumeist einiges dabei gedacht haben und dass Trickfilme und Comics häufig – wenn sie gut gemacht sind – auf mehreren Ebenen funktionieren. Eine Ebene ist sicher oft, dass es auch für Kinder gemacht ist. Aber es gibt immer auch Ebenen, die den Intellekt ansprechen, auch den eines Erwachsenen (sofern vorhanden), wenn man bereit ist, neugierig hinter die Oberfläche zu gucken.

Das aber würde bedeuten, dass das doch ganz gut funktionierende Weltbild und die Definition der eigenen Persönlichkeit als intellektueller Kunstkenner ins Wanken geriete. Und das darf natürlich nicht passieren. Wo kämen wir denn da hin.

Ich hab zum Beispiel als Kind literarische Meisterwerke wie Krieg und Frieden, Die Leiden des jungen Werther oder Der geteilte Viscomte durch die Lustigen Taschenbücher kennengelernt und bin dadurch überhaupt erst dazu angeregt worden, das Original zu lesen. Durch Asterix und Obelix habe ich meine Lateinkenntnisse erlangt (ich spreche zwar nicht fließend, aber immerhin). Durch Johann und Pfiffikus verfeinerte ich meine Sprachkenntnisse (im Original ist es in einem hervorragenden Französisch geschrieben und auch übersetzt ist die Sprache einwandfrei) und lernte, wie die mittelalterliche Gesellschaft aufgebaut war. Und die Simpsons bringen mich auch dann noch mit ihrer Gesellschaftskritik zum Lachen und Staunen, wenn ich die Folge schon fünf Mal gesehen habe.

Und dann soll noch einer sagen, alles was gezeichnet ist, ist für Vollidioten (Kinder)?

Es ist wohl eher umgekehrt. Wer es nötig hat, herablassend über Dinge zu urteilen, über die er nichts weiß, ist ein Idiot.

Aber was weiß denn ich schon. Ich mag Comics und Trickfilme. „So jemandem“ kann man doch nicht trauen…


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