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Essai 77: Über chronische Entschuldigeritis und Rechtfertigungszwang

26. November 2011

Es tut mir schrecklich leid, das zugeben zu müssen, aber ich gehöre zu diesen unerträglichen Zeitgenossen, die sich ständig für alles entschuldigen müssen. Da bin ich wohl ein hoffnungsloser Fall.

Manchmal – das ist echt schräg – entschuldige ich mich auch für Dinge, für die ich nichts kann und dann entschuldige ich mich dafür, dass ich mich entschuldigt habe. Ein wandelnder Schuldkomplex, sozusagen. Schlimm.

Zum Glück ist mein Umfeld da durchaus tolerant. Häufiger heißt es da: „Hör auf dich zu rechtfertigen“ und dann sage ich immer: „Sorry, tut mir leid.“

Doof, ne?

Das ist so die Möbius-Schleife des Sich-Rechtfertigens. Das Gemeine an diesem Rechtfertigungszwang ist, dass man sich selbst damit zu einer leichten Beute für gewiefte emotionale Erpresser macht. Da reicht ein vorwurfsvoller Ton und – Zack – fühlt man sich wieder für alles verantwortlich. Man entschuldigt sich und ist wieder mittendrin im Verderben, im Hamsterrad der Selbstzerfleischung.

Tut mir leid, ich wollte das jetzt nicht so überdramatisieren. Ich bin wirklich der schlimmste Mensch der Welt, jetzt haben die armen emotionalen Erpresser bestimmt ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil sie Leuten mit chronischer Entschuldigeritis ein so schlechtes Gewissen machen und das ist alles nur meine Schuld und dabei haben die das doch auch nicht leicht.

Manchmal wäre ich schon ganz gerne ein bisschen bösartig. Nicht durch und durch wie so ein fieser Filmbösewicht, nur ein bisschen, gerade so eben, dass ich einem emotionalen Erpresser auch mal ganz skrupellos sagen kann, er solle doch bitte die Klappe halten. Hach, wär‘ das schön.

Und nun entschuldigt mich…

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