Essai 110: Über emotionale Erpresser und Manipulatoren

Bislang habe ich ja nur etwas über Frustableiter und Menschen mit chronischer Entschuldigeritis geschrieben, aber noch gar nichts über ihre Gegenspieler: Emotionale Erpresser und Manipulatoren. Dabei geht das eine nicht ohne das andere. Irgendwer muss ja schließlich die personifizierten schlechten Gewissen regelmäßig daran erinnern, dass und warum sie an allem Schuld sind. Andererseits macht es natürlich überhaupt keinen Spaß, die ganze Welt zu hassen, wenn das keinen interessiert und alle darauf nur mit gleichgültigem Schulterzucken reagieren – wenn überhaupt.

Heute möchte ich also dem Rätsel auf die Spur gehen, wie es einige Leute partout schaffen keine Verantwortung für sich, ihr Leben und ihr Handeln zu übernehmen und sich wie die Vampire auf Frustableiter mit Rechtfertigungszwang zu stürzen, sich an ihnen festbeißen, bis diese völlig erschöpft zusammenklappen.

Es entspinnt sich dann ein Machtkampf, in der beide Parteien voneinander abhängig sind. Der emotionale Erpresser braucht jemanden, dem er die Schuld zuweisen und Vorwürfe machen kann, der Frustableiter braucht jemanden, den er betüddeln und um den er sich kümmern kann. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich nicht um ihren eigenen Kram kümmern. Der Frustableiter kehrt ständig vor den Haustüren anderer Leute und der emotionale Erpresser ist schwer damit beschäftigt, den Dreck vor seiner Haustür auf die Türschwellen anderer Leute zu verteilen.

Emotionale Erpresser und Manipulatoren haben dabei mehrere Möglichkeiten, um ihr Opfer zu trietzen. Sie können zum Beispiel an das schlechte Gewissen ihres Gegenübers appellieren. Das geht prima mit Vorwürfen, einem allgemein aggressivem Tonfall und cholerischem Auftreten, wahllosen Zickereien und plötzlichen Schmollattacken ohne ersichtlichen Grund. Menschen, die immun gegen solche Manipulationsversuche sind, sind zu beneiden, denn die ignorieren das Drama Queen-Gehabe einfach und lassen den Wüterich vor sich hintoben, bis er sich von allein wieder beruhigt. Denn das tut er in der Regel, wenn er merkt, dass sein Theater nicht den gewünschten Erfolg bringt. Spürt er allerdings, dass der andere die Schuld annimmt, die er ihm in die Schuhe schiebt, beginnt der Machtkampf. Dann fährt sich dieser Mechanismus fest und beide Parteien fügen sich in ihre Rollen. Der Manipulator setzt den Frustableiter unter Druck, der Frustableiter wird von schrecklichen Schuldgefühlen gequält und versucht verzweifelt, es dem anderen recht zu machen. Was natürlich absolut unmöglich ist.

Eine weitere Möglichkeit zur emotionalen Erpressung ist, Mitleid zu erwecken und den Helferkomplex des Frustableiters zu aktivieren. Am besten klappt das, indem man einen auf hilflos macht und zur Krönung anfängt zu heulen. Hervorragend funktionieren dann solche Formulierungen wie: „Ich dachte, du wärst mein Freund“, „Ich dachte, du liebst mich“ und andere „Wenn-du-mich-wirklich-wertschätzt-dann-machst-du-gefälligst-was-ich-will“-Variationen. Oder, noch subtiler, solche Aussagen, die scheinbare Komplimente sind: „Du kannst das doch so gut“, „Du kannst das viel besser als ich“, „Dir fällt das doch leicht“ und so weiter. Am allerfiesesten ist es, wenn diese skrupellosen Gestalten obendrein die Selbstmord-Karte ausspielen – ohne das ernst zu meinen natürlich. Aber das verfehlt seine Wirkung garantiert nie, denn schließlich ist wohl kaum ein Mensch so kaltschnäuzig, um nach einer solchen Bemerkung nicht fürchterlich zu erschrecken und sich zu fragen, ob da nicht doch etwas dran ist.

Im Grunde sind emotionale Erpresser und Manipulatoren ziemlich schlau und geschickt. Denn da sie nie Schuld oder verantwortlich sind, müssen sie sich auch um nichts kümmern. Das erledigen dann ihre Opfer für sie. Und wenn die irgendwann mal keine Lust mehr dazu haben, sich ständig herumscheuchen, schlecht behandeln, beleidigen und demütigen zu lassen, ist das auch nicht weiter schlimm. Die nächsten Opfer stehen schon an der nächsten Ecke bereit. Der Nachteil ist natürlich, dass die emotionalen Erpresser voraussichtlich einsam sterben werden. Aber das ist auch halb so wild, denn das ist schließlich nicht ihre Schuld.

So ganz ist mir nicht klar, was diese manipulierenden Arschlöcher (mit Verlaub!) dazu bewegt, sich so asozial aufzuführen. Vielleicht haben sie es einfach nicht anders gelernt. Oder sie haben gemerkt, dass sie mit dem Scheißverhalten durchkommen und dass sie alle nach ihrer Pfeife tanzen lassen können, wenn sie wollen. Dann ist das wohl auch wurscht, dass einen keiner wirklich leiden kann. Vermutlich geht es schlicht und ergreifend um Macht. Und nach Macht streben immer nur Leute, die von irgendwelchen idiotischen, aber hartnäckigen Minderwertigkeitskomplexen gebeutelt werden, aber zu feige sind, das einfach mal zuzugeben und sich helfen zu lassen. Bescheuert, aber effektiv. Nur schade, dass diese Erkenntnis in keinster Weise hilft, sich gegen emotionale Erpresser zu wappnen. Da muss man sich wohl oder übel ein dickeres Fell wachsen lassen und dem Manipulator ins Gesicht sagen, dass man es satt hat, herumschikaniert zu werden.

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