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Essai 131: Über das Vermasseln von Liebesbeziehungen

9. September 2014

Wenn man wissen möchte, wie man eine stabile Liebesbeziehung führt, die auch dem Alltag und seinen Widrigkeiten trotzt, sollte man möglichst die im Folgenden beschriebenen Fehler vermeiden. Hat man jemanden gefunden, bei dem es passt (das merkt man daran, dass es einfach passt und sich natürlich anfühlt), ist es leichter, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Nichtsdestotrotz kann man eine ursprünglich glückliche Beziehung natürlich trotzdem durch hartnäckiges Fehlverhalten ruinieren.

1.) Kein Einfühlungsvermögen

Davon auszugehen, der andere könnte Gedanken und Gefühle lesen und sich automatisch danach richten, ist der beste Weg in Richtung Enttäuschung und Verbitterung. Und damit eine wunderbare Strategie, um die Liebe und Zuneigung des anderen im Keim zu ersticken. Schmollen und beleidigt sein wegen Dingen, die man nicht ausgesprochen hat, wirkt auf das Gegenüber so als wäre man völlig grundlos eingeschnappt. Daraufhin fühlt der andere sich zu Unrecht wegen irgendwas angeklagt, von dem er nicht einmal weiß, was genau es ist. Das führt zu Verwirrung, Verunsicherung und schließlich auch zu Verärgerung, vor allem, wenn die beleidigte Leberwurst auf Nachfragen dann auch noch mit einem pampigen „Nichts!“ reagiert und noch schmolliger tut. Anstrengend!

Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder, man sagt, was man hat und was man nicht so super fand. Und zwar möglichst offen, aber auch wohlwollend. Also nicht aggressiv-anklagend. Oder man schmollt ersteinmal zuende und entschuldigt sich im Nachhinein beim anderen und erklärt dann, was einen geärgert hat. Und für den anderen gilt, das dann auch anzunehmen und nicht durch Einwände, Rechtfertigungen oder Veralberungen die Gefühle des Sensibelchens erneut zu verletzen. Öfter mal in den anderen hineinversetzen und nicht immer nur von sich ausgehen und um sich selbst kreisen, dann klappt das schon.

2.) Falsche Erwartungen

Auch unausgesprochene Erwartungen und Ansprüche können dafür sorgen, dass eine vielversprechend begonnene Liebesbeziehung irgendwann zerbricht. Notorisch Beziehungsunbegabte haben gemeinsam, dass sie ihren Partner nicht so nehmen wollen wie er oder sie ist, sondern dass sie ihn in eine bestimmte Form pressen wollen. Der oder die wird sich schon noch fügen, lautet dann das Motto und dann wird geflissentlich ignoriert, dass der andere eine völlig unterschiedliche Vorstellung von der Beziehung und ihrer Zukunft hat als man selbst. Wichtig ist auch, dass man – sind die falschen Erwartungen erst einmal rettungslos enttäuscht – den anderen mit Vorwürfen bombardiert und ständigen Nörgeleien zermürbt. Schließlich hätte der andere ja wohl wissen müssen, dass man das und das erwartet und dass er sich danach zu richten hat, ist doch wahr. Deswegen muss man sich natürlich nicht gleich trennen. Man kann auch zusammen bleiben, sich das Leben zur Hölle machen und unglücklich werden.

Um das zu vermeiden, hat man wieder zwei Möglichkeiten: Sobald klar ist, dass es sich um eine feste, ernst gemeinte Beziehung handelt, sollte man mit seinen Erwartungen offen umgehen und bereit sein, sie neu zu formen, wenn die Erwartungen vom anderen nicht erfüllt werden können oder wollen. Oder man beharrt auf seinen Erwartungen und sucht sich jemanden, der diesen von allein entspricht und den man sich nicht erst zurecht erziehen muss.

3.) Ich, ich, ich

Das mag für manchen hartgesottenen Egozentriker überraschend klingen, aber zu einer Liebesbeziehung gehören immer mindestens zwei Leute. Wenn man außer sich selbst niemanden leiden kann und nicht bereit ist, sich auf jemand anderen einzustellen, sollte man das mit der Beziehung einfach lassen und damit klarkommen, dass man allein bleibt. Da haben dann alle was davon. Mit rücksichtslos egoistischem Verhalten züchtet man sich vielleicht einen Groupie oder Jünger heran, der einen anbetet, aber auf Dauer wird eine solche Schieflage in der Beziehung nicht wirklich glücklich enden.

Der Egozentriker wird der Bewunderung seines kleinen Fans eines Tages überdrüssig sein und sich langweilen, die Anbetung auch irgendwann nicht mehr glauben und für vorgespielt halten. Und was, wenn der kleine Fan irgendwann die Schnauze voll hat, ständig hinter jemandem her zu tapern, der sie nur als Fußabtreter gebraucht? Früher oder später knallt es in einer solchen Konstellation und dann kann man die Beziehung in die Tonne treten. Also: Lieber auch mal aufeinander achten und auf den anderen eingehen.

4.) Respektlosigkeit und Verachtung

Eigentlich ist eine Liebesbeziehung bereits rettungslos im Eimer, wenn Respektlosigkeit und Verachtung Einzug erhalten haben. Beides entsteht nämlich als Folge unausgesprochener und somit unerfüllter Wünsche, Erwartungen und Gefühle. Und durch übertriebenen Egoismus auf einer oder auf beiden Seiten. Wenn man bei allem, was der andere sagt oder tut mit den Augen rollt, einen genervten Seufzer ausstößt oder eine gemeine Stichelei (nur notdürftig als „Witz“ getarnt) vom Stapel lässt, nur noch mit Häme auf alles reagiert, dann lässt sich das kaum rückgängig machen. Meistens spürt der andere die Verachtung und versucht dann verzweifelt, alles zu vermeiden, was beim Partner für Verärgerung und Genervtheit sorgt. Diese Ängstlichkeit wiederum provoziert gerade die Verachtung des Partners und so gerät die Beziehung in einen Teufelskreis.

Die einzige Lösung ist hier leider die Trennung. Möglicherweise, wenn beide lange genug getrennte Wege gegangen sind, kann man einen Neuanfang wagen. Es muss dann aber wirklich ein Neuanfang sein und keine Wiederholung der letzten vermasselten Beziehung. Ist alles nicht so einfach, weil gewisse Verhaltensmuster dann sofort die Erinnerungen wieder wachrufen können. Man muss das dann schon wirklich wollen.

5.) Klammern und sich selbst aufgeben

Wenn man sich die Verachtung und Respektlosigkeit seines Partners erarbeiten will, gelingt das am besten durch Klammern, Jammern und Wehklagen, sobald der andere mal etwas allein machen will. Man kultiviere seine Angst vor Einsamkeit und dem Verlassenwerden bis ins Absurde hinein und lasse sich dabei keinesfalls (zum Beispiel durch eine Therapie) helfen, dann ruiniert man eine Beziehung unter Garantie. Idealerweise fühlt man sich sofort ungeliebt, wenn der andere seine Aufmerksamkeit – auch nur kurz – von einem selbst ablenkt und macht das mit Vorhaltungen deutlich. Reagiert der andere daraufhin verständnislos, ist tiefste Verzweiflung und großes Drama angesagt. Eine bunte Palette an Mitteln der emotionalen Erpressung dienen dabei der Verdeutlichung des eigenen Standpunkts. Auf keinen Fall sollte man dem anderen dann die Gelegenheit geben, seinen eigenen Standpunkt zu erläutern, er liegt ja ohnehin falsch und man selbst richtig.

Lösung: Sich ein Hobby suchen, seinen eigenen Freundeskreis pflegen und öfter mal was allein machen. Aufhören, nur um sich selbst zu kreisen (siehe Punkt 3) und einfach mal klar kommen. Und wenn man das nicht kann, professionelle Hilfe suchen.

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Essai 98: Über intolerante Ignoranten und die sogenannte Homo-Ehe

22. Januar 2013

Eins muss ich mal in aller Deutlichkeit sagen: Religiöse Fanatiker nerven! Haben von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber müssen allen Leuten vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Ganz besonders lästig sind, auf der westlichen Hälfte der Erdkugel, die christlichen Extremisten. Machen einen auf tolerant und verplempern dann ihre Zeit damit, anderen Menschen ein bisschen Glück zu verbieten, das niemandem weh täte, wenn es ihnen erlaubt würde.

Man ahnt es bereits, ich bin beim Thema „Homo-Ehe“. Die Tüddelchen sind Absicht, ebenso das „sogenannte“ im Titel. Mir persönlich gefällt die Formulierung nämlich nicht sonderlich. Das wirkt so, als wäre die „Homo-Ehe“ etwas anderes als die „Hetero-Ehe“ und als wäre Ersteres nicht selbstverständlich, Zweiteres hingegen ja. Besser gefällt mir die französische Bezeichnung „Mariage pour tous“ – „Ehe für alle“. Es fällt mir nämlich wirklich nicht ein einziger Grund ein, warum nicht alle heiraten und warum nicht alle Kinder adoptieren dürfen sollten. Es ist doch völlig egal, aus wie vielen Leuten welchen Geschlechts auch immer eine Beziehung besteht. Wenn man sich liebt und das rechtlich verankern und mit seiner ganzen Familie und seinen Freunden feiern will, dann soll man doch ruhig heiraten. Das ist doch schön. Und einem Kind ist das doch völlig wumpe, ob es nun zwei Papas, zwei Mamas, einen Papa und eine Mama oder nur einen davon oder sonstwas hat, Hauptsache, da ist überhaupt jemand, der sich liebevoll kümmert und sich für das Kind interessiert. So einfach ist das.

Leider denken nicht alle so, wenn ich mir diese ganzen intoleranten Ignoranten ansehe, die in Frankreich auf die Straße stürmen und wutentbrannt dagegen protestieren, dass Menschen, die sie nicht einmal kennen, die niemandem irgendwas getan haben, wie „normale“ Menschen behandelt werden wollen. Und in Deutschland ist das ja keinen Deut besser. Auch hier sitzen die Idioten im selbstauferlegten Auftrag des Herrn in den Talkshows und verbreiten geistigen Dünnpfiff, den sie sich nicht einmal selbst ausgedacht haben. Da wiederkäuen sie immer wieder den gleichen Salat, von wegen, eine Familie bestehe nun mal eben aus Vater, Mutter, Kind. Und was beim Wiederkäuen herauskommt, weiß man auch mit rudimentären Kenntnissen der Landwirtschaft, das ist nämlich Mist.

Es ist genau die gleiche alte Leier wie auch schon beim Thema Betreuungsgeld oder auch beim Thema Frauenquote. Vornehmlich die feinen Herrn und Damen von der „Christlich Sozialen Union“ (Christlich? Sozial? Union? – am Arsch!) werden offensichtlich nicht müde, gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass sie sich in dem Punkt nun mal eben so und so entschieden haben und das bleibt jetzt bis in alle Ewigkeiten so und damit Ende der Diskussion. Unfassbar, dass es tatsächlich noch Leute gibt, die diese fanatischen Dummköpfe überhaupt beachten. Am besten wäre es, Ignoranten zu ignorieren, dann können die herumblubbern so viel sie wollen, sie richten dann immerhin keinen Schaden am allgemeinen gesellschaftlichen Wohlbefinden an. Aber nein, stattdessen lädt man sie hierzulande in Talkshows ein. Warum? Man weiß doch vorher, was sie sagen werden und man weiß auch schon vorher, dass sie ihre Meinung niemals ändern werden. Wieso bietet man denen so eine große Plattform? Die können ja am Stammtisch von mir aus gerne ihre kernigen Phrasen dreschen, aber im Fernsehen hätte ich gerne meine Ruhe vor diesen Pappnasen. Zum Glück kann man ja umschalten. Aber leider gibt es ja auch immer wieder Leichtbeeinflussbare, die eben nicht wegschalten und sich von dem überzeugten Auftreten religiöser Eiferer blenden lassen.

Wovor haben die Gegner der „Ehe für alle“ eigentlich Angst? Das verstehe ich wirklich nicht. Was soll denn Schlimmes passieren, wenn Schwule und Lesben heiraten und Kinder adoptieren dürfen? Außer, dass die sich dann freuen. Oder geht das hier nur um Rechthaberei? Das Gefühl habe ich nämlich, dass es den bedenkentragenden Miesmachern nur darum geht, recht zu haben und anderen Leuten das Leben schwer zu machen. Nicht mehr, nicht weniger. Geht es ihnen dadurch besser? Nein. Wird die Welt dadurch friedlicher? Nö. Hat das überhaupt irgendeinen tieferen Sinn? Pustekuchen. Ich könnte jetzt natürlich eine unflätige Vermutung äußern, in der möglicherweise die Begriffe „chronisch“ und „Untervögelung“ fallen würden, aber nachher fühlen sich wieder irgendwelche Leute beleidigt und sind dann erst Recht nicht gewillt, mal ein bisschen ihr Oberstübchen zu bemühen.

Essai 84: Über nervige Single-Männer und das, was Frauen wirklich wollen

10. März 2012

Und noch ein Flirtratgeber. Ich muss mich im Vorfeld entschuldigen, möglicherweise wird das für die Männer nicht nur schmeichelhaft. Es ist aber nun mal so: Ich bin dieses ewige „Weiber sind alle scheiße!“ einfach leid. So. Das ist wie in diesem Witz, wo dieser eine Typ immer zu Gott betet: „Herr, lass mich im Lotto gewinnen! Herr, lass mich im Lotto gewinnen!“ und Gott donnert dann irgendwann supergenervt von seiner Wolke runter: „Na, dann SPIEL!“ – Wobei das jetzt nicht heißen soll, dass ich mich für Gott halte, aber seinen Standpunkt kann ich in dieser Situation absolut nachvollziehen. Das ist wie wenn mir Single-Männer vorjammern „Alle Frauen sind scheiße! Die Weiber sind alle gleich! Njö njö njö!“, obwohl sie das in Ermangelung tatsächlichen Kennenlernens von Frauen gar nicht beurteilen können. Und diesen Männern möchte ich jetzt einfach mal den Rat auf den Weg geben: „Na, dann SPIELT doch endlich!“, heißt, geht raus, lernt Frauen kennen, sprecht sie an, unterhaltet euch mit ihnen, trefft euch vielleicht auch mal mit ihnen und dann wird schon irgendwann eine dabei sein, bei der es passt und wo alles sich ganz natürlich fügt und die eben nicht „scheiße!“ ist. (Das gilt natürlich auch für die nervigen Single-Frauen, die herumjammern, es gäbe keine guten Männer, bzw. sie seien wie öffentliche Toiletten: besetzt oder beschissen. Geht raus! Sprecht Männer an! Lernt sie kennen! Und dann gucken, was passiert)

Die Frage ist: Wenn wirklich alle Frauen scheiße sind, warum wollen diese nervigen Single-Männer dann überhaupt unbedingt eine? Das ist doch unlogisch. Ich finde zum Beispiel, dass Fisch scheiße schmeckt und deswegen esse ich keinen. Allerdings mag ich sehr gerne Kuchen. Und wenn ich Lust auf Kuchen habe, dann backe ich welchen oder gehe in die nächste Bäckerei. Nun kann man sich seine Traumfrau nicht backen, aber man kann raus gehen und Frauen ansprechen und dann ist früher oder später schon eine dabei, mit der es sich gut eine Weile aushalten lässt. Das muss ja nicht im Club sein, wenn man Discos nicht leiden kann, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Da ist es laut und stickig und man kann sich nicht vernünftig unterhalten, geschweige denn kennen lernen. Aber, was man auch in Clubs und Discos machen kann, ist Frauen ansprechen. Und – Bitte! Jungs! – lasst das mit dem „Mut antrinken!“, Bierfahnen sind widerlich und die meisten Männer werden durch Alkohol distanzlos und schmierig. Und „Darf ich dir einen Drink spendieren“ ist der lahmste Anmachspruch überhaupt! Habt einfach ein wenig Feingefühl, dann merkt ihr schon, wann es passt, die Frau anzusprechen, die ihr euch ausgeguckt habt. Ich hab das in meiner Sturm und Drang-Zeit, als ich noch häufiger solche Etablissements aufgesucht habe, häufiger erlebt, dass mich plötzlich irgendein Typ doof von der Seite anquakt, ob er mir einen Drink spendieren dürfe und ich hatte den Kerl vorher überhaupt nicht wahrgenommen, weil ich mit meinen Freunden auf der Tanzfläche war und zwar – man glaubt es kaum – um zu tanzen, nicht um hinterher mit einem plumpen Spruch belästigt zu werden. Weil ich aber höflich bin und ich durchaus anerkannt habe, dass der Mensch da seinen ganzen Mut zusammengenommen hatte, um mich das zu fragen, lehnte ich mit einem „Nein, Danke“ ab. Und dann fing dieser Typ auch noch an zu betteln: „Och, komm schon! Warum denn nicht?“ – Warum tun Männer so was? Ist das immer noch dieses bescheuerte Gerücht, Frauen würden „Ja“ meinen, wenn sie „Nein“ sagen? Leute, da gab es einen Sinnverdreher, Frauen fällt es verdammt schwer „Nein“ zu sagen, deswegen, WENN sie es sagen, meinen sie es auch so! Und „Ja“ auf die Frage, ob man einen Drink umsonst haben will, ist noch kein „Ja“ auf die Frage nach Sex. Also, zwei Möglichkeiten, wenn ein Mann eine Frau in der Disco aufreißen will: Erstens, er will nur mit irgendeiner Frau schlafen, dann ist es das Beste, einfach mal reihum freundlich und selbstbewusst alle Frauen zu fragen und dann ist irgendwann eine dabei, der langweilig ist und die „Ja“ sagt. Zweitens, ihr wollt was längerfristiges und seid auf der Suche nach einer richtigen Freundin, dann wartet den richtigen Moment ab (der ist NICHT, wenn sie gerade aufbricht, um nach Hause zu gehen!) und seid einfach nett, freundlich, authentisch, ehrlich, humorvoll und unaufdringlich. So was wie „Hey, ich bin XY, ich würde dich ja gerne anquatschen, und mich mit dir unterhalten, weiß aber nicht wie“ oder was auch immer, aber stellt euch persönlich auf eure Gesprächspartnerin ein und kommt nicht mit so bescheuerten Platitüden um die Ecke. Und lasst bitte dieses Überrumpeln, ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen, meine Herren.

À propos Einfühlungsvermögen. Ich meine damit nicht, dass man(n) immer für alles Verständnis haben muss und alles toll finden muss, was einem so zugemutet wird. Es geht nicht um das ‚Was‘, sondern um das ‚Wie‘. Es ist letzten Endes vollkommen wurscht, wo ihr Frauen ansprecht und was ihr sagt, es kommt drauf an, wie ihr das tut. Frauen haben gern das Gefühl, dass sie persönlich gemeint sind. Wenn sie das Gefühl haben, da checkt einer einfach mal alle Hühner ab, die nicht bei drei auf den Bäumen sind und dann schaut er mal, welche er erwischt, dann ist das für Frauen extrem beleidigend. Wir mögen sowas nicht. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass Männer das toll finden, wenn eine Frau sie erst mit einer Standardfloskel anquatscht und ihnen dann überhaupt nicht zuhört, den Blick vielleicht auch noch schweifen lässt und nicht ansatzweise auf das eingeht, was man erzählt. Das ist unhöflich und respektlos. Sollte das mal bei einer klappen, dann weil sie richtig verzweifelt ist und überhaupt keine Selbstachtung hat und dann kann man(n) sich auch schon mal darauf einstellen, dass es schwieriger wird, diese bedauernswerte arme Seele wieder loszuwerden (was sie dann ziemlich schnell wollen werden), als sie abzuschleppen.

Es erfordert zwar mehr Mut, ist aber meiner Ansicht nach erfolgversprechender, Frauen im Alltag auf der Straße oder beim Einkaufen anzusprechen. Da gibt’s ja auch eine Fülle an Anquatsch-Vorwänden, wie die Frage nach der Uhrzeit oder dem Weg. In Läden kann man fragen, wo man ein bestimmtes Produkt findet, oder ob man Hilfe bei einer Kaufentscheidung bekommen könnte, und so weiter. (Gilt natürlich genau so für Frauen) Natürlich birgt dies auch das Risiko, dass die Frau nicht mitbekommt, dass das eine Anmache sein soll oder dass sie schon nen Freund hat. Aber dieses Risiko sollte man dann auch ruhig mal eingehen. Ist doch egal, selbst wenn da nicht mehr draus wird, so hat man doch eine nette Begegnung gehabt. Eine nette Begegnung ist sowieso das beste, auf das man beim ersten Ansprechen hoffen kann. Und wenn Bedarf besteht, sich wiederzusehen, kann man das nach einer netten Begegnung auch einfach geradeheraus fragen, dann wissen alle Bescheid. Das nach einer lahmen Platitüde zu fragen, ist aber bescheuert.

Andere Möglichkeit, für Schüchterne, die sich nicht trauen, einfach so mal wildfremde Leute auf der Straße anzuquatschen, ist, sucht euch ein Hobby! Und zwar ein Hobby, bei dem man rausgeht und Leute trifft. Das kann ein Sprachkurs sein, eine Theatergruppe (kann ich sehr empfehlen, funktioniert hervorragend!), ein Lesekreis, ein Chor (die haben sowieso immer Männermangel), ein Tanzkurs (dito!), irgendwas. Aber man kann doch nicht anfangen, alle Frauen kategorisch scheiße zu finden, wenn man überhaupt keine kennen lernt. Das nervt! Und Möglichkeiten gibt es ja reichlich. Und wenn das alles nichts hilft, dann scheiß doch auf den blöden Stolz und mal im Internet gucken oder zu Single-Veranstaltungen gehen.

Ich habe übrigens den Eindruck, dass Männer und Frauen beim Kennen lernen nicht den gleichen Rythmus haben. Frauen lassen sich in der Anfangsphase gern ein bisschen mehr Zeit und wenn sie sich dann erst einmal in einer Beziehung wähnen, stellen sie auch Ansprüche, dann wollen sie plötzlich ein Mindestmaß an Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Respekt vom Mann und der Mann denkt, Ohgottohgott, meine Freiheit, Aaaaah! Nix wie weg! Ach nee, geht nicht, dann bin ich ja wieder allein, das ist ja auch doof, dann geht das ganze Theater ja von vorne los, wie unbequem, ich geh lieber in die innere Immigration. Männer wollen beim Kennen lernen immer so vorpreschen, da muss immer alles ratzfatz gehen und wenn man(n) die Frau dann erstmal erobert hat, muss man(n) sich ja keine Mühe mehr geben und kann sich entspannt zurücklehnen und machen, worauf man(n) Bock hat und lassen, worauf man(n) keinen Bock hat. Ich frage mich, wieso trotzdem so viele Beziehungen funktionieren… Hmm… Also, meiner Erfahrung nach darf man dem anderen nicht alles immer gleich so krumm nehmen und mit Wohlwollen und Humor ertragen sich die Macken des anderen leichter. Und frei von Macken ist eh niemand. Dann wird man auch eher ernst genommen und da eher drauf eingegangen, wenn mal WIRKLICH etwas gar nicht geht.

Also, nervige Single-Männer, nervige Single-Frauen, hört auf zu jammern und euch selbst zu bemitleiden und allen außer euch die Schuld für euer Alleinsein aufzubrummen und geht einfach mal raus, stürzt euch ins Getümmel und guckt was passiert. Früher oder später passt es dann schon. Und wenn’s passt, dann passt’s.

Essai 79: Über kommunikationsbedingte Schwierigkeiten im Balzverhalten und misslingende Flirtstrategien

14. Dezember 2011

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen, das wusste schon Loriot. Sie sprechen zwar dieselbe Sprache, aber nicht die gleiche. Eine grammatikalische Spitzfindigkeit, so mag es auf den ersten Blick scheinen, die aber nichtsdestoweniger schwerwiegende Folgen für das Gelingen oder Scheitern von Balzverhalten und Flirtstrategien mit sich bringt.

Normalerweise halte ich ja nichts von diesem ewigen ‚typisch Frau – typisch Mann‘-Gedöns, aber irgendwie stoße ich mit dieser Haltung dann doch immer wieder an meine Argumentationsgrenzen. Manche Dinge scheinen doch überwiegend ‚typisch Frau‘ andere wiederum ‚typisch Mann‘ zu sein. Das passt mir nicht in den Kram, aber bietet immerhin viel Diskussionsstoff, also passt mir das doch in den Kram.

Meiner Meinung nach ließe sich ein erheblicher Teil von Liebesleid und Herzschmerz vermeiden, wenn Frauen lernen würden, die ‚Männersprache‘ zu verstehen und umgekehrt die Männer die ‚Frauensprache‘. Natürlich gibt es auch da immer wieder Ausnahmen, aber der Regelfall ist meiner Erfahrung nach doch der, dass das Männchen in eindeutiger Balzabsicht auf das Weibchen zumarschiert, es nach einigem – aus seiner Sicht – lästigen Vorgeplänkel mit einem – seiner Meinung nach – ausgeklügelten Flirtangebot überrumpelt und das Weibchen vollkommen überrascht in ein Herumgeeiere verfällt, welches das Männchen völlig verunsichert zurücklässt. Hinterher jammert das Männchen, es klappe doch nie mit diesen Frauen, nie könnten die mal eine eindeutige Antwort geben und eine klare Ansage machen und diese Weiber seien doch alle gleich. Das Weibchen indes, von dem Schock noch nicht ganz erholt, beklagt sich darüber, was das denn solle, diese Männer immer, warum müssten die einen so plump überrollen, man habe doch überhaupt nichts getan, jedenfalls nicht bewusst, was hätte als Interessensbekundung ausgelegt werden können, man habe doch nur freundlich gegrüßt und überhaupt kenne man sich doch nur vom Sehen, was denkt der eigentlich, man müsse sich doch erstmal nett unterhalten und sich kennenlernen anstatt gleich mit der ganzen Tür ins Haus zu fallen, oder habe man etwa doch etwas kommuniziert, was der falsch verstanden hat und Oh nein! jetzt habe man diesem armen Menschen falsche Hoffnungen gemacht, wie komme man aus dieser unangenehmen Situation nur bloß wieder heraus, am besten, man gehe ihm aus dem Weg und hoffe, man laufe sich nicht zufällig doch über selbigen und Ohgottogott! was, wenn man ihm doch mal zufällig begegne, was solle man da bloß tun…

Allein an der Länge beider Gedankenströme lässt sich schon eine bemerkenswerte Tendenz ausmachen: Frauen grübeln und denken viel mehr nach als Männer, neigen zu Schuldgefühlen und Gewissensbissen, suchen die Schuld grundsätzlich erst einmal bei sich selbst und haben Mitleid mit dem armen Kerl, dem sie gerade eine so dumme, uneindeutige Abfuhr erteilt haben. Männer machen es sich leicht, da sind einfach alle Frauen Schlampen (außer Mutti), das wird dann von den männlichen Leidensgenossen abgenickt und damit ist der Fall erledigt.

Dieses Balzverhalten KANN nicht funktionieren.

Das Folgende richtet sich vornehmlich an die Jungs, tut mir leid, aber die Mädels haben schon genug von mir abbekommen in meinem Essai über nicht komische Frauen, jetzt  seid ihr halt auch mal dran. Muahahaha. Also. Hört um Himmels willen endlich einmal auf, ständig den Frauen die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, dass eure Flirtstrategien für’n Arsch sind! Ernsthaft, was soll denn das, ihr könnt doch nicht erwarten, dass das Objekt eurer Begierde euch sofort um den Hals fällt, nur weil ihr mit den Fingern schnipst. Und nein, zwei-drei Sätze Vorgeplänkel reichen in der Regel nicht aus, um sich kennen zu lernen. Und ja, das muss sein, dass man sich erst einmal kennen lernt, bevor frau weitergehende Schritte in Erwägung zieht. Ich rede jetzt davon, dass man(n) tatsächlich an der Dame interessiert ist und nicht bloß irgendwen für’s Bett sucht. Ist letzteres der Fall, sollte man(n) am besten sorgfältig die Lage peilen und nach Gleichgesinnten Ausschau halten. Ist der Mann aber wirklich gewillt, auch außerhalb dessen Kontakt mit dem Zielobjekt zu halten, sollte er dieses Interesse auch dadurch kund tun, dass er sich für die Frau tatsächlich interessiert.

Hö?

Das ist die typische Reaktion, wenn ich versuche, dies einem Mann klar zu machen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was es daran nicht zu verstehen gibt, aber da ich heute in großmütiger Stimmung bin, werde ich mal versuchen, dieses Geheimnis zu lüften. Wenn eine Frau anfängt, etwas zu erzählen und der Mann geht überhaupt nicht darauf ein, wartet nur notdürftig, bis sie einigermaßen fertig ist, um ganz kurz etwas von sich zu erzählen, dabei den Eindruck zu erwecken, seine Sichtweise sei die einzig Richtige, um dann aus völlig heiterem Himmel mit der Frage herauszuplatzen, ob die Dame möglicherweise geneigt sei, mit ihm zu dinieren, dann ist das ganz falsch. Das, was bei der Frau ankommt ist nämlich folgendes: „Ja, ja, Blablabla, du mich auch, ach à propos, Bock auf Sex?“ Dass die Frau in einer normalen Alltagssituation darauf mit nicht zu bändigendem Enthusiasmus reagiert ist sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist die oben bereits erwähnte Reaktion. Das weibliche Herumeiern: „Äääääääääääääääääääääääh, Öööööööööööööööhm, Na jaaaaaaaaa, weiß niiiiiiich, neeee, irgendwie nich soooooooooo, also, du bist ja ganz nett und alles, aber mehr auch nicht, also, als Freund vielleicht, aber du bist einfach nicht so mein Typ….“

Wenn ein Mann aber erst einmal völlig ohne Hintergedanken sich ernsthaft mit der Frau unterhält, sich wirklich für das interessiert, was sie erzählt, dann läuft das Gespräch von ganz alleine und dann kann er ja ganz beiläufig fallen lassen, wenn man sich schon eine Weile angeregt unterhalten hat, ob man das Gespräch nicht bei einem Kaffee fortführen wolle, oder so etwas in der Richtung. Schön subtil, höflich, unaufdringlich. Das ist keine Garantie für Erfolg, aber die Wahrscheinlichkeit, eine eindeutige, aber freundliche Antwort („Würde ich gern, aber ich habe einen Freund“, „Würde ich gern, aber ich muss zum Seminar/zur Arbeit/etc.“, „Ja.“, …) ist doch um einiges höher, als in Version 1.

Wichtig ist auch, dass die Männer dieses Herumgeeiere den Frauen nicht allzu übel nehmen. Ich weiß, das ist echt doof von uns, keine klaren Antworten zu geben. Obzwar ich finde, dass Herumgeeiere eigentlich schon ein eindeutiges ‚Nein!‘ ist, das sich nur noch überlegen muss, wie es sich möglichst wenig verletzend seinen Weg nach draußen bahnt. Und das ist der Punkt. Frauen eiern nicht herum, um die Männer zu ärgern, sie eiern herum, weil sie sie gerade nicht ärgern wollen, aber wissen, dass der arme Kerl gerade seinen ganzen Mut aufgebracht hat, um sie anzusprechen und zu fragen und jetzt muss man diesem bedauernswerten Tropf einen Korb geben, will aber auch nicht gemein sein. Frauen wurde und wird seit Anbeginn der Menschheit eingebläut, sie müssten immer hübsch freundlich und höflich sein, immer nett lächeln und winken. Das heißt, wenn eine Frau nett lächelt und winkt, dann heißt das in erster Linie gar nichts. Männer denken dann immer gleich, das wäre eine Flirteinladung, aber nein, es ist einfach nur nett und höflich gemeint. Und wenn eine Frau sich eine Haarsträhne hinter das Ohr klemmt, heißt das in erster Linie nur, dass diese Haarsträhne sie vor dem Ohr genervt hat, das ist kein Geheimcode für „Ich will mit dir schlafen. Jetzt. Sofort.“ Das wäre wirklich mal ein Fortschritt, wenn Männer das endlich mal kapieren könnten! Alles, was nicht „Ja“ ist, ist ein „Nein“. Und Körpersprache muss man immer im Gesamtkontext betrachten, die Persönlichkeit der Zielperson und die gegenwärtige Situation mitberücksichtigen. Das ist nun mal immer ein Risiko, wenn man versucht mit jemandem ins Gespräch zu kommen, man kann sich nicht im Vorhinein dadurch absichern, dass man die Frau beobachtet und sobald sie ihr Haar geschüttelt hat auf sie losstürmt und sie mit seiner Paarungsbereitschaft überrumpelt.
Also, noch mal konkret: „Äääääähm… Na jaaaaaa…. Öööööhm“ heißt „Nein“. „Ich hab gerade keine Zeit“ heißt „Nein“. „Nein“ heißt „Nein“. „Danke, aber ich will / muss jetzt irgendwas anderes tun / irgendwo hin“ heißt „Nein“. „Du, das passt mir gerade nicht“ heißt „Nein“. „Ja“ heißt „Ja“. Eigentlich sind das doch ganz klare Ansagen, oder?

Abschließend doch noch ein kleiner Arschtritt für meine Geschlechtsgenossinnen: Sprecht doch auch mal die Männer an. Die meisten Männer freuen sich und wenn nicht, dann sind sie rückständige Troglodyten und dann ist man ohne sie sowieso besser dran. Hört auf, euch hinter längst überholten Balztraditionen zu verstecken und immer nur zu verlangen, der Mann müsse den ersten Schritt machen und wenn er es dann tut, eiert ihr wieder rum. Das lässt sich ganz einfach vermeiden, indem ihr auch mal die Initiative ergreift.

So.

Und nun packe ich meine kleinen Cupido-Flügelchen wieder in die Schublade, räume Köcher und Pfeile ordnungsgemäß weg und gucke How I met your mother.

Essai 73 : Über Pattex-Pärchen – nervenraubende Zeitgenossen im Doppelpack

3. Februar 2011

Vermutlich hat jeder so ein Pattex-Pärchen in seinem Bekanntenkreis. Das sind dann die, die immer nur von „Wir“ und „Uns“ sprechen und mit ihren Identitäten bis zur Auflösung jeglicher persönlicher Eigenheiten zu einer Art Kuschelbrei verschmolzen sind. Die die ganze Zeit demonstrativ aneinander kleben, als wären sie mit Sekundenkleber aneinander gebabscht. Die mit entrücktem Strahlen in den manischen Augen seufzend verkünden, sie machten „alles gemeinsam“. Die selbst im pazifistischsten Menschen des Universums tiefsitzende Aggressionen wecken.

Da war zum Beispiel mal dieses Pärchen, das unter dem Code-Namen ‚Die Egal-Fraktion‘ in die Geschichtsbücher meines Freundeskreises eingegangen ist. Bevor man „Hurz!“ sagen konnte, waren sie auch schon auf dem Sofa zu einer nicht definierbaren Masse verschmolzen und zelebrierten ihre unendliche Liebe zueinander durch hemmungsloses Trockenpoppen. Man möge mir meine Ausdrucksweise verzeihen, diese Erlebnisse haben mich zutiefst traumatisiert. Ging es nun aber daran, zu entscheiden, welches Spiel als nächstes gespielt oder welcher Film als nächstes gesehen werden sollte, kam von unserer ‚Egal-Fraktion‘ immer nur ein lustloses Schulterzucken. Wenn sie an dem Tag hyperaktiver Laune waren, wurde das Schulterzucken verbal untermalt: „Weiß nicht, mir egal, was meinst du Schatz?“ – „Weiß nicht, mir egal. Was meinst du Schatz?“… – Glücklicherweise hielten sich diese hyperaktiven Schübe in Grenzen. Übrigens hielt die ‚Egal-Fraktion‘ auch nur zwei Wochen, dann hatte sie sich neu formiert. Allerdings hatte sich nur der männliche Protagonist geändert, das Prinzip hielt sich gleich. Die Bekanntschaft meiner Wenigkeit mit der ‚Egal-Fraktion‘ ist denn auch recht bald im Sand verlaufen. Aber der Eindruck ist geblieben…

Das ist aber ja noch gar nichts. Die ‚Egal-Fraktionen‘ auf unserer schönen Erde sind ja wenigstens noch friedfertig. Die nerven zwar kolossal, aber weiter tun sie einem nichts. Was es relativ leicht macht, sie wieder los zu werden. Man meldet sich einfach nicht mehr. Da sie immer alles gemeinsam nicht entscheiden – schließlich sind sie zu sehr damit beschäftigt, das lustige „Weiß nicht, was meinst du Schatz“-Spielchen zu spielen – schläft der Kontakt ganz von alleine ein und alle sind zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind, kleben sie immer noch aneinander und flöten sich gegenseitig ein leidenschaftliches „Mir egal, was meinst du Schatz“ ins Ohr. Schööön!

Was aber macht man mit den weniger friedfertigen Pattex-Pärchen? Die gibt es nämlich auch und sie sind noch weit anstrengender als unsere Freunde vom „Mir egal“-Planeten. Deren Konzept von ‚Wir‘ kann nämlich nur bestehen, wenn es auch ein Konzept von ‚Ihr‘ gibt, das dem feindlich gegenübersteht. Bei Nicht-Pattex-Pärchen gibt es ja ein ‚Ich‘ und ein ‚Du‘, das zusammen ein ‚Wir‘ ergibt, aber weder das ‚Ich‘ noch das ‚Du‘ löst sich in diesem ‚Wir‘-Konzept auf. Beim Aggro-Pattex-Pärchen jedoch gibt es nur noch das ‚Wir‘.

Das ist wie in Yasmina Rezas Stück „Kunst“: „Wenn ich ‚Ich‘ bin, weil ich ‚Ich‘ bin und du ‚Du‘ bist, weil du ‚Du‘ bist, dann bin ich ‚Ich‘ und du bist ‚Du‘. Wenn ich ‚Ich‘ bin, weil du ‚Du‘ bist und du ‚Du‘ bist, weil ich ‚Ich‘ bin, dann bin ich nicht ‚Ich‘ und du bist nicht ‚Du‘.“

Das klingt zunächst nach Quatsch. Aber wenn man nochmal darüber nachdenkt, ergibt das durchaus einen Sinn.

Zurück zu unseren Pattex-Pärchen. Das Unglück fängt für gewöhnlich ganz harmlos damit an, dass sich diese Pärchen in ihren eigenen Kokon ein- und den Rest der Welt ausschließen. Sie bauen sich ihr eigenes kleines Universum auf, in welchem außer ihnen sonst keiner mehr Platz hat. Das ist nicht nur außerordentlich egozentrisch, nein, es birgt auch einfach die Gefahr, dass man die Realität komplett aus den Augen verliert und zu einem von diesen asozialen Aggro-Pattex-Pärchen mutiert. Dass das für die Umwelt nicht gerade sehr angenehm ist (und für die Betroffenen auch nicht, sobald sie mal aus ihrem Kokon auszubrechen suchen) hat zum Beispiel Christopher Nolans Film „Inception“ anschaulich dargestellt. Da ist die Person, die im Kokon bleiben will ja auch ziemlich aggressiv gegenüber der Person, die ausbrechen will.

Gesellt sich zum Egozentrismus eines Aggro-Pattex-Pärchens noch eine gute Portion Materialismus und Paranoia, sind wir im Handumdrehen bei Lady McBeth und ihrem Göttergatten angelangt. Und dementsprechend zu ihren Pendants des Alltagslebens im 21. Jahrhundert. Da fühlt sich nämlich das ‚Wir‘ (das Pattex-Pärchen) von ‚Ihnen‘ (allen anderen) permanent benachteiligt und schlecht behandelt. Und das kann das ‚Wir‘ nicht auf sich sitzen lassen. Es endet zum Glück nicht immer mit Königsmord und dergleichen, aber es sind schon diverse Familien daran zerbrochen, dass sich Pattex-Pärchen paranoider Natur gebildet hatten, die dann beispielsweise den Umgang mit den Enkelkindern verbieten oder einem mit völlig absurden Erbschaftsforderungen auf den Senkel gehen.

Was kann man also tun? Es wie Ingeborg Bachmanns „Guter Gott von Manhattan“ halten und Eichhörnchen zu Terroristen abrichten, die Hotelzimmer mit Pattex-Pärchen in die Luft sprengen? Vielleicht ist das ein wenig drastisch. Außerdem nicht ganz legal. Und moralisch nur bedingt vertretbar. Außerdem, wer schon einmal versucht hat, ein Eichhörnchen einzufangen, kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, es zu überhaupt irgendetwas abzurichten. Den Plan kann man also getrost vergessen.

Es bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren und die Angriffspunkte möglichst gering zu halten. Dann schafft man es vielleicht zu einer Art Waffenstillstand mit den Aggro-Pattex-Pärchen. Und das ist doch auch schon was.

Essai 54: Über den Valentinstag

14. Februar 2010

Nachdem ich in der Zeitung einen unglaublich dummen Kommentar zum Valentinstag gelesen habe, fühle ich mich nun bemüßigt, zur Feier des Selbigen ebenfalls meinen Senf beizutragen.

In dem Artikel ging es darum, dass die Schreiberline zu einer „seltenen“ „vom Aussterben bedrohten“ Art gehöre, nämlich der der hoffnungslosen Romantiker, die – Achtung, Klischee-Alarm! – noch an die „große Liebe“ glaube. Und als ob es der Klischees nicht damit schon genug wäre, führte sie dann auch gleich an, dass sie diesem romantischen Glauben anhänge, obwohl doch die Hälfte der Ehen geschieden würden. Dass im Gegenzug die andere Hälfte der Ehen nicht geschieden werden, wurde geflissentlich ignoriert.

Damit nicht genug, die Platitüden gingen noch weiter. Die literarische Einfallsfreiheit tönte dann rum, sie habe eine Freundin, die – das ist jetzt meine eigene Interpretation – offenbar irgendwo im geistigen und emotionalen Alter zwischen 13 und 14 hängen geblieben war, gleichzeitig aber der Meinung war, die Weisheit mit Tanklastern schnabuliert zu haben. Und vermutlich zuviele Vampirkitschromane gelesen und dabei die ironisch-distanzierte Haltung vergessen zu haben. Diese besagte Freundin wurde nun mit einer ihrer Weisheiten zitiert und als Beweis für die (stereotype, unreflektierte, selbstdiskriminierende) Meinung der „Autorin“ angeführt, was es denn mit der großen Liebe auf sich habe.

Mit dem Grundton der Überzeugung wurde so nun der uralte Irrtum hochgehalten, Liebe bedeute Schmerzen. Wenn es nicht wehtut, ist es keine Liebe.

Und das ist der Punkt, wo ich einfach mal ganz vehement widersprechen muss. Meiner Meinung nach ist es zwar spannender, tragische Liebesgeschichten zu lesen, zu sehen oder zu hören, so wie auch traurige Liebeslieder oft schöner sind als fröhliche. Aber: Wenn es um das RICHTIGE Leben geht, dann ist es einfach nur zum – Pardon – Kotzen, wenn die Liebe weh tut und man Liebeskummer hat. Im Nachhinein kann man das natürlich alles verklären, vielleicht muss man das auch, um mit den Schmerzen klar zu kommen. Aber mir kann keiner erzählen, dass er eine unglückliche, schmerzhafte Beziehung einer glücklichen, harmonischen vorzieht.

Sicher, es gibt den einen oder anderen, der auch diesem bekloppten Mythos der schmerzhaften Liebe aufgesessen ist, der möglicherweise auch aus irgendwelchen unglücklichen Verkettungen fieser Umstände glaubt, es nicht besser verdient zu haben.

Aber die wirkliche, wahre Liebe ist ganz ruhig, still und unspektakulär. Sie tut nicht weh, sie ist nicht laut und penetrant, sie beruht nicht auf Unausgewogenheit und Disharmonie, sie ist auch nicht schmerzhaft.

Natürlich muss man was dafür tun, damit die Liebe nicht weh tut. Und genau dafür finde ich den Valentinstag gut. Denn er bietet einem einen Anlass, mal wieder gemeinsam etwas zu unternehmen, dem anderen eine Freude zu machen und sich selbst damit auch. Das hat nichts mit hoffnungslosem Romantismus zu tun, sondern das ist reiner Überlebenswille. Denn wo kommen wir denn da hin, wenn das, was unser Leben lebenswert macht – nämlich die Liebe – wenn selbst das mit Leiden und Schmerzen verbunden ist.

Es wird mal Zeit, diesen dämlichen Mythos zu überdenken. Und nicht alles zu glauben, was in der Zeitung steht.

Einen fröhlichen Valentinstag noch an alle.

Essai 45: Über Liebeskonzeptionen und den rätselhaften Erfolg der Twilight-Buchreihe

26. Oktober 2009

Ich hab nun schon einen Essai über Liebe geschrieben und einen über Romantik. Nun habe ich mir inzwischen die „Twilight“-Romane von Stephenie Meyer zu Gemüte geführt und bin auf ein großes Rätsel gestoßen: Was macht bloß den Erfolg dieser Bücher aus? Noch dazu, warum haben diese Bücher gerade bei Frauen so einen Erfolg? Der Vollständigkeit halber muss ich gestehen, dass auch ich mich nicht dem „Twilight“-Fieber entziehen konnte. Dabei ist der Schreibstil echt furchtbar, trieft vor Kitsch, wiederholt sich ständig und kommt oftmals nicht zum Punkt. Außerdem sind die beiden Hauptcharaktere echt unsympathisch und als Liebespaar verkörpern sie alles, was ich im richtigen Leben absolut verabscheue, nämlich Abhängigkeit und Klettentum, kombiniert mit der Weigerung, sich für irgendetwas außerhalb der Liebesbeziehung zu interessieren. Bäh!

Eine Erklärung ist möglicherweise, dass die Nebenfiguren – allen voran Bellas bester Freund Jacob, mit dem sie meiner Meinung nach eigentlich hätte zusammenkommen sollen – sehr sympathisch sind. Im Grunde war mir die eigentliche Geschichte fast wurscht, ich wollte wissen, wie es mit den Nebenfiguren weitergeht.

Aber nichtsdestotrotz spiegelt der Erfolg dieser Kitschroman-Reihe eine Sehnsucht unter jungen Frauen wider, die mich gelinde gesagt beunruhigt. Was sagt das über uns Frauen aus, wenn wir ob solch toxischer Beziehungen in Verzückung geraten und es für romantische Liebe halten, dass die beiden sich gegenseitig wie eine Droge sind? Klar, diese Liebeskonzeption gibt es schon spätestens seit Romeo und Julia. Aber ehrlich gesagt, haben sich Romeo und Julia wie zwei Idioten aufgeführt, ich seh da nichts Romantisches dran. Tragisch, vielleicht, aber romantisch? Nä.

Man kann sich doch zum Beispiel fragen, wenn Julia Romeo so geliebt hat, warum folgt sie ihm nicht dahin, wohin er verbannt wurde? Warum bleibt sie zu Hause, klamüsert irgendeinen Murks mit einem dubiosen Schlaftrunk aus und jammert vor sich hin? Das ist doch klar, dass das böse endet. Und Tybalt und Romeo sind zwei hitzköpfige Volltrottel. Wenn die nur mal zwei Sekunden nachgedacht hätten, bevor sie zustechen, wäre der ganze Mist auch nicht passiert. Gut, ich sehe ein, dass niemand sich ein Stück ansieht, indem zwei verfeindete Parteien sich friedlich an einen Tisch setzen und die Angelegenheit – deren Grund wahrscheinlich auch eh keiner mehr kennt – sachlich zu klären. Aber trotzdem ist das die gleiche romantische Liebeskonzeption wie in Twilight. Man fragt sich, warum man davon träumt und sich wünscht, auch so zu lieben? Das ist doch unpraktisch. Warum halten wir die Menschen, die sagen, Romeo und Julia sind zwei verliebte Teenager, die ihr Gehirn ausgeschaltet haben, für Gefühlskrüppel und warum seufzen wir sehnsuchtsvoll auf, wenn Bella an ihrem Liebeskummer wegen dieses Schnösels Edward beinahe zugrunde geht?

Warum schreien wir nicht entsetzt auf, wenn Bella ihre ganze Zukunft – Bildung/Uni, einen eigenständigen Beruf, sogar ihrer Familie – aufs Spiel setzt, nur um mit diesem überfürsorglichen Quälgeist von einem sich ständig einmischenden, verkappten Macho von einem Vampir, zusammen ewig jung zu sein. Ewig jung. Noch so ein romantistischer Mythos. Was soll man denn die ganze Zeit machen? Das wäre todlangweilig, wäre man nicht unsterblich.

Es gibt einen Film, der zwei unterschiedliche Liebeskonzeptionen gegeneinanderstellt, das ist „Jules und Jim“ von François Truffaut. Vordergründig geht es um eine Dreiecksbeziehung zwischen besagten Jules und Jim und Catherine, in die sich die beiden Männer verlieben. Catherine ist ein egozentrischer, selbstzerstörerischer, leidenschaftlicher Charakter. Jules ist eher der ruhige Typ und Jim ist auch eher leidenschaftlich veranlagt. Catherine heiratet Jules. Das ist die eine Liebeskonzeption: Jules liebt Catherine so sehr, dass ihr Glück ihm wichtiger ist, als sein eigenes. Catherine hatte wohl gehofft, durch die Heirat mit Jules ein wenig Stabilität in ihr Leben zu bekommen, was nicht funktioniert hat, weil ihr schnell langweilig und sie unglücklich wurde. Sie verliebt sich leidenschaftlich in Jim und er sich auch in sie. Jules lässt seinen Freund Jim bei sich einziehen, er lebt unter einem Dach mit seiner Frau und ihrem Geliebten. Aber er ist nicht eifersüchtig und es ist für ihn in Ordnung. Denn er liebt Catherine und auch Jim (platonisch) und hat einfach ihr Glück im Sinn, anstatt auf seinem Recht zu pochen. DAS finde ich wiederum romantisch, er gibt sich nicht für sie auf, aber er erkennt – weil er sie liebt – dass sie mit ihm nicht glücklich ist und deswegen lässt er sie los. Edward und Bella, Romeo und Julia, das ist die Art von Liebe, die Catherine und Jim füreinander empfinden. Pure, konzentrierte Leidenschaft, die schließlich in der Zerstörung beider endet. Da hat dann keiner mehr was von. Das ist doch nicht romantisch, das ist doof!

Der Erfolg von Twilight erinnert fast schon an die Euphorie, die Goethes Werther nach sich gezogen hat. Wollen wir nur hoffen, dass nicht als Äquivalent zu den Werther-Selbstmorden jetzt lauter junge Teenie-Mädchen mit 19 den erstbesten Lackaffen heiraten, der ihnen schöne Augen macht, anstatt sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Das bleibt abzuwarten.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls entsetzt über die neokonservatistische Wertekonzeption, die die Twilight-Buchreihe unterschwellig propagiert. Ich kann nur jedem raten, die Bücher zu lesen, aber mit ironisch-kritischer, brechtscher Distanzierung, um sich selbst ein Bild zu machen und die als selbstverständlich erachteten Konzepte vielleicht auch mal in Frage zu stellen.

Essai 42: Über Liebe

24. August 2008

Liebe hat viele Gesichter.

Hier soll nun aber nicht von der platonischen Liebe oder der Mutterliebe die Rede sein, sondern von dem merkwürdigen Etwas, das zwei Menschen für mal mehr, mal weniger Zeit aneinander bindet. Manchmal hält diese Liebe auch ein Leben lang, wenn man Glück hat und sich ein bisschen Mühe gibt. Manchmal, weil man Pech hat oder weil man sich keine Mühe gibt, verflüchtigt sie sich wieder. Manchmal glaubt man auch, einen Menschen zu lieben, ist aber in Wahrheit einfach von ihm abhängig.

Wobei, so einfach ist das dann nicht, sondern ziemlich kompliziert. Meistens tut einem dieser Mensch, von dem man abhängig ist, gar nicht gut, aber man kann sich einfach nicht lösen. Aber das ist dann prima Stoff für Filme, Romane und Theaterstücke. Ohnehin ist unglückliche Liebe ein Evergreen unter den Erzählstoffen. Aber im wirklichen Leben, ist es dann doch netter, wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich denke, für jeden bedeutet Liebe etwas Anderes, es hängt ja auch immer von dem Menschen ab, den man liebt. Den einen liebt man wegen seiner inneren Ruhe, den nächsten vielleicht, weil mit dem immer der Bär steppt. Manche Verbindungen wirken nach außen hin rätselhaft. Wenn zum Beispiel zwei Leute aufeinander treffen, die ein riesengroßes Ego haben und furchtbar eitel und stur sind, gibt es ständig Krieg. Da fragt man sich, das soll Liebe sein? Ja, vielleicht brauchen sie ja beide genau das.

Es kommt ja auch immer darauf an, was man selber braucht, und was der andere braucht, das man ihm geben kann. Die richtige Mischung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden macht’s.

Ich denke Liebe ist, wenn man sich gegenseitig ergänzt, respektiert und füreinander da ist. Das hat nichts zu tun mit Besessenheit („Ich werde niiiiiiiiiiiie wieder jemanden so lieben können wie XY!“) oder Schwärmerei („XY ist ja soooooooooooo toll und kann so toll tanzen/Gitarre spielen/Jonglieren, etc.“) oder bloßer Leidenschaft („Oh, Ah, Oh, Ah“). Sicher, Leidenschaft gehört dazu und Schwärmerei kann am Anfang einer Verliebtheit stehen, die wiederum am Anfang von Liebe stehen kann – denn Liebe muss erst wachsen – aber das allein ist noch keine Liebe.

Es ist leichter zu sagen, was keine Liebe ist, als zu sagen, was Liebe ist. So ist das halt mit den Gefühlen, entweder man spürt es, oder nicht.

Essai 32: Vor- und Nachteile von Gewohnheit

5. Juli 2008

Wie so ziemlich alles im Leben hat auch die Gewohnheit ihre Schokoladen- und ihre Gammelkäseseiten.

Eine der Haupteigenschaften von Gewohnheit ist nämlich, dass sie Gefühle mit der Zeit abschwächt. Das betrifft sowohl positive Gefühle – das ist dann der Gammelkäse – als auch negative Gefühle – Schokolade.

Mit anderen Worten, wenn man sich an Liebe gewöhnt, verblasst sie allmählich und verkommt zu Gleichgültigkeit, was extrem deprimierend ist. Das Gute ist, dass das umgekehrt auch mit Hass funktioniert. Wenn man sich daran gewöhnt, wird es auch zu Gleichgültigkeit, nur dass es in diesem Falle auch Erleichterung bedeutet. Es ist nämlich furchtbar anstrengend jemanden zu hassen, so von wegen dass es einen innerlich auffrisst und solche Geschichten. Wenn man das betreffende Objekt ansieht und sich denkt: „Pfft, soll der doch glücklich werden, ist mir doch egal“, kann man aufatmen und sich wieder mit anderen Dingen beschäftigen. Toll. Hingegen, wenn man bei der goldenen Hochzeit seinen Göttergatten betrachtet und denkt „Wieso sind wir noch gleich solange zusammen? Och, ist ja auch egal.“ dann kann man eigentlich auch gleich die ganze Beziehung vergessen.

Also sollte man versuchen, positive Gefühle in metaphorische Frischhaltefolie zu packen oder regelmäßig mit metaphorischem Wasser zu gießen, damit sie immer wieder neu aufblühen können, während man negative Gefühle am besten akzeptiert und sich an sie gewöhnt, dann langweilen sie sich irgendwann und verschwinden.

Soviel jedenfalls zur Theorie.

Jedenfalls ist sicher, dass Gewohnheiten einem Sicherheit geben können. Umgekehrt heißt das auch, dass wer viele Gewohnheiten, sprich Macken, hat, viel Sicherheit benötigt. Das kann mitunter auf die Umwelt einen schrullig-kauzigen Eindruck machen, muss aber selbstverständlich nicht. Der Nachteil dieser gewohnten Sicherheit ist, dass man mit der Zeit an Flexibilität abnimmt, alles was man nicht kennt doof findet, nur noch am Meckern ist und zum unausstehlichen Sturkopf mutiert, was wiederum eine Erklärung dafür wäre, warum so viele alte Menschen ein wenig – nun ja – schwierig sind. Wobei das „alt“ hierbei einen Geisteszustand meint, keinen biologischen Tatsachenbestand.

An dieser Stelle möchte ich mit einem wie gewohnt klugen Schlusssatz enden.

Essai 28: Über Romantik oder den Schlüssel zum Unglücklichsein

19. Juni 2008

Romantik ist ja an sich was Schönes.

Ohne Romantik ist das Leben wie ohne Illusionen: trostlos und deprimierend.

Andererseits erlebe ich auch immer wieder, wie man sich mit absolut unrealistischen Ansprüchen an ebendiese Romantik sich mindestens genauso unglücklich macht, wie wenn man ein Leben ohne Romantik führt, was meiner Meinung nach ein wenig zweckentfremdet ist. Besonders auffällig ist das in Beziehungen.

Meistens geht das ja – ich schäme mich das zu gestehen – von den Frauen aus, dass sie irgendwelche romantischen Ansichten haben, wie etwas zu sein hat, es aber nicht sagen, und der Mann weiß von nichts, da er keine Gedanken lesen kann und wundert sich, wenn er dann irgendwann alles auf einmal vor die Füße geknallt bekommt: „Schaatz, ich bin zu Hause!“ „Toll, nie schenkst du mir Blumen und außerdem lässt du dich gehen und was machen schon wieder deine Socken auf dem Badezimmerfußboden.“ Schon sind alle Beteiligten unzufrieden und unglücklich.

Da gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten, die aber leider nicht sehr romantisch sind, sondern eher pragmatisch, es geht nämlich bei beiden Optionen um Kompromisse.

Erstens: Die Frau sagt gleich, wenn sie was stört oder was vermisst, so dass es sich nicht anstaut. Das erfordert dann natürlich von ihrem Männe, dass er es nicht nur zur Kenntnis nimmt und „Mhm“ sagt, sondern, dass er sich wirklich mal Mühe gibt, ihr ab und zu Blumen mitbringt, ein bisschen Sport macht und seine schmutzigen Socken in den dafür vorgesehenen Behälter befördert.

Zweitens: Die Frau schraubt ihre eigenen Ansprüche herunter und gibt sich Mühe, ihren Partner so unvollkommen zu akzeptieren, wie er ist. Solange das auf Gegenseitigkeit beruht, kann das auch funktionieren. Ich halte trotzdem die erste Lösung für erfolgversprechender, weil sie aufrichtiger und offener ist und sich weniger Frust aufhäuft, bis es zur Explosion kommt.

Manchmal können solche unrealistischen Romantikvorstellungen auch zu regelrechten Identitäts- und Midlifekrisen führen. Der Mann kauft sich dann mit fünfzig ein Cabrio, weil er in seinem Alltag das romantische Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit vermisst. Oder er sucht sich aus ebendiesem Grund eine Geliebte. Dann wohl doch lieber das Cabrio. Andere verlassen oder betrügen ihren Partner, obwohl sie glücklich sind, weil sie das romantische Ideal von Feuer, Leidenschaft und Abenteuer vermissen. Dann suchen sie sich einen Lover oder eine Geliebte, die ihnen all das bietet und wundern sich dann, wenn ihre glückliche Beziehung daraufhin in die Brüche geht, wenn das rauskommt, und es kommt früher oder später raus. Dabei ließe sich das alles so leicht verhindern, indem man einfach miteinander kommuniziert und aufeinander eingeht. Aber das ist ja viel zu unromantisch.


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