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Essai 186: Über Arschloch-Humor

24. Mai 2019

Über Geschmack und Humor lässt sich nicht streiten? Von wegen! Man braucht sich nur auf Facebook zu tummeln, da gerät man früher oder später in eine erbitterte Humor-Debatte, in der einem selbsternannte Witzrichter erklären, dass alles, was sie selbst lustig finden, auch lustig ist. Und wer das anders sehe, habe eben keinen Humor.

Was mir dabei auffällt: Oft entstehen solche Debatten dort, wo der Witz darauf beruht, andere herunterzuputzen. Wenn dann irgendwelche zartbesaiteten Seelchen wie meine Wenigkeit darauf hinweisen, dass das nicht sehr nett ist, braucht man nicht einmal bis drei zu zählen, schon kommen die Humorapostel und belehren einen darüber, dass das ja wohl überaus komisch sei und man sich halt nicht so anzustellen habe.

Ich nenne das Arschloch-Humor.

Ein Beispiel: Zum Muttertag vor zwei Wochen veröffentlichte Edeka einen Werbespot. Dieser Spot zeigte völlig überforderte Väter, die an den einfachsten Aufgaben im Umgang mit ihren Kindern scheitern, die als hässlich bezeichnet wurden und in Sachen Familie und Haushalt nichts auf die Kette kriegen. Am Ende sagt dann die Tochter zu ihrer Mutter: „Danke Mama, dass du nicht Papa bist.“

Wer sich dieses Machwerk noch einmal zu Gemüte führen will, bitteschön:

Es dauerte jedenfalls nicht lange, da beschwerten sich die ersten Männer und insbesondere Väter, dass sie sich diskriminiert fühlten und dass das überhaupt nicht lustig sei. Der Meinung bin ich auch. Zudem kommen auch Frauen nicht gut weg. Wir erinnern uns: Der Spot war für den Muttertag gedacht. Da werden die Mütter geehrt – eigentlich. Hier werden aber nicht die Mütter geehrt, sondern die Väter gedisst. Und ganz ehrlich, wie armselig ist das denn, wenn man seiner Mutter als einziges Kompliment machen kann, dass sie nicht der Vater ist? Und was ist das überhaupt für ein Kompliment?

Jedenfalls finde ich, da kann man ganz sachlich, indem man sich allein auf den Inhalt und den Kontext bezieht, festmachen, dass das nicht sonderlich geistreich ist. Das Humorprinzip beruht auf Schadenfreude und Erniedrigung anderer. Wer darüber lacht, tut das, um sich über die Erniedrigten zu erhöhen und sich als was Besseres darzustellen als die humorlosen Wursttröten, die schon wieder rumflennen, weil ein Werbespot gemein zu ihnen war. Und das, meine lieben Leserinnen und Leser, ist der Inbegriff von Arschlochtum.

Arschloch-Humor war übrigens auch der Karnevalsauftritt von Annegret Kramp-Karrenbauer. Intersexuelle als verunsicherte Männer darzustellen, die völlig verwirrt sind, weil sie nicht wissen, wie sie auf einer Unisextoilette pinkeln sollen, ist objektiv betrachtet völlig daneben. Da hagelte es also völlig zu Recht jede Menge Kritik.

Doch viele Nichtbetroffene, Nichtgemeinte, waren der Ansicht, sie müssten jetzt alle Betroffenen und Gemeinten, die mit diesem „Witz“ diskriminiert und ohne Not verspottet wurden, belehren, dass das ja wohl ein höchst amüsantes Bonmot war – und wer das nicht begreift, der hat nicht nur keinen Sinn für Humor, sondern sei überdies völlig verklemmt und dumm obendrein.

Doch ganz allgemein begegnet mir Arschloch-Humor immer wieder. Das reicht von der klassischen sexistischen Kackscheiße à la „Ooooh, das vermaledeite Weibsbild hat schon wieder ihres Mannes sauer verdientes Geld für Schuhe ausgegeben“ bis hin zu mobbingähnlichen Zuständen, in denen sich mehrere Arschloch-Humoristen auf ein aus ihrer Sicht humorloses Gänseblümchen einschießen, um ihm die Welt des Witzes zu erklären, die es ja offenkundig infolge unermesslicher Dummheit nicht begriffen hat.

Es reicht übrigens einfach, in irgendeinem Punkt von der Norm abzuweichen, um Ziel des Spotts solcher Arschloch-Humoristen zu werden. So trinke ich zum Beispiel keinen Alkohol, was für nicht wenige Facebook-User bereits eindeutiges Zeichen dafür ist, dass ich keinen Spaß verstehe. Wobei: Wenn der Spaß aus Arschloch-Humor à la „Oh, ich gehe mal gezielt auf eine Seite für Leute, die wenig Alkohol trinken, und reibe ihnen unter die Nase, wie doof die sind“ besteht, verstehe ich den Witz aber wirklich nicht.

Da ist mir irgendwann auch mal die Hutschnur geplatzt, als da schon wieder so ein wichtigtuerischer Heini ungefragt darüber informierte, dass er Alkohol trinkt, Diesel fährt, Fleisch isst und noch irgendetwas Stinknormales tut. Und dann habe ich ihm gesagt, dass er nur ein stinknormaler Durchschnittstyp sei, der sich wichtig machen wolle, und das auf Kosten von Leuten, die ein wenig von der Norm abweichen und ihm nichts getan haben. Uuuuund was wurde ich im Anschluss darüber belehrt, wie humorbefreit und empfindlich ich sei, ein linksrotgrünversiffter Social Justice Warrior, Gutmensch und bla. Ja nun, irgendwer muss doch diesen Arschlöchern auch mal sagen, dass sie Arschlöcher sind, sonst denken die am Ende noch, man fände sie toll.

Jedenfalls muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich Menschen, die nur dann lachen können, wenn andere, die ihnen nichts getan haben, erniedrigt, beleidigt, verspottet oder gedemütigt werden, nicht besonders mag. Es ist eben ein Unterschied, ob man subversiven Humor betreibt, indem man satirisch und geistreich die Mächtigen und Stärkeren aufs Korn nimmt. Oder ob man völlig plump und platt einfach irgendwelche Klischees hinklatscht, ohne diese zu reflektieren, damit man Vorurteile als Tatsachen hinstellen und sich auf dieser Basis über Schwächere oder Minderheiten lustig machen kann. Ziel von letzterem ist, das eigene Ego zu plüschen und Beifall von anderen Arschloch-Humoristen einzuheimsen, und dafür ist einem jedes Mittel recht.


Und, wie seht ihr das? Habt ihr auch Beispiele für Arschloch-Humor? Oder findet ihr, ich solle mich gefälligst nicht so anstellen, sei ja schließlich alles nur Spaß? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt.

Essai 177: Über die angemessene Reaktion auf nicht lustige Witze

12. August 2017

Alles in allem betrachtet, bin ich leider völlig humorlos. Das ist überhaupt nicht lustig, weil es echt Nerven kostet, die vielen schlechten Witze und lästigen Verarschungsversuche meiner Mitmenschen zu ertragen, wenn mir dafür einfach komplett das Humorverständnis fehlt.

Wenn ich zum Beispiel in einem Gruppenchat eine klare Frage stelle, auf die ich eine klare Antwort mit einer bestimmten Information erhalten möchte, dann stellt es meine Geduld wirklich auf eine extrem harte Probe, wenn irgendwelche Scherzbolde dazwischenhupen. Dann geht meine – völlig unmissverständlich formulierte, einfach zu beantwortende – Frage unter den Frotzeleien unter.

Das führt dazu, dass ich meine Frage noch mal wiederholen muss, und ich hasse es, wenn ich mich wiederholen muss, obwohl es an meiner ursprünglichen Frage oder Aussage nicht viel misszuverstehen gab. Es sei denn natürlich, man greift sich ein Mini-Detail heraus und spitzfindet und haarspaltet was das Zeug hält, um witzig zu sein und den ganzen Laden aufzuhalten.

Nun will ich aber trotzdem nicht gemein sein, wenn jemand mich mit seinem Herumgewitzel nervt, und das stellt mich vor ein echtes moralisches Dilemma. Was ist denn bloß die sozial angemessene Reaktion auf Witze, die man überhaupt nicht lustig findet? Es ist ja nicht so, dass ich die Absicht witzig zu sein nicht bemerke. Das schon. Wenn jemand ironisch, sarkastisch oder spöttisch ist, aus Spaß irgendwas Dummes oder Selbstverständliches sagt, dann bin ich intellektuell durchaus in der Lage, es als „Witz“ zu identifizieren.

Aber genausowenig wie „gut gemeint“ das Gleiche wie „gut“ ist, ist „witzig gemeint“ immer das Gleiche wie „witzig“. Und manchen Leuten scheint das Feingefühl zu fehlen, um intuitiv zu spüren, wann ein Witz gerade angebracht ist, und wann er einfach nur allen anderen auf den Wecker fällt. Andere spüren das schon, sind aber von der Sorte „Lieber einen Freund verlieren, als eine Pointe zu verpassen und apropos, meinen Humor kann man bequem unter der Tür durchschieben. Höhöhö.“ und die sind nicht in der Lage, einfach mal die Fresse zu halten, wenn sich eine Gelegenheit bietet, sich mit einem blöden Spruch wichtig zu machen und vor allen aufzuplustern. Anstrengend.

Echt mal, das Leben an sich und zwischenmenschliche Kommunikation sind doch so schon kompliziert genug. Da muss man doch nicht noch mit unnützen Scherzen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, obwohl man zur Klärung des Sachverhalts überhaupt nichts Konstruktives beizutragen hat. Kann man nicht einfach nach dem Motto handeln: „Wenn du nichts Interessantes oder Sinnvolles zu sagen hast, dann sei still.“ Ist das wirklich so schwer? Man kann dann doch seine Energie und Spucke dafür aufbewahren, einen guten, lustigen Witz zu reißen, wenn es vom Kontext her passt.

Das Problem ist: Ich habe nicht nur keinerlei Sinn für Humor, ich lege auch noch großen Wert auf Höflichkeit, freundlichen Umgang miteinander und Harmonie. Ich will ja gern Toleranz für Anderswitzige aufbringen. Aber das kostet mich wirklich einiges an Selbstbeherrschung. Und das zehrt mit der Zeit an meinen inneren Energie- und Geduldreserven, die mir dann an anderer Stelle fehlen.

Allerdings muss man wohl damit leben, dass es immer wieder irgendeinen Kasper gibt, der allen unter die Nase reiben muss, was für einen riesengroßen Clown er gefrühstückt hat. Irgendeine sozial angemessene Reaktionsstrategie bräuchte ich also doch, die möglichst wenig nervlichen Aufwand kostet.

Ist es zum Beispiel OK, wenn ich die Frotzeleien einfach ignoriere und stur meine Frage wiederhole? Oder ist es sehr unhöflich, wenn ich den Scherzcharakter der lustig gemeinten Sprüche nicht mit Aufmerksamkeit würdige?

Oder darf ich mit Ehrlichkeit reagieren und die Witzbolde mit einem „Alter, wenn du nichts zu sagen hast, dann halt die Klappe und lass die Erwachsenen ihren Kram in Ruhe regeln!“ in ihre Schranken weisen? Das kann man doch eigentlich nicht machen, oder? Schließlich war das ja nicht böse gemeint und die wollen bloß spielen. Außerdem will ich halt auch nicht wie ein Arschloch dastehen.

Ich tendiere daher zu der Strategie, das Herumgewitzel zu ignorieren. Was ist eure Meinung dazu?

Essai 165: Über Humor, den ich nicht verstehe

25. September 2016

Mit dem Humor ist das wie mit dem Musikgeschmack: Jeder ist der Meinung, der eigene sei der einzig Wahre. Da bin ich keine Ausnahme, ich finde auch, dass mein Sinn für Humor Maßstab aller Lustigkeit ist und mein Musikgeschmack ganz klar nur gute Musik einschließt und alles, was ich nicht mag (Elektro, Free Jazz, Bäh!), ist keine richtige Musik, sondern nerviges Gedudel und unerträglicher Lärm. Da habe ich auch recht, bin ich der Meinung. Auf der anderen Seite gibt’s halt auch genug Leute, die Elektro und Free Jazz über alles lieben und finden, dass zum Beispiel Eurodance der absolute Tiefpunkt jeglichen Musikgeschmacks darstellt. Ich hingegen mag Eurodance sehr gern, weil es mich an meine Jugend erinnert und ich die Texte noch mitsingen kann (nicht, dass „Oooh lalala, I love you Baby“, „What is love? Baby don’t hurt me, don’t hurt me no more“ oder „Ooh, Aah, Just a little bit, Ooh, Aah, a little bit more …“ besonders schwer zu merken wären – Na, wer hat jetzt auch einen Ohrwurm?), aber ein Metalfan würde da jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen und sich wünschen, er wäre tot, nur um nie wieder so etwas Schreckliches zu hören.

Und das hat man beim Humor halt auch. Ich bin der Ansicht, dass das, was ich witzig und komisch finde, auch witzig und komisch ist, und alles, worüber ich nicht lachen kann, jeglichem Sinn für Humor zuwiderläuft. Das ist zwar völliger Quatsch, denn Geschmäcker sind nichts weiter als Meinungen, und die können – im Gegensatz zu Fakten – verschieden und trotzdem gleichermaßen richtig und gültig sein. Aber ich habe finde ich trotzdem recht 😛

Allerdings spricht dagegen, dass sich mein Sinn für Humor im Laufe meines Lebens gewandelt hat. Früher als Kind und Teenie konnte ich mich über Pupswitze kaputtlachen, heutzutage rolle ich mit den Augen und denke „Pff, wie vulgär!“ Als Kind fand ich es auch unfassbar komisch, Telefonstreiche oder Klingelstreiche zu machen, nun finde ich das kindisch und albern. Ich frage mich, ob mein junges Ich und mein erwachsenes Ich viel miteinander zu lachen hätten …

Auf jeden Fall stelle ich fest, dass meine Toleranz für meiner Meinung nach dummen Sinn für Humor gaaanz tief gesunken ist. Zum Beispiel, wenn Leute in meinem Alter eine Wasserpistole in die Hände bekommen, und es unglaublich amüsant finden, andere Menschen damit nasszuspritzen, da könnte ich immer ausrasten. Warum können sie sich nicht gegenseitig nassspritzen und mich in Ruhe lassen? Dann treffen Leute mit demselben Idiotenhumor aufeinander und können sich einen Keks freuen und ich bleibe gemütlich trocken und kann in Ruhe mein Buch weiterlesen oder meine Umgebung friedlich beobachten.

Es ist aber offenkundig so, dass manche Leute es einfach sehr sehr witzig finden, andere zur Weißglut zu treiben. Daher ergibt es für sie dann humortechnisch keinen Sinn, Leute nasszuspritzen oder anderweitig grundlos auf die Nerven zu gehen, die das ebenso komisch finden wie sie. Der Spaß scheint für sie darin zu liegen, dass der andere sich aufregt. Und ganz ehrlich: Ich. Verstehe. Das. NICHT!!!

Ich kann etwa auch nicht begreifen, warum manche Leute dauernd Streit suchen und mich oder andere friedliebende Zeitgenossen aus dem Nichts heraus provozieren und an ihren Achillesfersen herumpieken und so lange sticheln und ärgern, bis dem anderen irgendwann der Kragen platzt und er ausfallend wird oder laut oder beides, obwohl das normalerweise überhaupt nicht seine Art ist, und der arme Tropf (also ich) nach jedem Wutanfall Ewigkeiten braucht, um sich wieder einzukriegen. Was soll denn das? Warum kann man Menschen, die einem nichts getan haben und die einem überhaupt nichts Böses wollen, nicht einfach in Ruhe sein lassen, wie sie sind?

Das würde mich wirklich mal interessieren, was die Motivation hinter einem solchen aggressiven, unhöflichen und gemeinen Verhalten ist. Wenn man Leute angreift und nervt, die irgendwie scheiße sind oder extrem dumme Ansichten vertreten und zum Beispiel die AfD gut finden oder so – das kann ich nachvollziehen, da juckt es mich auch, eine Diskussion vom Zaun zu brechen, und manchmal kann ich da nicht an mich halten. Aber wenn Menschen mir nichts getan haben und zwar anderer Meinung sind als ich, aber keinen haarsträubend blöden Standpunkt haben, sondern die Dinge einfach aus einer anderen Perspektive heraus betrachten als ich, vielleicht sogar aus ihrer Sicht nachvollziehbare Argumente für ihre Meinung haben, dann kann ich das doch auch einfach mal akzeptieren? Wieso muss ich die denn dann noch triezen?

Vielleicht kann mir das ja mal jemand erklären? Ich kann es nämlich nicht leiden, wenn ich Sachen nicht verstehe …

Essai 92: Über den Umgang mit Gerüchten

10. September 2012

Im Moment sorgt eine junge Dame für ordentlich Wirbel, weil sie sich gegen unerhörte Gerüchte zur Wehr setzt, die zum Inhalt haben, sie habe früher einmal als Escort-Fräulein beziehungsweise Prostituierte gearbeitet. Diese junge Dame – nennen wir sie Bätina W. (Name von mir geändert, ich will nicht auch noch verklagt werden) – verklagt nun also Google und Günther Jauch, wegen böswilliger Förderung besagter Gerüchte. Google wird wegen dieser Auto-Vervollständigung verklagt. Tatsächlich – ich hab das eben spaßeshalber mal ausprobiert – wenn man auch nur die ersten zwei Anfangsbuchstaben des Vornamens in Google eingibt, erscheint das Wort „Prostituierte“ gleich an erster Stelle. Und Günther Jauch hat offenbar irgendwann einmal aus einem großen deutschen Boulevard-Blatt vorgelesen, das darüber geschrieben hatte, dass jemand anders behauptet habe, dass er vom Nachbarn seines Schwagers gehört hätte, dessen Cousin habe mal eine Bekannte im Supermarkt getroffen, die sich ganz sicher sei, dass der Arbeitskollege ihres Postboten jemanden kenne, der jemanden kenne, der besagte junge Dame einmal von Weitem an der Bushaltestelle gesehen habe, wie sie höchst promiskuitiv zu ihm herübergeschaut habe. Jetzt hat er eine Unterlassungsklage am Hals, das kommt davon.

Ich bin schon gespannt, wie die Klagen verlaufen. Wenn ich mich nicht irre, ist Günther Jauch auch schon zurückgerudert und hat versichert, nie wieder darüber zu reden, dass irgendwelche Leute behaupten, dass besagtes junges Fräulein einst in einem Escort-Service oder als Bordsteinschwalbe tätig gewesen sein soll. Google weist – meiner Meinung nach völlig zu Recht – darauf hin, dass es nichts dafür könne, was die User alles Lustiges in ihre Suchmaschine tippen. Das läuft ja alles automatisch ab.

Nun ist für mich die Frage, ob dieser Umgang mit Gerüchten, den diese junge Dame pflegt, so übermäßig schlau ist. Meine Wenigkeit beispielsweise wäre nie auf die Idee gekommen, sie mit Prostitution in Verbindung zu bringen, wenn sie jetzt nicht herumliefe, und alles verklagte, was nicht bei „Drei“ auf den Bäumen ist. Warum nicht? Weil es mir vollkommen egal ist. Das ist ihre Privatsache und wenn sie in ihrer Jugend mal irgend etwas gemacht hat, was ihr heute peinlich ist, dann ist das sowas von überhaupt nicht mein Problem. Und ich bin mir sicher, dass der Großteil der Weltbevölkerung meine Ansicht teilt – sofern man außerhalb des deutschsprachigen Raums überhaupt weiß, wer die junge Dame ist. Und selbst wenn an den Gerüchten etwas dran sein sollte – was mir, wie gesagt, völlig schnurz ist – dann ist es doch überhaupt nicht schlimm. Sie hat ja niemandem damit geschadet. Im Gegenteil. Außerdem ist das Vergangenheit und wir haben jetzt Gegenwart. Ich bin mir nicht sicher, ob in der Presse so ein Bohei um die Sache gemacht würde, wenn das Fräulein W. einfach auf die Gerüchte pfeifen und ihr Leben fröhlich weiterleben würde mit ihrem grundehrlichen Göttergatten.

Das ist doch die Gelegenheit, zur Abwechslung mal ein paar Sympathiepunkte einzuheimsen. Angenommen, sie würde sich – anstatt alle Welt zu verklagen – einfach hinstellen, eine kleine Pressekonferenz geben oder im Netz ein Statement abgeben und dann triefend vor Ironie und mit dem Schalk im Nacken sagen: „Diese Gerüchte sind unwahr. Der Codename war nicht ‚Viktoria‘ sondern ‚Veronika‘ als ich im Escort-Service gearbeitet habe. Da sollte jemand mal seine Quellen verifizieren.“ Oder – anstatt eine strunzlangweilige Autobiografie zu verfassen – ein Buch über ihre fiktive Vergangenheit als Prostituierte zu schreiben und dabei schön zu übertreiben und in den buntesten Farben irgendwelche Erlebnisse mit Freiern Kunden zu erfinden und dabei das Ganze so ins Lächerliche zu ziehen, dass es gar nicht stimmen kann. Dann käme es nämlich so bei der Öffentlichkeit an, dass die junge Dame Sinn für Humor hat und souverän, selbstbewusst und frech genug ist, mit offensichtlich schwachsinnigen Gerüchten und pubertärem Getratsche angemessen umzugehen. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Oder – um mich der besten Band der Welt, Die Ärzte, anzuschließen – Lasse red’n!


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