Essai 46: Über die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert

In Zeiten, in denen Mario Barth mit seinem „Humor“ der erfolgreichste „Komiker“ – ich fürchte sogar – der Welt ist und wo „Ratgeber“ über warum Männer nicht zuhören, vom Mars kommen und supertoll Auto fahren können und warum Frauen nicht einparken können, von der Venus kommen und viel zu viel nachdenken *Luft hol* In diesen Zeiten also, wo so ein genderdefinierender Unsinn verbraten wird, ist es denke ich eine legitime Frage, was Männer und Frauen nun eigentlich auszeichnet. Gibt es da überhaupt Unterschiede oder ist das alles nur wieder ein Teil unserer illusionären Identitätskonstrukte, die wir uns so zurechtschustern, weil man ja sonst nichts mehr hat an das man noch glauben kann? Zumindest hier in Europa ist man ja bei den meisten Glaubensfragen doch recht aufgeklärt, also überwiegend jetzt und an den schnöden Mammon kann man ja nun auch nicht mehr so wirklich glauben, nachdem die ganzen großen Bankfuzzis da so rumgemurkst haben. Hm, was gibt es da denn sonst noch? Wie wäre es mit Liebe, Frieden, Freude, Eierkuchen? Neee, da wäre man ja glücklich und zufrieden und hätte nichts mehr zu meckern und dann? Ja, was bleibt einem denn da anderes, an das man sich halten kann, als daran, dass Männer und Frauen fundamental anders sind und dass es deswegen auch völlig legitim ist, dass Frauen IMMERNOCH weniger Geld für die gleiche Arbeit kriegen und es IMMERNOCH überwiegend die Frauen sind, die sich um den Nachwuchs kümmern müssen und um die außerfinanzielle Versorgung der Familie, während Papa seinen Spaß bei der Arbeit haben darf.

Und das finde ich gemein, vielleicht will ich ja auch arbeiten und vielleicht habe ich auch absolut nichts dagegen, das gleiche Gehalt zu bekommen wie ein Mann? Vielleicht finde ich ja auch, dass Frauen nach der Geburt Unterstützung bei der Aufzucht ihrer Sprößlinge bekommen sollten, anstatt sie 9 Monate mit sich herumzuschleppen, sie unter qualvollsten Schmerzen auf die Welt zu befördern und anschließend trotzdem wieder zum großen Teil alleine da zu stehen.

Aber was passiert? Es sind die Männer, die jammern. Die Emanzipation hätte sie entmannt, sie wüssten gar nicht mehr was einen Mann eigentlich ausmacht (das hat sich ja bereits Grönemeyer in den 80ern gefragt), geraten in Identitätskrisen und so weiter und so fort. Ja, warum erwarten eigentlich alle, dass es für uns Frauen so viel einfacher sein soll? Von uns wird viel mehr erwartet: Wir sollen arbeiten und Karriere machen und trotzdem noch treusorgende Mutter sein und Deutschland vor dem Aussterben bewahren und was ist das eigentlich mit diesen fortpflanzungsunwilligen Akademikerinnen? Und bei alldem, Arbeit, Karriere, Kind und Kochen sollen wir trotzdem noch immer jung und sexy und frisch aussehen und wilde Liebhaberinnen sein, die immer und überall Lust haben. Hallo??? Da ist doch ein eklatanter Denkfehler in der Kombinationsgabe der Allgemeinheit zugange. Und um gleich mal wieder mit einem bescheuerten Mythos aufzuräumen: Nein, Frauen sind nicht multitaskingfähig. Niemand ist multitaskingfähig. Das ist Blödsinn! Sicher, einige können stricken und dabei fernsehen (ich nicht, ich kann nicht stricken) und andere können – oh Wunder – kochen und dabei Musik hören. Aber das ist doch kein Multitasking. Kein Mensch kann zum Beispiel gleichzeitig arbeiten und Geld verdienen und sich zu Hause um Haushalt und Kinder kümmern. Das geht nicht zur selben Zeit, das muss man aufteilen und nacheinander machen oder sich für eins davon entscheiden. Warum erwartet man denn, dass Frauen sich automatisch für den Haushalt entscheiden? Wir saugen genauso ungerne Staub, putzen das Bad, spülen Geschirr, räumen auf etc. Meine persönliche Meinung ist, man sollte das aufteilen, dass sowohl die Männer als auch die Frauen sich sowohl in ihrer Arbeit verwirklichen können und die Familie finanziell ernähren, als auch die ätzenden Aufgaben im Haushalt, die getan werden müssen, aufteilen, als auch sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Sprösslinge kümmern. Das ist meiner Ansicht nach das, was die Emanzipation der Frau uns eigentlich hätte bringen sollen: Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung.

Was passiert stattdessen? Eine neue Spießigkeit greift um sich, junge Frauen sabotieren die Errungenschaften der Emanzipationsbewegung indem sie freimütig verkünden, sie fänden es total supi, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, während Männe arbeiten geht. Das ist ja auch schön und ihr gutes Recht, solange sie den Frauen, für die Aufopferung ihrem Mann gegenüber nicht die totale Erfüllung ist, nicht mit einer Arroganz entgegentreten, als wären „die Anderen“ Rabenmütter. Genauso finde ich es allerdings verwerflich, wenn die Karrierefrauen stolz verkünden, sie könnten nicht kochen und sich dann für was Besseres halten als die Hausmütterchen (die ja jetzt euphemistisch „Haushaltende“ geschimpft werden, wenigstens in der Sprache scheint die Emanzipation ja gefruchtet zu haben).

Also, wann ist eine Frau eine Frau? Frauen haben’s schwer, nehmen’s leicht… (um Grönemeyer nochmals in abgeänderter Form zu zitieren) Und wann ist ein Mann ein Mann? Vielleicht ist das auch einfach alles scheißegal und vielleicht sollten wir einfach mal Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen walten lassen und uns gegenseitig unterstützen wo wir nur können, anstatt unsere Zeit damit zu vergeuden uns über eventuelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen den Kopf zu zerbrechen. Männer sind nicht vom Mars und Frauen nicht von der Venus – wir sind alle von der Erde und sollten den Boden der Tatsachen beackern, anstatt an zeitraubenden ideellen Identitätsluftschlössern zu feilen.

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8 Antworten to “Essai 46: Über die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert”

  1. Stephi Says:

    Oje da hast du ja was losgetreten. Ich könnte ja auch stundenlang über dieses Thema reden.
    Witzigerweise finde ich sind Frauen in ihrem Mut zur Selbstverwirklichung um einiges weiter (mittlerweile) als die Männer. Wir können Röcke tragen aber auch Hosen. Männer können (gesellschaftlich gesehen) keine Röcke tragen (Die Schotten mal ausgenommen). Mit make up ist es das selbe. Wie wurde David Beckam kritisiert weil er Nagellack trägt… da wurde sogar eigens der Begriff „“ eingeführt… Wir kennen uns mit PCs aus, aber wie sieht das aus wenn Männer Haushaltstipps geben oder sich mit Mode gut auskennt?
    Aber das ist nur das was wir Frauen für uns selbst erreicht haben. Das ist leider nichts was uns mehr Geld einbringt. Eine zum himmelschreiende Ungrechtigkeit! Noch immer!

    Dann gibt es aber leider auch Gegenbeispiele. Endschuldigung aber warum müssen Frauen bei der Bundeswehr nicht die gleichen Pflichten erfüllen wie Männer? Weil sie von Natur aus nicht so kräftig sind wie Männer? Ich finde das ist keine Entschuldigung. Dann müssen sie wohl härter arbeiten, dann ist das leider so. Wenn man gleichberechtigt behandelt werden möchte, dann aber auch wirklich GLEICHberechtigt. Tja wir haben nun mal das Pech/Glück Kinder auf die Welt zu bringen und jeder Arbeitgeber weiß das und muss damit rechnen das eine Frau dann für einige Zeit ausfällt. Das kostet Geld. Würde man dann nicht eher einem Mann den Vorzug geben der dieses Problem nicht hat? Ich kann diesen Gedankengang verstehen, auch wenn ich es scheiße finde. Unsere Gesellschaft ist nicht darauf ausgerichtiet fair zu sein…

    Ich finde die emanzipation des Mannes würde helfen. Jendfalls wenn sie, wie bei uns, in die Richtung ginge: ich möchte nicht diesen Männerkonzeptionen folgen müssen. ich will mich auch entscheiden können ob ich arbeite oder Zuhause bleibe (ohne das ich meinen Job verliere und bitte auch mit Unterstützung), mich für Mode interessiere (ohne für homesexuell gehalten zu werden), ich auch mal weinen kann (ohne dabei meine „Männlichkeit“ zu verlieren).
    Also liebe Männer, was haltet ihr denn davon euch mal zu emanzieperen und euch nicht einfach in den Rollen zu ergeben die euch aufgedrückt werden….
    Dann wäre da vielleicht auch etwas mehr Verständnis für unsere Situation gegeben…
    Ach ja, zum Schluss noch kurz:
    Wir sind nicht gleich! Das sollte man nicht vergessen, aber wir sollten alle die selben Rechte haben!!!

    Ps.: toller Essai

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  2. Stephi Says:

    Ach das Wort welches ich vergessen hatte lautet Metrosexuell… 🙂

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