Essai 79: Über kommunikationsbedingte Schwierigkeiten im Balzverhalten und misslingende Flirtstrategien

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen, das wusste schon Loriot. Sie sprechen zwar dieselbe Sprache, aber nicht die gleiche. Eine grammatikalische Spitzfindigkeit, so mag es auf den ersten Blick scheinen, die aber nichtsdestoweniger schwerwiegende Folgen für das Gelingen oder Scheitern von Balzverhalten und Flirtstrategien mit sich bringt.

Normalerweise halte ich ja nichts von diesem ewigen ‚typisch Frau – typisch Mann‘-Gedöns, aber irgendwie stoße ich mit dieser Haltung dann doch immer wieder an meine Argumentationsgrenzen. Manche Dinge scheinen doch überwiegend ‚typisch Frau‘ andere wiederum ‚typisch Mann‘ zu sein. Das passt mir nicht in den Kram, aber bietet immerhin viel Diskussionsstoff, also passt mir das doch in den Kram.

Meiner Meinung nach ließe sich ein erheblicher Teil von Liebesleid und Herzschmerz vermeiden, wenn Frauen lernen würden, die ‚Männersprache‘ zu verstehen und umgekehrt die Männer die ‚Frauensprache‘. Natürlich gibt es auch da immer wieder Ausnahmen, aber der Regelfall ist meiner Erfahrung nach doch der, dass das Männchen in eindeutiger Balzabsicht auf das Weibchen zumarschiert, es nach einigem – aus seiner Sicht – lästigen Vorgeplänkel mit einem – seiner Meinung nach – ausgeklügelten Flirtangebot überrumpelt und das Weibchen vollkommen überrascht in ein Herumgeeiere verfällt, welches das Männchen völlig verunsichert zurücklässt. Hinterher jammert das Männchen, es klappe doch nie mit diesen Frauen, nie könnten die mal eine eindeutige Antwort geben und eine klare Ansage machen und diese Weiber seien doch alle gleich. Das Weibchen indes, von dem Schock noch nicht ganz erholt, beklagt sich darüber, was das denn solle, diese Männer immer, warum müssten die einen so plump überrollen, man habe doch überhaupt nichts getan, jedenfalls nicht bewusst, was hätte als Interessensbekundung ausgelegt werden können, man habe doch nur freundlich gegrüßt und überhaupt kenne man sich doch nur vom Sehen, was denkt der eigentlich, man müsse sich doch erstmal nett unterhalten und sich kennenlernen anstatt gleich mit der ganzen Tür ins Haus zu fallen, oder habe man etwa doch etwas kommuniziert, was der falsch verstanden hat und Oh nein! jetzt habe man diesem armen Menschen falsche Hoffnungen gemacht, wie komme man aus dieser unangenehmen Situation nur bloß wieder heraus, am besten, man gehe ihm aus dem Weg und hoffe, man laufe sich nicht zufällig doch über selbigen und Ohgottogott! was, wenn man ihm doch mal zufällig begegne, was solle man da bloß tun…

Allein an der Länge beider Gedankenströme lässt sich schon eine bemerkenswerte Tendenz ausmachen: Frauen grübeln und denken viel mehr nach als Männer, neigen zu Schuldgefühlen und Gewissensbissen, suchen die Schuld grundsätzlich erst einmal bei sich selbst und haben Mitleid mit dem armen Kerl, dem sie gerade eine so dumme, uneindeutige Abfuhr erteilt haben. Männer machen es sich leicht, da sind einfach alle Frauen Schlampen (außer Mutti), das wird dann von den männlichen Leidensgenossen abgenickt und damit ist der Fall erledigt.

Dieses Balzverhalten KANN nicht funktionieren.

Das Folgende richtet sich vornehmlich an die Jungs, tut mir leid, aber die Mädels haben schon genug von mir abbekommen in meinem Essai über nicht komische Frauen, jetzt  seid ihr halt auch mal dran. Muahahaha. Also. Hört um Himmels willen endlich einmal auf, ständig den Frauen die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, dass eure Flirtstrategien für’n Arsch sind! Ernsthaft, was soll denn das, ihr könnt doch nicht erwarten, dass das Objekt eurer Begierde euch sofort um den Hals fällt, nur weil ihr mit den Fingern schnipst. Und nein, zwei-drei Sätze Vorgeplänkel reichen in der Regel nicht aus, um sich kennen zu lernen. Und ja, das muss sein, dass man sich erst einmal kennen lernt, bevor frau weitergehende Schritte in Erwägung zieht. Ich rede jetzt davon, dass man(n) tatsächlich an der Dame interessiert ist und nicht bloß irgendwen für’s Bett sucht. Ist letzteres der Fall, sollte man(n) am besten sorgfältig die Lage peilen und nach Gleichgesinnten Ausschau halten. Ist der Mann aber wirklich gewillt, auch außerhalb dessen Kontakt mit dem Zielobjekt zu halten, sollte er dieses Interesse auch dadurch kund tun, dass er sich für die Frau tatsächlich interessiert.

Hö?

Das ist die typische Reaktion, wenn ich versuche, dies einem Mann klar zu machen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was es daran nicht zu verstehen gibt, aber da ich heute in großmütiger Stimmung bin, werde ich mal versuchen, dieses Geheimnis zu lüften. Wenn eine Frau anfängt, etwas zu erzählen und der Mann geht überhaupt nicht darauf ein, wartet nur notdürftig, bis sie einigermaßen fertig ist, um ganz kurz etwas von sich zu erzählen, dabei den Eindruck zu erwecken, seine Sichtweise sei die einzig Richtige, um dann aus völlig heiterem Himmel mit der Frage herauszuplatzen, ob die Dame möglicherweise geneigt sei, mit ihm zu dinieren, dann ist das ganz falsch. Das, was bei der Frau ankommt ist nämlich folgendes: „Ja, ja, Blablabla, du mich auch, ach à propos, Bock auf Sex?“ Dass die Frau in einer normalen Alltagssituation darauf mit nicht zu bändigendem Enthusiasmus reagiert ist sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist die oben bereits erwähnte Reaktion. Das weibliche Herumeiern: „Äääääääääääääääääääääääh, Öööööööööööööööhm, Na jaaaaaaaaa, weiß niiiiiiich, neeee, irgendwie nich soooooooooo, also, du bist ja ganz nett und alles, aber mehr auch nicht, also, als Freund vielleicht, aber du bist einfach nicht so mein Typ….“

Wenn ein Mann aber erst einmal völlig ohne Hintergedanken sich ernsthaft mit der Frau unterhält, sich wirklich für das interessiert, was sie erzählt, dann läuft das Gespräch von ganz alleine und dann kann er ja ganz beiläufig fallen lassen, wenn man sich schon eine Weile angeregt unterhalten hat, ob man das Gespräch nicht bei einem Kaffee fortführen wolle, oder so etwas in der Richtung. Schön subtil, höflich, unaufdringlich. Das ist keine Garantie für Erfolg, aber die Wahrscheinlichkeit, eine eindeutige, aber freundliche Antwort („Würde ich gern, aber ich habe einen Freund“, „Würde ich gern, aber ich muss zum Seminar/zur Arbeit/etc.“, „Ja.“, …) ist doch um einiges höher, als in Version 1.

Wichtig ist auch, dass die Männer dieses Herumgeeiere den Frauen nicht allzu übel nehmen. Ich weiß, das ist echt doof von uns, keine klaren Antworten zu geben. Obzwar ich finde, dass Herumgeeiere eigentlich schon ein eindeutiges ‚Nein!‘ ist, das sich nur noch überlegen muss, wie es sich möglichst wenig verletzend seinen Weg nach draußen bahnt. Und das ist der Punkt. Frauen eiern nicht herum, um die Männer zu ärgern, sie eiern herum, weil sie sie gerade nicht ärgern wollen, aber wissen, dass der arme Kerl gerade seinen ganzen Mut aufgebracht hat, um sie anzusprechen und zu fragen und jetzt muss man diesem bedauernswerten Tropf einen Korb geben, will aber auch nicht gemein sein. Frauen wurde und wird seit Anbeginn der Menschheit eingebläut, sie müssten immer hübsch freundlich und höflich sein, immer nett lächeln und winken. Das heißt, wenn eine Frau nett lächelt und winkt, dann heißt das in erster Linie gar nichts. Männer denken dann immer gleich, das wäre eine Flirteinladung, aber nein, es ist einfach nur nett und höflich gemeint. Und wenn eine Frau sich eine Haarsträhne hinter das Ohr klemmt, heißt das in erster Linie nur, dass diese Haarsträhne sie vor dem Ohr genervt hat, das ist kein Geheimcode für „Ich will mit dir schlafen. Jetzt. Sofort.“ Das wäre wirklich mal ein Fortschritt, wenn Männer das endlich mal kapieren könnten! Alles, was nicht „Ja“ ist, ist ein „Nein“. Und Körpersprache muss man immer im Gesamtkontext betrachten, die Persönlichkeit der Zielperson und die gegenwärtige Situation mitberücksichtigen. Das ist nun mal immer ein Risiko, wenn man versucht mit jemandem ins Gespräch zu kommen, man kann sich nicht im Vorhinein dadurch absichern, dass man die Frau beobachtet und sobald sie ihr Haar geschüttelt hat auf sie losstürmt und sie mit seiner Paarungsbereitschaft überrumpelt.
Also, noch mal konkret: „Äääääähm… Na jaaaaaa…. Öööööhm“ heißt „Nein“. „Ich hab gerade keine Zeit“ heißt „Nein“. „Nein“ heißt „Nein“. „Danke, aber ich will / muss jetzt irgendwas anderes tun / irgendwo hin“ heißt „Nein“. „Du, das passt mir gerade nicht“ heißt „Nein“. „Ja“ heißt „Ja“. Eigentlich sind das doch ganz klare Ansagen, oder?

Abschließend doch noch ein kleiner Arschtritt für meine Geschlechtsgenossinnen: Sprecht doch auch mal die Männer an. Die meisten Männer freuen sich und wenn nicht, dann sind sie rückständige Troglodyten und dann ist man ohne sie sowieso besser dran. Hört auf, euch hinter längst überholten Balztraditionen zu verstecken und immer nur zu verlangen, der Mann müsse den ersten Schritt machen und wenn er es dann tut, eiert ihr wieder rum. Das lässt sich ganz einfach vermeiden, indem ihr auch mal die Initiative ergreift.

So.

Und nun packe ich meine kleinen Cupido-Flügelchen wieder in die Schublade, räume Köcher und Pfeile ordnungsgemäß weg und gucke How I met your mother.

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8 Antworten to “Essai 79: Über kommunikationsbedingte Schwierigkeiten im Balzverhalten und misslingende Flirtstrategien”

  1. Essai 84: Über nervige Single-Männer und das, was Frauen wirklich wollen « Isa09's Weblog Says:

    […] noch ein Flirtratgeber. Ich muss mich im Vorfeld entschuldigen, möglicherweise wird das für die Männer nicht nur […]

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  2. Essai 100: Über Sexismus, Dirndl und sexuelle Belästigung « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] (jedenfalls nicht absichtlich), ist das dann einfach Pech oder schon Belästigung? Schließlich ist das ja auch ganz schön knifflig für Männer, Frauen anzusprechen. Da viele Frauen nach wie vor der Ansicht sind, es läge beim Mann, den ersten Schritt zu wagen und […]

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  3. Zara Says:

    Wenn mich jemand, mit dem ich mich small-talkmäßig oder auch über wissenschaftlichere Themen gut unterhalten habe, fragt ob ich Lust auf ein Kaffeetrinken hätte, würde ich das gar nicht als Date-Anfrage wahrnehmen. Ich denke dabei eben, dass es um eine Fortsetzung des Gespräches geht – also bekanntschaftsmäßig, im Laufe der Zeit evtl. Richtung Freundschaft.

    Da habe ich eher noch zusätzlich die Schwierigkeit sowohl bei Frauen als auch Männern, dass mich meistens nicht die Person des anderen interessiert, sondern das Gesprächsthema; an einem irgendiwe geartetem Kennenlernen des anderen besteht regelmäßig kein Interesse bei mir; Ausnahmen gibt es aber, das werden meistens gute bekannte oder gar Freunde.

    Ich präferiere es deshalb eindeutig, wenn der andere mich direkt fragt, ob ich Lust auf ein Date hätte. Dann kann ich nämlich annehmen oder aber einfach sagen: Danke für die Einladung, aber ich habe kein Interesse.“

    Warum seinen Freund vorschieben muss oder sonstwie rumeiert, verstehe ich nicht. Und für die Enttäuschung des anderen bin ich nicht zuständig, verantwortlich. So gesehen ist es mMn weniger schmerzhaft, deutlich sein Nichtinteresse zu äußern, als sich in Subtilitäten zu verlieren, die den anderen ratlos zurücklassen und Deutungsspielraum geben.

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    • Isabelle Dupuis Says:

      Das stimmt, da gebe ich dir vollkommen recht. Es ist viel fairer, eine klare Antwort zu geben als herumzueiern. Allerdings finde ich das sehr schwierig bis unmöglich, eine klare Antwort auf eine unklar gestellte Frage zu geben. Man wird ja meistens nicht gefragt, ob man Lust auf ein Date habe, sondern eben, ob man was zusammen trinken, essen oder ins Kino gehen will. Wenn man sich schon vorher nett unterhalten hat, würde ich das dann vielleicht auch erst mal freundschaftlich verstehen. Wenn man sich vorher noch nie unterhalten hat, oder nur kurz und holprig, dann fühlt man sich doch schon sehr überrumpelt, wenn plötzlich wie aus dem Nichts eine solche Frage kommt. Da geht dann das Rumgeeiere (bei mir) los, weil ich – während ich eine klare Antwort geben möchte – nicht weiß, wie ich das einordnen soll und meine Gedanken wild durcheinander fliegen. „Wie hat er das gemeint, ist das ein Date, war das einfach nur nett gemeint, aber wir sind doch gar nicht auf einer Wellenlänge, wieso will der überhaupt was von mir oder ist der einfach nur notgeil …“. Wenn man sich gar nicht oder holprig unterhalten hat und es kommt die Frage: „Bock auf’n Date?“ kann ich jedoch ganz klar antworten: „Hahahaha! Nee.“ Es gehören halt immer zwei dazu 🙂

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  4. Zara Says:

    Ok, so kann ich dass dann doch verstehen, wie es zu der unklaren Antwort kommt. Danke für die Erklärung. Dann ist aber mMn der andere dafür verantwortlich, sein Interesse deutlich zu formulieren/zu zeigen und darf nicht einfach davon ausgehen, dass ich das schon erraten werde/erraten habe.

    Unklare Frage -> unklare Antwort. Fragesteller muss dann eben deutlicher nachfragen bzw. erklären, wie er das gemeint hat und darf hinterher nicht überrascht sein, wenn der Antwortende das anders verstanden hat. Eigenes Risiko des Fragestellers, so sehe ich das.

    Ich kenne es aber auch, dass ich es dann unangenehm und überraschend finde, wenn der andere beim Treffen dann plötzlich diese „zufälligen Berührungen“ an Arm, Hand oder so startet. Kann das gar nicht leiden und habe körpersprachlich definitiv kein (konkludentes) Einverständnis dazu gegeben. Ich sehe es nicht als sex. Belästigung, das wäre auch hysterisch, aber es hinterlässt einen unangnehemen Nachhall zu der Person. Hatte ich aber erst einmal, sonst bin ich mit Freundschaften/Bekanntschaften zu beiden Geschlechtern & meiner Art immer gut gefahren. Es ist auch nicht so, dass ich generell naiv wäre diesbzgl., aber wenn dann bin ich misstrauisch, sobald meine Intuition + Beobachtung mir „mitteilt“, dass etwas an dem Verhalten & dem Inhalt des anderen nicht stimmig ist. Richtung Flirtinteresse des anderen denke ich dabei aber nicht; eher überlege ich, ob mir der andere gefährlich werden könnte oder was er sonst im Schilde führen mag. Mein Vertrauen in ihn fördert es absolut nicht, wenn er mich unter einem Vorwand anspricht.

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  5. Soli Says:

    Grundsätzlich finde ich deinen Beitrag höchst interessant und wesentlich (geistig) fortschrittlicher als die meisten übrigen Interpretationsversuche hinsichtlich des menschlichen Balzverhaltens, aber trotzdem mal eine ganz andere Perspektive:

    Egal welches Land wir nehmen, man merkt bei sämtlichen Singlebörsen die gleiche Tendenz: Auf eine 20jährige kommen drei 20jährige Interessenten. Diese Kurve flacht jedoch ab, bei ca. 40 Lebensjahr begegnen sich die Geschlechter auf gleicher Augenhöhe und schlussendlich beim 55 Lebensjahr ist die Tendenz genau umgekehrt: Auf einen Mann kommen drei Frauen. Woran das liegt? Recht simpel – ein 55jähriger kann problemlos in Gewässern eines 20jährigen fischen, weshalb 20jährige nunmal ein „knappes Gut“ sind. Jaja, ich weiß: Die Welt ist so ungerecht und böse und Männer sind sowieso nur notgeile Schweine und nur „geildgeile“ Frauen schlafen mit wesentlich älteren Männern, blahblahblah…

    Meine Meinung: Es steht jedem Menschen völlig frei, nach welchen Kriterien er sich seinen Partner aussucht. Wenn eine Frau die Meinung vertritt, dass es am wichtigsten ist, dass der Mann viel Geld hat, dann ist dies eben ihr Auswahlverfahren und es verwundert mich immer weider aufs Neue, dass es sowohl Männer wie auch Frauen gibt, die sich anmassen, solche Frauen als „Flittchen“ zu bezeichnen. Ganz abgesehen davon, dass solche Frauen nichts geschenkt bekommen, sondern ihr erotisches Kapital gegen Geld eintauschen (ansonsten könnten sie einen jüngeren und fescheren Typen erhalten), bin ich ein großer Anhänger des Begriffs der Freiheit nach Dostojewski – ihre Freiheit, ihre Verantwortung. Sollte ihre Auswahl tatsächlich falsch sein, wird sie es ohnehin – früher oder später – zu spüren bekommen. Weshalb man über sie urteilt, ist mir persönlich rätselhaft. Was ich aber eigentlich sagen möchte: In jungen Jahren sind die meisten Frauen in wesentlich besserer Verhandlungsposition als die meisten Männer, weshalb sie sich bequem zurücklehen und es als die Aufgabe des Mannes betrachten können und dürfen, dass er sie „richtig“ anspricht. Daweil ist der Gedankenfehler der meisten Frauen offenkundig: Es gibt nicht „die“ Frau, sondern nur Individuuen.

    Du glaubst es mir nicht? Ein kleines Beispiel: Wenn ich mir als Mann etwas in meinem Balzverhalten am meisten anhören musste, dann war es der Umstand, dass ich nicht beharrlich genug war. Es ist wirklich blöd für einen Mann, der ein „Nein“ einer Frau als „Nein“ auffasst und sich nacher anhören muss, dass dies in Wahrheit ein Test meiner „Standhaftigkeit“ war. Heute verstehe ich die meisten Frauen wesentlich besser und habe für mich die – bis dato – beste Erklärung gefunden: Keine Frau möchte belästigt werden, aber es zeugt nunmal von Mumm und Coolness, wenn man trotz einer Ablehnung noch immer da steht und weiterhin lässig die Frau anbaggert. Auch wenn dies die meisten Frau als rückständiges Denken betrachten: Als Mann „nett“ zu sein, reicht nicht – ein gewisses Alphadog-Gehabe muss ebenfalls vorhanden sein, sonst blitzt man einfach ab. „Die Chemie stimmt einfach nicht“. Jaja, diese Chemie… 🙂

    Es mag für dich unverständlich sein, warum die meisten Männer ein „Nein“ nicht als „Nein“ wahrnehmen, sondern dir weiterhin unbekümmert auf die Eierstöcke gehen, aber es gibt noch eine zweite Seite der Medaille, warum ich keinem Mann empfehlen würde, einfach so aufzugeben. Nur damit wir uns nicht missverstehen: Ich würde den meisten Männern noch einen weiteren Tipp auf den Weg mitgeben: Das coolste Alphadog-Gehabe nutzt wenig, wenn der Mann die Mindesterfordernisse der Angebeteten nicht erfüllt (sei es Aussehen oder Sozial-Wirtschaftliche-Kompetenz). Als ein Hartz-IV-Empfänger kann man noch so cool sein, im Regelfall wird man die Frau nicht beeindrucken, was nicht bedeutet, dass Frauen „geldgeil“ sind (völliger Schwachsinn). Die meisten Männer glauben leider, dass „Hartnäckigkeit“ per se zum Erfolg führt, was ein Humbug ist – auch wenn es schmerzt, sollte jeder (ob Mann oder Frau) in den Spiegel gucken und seinen Marktwert bestimmen und vergleichen können.

    Lange Rede kurzer Sinn: Frauen sind (leider) gar nicht so nett, wie du sie darstellst, was – natürlich nicht! – bedeutet, dass sie Arschlöcher sind. Auf der anderen Seite sind Männer oft gar nicht so begriffsstützig, wie es die meisten Frauen glauben: Das „Nein“ interpretieren sie völlig richtig als „Nein“, unterliegen aber oft dem Irrglauben, dass sie die Frau noch umstimmen können. Dein Appell an die Geschlechtsgenossinnen ist zwar lieb gemeint, wird aber unerhört verhallen: Die meisten Frauen werden weiterhin in ihren hohen Burgen residieren (da sie zumindest in jungen Jahren bessere Marktverhältnisse vorfinden) und es nach wie vor als die Aufgabe des Mannes betrachten werden, dass er wissen muss, wie man eine Frau „richtig“ anspricht und anbaggert. Dies ist – wie so oft im Leben – aber keine Ungerechtigkeit, denn das Verhalten der Frauen hat (für sie) eine Schattenseite: Die meisten Männer kriegen keine Frauen ab, ein kleiner Teil bekommt sehr viele. Sobald dieser Mann aber anschließend das Höschen der Frau erobert hat, stellt er klar, dass er nur an Sex interessiert war. Die meisten Frauen tun sich hier leicht und qualifizieren solche Männer als Arschlöcher. Die fehlerhafte Logik muss hier berücksichtigt werden: Wenn der Mann nicht flirten kann und es ihm in weiterer Folge nicht gelingt, das Herz der Frau zu erobern, ist er ein Versager. Wenn die Frau aber scheitert, das Herz des Mannes zu erobern, ist (erneut) der Mann ein Schwein. Nur: Warum sollte ein Mann „nett“ zu einer Frau sein, wenn in der Warteschlange noch genug andere Kandidatinen auf ihr Glück hoffen?

    Was bleibt über? Freiheit und Verantwortung: Beide Geschlechter machen tödliche Fehler und überbieten sich darin, den anderen die Schuld für das eigene Versagen zu geben (Klar: Schuld sind immer die anderen). Genau an diesem Punkt möchte ich dir widersprechen: Frauen sind um nix „netter“ als die Männer und handeln auch nicht besonders „nett“ (du bist vielleicht im Umgang mit Männern nett, da kenne ich aber leider ganz andere Damen). Im Gegensatz zu den Männern haben sie aber einen entscheidenden (verbalen) Vorteil: Sie haben die Deutungshoheit, dementsprechend bestimmen sie, welches Verhalten „korrekt“ und welches es nicht ist. Da aber Männer von Frauen abhängig sind, genauso wie Frauen von Männern, ist jeder Nachteil, dem man dem anderen Geschlecht zufügt in Wahrheit auch ein eigener Nachteil. Du kannst es gerne als „Begriffstützigkeit“ der Männer qualifizieren, aber leider ist Wahrheit nicht so simpel: Ein „Nein“ heißt leider nicht bei jeder Frau einfach nur „Nein“. Bei manchen heißt es eben „Beeindrucke mich mit deiner Männlichkeit“ und für andere heißt es: „Sofern du nicht noch andere Kriterien erfüllst, für heute aber heißt es nein“. 🙂

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    • Isabelle Dupuis Says:

      Erst einmal vielen Dank für deinen Kommentar und die Darstellung der männlichen Perspektive bei dem ganzen Flirtzirkus 🙂 Ja, vielleicht habe ich da tatsächlich zu sehr von mir auf andere geschlossen … Mir ist das halt immer ein Rätsel, wie man mir ganz banale Freundlichkeiten und Höflichkeiten als Flirtabsichten auslegen kann. Aber natürlich kann keiner Gedanken lesen und wer mich nicht kennt und weiß, dass ich in der Regel immer freundlich und höflich zu allen bin ohne mir das Geringste dabei zu denken, kann das sicher leicht fehlinterpretieren. Gerade, wenn man(n) von den Damen der Schöpfung sonst eher zickig und widersprüchlich behandelt wird. Dann schöpft man womöglich falsche Hoffnung, wenn eine Frau einfach so nett grüßt.

      Du hast sicher recht, dass nett allein für einen Mann nicht vollkommen ausreicht. Da ist natürlich auch jede Frau anders und manche finden es vielleicht wirklich gut, wenn der Mann sie hartnäckig anbalzt, erwarten es vielleicht sogar. Kein Wunder, wenn das Männer völlig verwirrt. Das tut mir dann auch total leid und ich verstehe diese Frauen auch nicht. Dennoch sollte man jedem Tierchen sein Pläsierchen gönnen.

      Also, ich denke, man muss nicht unbedingt gleich als Alphadog auftreten und den Pick-up-Artist heraushängen lassen. Da bin ich der Ansicht, dass taugt nur für die schnelle Eroberung und nicht für eine dauerhafte, glückliche Beziehung auf Augenhöhe mit gegenseitigem Respekt, Wohlwollen und gegenseitiger Unterstützung. Da muss man dann gucken, was man selber will. Was allerdings richtig ist, ist, dass ein Mann (oder auch eine Frau, aber die haben es zumindest in jungen Jahren wohl wirklich leichter) nicht nur nett sein sollte, sondern auch seine Zielobjekte darauf aufmerksam machen muss, dass er ein netter Kerl ist. Denn auch Frauen können keine Gedanken lesen.

      Und das Auf-sich-aufmerksam-machen muss ja nicht immer großkotzig und angeberisch vonstatten gehen. Wenn man ehrliches Interesse für sein Gegenüber hat und das auch zeigt, sodass sich ein angeregtes Gespräch daraus ergibt, kann das auch schon ausreichen. Zumindest bei Frauen, die einen netten, ehrlich interessierten Mann verdient haben 😉 Also man muss da schon aufeinander zu gehen. Wer letzten Endes da den ersten Schritt macht, ist eigentlich egal. Nur leider sind wir wohl im 21. Jahrhundert immer noch nicht so weit, dass alle Frauen eingesehen haben, dass sie diesen ersten Schritt ruhig auch mal machen können.

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  6. Essai 143: Über Feminismus | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] und erst recht nicht alle Männer mit meiner Kritik meinen, knallte er mir noch einen meiner Texte vor die Füße. Bin ich den automatisch eine männerfeindliche Arschlochfrau, wenn ich gewisse […]

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