Essai 145: Über den Unterschied zwischen Heimatliebe und Nationalstolz

„Heutzutage darf man ja gar nicht mehr stolz auf sein Land sein, ohne gleich als Nazi beschimpft zu werden“, schmollen Internet-Trolle gern mal in Online-Foren. Aber was bedeutet das denn, stolz auf sein Land zu sein? Und kann man stolz auf ein Land sein, in welchem Menschen dagegen protestieren, Hilfsbedürftigen aus anderen Ländern Zuflucht zu gewähren? Aber so gesehen könnte man ja auf gar kein Land stolz sein, denn in jeder Nation gibt es rassistische Arschlöcher, die ihre dumme Meinung bei jeder sich bietenden Gelegenheit herauskrakeelen und Menschen mit Füßen treten, die am Boden liegen. Doch ist Nationalstolz gleichzusetzen mit Rassismus?

Na jaaa …

Es kommt drauf an. Ich mit meinen unklaren Ansagen schon wieder, schlimm das. Es ist jedoch meines Erachtens wirklich nicht möglich, darauf eine eindeutige Antwort zu geben. Oft dient Nationalstolz nämlich Rassisten als Tarnung für ihre fremdenfeindlichen Ansichten. Dann kommt so ein Spruch wie der eingangs Zitierte und dann sind die Leute eingeschnappt und tun so, als wären die anderen alle gemein zu ihnen und sie das eigentliche Opfer. Widerlich, aber raffiniert. Denn so können sie an ihrem Selbstbild des rechtschaffenen Bürgers von einwandfreier Moral festhalten, ohne ihre Einstellung kritisch hinterfragen zu müssen. In diesem Fall also ist Nationalstolz ein Synonym und Euphemismus für Rassismus. Auch, wenn es den Rassisten selbst vielleicht nicht bewusst ist.

Es ist allerdings kein Rassismus, wenn man es schafft, stolz auf sein Land zu sein, ohne andere Länder deswegen pauschal scheiße zu finden. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen, die sich selbst als nationalstolz betrachten, schlicht und ergreifend das Bedürfnis haben, besser zu sein als alle anderen Länder. Küchentischpsychologen sprechen bei dem Phänomen, nichts gut finden zu können, wenn nicht alles andere schlecht ist, gern von nicht aufgearbeiteten Minderwertigkeitskomplexen. Jemand, der wirklich stolz auf etwas ist, kann auch damit leben, wenn Vergleichbares ebenfalls gut oder sogar besser ist. Nur, wer Angst hat und zweifelt, muss andere für das Aufpolieren des eigenen Selbstwertgefühls nieder machen.

Weil jedoch in den meisten Fällen, wenn von Nationalstolz die Rede ist, tatsächlich diese „Wir Inländer sind besser als die Ausländer“-Einstellung dahinter steckt, ist der Begriff eher negativ konnotiert. Als positiven Nationalstolz im Sinne von „Ich fühle mich in diesem Land wohl, mag die Kultur, interessiere mich für die Geschichte und schätze die Sprache hier“, ohne dass man etwas gegen Migrationshintergründe hat, würde ich daher den Begriff der Heimatliebe nutzen wollen. Und Heimatliebe kann man auch empfinden, ohne ein Nazi zu sein, um die eingangs zitierte Bemerkung (die ich übrigens nicht erfunden habe) als falsch zu entlarven.

Denn Liebe kann nur dort bestehen, wo es keine Verachtung gibt, wo das Andere mit Respekt behandelt wird. Heimat ist außerdem etwas anderes als das Konzept der Nation. Unabhängig von der Nationalität ist Heimat das Land oder die Gegend, in der man sich heimisch fühlt, das heißt, in der man die Sprache, die Kultur liebt und mit anderen teilen kann. Ohne jedoch seine Neugier gegenüber anderen Sprachen und Kulturen deswegen aufgeben zu müssen. Die Nation hingegen ist das, was im Pass steht, wo man zufällig hineingeboren wurde. Darauf stolz zu sein ist albern, man hat ja dafür nichts geleistet.

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