Essai 26: Über Stolz

Es gibt zwei Arten von Stolz: positiven Stolz und negativen Stolz.

Unter positivem Stolz verstehe ich berechtigten Stolz, sprich, wenn man stolz darauf ist, etwas Mutiges, Gutes, Großmütiges, Uneigennütziges oder sonstwie Nettes getan zu haben. Oder wenn man stolz auf seine eigenen Stärken ist, ist das auch positiv.

Nun gibt es aber auch reichlich Leute, die auf total dumme Sachen stolz sind, oder zumindest so tun. Das ist dann der negative Stolz. Ich räume ein, dass das nicht eindeutig objektiv festlegbar ist, was nun dumm ist und was nicht, aber nehmen wir als Beispiel mal jemanden, der stolz darauf ist, ein „Arschloch“ zu sein. Da frage ich mich einfach mal ganz spontan, was daran denn so toll sein soll, wenn man ein „Arschloch“ ist? Das ist doch überhaupt keine Leistung, im Gegenteil. Sicher, ein „Arschloch“ kriegt wahrscheinlich eher, was es will und kann sich besser durchsetzen, als ein Duckmäuschen. Dann kann ich verstehen, wenn man auf sein Durchsetzungsvermögen stolz ist. Aber es ist doch viel schwieriger, sich durchzusetzen und trotzdem ein „guter“ Mensch zu bleiben. Das ist dann doch viel eher etwas, auf das man berechtigt stolz sein kann.

Meiner Meinung nach verkommt der Stolz in solchen Fällen zum bloßen Getue. In Wahrheit ist man nämlich gar nicht stolz, aber man hat sich an das „Arschloch“-Dasein irgendwie gewöhnt und schließlich ist es ja auch schön einfach, doof zu allen zu sein und so seinen Willen durchzusetzen, und damit keiner merkt, dass man das nur macht, weil man kein Selbstbewusstsein hat, behauptet man einfach ganz dreist, man wäre darauf stolz.

Das ist eine ganz natürliche Trotz-Reaktion: „So bin ich eben, und wem das nicht gefällt, der ist halt nicht mein Freund, so.“ Das ist ja auch viel bequemer, als sein Verhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Die anderen können ja schließlich auch…, die anderen machen ja auch nicht…, usw. Daran wird sich vermutlich auch nie was ändern, denn die Welt ist ein riesiger Kindergarten.

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Eine Antwort to “Essai 26: Über Stolz”

  1. Essai 145: Über den Unterschied zwischen Heimatliebe und Nationalstolz | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] schlecht ist, gern von nicht aufgearbeiteten Minderwertigkeitskomplexen. Jemand, der wirklich stolz auf etwas ist, kann auch damit leben, wenn Vergleichbares ebenfalls gut oder sogar besser ist. Nur, […]

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