Posts Tagged ‘Idioten’

Essai 128: Über die Unlogik von Rassismus

5. Juli 2014

Zurzeit habe ich Idioten ziemlich auf dem Kieker. Es ist bloß so: Ich kann das nicht leiden, wenn ich etwas nicht verstehe. Das lässt mir dann keine Ruhe und ich versuche, den Sachverhalt von möglichst vielen Seiten aus zu beleuchten und auseinander zu frickeln und zu analysieren. Aber bei einer Unterart der Idioten, die sich auch häufig unter den Internet-Trollen tummeln, stoße ich mit meiner Fähigkeit zu Verständnis einfach komplett an meine Grenzen: Rassisten. Fremdenhass ist so unlogisch, dass es mir unerklärlich ist, wie man das trotzdem ernsthaft und voller Überzeugung für die Wahrheit halten kann.

Das beginnt zum Beispiel schon beim Begriff „Migrationshintergrund“. Den biegt man sich doch so zurecht, wie es einem gerade in den Kram passt. Die Mehrheit der Schweizer (wenn auch eine sehr knappe Mehrheit) wollen keine Einwanderer, keine Menschen mit „Migrationshintergrund“ in „ihrem“ Land. Aber wenn die Schweizer Fußballmannschaft, wo bestimmt 80 Prozent nichtschweizerische Wurzeln haben, gut spielt und ins Achtelfinale kommt, dann sind das plötzlich alles ganz normale Schweizer. Und das sind ja nicht nur die Schweizer, das ist doch überall genauso. Sobald jemand, der irgendwelche ausländischen Wurzeln hat, egal, wie lange die her sind, Mist baut, ist er ein Ausländer. Macht jemand, der vergleichbare ausländische Wurzeln hat, irgendwas Tolles, dann ist er plötzlich ein Inländer und der Migrationshintergrund ist etwas Positives.

Fällt denn Rassisten wirklich nicht auf, wie superscheinheilig das ist?

Was an Rassismus außerdem völlig unlogisch ist, ist der Aspekt der Völkerwanderung. Deutschland war nicht immer Deutschland und hatte nicht immer die Grenzen, die es jetzt hat. Überhaupt sind Landesgrenzen etwas, das von Menschen erschaffen wurde und nichts, was naturgegeben wäre. Sicher, unterschiedliche Sprachen, Kulturen, Traditionen, Gewohnheiten und Sitten gibt es. Aber das ist doch spannend und interessant, sich darüber auszutauschen, warum sollte man das als Anlass nehmen, sich gegenseitig scheiße zu finden? Wenn man nur ein wenig neugierig ist, anderen Menschen offen begegnet, entsteht Fremdenhass gar nicht erst. Weil man das Fremde dann plötzlich nicht als Bedrohung sieht, sondern als etwas, das man kennen lernen möchte. Überdies sollten sich Rassisten einmal fragen, ob die Urmenschen sich überhaupt auch nur einen feuchten Furz um Landesgrenzen, Religionen und Gedöns gekümmert haben. Damals gab es die heutigen Länder, Nationen, Sprachen und Kulturen gar nicht. Die waren viel zu sehr mit Überleben beschäftigt, um sich Ausländerhass leisten zu können. Also soll mir bitte keiner mit „Herkunftsdeutschen“ ankommen, das ist Mumpitz.

Davon abgesehen ist es ja auch schon alleine völliger Blödsinn, überhaupt von unterschiedlichen menschlichen Rassen zu sprechen. Rassen gibt es bei Haustieren und die werden erst zurechtgezüchtet. Dabei kommt es zu Inzucht und genetischen Mutationen und Rassetiere vererben oft typische Krankheiten oder Gebrechen an ihre Nachfahren. Deutsche Schäferhunde haben oft Hüftprobleme, Möpse oder Perserkatzen Atembeschwerden und bestimmte Katzenrassen sind empfindlich für Herzkrankheiten oder Nierenprobleme. Natürlich müssen Rassetiere nicht krank werden und die Züchtervereine geben große Acht darauf, dass Erbkrankheiten möglichst vermieden werden. Auch versucht man heute, durch Rückzüchtung gesündere Versionen der Rasse hervorzubringen. Nichtsdestotrotz sind Rassen zutiefst künstlich und von Menschen erschaffen. In der Natur gibt es verschiedene Gattungen, Untergattungen und so weiter. Keine Rassen. Warum spricht man bei Menschen unterschiedlicher Hautfarbe von „Rassen“, wenn doch alle Hauskatzen als Hauskatzen gelten, ob sie nun rot gestreift, schwarz-weiß gescheckt, tiefschwarz, mehrfarbig oder schneeweiß sind? Ich warte ja noch darauf, dass mich mal jemand fragt, welche „Rasse“ ich sei. Ich würde entgegnen: „Europäisch Kurzhaar, weiblich, stubenrein.“

Obwohl Rassismus also wie nun ausreichend bewiesen völlig unlogisch und bescheuert ist, ist er überall so präsent wie eh und je. Das hat man ja bei der Europawahl gesehen, wie gut (oder vielmehr: schlecht) die ganzen Nazi-Parteien abgeschnitten haben. Ein wenig ironisch mutet es da an, dass die ganzen Rassisten es bislang (zum Glück) nicht gebacken bekommen haben, sich genug zu einigen, um eine eigene rechtspopulistische Fraktion im Europaparlament zu kriegen. Ich stell mir das vor wie beim Kasperletheater: „Wir sind super, ihr seid scheiße!“ – „Gar nicht wahr! Wir sind die Besten und ihr seid alle Sozialschmarotzer“ – „Voll nicht! Wir sozialschmarotzen mitnichten, wir sind Herrenrasse und nehmen uns nur, was uns naturgemäß zusteht“ – „Oho! Da muss ich widersprechen! WIR sind Herrenrasse und davon gibt’s nur eine, ihr seid Lügner und außerdem doof.“ – „Selber doof!“ – …

Interessant ist auch, dass Rassisten offenbar überhaupt nicht bemerken, dass sie selbst zu Ausländern werden, sobald sie ihre Landesgrenze passiert haben. Dieser eine NPD-Hanswurst hat auf Mallorca eine Kneipe eröffnet und ich frage mich, ob er sich deswegen immer selbst eine aufs Maul haut oder ob er oft vor dem Spiegel steht und sich beleidigt und sich vorwirft, dass er den Einheimischen auf Mallorca die Arbeit wegnimmt. Absurderweise hat ja auch diese Marine Lepen die Entscheidung der Schweizer für eine Begrenzung der Einwanderung gelobt – ohne sich offenkundig darüber Gedanken zu machen, dass auch sie in der Schweiz als Ausländerin gilt.

Es ist doch wirklich zum Haare raufen. Wenn man auch nur zwei Sekunden nachdenkt, bevor man eine irgendwo aufgeschnappte Meinung wiederkäut und als seine eigene ausgibt, dann kann man doch unmöglich Rassist sein. Es gibt einfach überhaupt nichts, was Rassismus in irgendeiner Weise rechtfertigt. Außer man ist ein neidischer, von Minderwertigkeitskomplexen und Großmannkomplexen zerfressener Totalversager, der Schiss vor allem hat, was er nicht kennt. Und das kann man doch nicht ernsthaft sein wollen?

Essai 127: Über Internet-Trolle

29. Juni 2014

Idioten in der Offline-Welt sind ja schon schlimm genug. Doch wenn diese Schwachmaten immerhin schlau genug sind, sich ins Internet zu begeben, entsteht eine explosive Mischung. Denn im Internet sind die Menschen durch ein gewisses Maß an Anonymität geschützt – zumindest empfindet man das persönlich so, wahrscheinlich ist das in Zeiten von NSA und Co. eine Illusion – und trauen sich daher, auch den bescheuertsten geistigen Dünnpfiff kund zu tun. Ja, mir scheint sogar, dass es für manche dieser Internet-Trolle eine Vollzeitbeschäftigung ist, durchs Netz zu surfen und überall ihre verqueren Ansichten zu hinterlassen und Unruhe zu stiften.

Zugegeben: Auch ich erliege gelegentlich der Versuchung, herumzutrollen. Wenn beispielsweise auf Facebook wieder irgendwer einen vor nostalgischer Vergangenheitsverklärung, Kitsch oder Klischees triefenden Aphorismus postet, kann ich einfach nicht an mich halten und muss den mit Sarkasmus oder Altklugheit demontieren. Dann mache ich mir einen Jux daraus, Rechtschreib- und Grammatikfehler zu monieren oder hinterfrage die Logik dieser Aussage. Es bereitet mir ein diebisches Vergnügen, diese Sprüche à la „Früher war alles besser“, „Diese Jugend heutzutage“ oder „Liebe ist blabla *irgendein-Schwachsinn* blabla“ auseinander zu nehmen.

Oder, was ich zuweilen auch ziemlich lustig finde, zumindest, bis irgendein noch größerer Troll als moi rassistisch wird, ist, den politischen, spießig-verstockt-verstaubten Ansichten der Christdemokraten, Christsozialen, Neoliberalen und AfDlern fröhlich zu widersprechen. Aber meistens dauert das nicht lange und diese Unsympathen beweisen, dass sie in Sachen Herumgetrolle weitaus versierter sind als meine Wenigkeit und dann macht’s nicht mehr so wirklich Spaß. Dann verabschiede ich mich mit einem „Ich diskutiere nicht mit Idioten. Sie ziehen dich herunter auf ihr Niveau und schlagen dich mit Erfahrung“ und schmolle ein wenig vor mich hin. Und dann merke ich mir das für einen Essai vor.

Jedenfalls bin ich manchmal fassungslos, was Internet-Trolle so alles von sich geben. Manchmal ist es zwar unfassbar dämlich, aber immerhin harmlos. Zum Beispiel, wenn sich jemand die Mühe gegeben und die Zeit genommen hat, einen Artikel zu lesen und dann kommentiert (und dafür auch noch Zeit und Mühe aufwendet): „Ja, ja. Und in China fällt ein Sack Reis um“ oder „Dieser Artikel ist sowas von überflüssig, reine Zeitverschwendung“ oder „Scheißjournalisten, haben keine Ahnung, müssen mal besser recherchieren. Was für’n Schwachsinn lol“ und andere schon zu Klassikern der Trollkommentare gewordene Perlen. Etwas beunruhigender finde ich dann die ebenfalls sehr beliebten, aber unterschwelligen Nationalismus und Rechtsradikalismus offenbarenden Kommentare, die sich aus Textbausteinen wie „armes Deutschland“, „linksgrüner Sozialismus“, „Sozialschmarotzer“ und so weiter zusammensetzen. Der Postillon hatte das mal sehr hübsch zusammengefasst.

Internet-Trolle rechtfertigen sich gern mit Sprüchen wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, „freie Meinungsäußerung blablubb“, verstecken sich hinter ihren heiligen Ansichten und stellen sich als Opfer hin. Gerade die aus dem rechten Spektrum sind darin echte Virtuosen. Das ist zugleich feige und unglaublich borniert. Die bilden sich nämlich allen Ernstes ein, sie wären mit ihrer ach so tollen Meinung allein und wären die Ersten, die auf die Idee gekommen sind, sich vor „Überfremdung“ der „Herkunftsdeutschen“ durch gemeine „Zukunftsdeutsche“ und sonstigem Quatsch zu fürchten und gegen „linkssoziale Propaganda“ zu wettern oder alle, die nicht ihrer Meinung sind als „Antifa-Terroristen“ zu betrachten. Dabei sind sie selbst rechtspopulistischer Propaganda aufgesessen, ihre Meinung ist aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgewärmt und wiedergekäut und insofern alles andere als eigenständig und originell, sowieso ist das ja heutzutage wieder in Mode, Nationalstolz mit Rechtsradikalität und Fremdenhass zu verwechseln. Ich zum Beispiel lebe gern in Deutschland, finde es ein im Großen und Ganzen recht sympathisches Fleckchen Erde und hab trotzdem keine Angst vor anderen kulturellen Einflüssen. Warum auch? Ich selbst bin das Ergebnis unterschiedlicher kultureller Einflüsse und finde es prima.

Kein noch so abwegiger Anlass ist den Internet-Trollen überdies zu schade, um ihre verschwurbelten Ansichten unters Volk zu bringen. So schreibe ich in den Kommentaren bei kino.de immer Kritiken zu den Filmen, die ich gesehen habe. Und das genügt den Internet-Trollen tatsächlich, um rassistisches oder sexistisches Gedankengut herauszupoltern. So geschehen bei Fack ju Göhte (Rassismus) und Transcendence (Sexismus). (Bei Letzterem ist rätselhafterweise der entsprechende Kommentar auf der Seite von kino.de nicht zu sehen, sondern nur auf meiner Facebook-Seite. Der Internet-Troll hatte geschrieben: „Gesellschaftskritisch? Frauen und Technik fällt mir dazu ein. Ein Wunder, dass Du nichts über die Frisuren zu heulen hattest.“)

Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise eine Diskussion, die ich auf meinem Kultur- und Theaterblog Hamburgische Dramaturgie 2.0 mal mit einem Scientologen und einem ehemaligen Scientologen hatte. Ich hatte in einem Artikel die Methoden Lee Strasbergs mit denen Scientologys verglichen, woraufhin ein Scientologe einen vermutlich vorformulierten PR-Text als Kommentar schrieb. Ich hinterfragte den Kommentar ein wenig kritisch, aber offen und freundlich, woraufhin sich ein spannender, interessanter Austausch von Lebensansichten entwickelte. Zumindest, bis sich der Scientologe und der Ex-Scientologe in die Wolle kriegten und Ersterer sich diskriminiert fühlte und aus der Diskussion zurückzog.

Es ist doch spannend und interessant, wenn man unterschiedlicher Ansichten ist. Selbst, wenn ich eine Meinung völlig abwegig und bescheuert finde, muss ich ja nicht gleich aggressiv und ausfallend werden. Selbst, wenn mich mal die Troll-Lust packt, versuche ich, mich auf Sachliches und Inhaltliches zu beziehen und nicht die Privatmenschen persönlich zu beleidigen. Aus sach- und inhaltsbezogener Kritik und Polemik kann sich eine Diskussion entwickeln, aus niveauloser, persönlicher Beleidigung hingegen entsteht nur Streit, der einen in der Erweiterung des eigenen Horizonts nicht weiter bringt. Und das ist eine verpasste Chance. Aber ich vermute, dass leidenschaftliche Internet-Trolle das anders sehen und ihren Horizont gar nicht erweitern wollen. Am Ende müssten sie dann ja noch einsehen, dass ihre Meinung gar nicht so unabhängig, selbstständig, frei und originell ist wie sie sich einbilden. Und dann wüssten sie vermutlich nichts mit sich anzufangen, weil sie ihre eigene Persönlichkeit über diese Meinungen definiert haben. Nimmt man ihnen die Grundlage für diese Meinungen, zieht man ihnen ihr Identitätskonstrukt als Boden für ihre Persönlichkeit unter den Füßen weg. Daher: Troll füttern lieber unterlassen und sich seinen Teil denken. Oder freundlich, höflich, sachlich und offen formulieren und gucken, was passiert.

 

Essai 123: Über den Umgang mit Idioten

9. Juni 2014

Da die Untergattung der Idioten innerhalb der menschlichen Spezies eindeutig in der Überzahl ist, ist es ratsam, sich mit ihnen zu arrangieren. Doch nach Lösungen zu suchen, wie das zuverlässig gelingt, ist eine Lebensaufgabe. Immerhin, ein paar Tricks und Kniffe, wie man mit Dummdödeln gut zurecht kommt, habe ich schon ausgetüftelt und an real existierenden Exemplaren erfolgreich erprobt. Bevor ich hier wieder als arrogante Intellektuelle da stehe: Ich meine mit „Idioten“ nicht Menschen mit niedrigem Intelligenzquotienten. Sondern ich meine damit Leute, die normal oder sogar überdurchschnittlich intelligent sind, sich aber wie Vollidioten aufführen, obwohl sie anders könnten.

Ich hege die Theorie, dass das Sich-idiotisch-aufführen als eine Art Selbstschutz dient. Vermutlich halten sich die Betroffenen insgeheim für Totalversager und damit das keiner merkt, spielen sie nach außen hin den von sich selbst überzeugten Supermacker. Nur leider scheint das, was wir insgeheim von uns denken, immer irgendwie nach draußen durch und macht sich in der Ausstrahlung bemerkbar. Vielleicht kann man das als Außenstehender nicht immer gleich erklären, warum der andere einem seltsam erscheint, doch man merkt, dass er unauthentisch ist und nicht im Einklang mit seinem Selbstbild handelt.

Das allein ist ja noch nicht schlimm. Wenn Derjenige nur ein wenig aufgesetzt wirkt, aber trotzdem bemüht ist, freundlich und höflich zu sein, kann man ihm ja einfach seinen Selbstschutz lassen. Doch was tun, wenn Derjenige es so dermaßen übertreibt, dass er wie ein eingebildeter Fatzke, arroganter Klugscheißer, unhöflicher Angeber oder bornierter Vollpfosten rüberkommt? Dann wird’s knifflig.

Zunächst sollte man sich dann fragen: Muss ich mit dem Idioten klar kommen oder kann ich ihm auch ohne großen Aufwand aus dem Weg gehen und ihn sein Leben leben lassen, während ich meinem Seelenfrieden fröne? Ist Letzteres der Fall, sollte man auch schlichtweg Letzteres tun. Es sei denn natürlich, man ist selber ein Idiot und macht gern einen auf Streithammel. Dann kann man sich freuen, einen Seelenverwandten gefunden zu haben.

Ist man jedoch wie ich pazifistischer und pragmatischer veranlagt, sollte man versuchen, eine Basis zu finden, auf der der Idiot nicht allzu sehr nervt. Als kurzfristige Lösung funktioniert die Strategie „lächeln, nicken, ‚Arschloch‘ denken“ immer ganz gut. Langfristig aber wird der Vollpfosten irgendwann die Strategie durchschauen und dann kommt man in Erklärungsnot. Unangenehm.

Es ist also schon wichtig, dass man dem Dummdödel Kontra gibt und so ehrlich wie möglich mit ihm redet. Ich bitte vielmals um Pardon, dass ich hier überwiegend die männliche Form gebrauche, aber leider sind die Idioten, die ich meine, häufig männlich. Liegt vermutlich daran, dass Männer ständig glauben, ihre Männlichkeit beweisen zu müssen, die auf völlig veralteten und überdies albernen Prämissen beruht. Das fragile Selbstbild des sich zur Männlichkeit verpflichteten Mannes bedarf eben eines besonders starken Selbstschutzes.

Ich warte immer ein wenig ab, wie weit ich in Richtung Ironie, Sarkasmus und ehrlicher Meinungsäußerung bei einem Idioten gehen kann beziehungsweise bis es mir wurscht ist, ob ich dem Vollpfosten auf den Schlips trete, weil er sich so bescheuert aufführt, dass er es nicht anders verdient hat. Und dann sage ich einfach direkt und furztrocken, was ich von ihm halte. Mit Menschen, die ich mag, bin ich immer etwas feinfühliger, vorsichtiger, behutsamer und netter – da sage ich meine Meinung nur, wenn man mich nach Selbiger fragt, formuliere sie freundlich, mit differenzierter Begründung und unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes. Mitunter führt das dazu, dass man mich nicht versteht, aber geradeheraus und holterdipolter bin ich eben nur, wenn mir jemand so auf die Nerven geht, dass meine Geduld aufgebraucht ist und mir seine Gefühle wumpe sind.

Jedenfalls habe ich schon ein paar Mal festgestellt, dass man sich mit dieser direkten, spöttischen Art den Respekt von Idioten verdient. Und schon sind sie gar nicht mehr so idiotisch wie man anfangs dachte. Also, es lohnt sich durchaus, ab und zu etwas Verständnis auch für Vollpfosten aufzubringen, nicht beleidigt zu reagieren, wenn sie sich bescheuert benehmen und ihnen stattdessen mit schonungsloser Offenheit zu begegnen. Nur wie man mit völlig humorlosen oder aggressiven Idioten umgeht, konnte ich noch nicht herausfinden. Da ist Ehrlichkeit nämlich nicht immer unbedingt empfehlenswert.


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