Essai 189: Über Stimmungsvergifter und Scheißlaune-Junkies

Manche Menschen sind nur glücklich, wenn sie unglücklich sind. Sie inszenieren ihr eingebildetes Leid wie eine griechische Tragödie und geben keine Ruhe, bis sie alle mit ihrer miserablen Laune angesteckt haben. Es scheint ganz so, als bereite ihnen nichts auf der Welt größeres Vergnügen, als anderen die Freude und den Spaß zu verderben, die Stimmung zu vergiften und schöne Dinge zu ruinieren.

Was das soll, verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Aber müsste ich jetzt küchentischpsychologisch ins Blaue hineinspekulieren, würde ich raten, dass es den notorischen Stimmungsvergiftern um Macht und Dominanz geht, und dass es irgendwie ihr Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert, fröhlichen Menschen das Lächeln aus dem Gesicht zu schmettern. Ich nehme an, dass vermehrt Dopamin oder Adrenalin ausgeschüttet wird, wenn es ihnen gelingt, die Atmosphäre nach ihrem Gutdünken zu beeinflussen.

Zumindest habe ich so eine ähnliche Erklärung einmal in Bezug auf mobbende Hunde gelesen. Das ist nämlich hochinteressant, es gibt auch unter Tieren Mobbing. Hunde, die gern ihre Artgenossen mobben, verspüren einen unwiderstehlichen Belohnungseffekt, wenn sie andere unterbuttern. Und das macht quasi süchtig. Es ist möglich, ihnen das wieder abzuerziehen, aber einfach ist es nicht.

Der Unterschied zu Menschen, die gern andere ärgern, ist, dass man Hunde auch als Erwachsene noch erziehen kann. Aber habt ihr mal versucht, einen ausgewachsenen Menschen noch umzuerziehen? Kannste knicken. Klar, man kann immer noch was lernen, aber dafür muss man auch was lernen wollen. Und warum sollte so ein Arschloch lernen wollen, nett zu anderen zu sein und nicht dauernd den Spielverderber zu geben, wenn es sich für es so gut anfühlt, allen anderen seine beschissene Laune aufzuzwingen?

Außerdem ist es anstrengend, sich ein im Verlauf seines ganzen Lebens angeeignetes, für einen selbst bewährtes Verhaltensmuster abzugewöhnen und ein neues Verhalten zu lernen, von dem man gar nicht weiß, ob es sich genauso gut anfühlt. Diese Mühe wird sich wohl kaum jemand geben wollen, dem die Gefühle anderer grundsätzlich so scheißegal sind, dass er aus reinem Spaß an der Freude, die Stimmung zu verderben, dauernd auf den Gefühlen anderer herumtrampelt und wie ein Gockel auf den Ruinen der guten Laune auf- und abspaziert und sich dabei richtig geil findet.

Mich persönlich machen solche Leute stinksauer. Ich finde, sie sind faul und feige und machen es sich auf Kosten aller anderen verdammt leicht. Anstatt selbst etwas Schönes, Nettes zu erschaffen, machen sie das Schöne, Nette kaputt, das andere erschaffen haben. Das ist widerlich. Und dann schaffen sie es aber trotzdem, sich als Sieger zu fühlen und sich einzubilden, sie wären stark. Dabei sind sie schwach und kleingeistig und ein erbärmliches Nichts, sobald sie alleine sind. Sie brauchen es wie eine Droge, andere unterzubuttern. Wie armselig ist das?

So. Das musste mal raus.

Nun ist aber die Frage, wie geht man mit diesen Stimmungsvergiftern und Scheißlaune-Junkies um? Ändern kann man sie nicht wirklich. Zu ertragen sind sie eigentlich auch nicht, zumindest nicht für längere Zeit. Sie machen einen kaputt und genießen das.

Meiner Erfahrung nach, hilft nichts besser als Abstand und eine gewisse innerliche, unerschütterliche Heiterkeit, wenn man ihnen doch mal begegnet. Und man sollte sich mit den anderen Opfern des Scheißlaune-Junkies zusammenschließen – dann gelingt es ihm nicht so leicht, die Stimmung zu vermiesen. Ändern wird er sich dadurch wahrscheinlich nicht, aber immerhin kann man ihn so ein wenig ärgern.

Ein paar wohldosierte, mild-spöttische Bemerkungen sind ebenfalls eine gute Strategie, um dem Stimmungsvergifter ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen. Da ist aber Fingerspitzengefühl gefragt und man sollte sich sicher sein, dass die anderen Opfer hinter einem stehen. Sonst reagiert der Scheißlaune-Junkie aggressiv und wird zum Wüterich. Und dann wird’s unschön.

Ich sag dann zum Beispiel als Antwort auf irgendein Gemotze des Stimmungsvergifters, an die Zielscheibe des Gemotzes gewendet: „Tja, wie man’s macht, man macht’s verkehrt, ne?“ und ignoriere den Scheißlaune-Junkie gut gelaunt.

Oder, wenn mir ein solcher Zeitgenosse von seinen Luxusproblemen vorjammert und beleidigt reagiert, wenn ich darauf eingehe und zu einem Lösungsvorschlag ansetze, breche ich meinen konstruktiven Gesprächsbeitrag ab und sage: „OK, mach wie du denkst.“ Ganz wichtig: Freundlich bleiben, lächeln, nicht (offensichtlich) herablassend werden. Und dann elegant das Thema wechseln oder sich mit anderen Leuten unterhalten, die Interessantes zu erzählen haben.


Und, kennt ihr auch solche Leute, die ständig allen anderen die Stimmung vermiesen müssen? Wie geht ihr damit um? Schreibt es mir in die Kommentare 🙂

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3 Antworten to “Essai 189: Über Stimmungsvergifter und Scheißlaune-Junkies”

  1. Achim Spengler Says:

    Und ob ich diese Arschlöcher kenne. Ich sage dann immer: pinkle nen anderen Baum an. Das hat immer noch geholfen.

    Gefällt 1 Person

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