Essai 138: Über Glaube, Leben und Tod

In letzter Zeit will mir das Thema Religion keine wirkliche Ruhe lassen. Inspiriert von einem Comic der wunderbaren „Erzählmirnix“ möchte ich mich heute mit dem Verhältnis von Religion und Glaube, Atheismus und dem Sinn von Leben und Tod auseinander setzen. Keine leichte Kost, dafür, dass ich Urlaub habe, aber was soll man machen. Dass ich Religion wie jeder anderen Ideologie eher skeptisch gegenüberstehe, ist nichts Neues. Da wird einfach zu schnell Fanatismus draus und dann dauert es nicht mehr lange und es gibt Tote oder zumindest Verletzte, wie zuletzt das Attentat auf die Charlie-Hebdo-Redaktion in Paris gezeigt hat. Außerdem gelingt das Wir-Gefühl, das das eigentlich Reizvolle an Ideologien/Religionen darstellt, nur, wenn es ein gegnerisches „ihr“ gibt, von dem man sich abheben und als was Besseres fühlen kann.

Das muss natürlich nicht soweit kommen, viele pflegen ihre Traditionen, Gewohnheiten und ihren Glauben auch ganz friedlich, privat und unaufdringlich. Aber die Möglichkeit, dass aus einem bestimmten Regelwerk – und nichts anderes ist Religion – Fanatismus wird, ist meines Erachtens größer als die Wahrscheinlichkeit, dass aus eigenständigem, von einer Grundskepsis gegenüber vorgefertigten „Wahrheiten“ gefärbtem Denken eine alles andere und Fremde verurteilende Ideologie wird.

In dem „Erzählmirnix“-Comic wird eine Studie erwähnt, derzufolge auch Atheisten nervös werden, wenn sie Gott dazu herausfordern sollen, die eigenen Eltern an Krebs sterben zu lassen. Die Wissenschaftler hätten demnach daraus geschlussfolgert, dass auch Atheisten einen unbewussten Glauben an Gott hätten, sonst könnten sie das ja einfach so sagen, ohne nervös zu werden. Klingt zunächst logisch. Ich hab das mit der Studie zugegebenermaßen nicht überprüft, doch wenn ich mir das vorstelle, verspüre ich auch ein gewisses Unbehagen, obwohl ich nicht an einen personalen Gott glaube, der wie ein Puppenspieler alle Schicksalsfäden in der Hand hält und nur auf einen Knopf zu drücken braucht und schon passiert irgendwas.

Woher kommt das? Die Wissenschaftler haben lediglich festgestellt, DASS die Leute nervös wurden, nicht WARUM sie nervös wurden. Mir ist nicht bekannt, ob sie vergleichsweise gemessen haben, ob die Menschen – gleich welcher Religion/Nichtreligion – auch nervös wurden, wenn sie anstelle von Gott den Weihnachtsmann, Osterhasen, Aliens, den Sonnengott, Zeus, Wotan oder ihr Haustier dazu aufforderten, ihre Eltern an Krebs sterben zu lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, das Ergebnis wäre mehr oder weniger dasselbe. Denn es geht bei dieser Aussage nicht darum, ob man an Gott glaubt oder nicht, sondern darum, sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, dass Menschen, die man lieb hat, krank werden und sterben können. Dass man dann traurig und nervös wird, entlarvt einen höchstens als normalen, mitfühlenden Menschen und nicht als eigentlich gläubigen Möchtegernatheisten.

Nichtsdestotrotz setze ich mich jetzt mit meinem vermeintlichen Nichtglauben auseinander und fühle mich irgendwie bemüßigt, mich zu erklären oder meine Ansichten zu rechtfertigen. Vermutlich kann man auch als unreligiöser Mensch, der es meidet, einem Club beizutreten, der einen als Mitglied aufnehmen würde, einen gewissen Glauben oder Aberglauben nicht ganz vermeiden. Selbst ein Nihilist, der behauptet, an nichts zu glauben, glaubt ja, dass er an nichts glaubt. Hurra, ein Paradoxon!

Ich denke, auch die abgeklärtesten Realisten sind zu einem kindlichen magischen Denken fähig, das man als eine Form von Aberglauben ansehen kann. Vielleicht ist es ihnen nicht immer bewusst, vielleicht erlauben sie es sich nicht, weil sie’s für Quatsch halten, aber so ein winzigkleiner Funken Aberglaube steckt wohl in jedem von uns. Ich zum Beispiel ziehe zu Bewerbungsgesprächen fast immer ein rotes Oberteil an, weil ich damit bisher immer Erfolg hatte. Das liegt natürlich nicht am roten Oberteil, das ist mir schon klar.

Eigentlich.

Obwohl …

Vielleicht doch?

Schließlich verleiht der Glaube daran, dass eine bestimmte Farbe oder ein bestimmtes Kleidungsstück einem Erfolg verschafft, das nötige Selbstvertrauen, um sich erfolgreich zu präsentieren. So gesehen beeinflusst dieser kleine, alberne Aberglauben meine innere Einstellung zum Positiven, was sich wiederum auf meine Ausstrahlung auswirkt, die schließlich zu meinem Erfolg beiträgt.

Genauso kann der Glaube an einen Gott, der mich immer begleitet und stets an meiner Seite ist und mich unterstützt, mir Zuversicht und Kraft geben. Doch eigentlich ist es dabei wurscht, ob man nun an Gott glaubt oder daran, dass die heimische Topfpflanze einen gedanklich begleitet. Für diesen Satz komme ich jetzt aber sowas von in die Hölle, sofern es eine gibt. Aber da lande ich als ketzerische Heidin ja ohnehin. Wobei sich die Teufel der verschiedenen Religionen dann erstmal einigen müssen, in welche Hölle ich komme, wahrscheinlich will mich da keiner haben. Wenn ich nämlich anfange, mit den Höllenfürsten zu diskutieren und ihre Existenz infrage zu stellen und das Ganze mit logischen Argumenten zu untermauern, schmeißen die mich ratzfatz wieder raus – niemand mag Klugscheißer.

Also, ich bin gern bereit, zu akzeptieren, dass Glaube nützlich ist, solange kein Fanatismus draus wird. Das funktioniert nach dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung. Aber ein Leben nach dem Tod oder irgendetwas nach dem Tod kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich weiß auch gar nicht, warum sich Menschen sowas überhaupt ausgedacht haben, das ist doch überhaupt nichts Tolles. Man stelle sich vor, nach dem Tod kommt noch was. Dann verliert doch der Tod völlig an Bedeutung. Und wenn der Tod seine Bedeutung verliert, dann auch das Leben.

Gut, dieser logische Denkfehler wird in Religionen für gewöhnlich dadurch gelöst, dass entweder die Paradies-Hölle-Dichotomie eingeführt wird oder dass man dann halt als irgendetwas wiedergeboren wird. Wenn man sich daneben benommen hat, dann als etwas, was der Mensch arrogant als niedere Lebensform betrachtet; Küchenschabe, Regenwurm oder so. Wobei ich die Küchenschabe für weitaus besser an ihre Umgebung angepasst halte als der Mensch. So eine Küchenschabe bekommt nie in ihrem Leben einen Burnout. Aber die Entfremdung des Menschen von sich selbst und seiner Natur durch übertriebenes Leistungsstreben ist ein anderes Thema. Regenwurm ist schon nicht so prickelnd, da wird man gleich von der nächstbesten Amsel verspachtelt. Auf der anderen Seite hat man in der kurzen Zeit nicht so viel Gelegenheit Mist zu bauen und dann wird man als Amsel wiedergeboren.

Wie dem auch sei, ich glaube an diesen Käse  Gedankengang nicht, dass nach dem Tod noch was ist. Ich verstehe nicht, was daran so schlimm sein soll. Das ist doch in Ordnung. So muss ich mir halt in diesem einen Leben, das ich habe, Mühe geben, es möglichst sinnvoll und anständig zu füllen. Wenn ich das nur mache, um nicht in die Hölle zu kommen oder um ins Paradies zu kommen, finde ich das persönlich etwas … na ja … scheinheilig. Andererseits bin ich kein Anhänger der Moralvorstellung von „Der Zweck heiligt die Mittel“, sondern vertrete eher den gegenteiligen Standpunkt „Die Handlungen heiligen die Absicht“. Sprich: Wenn ich Gutes tue, also möglichst vielen Lebewesen und Menschen helfe und nutze sowie dabei möglichst wenig Schaden anrichte, dann ist es meiner Meinung nach zweitrangig, ob ich das mache, weil ich gerade nichts Besseres zu tun habe, weil ich glaube, nach dem Tod dafür belohnt zu werden, weil ich glaube, dass sich mein Karmakonto dadurch erhöht oder aus Versehen.

Also von mir aus soll jeder glauben, was ihm hilft, mit dem Chaos, das sich Leben nennt, einigermaßen klar zu kommen. Und da muss sich auch niemand von Klugschwätzern wie mir seine Vorstellungen madig machen lassen. Nur weil ich das mit Himmel-Hölle oder Wiedergeburt für Unfug halte, muss das ja noch lange nicht stimmen. Vielleicht liege ich ja auch falsch. Der Punkt ist: Das ist erstens egal und zweitens kann das eh keiner wissen. Daher ist es auch müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Um so unverständlicher ist es mir, warum immer noch Kriege geführt und Attentate begangen werden im Namen irgendeiner Ideologie oder Religion. Was soll der Schwachsinn? Das ist doch alles Jacke wie Hose und das Gleiche in grün. So. Und jetzt bin ich schon mal auf mein Dasein als Küchenschabe gespannt, da gibt’s bestimmt viel zu entdecken. Klugschwätzen kann ich dann zwar nicht mehr, aber nerven schon. Gnihihi.

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6 Antworten to “Essai 138: Über Glaube, Leben und Tod”

  1. Michaela Lusru Says:

    Brilliant.
    Brilliant !
    Brilliant !!!
    Weil:
    Tolerant.
    Besser geht es nicht, an die Denk- (und Glaubens-) Konsequenzen dieses Essays kan sich jede aufrechte UND aufrichtige Religion andocken, besser:
    Behaupten, die daraus resultierenden Lebensgänge seien auch ihr Anliegen, seien dieser Religion nicht wesensfremd sondern wesensimmanent – so sie verstanden hat, was dieses Denken / oder Religion überhaupt will und kann:
    Ein GELÄNDER für den Weg durchs Leben bieten!
    Eines, das als sich selbst jederzeit erneuern könnendes (aus sich heraus) stabil wie flexibel genug ist, Unverständliches wie Verständliches zu verkraften und sinnvoll auf das Weitere zu beziehen – womit klar sein dürfte: Ein Glauben, der dies ausschließt, ist kontraproduktiv zu seiner eigenen Welt, zerlegt sich zwingend selber, und produziert aus den dann nicht mehr dienendem „Geländer“ nur noch Fanatismus als anscheinenden Schutz gegen die eigene Unvollkommenheit, die sich schon aus der Selbstüberhebung über anderes (nicht nur Leben) in der Natur ständig neu füttert.

    So wie kein Stein oder See einen „Sinn“ hat, haben kann, so kann auch Leben keinen Sinn haben, denn Sinn ist Ziel und Weg samt allen „Begegnungen“ unterwegs dorthin, und das wäre beim Leben nur der Tod, der seinerseits nicht mal mehr das aufweisen kann, selbst keinen Sinn hätte

    Sinn ist nichts (für sich) Existierendes, sondern lediglich eine reine Vorstellung von Mensch, also eine KULTürliche erworbene und gestaltete nur virtuell behandelbare, stellvertretend von Mensch produzierte Semantik und o0hne Sprache bereits nicht mehr existent.
    Sinn ist damit das wackligste „Geländer“ für Lebensbewältigung überhaupt, es sei denn, ich „glaube“ daran – womit er zwar besser „funktionieren kann (eigenes Selbstvertrauen rückkoppelnd bestärken) – aber nun bewiesenermaßen nur selbstbeglaubter Glaube, also freischwebender Boden und Gestänge des „Lebensgeländers “ zugleich und damit ohne (wirklichen) Halt, also haltlos ist.

    Um genau – dieses fühlend – zu kompensieren, hat Mensch sich das Glauben erschaffen, egal woran – hauptsach ablenkend von der Tragweite der Ralitäten, was dem einen gelegentlich oder ständig innerlich behilflich ist, und dem anderen eventuell wie ein Balken vor dem nächsten Schritt liegt, da er erkennen muß, daß andere andere Wege gehen – kombiniert mit eigenem höherem Selbstwertgefühl die Quelle des Fanatismus, als bizarre Steigerung von Glauben.

    Leben „und Tod“ gibt es nicht, da Leben den Tod einschließt,, Tod Bestandteil von Leben ist, es beendet als „hinterste“ Grenze.
    So, wie es auch nicht Zeugung, Geburt „und“ Leben geben kann, da alles Leben bereits ist.
    Das innere Bild, das Mensch sich dazu macht, machen kann, glauben kann, ist Glauben, an die Natur, die Wissenschaft, einen oder viele Götter (anstatt Natur), an die Unendlichkeit des ständigen Werdens und Vergehens von allem, letztlich als KULTürliches „Geländer “ auf dem eigenen Weg durch dieses Werden.
    Es ist unerheblich, was das für ein Glauben ist, so er individuell als stärkend und hilfreich erlebt wird, denn das Leben und der Tod werden davon nur begleitet, läßt sich daraus nicht bestimmen.

    Danke Isa09 – Angry young woman, für dieses sowohl zarte wie klare und konsequente Essay 138, es vereint Lebensbejahung, erkenntnissuchende Hartnäckigkeit und Toleranz – wie ichj meine – in scharfer feministischer Prägung, die unweigerlich auch die einer zutiefst mütterlichen gegen Andere und Anderes ist, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

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    • Isabelle Dupuis Says:

      Vielen Dank für diesen schönen, klugen Kommentar. Ich mag die Metapher mit dem Geländer, das trifft den „Zweck“ von Glauben ganz gut, denke ich.

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      • Michaela Lusru Says:

        Isabelle, kein Dank – weitermachen!
        Wir legen mal noch ein Kohle drauf (auf beides, auf Text und Kommentar), und zwar so (ein Zitat):
        “ …er … vertritt die Auffassung, dass man alle Phänomene des Lebens aus der Perspektive der Evolutionstheorie erforschen kann und erforschen sollte – ohne sie auf Biologie zu reduzieren. Vielmehr sei interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaftlern absolut gefragt, wenn z.B. Ökonomie, Kunst oder Religion aus evolutionärer Sicht erkundet werden sollten. Für Aufsehen sorgte zum Beispiel sein viel beachtetes „Darwin’s Cathedral: Evolution, Religion and the Nature of Society“, in dem der erklärte Atheist religiöse Gemeinschaften als erfolgreiche Ergebnisse biokultureller Evolution beschrieb.“ …
        ???
        Und nun?

        Wohlgemerkt:
        als erfolgreiche Ergebnisse bioKULTUReller, nicht religiöser Vorgänge,
        oder anders:
        Religion als sozioKULTÜRLICHEs (menschgemachtes) evolutionär sich entfaltendes Phänomen durch Gruppen-„Geländer“ für (auch größere) Gruppen (gewissermaßen im Block),
        oder noch anders:
        Gruppensteuerung zum kooperativen und uneigennützigen Verhalten zum gegenseitigen (Gruppen)Nutzen >> Mutualität!
        oder ganz anders:
        Opium fürs Volk (nicht for leader!- Marx), zum konfliktfreien Gruppen- rsp. Schwarmverhalten entlang des / eines vorgezeichneten „Geländers“ –

        Und darauf (auf die Erkenntnisse im Zitat am Anfang dieser Replik) kam ein Atheist, einer der berühmtesten lebenden Evolutionsbiologen, der Religion als soziale Funktion (Geländer?!) untersucht, und was er dabei findet, bedarf nur des Wissens (und des Glaubens daran natürlich), aber bedarf nicht eines GLAUBENS an höhere Weltinstanzen.
        Der gute Mann, der nicht die naive spekulativen Ego-Gen-Meme-Theorien eines Dawkins teilt, heißt David Sloan Wilson. Es gibt ein Gespräch mit ihm hier:
        http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/evolutionsforschung-zur-religion-gespr-ch-mit-david-sloan-wilson/

        Funktion von Religion (welche auch immer) als soziokulturelle Entwicklungshilfe (zu sozial vorteilhaftem Gruppenverhalten) mit dem Ergebnis besserer Lebens- und Entwicklungschancen dieser Gruppe …

        Dann war da noch ein ganz anderer, bei Bedarf mal besorgen:
        „Das kooperative Gen“ von Joachim Bauer, moderner Neurobiologe, ein „gläubiger“ Wissenschaftler, der fachlich gewissermaßen dem Atheisten Wilson „zuarbeitet“ …
        Was für eine (schöne?) Welt:
        Weg mit den Radautüten und Alleinseeligmachenden, gleich in welcher Gruppe, es wird ko operiert, miteinander – ohne sich zu heiraten

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  2. Michaela Lusru Says:

    Es ist wohl etwas offen geblieben bei meiner versuchten Verwirrung, und das läßt sich zusammenfassend mit dem Evolutionsbiologen Franz Wuketits so sagen:

    „»Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Glaube an Gott überflüssig, weil ein unbewiesenes Phänomen nicht als Basis für eine Erklärung ausreicht«

    Franz Wuketits, z.B. in: „Sinn und Unsinn des Glaubens“, eine Streitschrift (pdf) in „Gehirn Glauben Religion Evolution \ Wuketits vs. Theol. Schröder\gug_2009_4_S42.pdf
    Es geht wohl kaum deutlicher: „Nicht als Basis für Existenz“ verstanden werden kann.

    Mit anderen Worten:
    Während die Atheisten versuchen, wissenschaftlich den (seit jeher praktizierten) Gottesglaube als ein soziales und damit KULTÜRliches (menschgemachtes !) Produkt der NATÜRlichen Evolution zu begreifen und zu beschreiben, auch zu akzeptieren, versuchen die modernen Vertreter des Gottesglaubens (im Gegensatz zu den Kreationisten) inzwischen gewieft, umgekehrt diesen Gottesglaube als wesentliche „NATÜRliche“ ursächliche Komponente für das evolutionäre und soziale Gelingen, für erfolgreiche Evolution zu deuten, sprich: als „NATÜRliche Kraft der Evolution“ zu verkleiden.
    Und das oft recht geschickt von „entwickelten wissenschaftlichen Positionen“ aus, ohne deren Plattformniveau halten zu können.

    Was diese Evolutionsdrechsler (so will ich sie mal nennen) dabei unerwähnt völlig außen vor lassen, ist die Tatsache, daß Religion und damit Gottesglaube bereits rein KULTÜRliche weil SOZIALE Erscheinungn sind und auch bei intensivster GehirnGeistForschung diesen ihren herkunftlichen Platz nicht verlassen können, höchstens ihre evolutionär bewirkte Entstehung und Ausformung besser verstehen lassen könnten.

    Anders ausgedrückt:
    Gottesglaube ist nicht Ursache sondern Folge von Evolution, was heutige Religionstheoretiker gern und unbedingt übergehen möchten.

    Das heißt im Umkehrschluß jedoch, daß Gottesglaube und Religion als Soziale (KULTÜRliche, menschgemachte) Folge evolutionärer Entfaltung und Kategorien schon aus diesem Grund ihre zu akzeptierende soziale Berechtigung immer wieder neu erwerben und nicht ignoriert oder selektivistisch diskriminiert werden können, weder als „rückwärtsgewandt“ noch „ungebildet“ sondern lediglich als anders (!) das Leben und damit die soziale Welt deutend.
    Denn auch und gerade Glaubenswelten (aller Art!) sind aufgrund ihres starken „Geländer“-Charakters besonders für größere Menschengruppen oft erfolgreiche soziale Welten – jedoch sind sie das eben nicht aufgrund „religiöser Evolutionierung“.
    So sind derart ausgebildete Kooperationsformen schon immer auch gute bis beste Voraussetzungen für evolutionäres Bestehen und Entwicklung wie für erfolgreich sozial gelenktes Gruppenverhalten (der EIGENEN Gruppe!) gewesen, was auch heute noch zu finden ist.

    Letztlich akzeptieren beide Seiten immer mehr die von der NATUR, der Evolution und den Versuchen, deren Zusammenhänge wissenschaftlich zu erkennen und uns zugänglich zu machen, vorgegebenen Fakten und Erkenntnisse – womit sich das Niveau der Andersartigkeit jedoch lediglich von der Kreisliga auf die Landesliga, Bundesliga etc. verschiebt, ohne untereinander dadurch klärbar zu werden.

    Warum sollte man also nicht – wie in den Bundesligaspielen – im gegensetigen Ringen damit sportlich das Level gemeinsam erhöhen, kooperierend, so wie Mensch und Gruppe evolutionär entstand und sich Vorteile gegen alles andere Leben verschaffte, denn nicht nur der Gottesglaube war „von Anfang an“ dabei, auch der Zweifel und damit die (gesunde!) Skepsis daran, und wo sie sich nicht vernichteten sondern in ihrer Andersartigkeit akzeptierten, genossen sie die beidseitig bewirkten Ergebnisse …
    So halt, wie der (im vorstehenden Kommentar erwähnte) atheistische Evolutionsbiologe David Sloan Wilson das auch z.B. im Disput mit dem Religionsforscher Michael Blume treibt, ja:
    Sie „treiben“ das …

    Es ist wohl so (auch) ihr „Geländer“ zum Leben und zum Menschen, und den GLAUBEN daran, von der Zeugung bis zum Tod, ein Leben, das spätestens ab der Geburt aufgrund dieses gemeinsamen Glaubens daran (!) gemeinsam gestaltbar „geländert“ werden kann, muss

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  3. Michaela Lusru Says:

    Nachgekartet:
    Soweit ich das erfahren habe, gab es in der alten DDR kurz vor Ihrer kläglichen Implosion einen hervorragenden völlig offenen und heftigen Film zu genau diesem Thema, der hieß bezeichnenderweise
    „Einer trage des Anderen Last …“
    Ein Spielfilm von Lothar Warneke nach einem Szenarium von Wolfgang Held, 1988.

    Der DDR hat das wohl nicht (mehr) genutzt, kam wohl zu heftig nach „Gorbi“ (zu spät), aber eventuell ließe sich diese Idee doch gerade heute neuerlich nützlich in die Welt (ver)treiben, in welche auch immer, und gern auch in die deutsche, und gern auch dort in die „Mitten“ und „Ränder“, Sie (wir) haben es ALLE nötig, bitter nötig,
    nicht nur seinerzeit in ‚Galater 6‘ :
    „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber jemand sich läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.…“
    Es ist immer die Frage: Könnte ich Glauben, daß ich mich selbst betrüge? Oder weiß ich das, schon
    Es wäre vieles einfacher

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  4. Essai 159: Über den Verlust der Religion | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] durch Vertrauenspersonen. Die Journalisten in der Geschichte fallen durch die Ereignisse von ihrem Glauben ab und das scheint sie fast noch mehr zu treffen, als der Kindesmissbrauch an sich. Aus diesem […]

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