Essai 125: Über Selbstsabotage

Es gibt manchmal so Momente, da steht man sich selbst komplett im Weg. Weil man zum Beispiel bestimmte Glaubenssätze als Wahrheit verinnerlicht hat, die gar nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen müssen. Oder weil man nicht gemerkt hat, dass man selbst oder die Umstände sich geändert haben. Wenn man zum Beispiel von sich selbst denkt, man wäre ein Totalversager, dann ist das egal, ob das auch tatsächlich stimmt. Alles, was man dann anpackt und anfängt – wenn man überhaupt irgendetwas trotz seiner Versagensängste versucht – wird mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern oder man wird es als Scheitern interpretieren. „Nie gelingt mir irgendwas“, „Immer habe ich Pech“ oder „Ständig läuft alles schief“ werden dann als Wahrheit bestätigt. Solche verinnerlichten, vermeintlichen Wahrheiten über das eigene Selbstbild funktionieren wie selbsterfüllende Prophezeiungen.

Man kann zwar diese negativen Selbstbilder durchbrechen, aber das ist gar nicht so einfach. Denn ein Unglück das man kennt und an das man sich gewöhnt hat, ist weniger beunruhigend und unheimlich als das große Unbekannte. Was ist, wenn das, was man sein Leben lang für wahr hielt, gar nicht stimmt? Eine gruselige Vorstellung. Da finden sich die meisten Menschen lieber damit ab, dass sie dies oder das nicht können. Solange man damit glücklich wird, ist das ja auch völlig in Ordnung. Man muss ja auch nicht alles können und niemand ist perfekt.

Bloß, wenn man gern etwas hätte, meint ohne etwas Bestimmtes nicht glücklich sein zu können – und sich dann von dem eigenen Selbstbild bremsen lässt, ist der Frust schon vorprogrammiert. Da beginnt die Selbstsabotage: Man unterlässt dann alles, was nötig wäre, um den Sachverhalt, der einen wurmt, zu ändern – aus Angst, die eigene Wahrheit als Irrglauben zu entlarven und das eigene Weltbild durcheinander zu bringen. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass jemand, der seit Ewigkeiten Single ist und sich einbildet, der/die Richtige existiere überhaupt nicht, sich lieber verkriecht und in Selbstmitleid suhlt. Anstatt einfach mal rauszugehen, neugierig, offen und interessiert auf andere Menschen zuzugehen und am Ende womöglich doch mal einen erträglichen Mitmenschen für eine potentielle Beziehung kennen zu lernen. Oder wenn man dann doch jemanden kennen lernt, sich selbst aber für nicht liebenswert hält, benimmt man sich möglichst daneben, damit diese negative Überzeugung von sich selbst bestätigt wird.
Selbstsabotage funktioniert natürlich nicht nur auf der privaten Ebene. Sondern auch im Berufsleben kann man so manche Karriere umgehen, indem man sich selbst einredet, man sei zu unfähig oder zu was-auch-immer, um beruflich voran zu kommen. Ein erster Schritt, um sich aus dem Teufelskreis der Selbstsabotage herauszuboxen, ist wie so oft die Einsicht. Wenn man sich selbst durchschaut und merkt, dass man selbst derjenige ist, der sich im Weg steht, kann man langsam, Schrittchen für Schrittchen daran arbeiten, die hinderlichen Selbstüberzeugungen durch nützliche zu ersetzen.

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