Essai 98: Über intolerante Ignoranten und die sogenannte Homo-Ehe

Eins muss ich mal in aller Deutlichkeit sagen: Religiöse Fanatiker nerven! Haben von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber müssen allen Leuten vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Ganz besonders lästig sind, auf der westlichen Hälfte der Erdkugel, die christlichen Extremisten. Machen einen auf tolerant und verplempern dann ihre Zeit damit, anderen Menschen ein bisschen Glück zu verbieten, das niemandem weh täte, wenn es ihnen erlaubt würde.

Man ahnt es bereits, ich bin beim Thema „Homo-Ehe“. Die Tüddelchen sind Absicht, ebenso das „sogenannte“ im Titel. Mir persönlich gefällt die Formulierung nämlich nicht sonderlich. Das wirkt so, als wäre die „Homo-Ehe“ etwas anderes als die „Hetero-Ehe“ und als wäre Ersteres nicht selbstverständlich, Zweiteres hingegen ja. Besser gefällt mir die französische Bezeichnung „Mariage pour tous“ – „Ehe für alle“. Es fällt mir nämlich wirklich nicht ein einziger Grund ein, warum nicht alle heiraten und warum nicht alle Kinder adoptieren dürfen sollten. Es ist doch völlig egal, aus wie vielen Leuten welchen Geschlechts auch immer eine Beziehung besteht. Wenn man sich liebt und das rechtlich verankern und mit seiner ganzen Familie und seinen Freunden feiern will, dann soll man doch ruhig heiraten. Das ist doch schön. Und einem Kind ist das doch völlig wumpe, ob es nun zwei Papas, zwei Mamas, einen Papa und eine Mama oder nur einen davon oder sonstwas hat, Hauptsache, da ist überhaupt jemand, der sich liebevoll kümmert und sich für das Kind interessiert. So einfach ist das.

Leider denken nicht alle so, wenn ich mir diese ganzen intoleranten Ignoranten ansehe, die in Frankreich auf die Straße stürmen und wutentbrannt dagegen protestieren, dass Menschen, die sie nicht einmal kennen, die niemandem irgendwas getan haben, wie „normale“ Menschen behandelt werden wollen. Und in Deutschland ist das ja keinen Deut besser. Auch hier sitzen die Idioten im selbstauferlegten Auftrag des Herrn in den Talkshows und verbreiten geistigen Dünnpfiff, den sie sich nicht einmal selbst ausgedacht haben. Da wiederkäuen sie immer wieder den gleichen Salat, von wegen, eine Familie bestehe nun mal eben aus Vater, Mutter, Kind. Und was beim Wiederkäuen herauskommt, weiß man auch mit rudimentären Kenntnissen der Landwirtschaft, das ist nämlich Mist.

Es ist genau die gleiche alte Leier wie auch schon beim Thema Betreuungsgeld oder auch beim Thema Frauenquote. Vornehmlich die feinen Herrn und Damen von der „Christlich Sozialen Union“ (Christlich? Sozial? Union? – am Arsch!) werden offensichtlich nicht müde, gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass sie sich in dem Punkt nun mal eben so und so entschieden haben und das bleibt jetzt bis in alle Ewigkeiten so und damit Ende der Diskussion. Unfassbar, dass es tatsächlich noch Leute gibt, die diese fanatischen Dummköpfe überhaupt beachten. Am besten wäre es, Ignoranten zu ignorieren, dann können die herumblubbern so viel sie wollen, sie richten dann immerhin keinen Schaden am allgemeinen gesellschaftlichen Wohlbefinden an. Aber nein, stattdessen lädt man sie hierzulande in Talkshows ein. Warum? Man weiß doch vorher, was sie sagen werden und man weiß auch schon vorher, dass sie ihre Meinung niemals ändern werden. Wieso bietet man denen so eine große Plattform? Die können ja am Stammtisch von mir aus gerne ihre kernigen Phrasen dreschen, aber im Fernsehen hätte ich gerne meine Ruhe vor diesen Pappnasen. Zum Glück kann man ja umschalten. Aber leider gibt es ja auch immer wieder Leichtbeeinflussbare, die eben nicht wegschalten und sich von dem überzeugten Auftreten religiöser Eiferer blenden lassen.

Wovor haben die Gegner der „Ehe für alle“ eigentlich Angst? Das verstehe ich wirklich nicht. Was soll denn Schlimmes passieren, wenn Schwule und Lesben heiraten und Kinder adoptieren dürfen? Außer, dass die sich dann freuen. Oder geht das hier nur um Rechthaberei? Das Gefühl habe ich nämlich, dass es den bedenkentragenden Miesmachern nur darum geht, recht zu haben und anderen Leuten das Leben schwer zu machen. Nicht mehr, nicht weniger. Geht es ihnen dadurch besser? Nein. Wird die Welt dadurch friedlicher? Nö. Hat das überhaupt irgendeinen tieferen Sinn? Pustekuchen. Ich könnte jetzt natürlich eine unflätige Vermutung äußern, in der möglicherweise die Begriffe „chronisch“ und „Untervögelung“ fallen würden, aber nachher fühlen sich wieder irgendwelche Leute beleidigt und sind dann erst Recht nicht gewillt, mal ein bisschen ihr Oberstübchen zu bemühen.

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8 Antworten to “Essai 98: Über intolerante Ignoranten und die sogenannte Homo-Ehe”

  1. Márcia Lohss Says:

    Hier im Brasilien wird es nicht besser…

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  2. Isabelle Dupuis Says:

    Es ist wirklich frustrierend, wie viel Dummheit auf der Welt grassiert und dass man nichts gegen sie tun kann 😦 Anscheinend haben noch zu wenige bemerkt, dass nicht unbedingt der, der am lautesten herumkrakeelt oder am störrischsten auf seiner wiedergekäuten Meinung beharrt, auch derjenige ist, auf den gehört werden sollte.

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  3. Essai 99: Über den Umgang mit intoleranten Ignoranten « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] Küchentischphilosophische Essais über alles Mögliche und Unmögliche aus den Bereichen Politik, Gesellschaft, Beziehungen und menschliche Eigenarten. « Essai 98: Über intolerante Ignoranten und die sogenannte Homo-Ehe […]

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  4. Ma-Go Filmtipps Says:

    Das einzige PSEUDOargument, dass ich bei dieser Diskussion erkennen kann, ist die Befürchtung dass Kinder homosexueller Paare in der Schule ausgestoßen werden können.
    Dabei frage ich mich, was das mit dem Heiraten zu tun hat. Wenn man diese Aussage als Argument anerkennen möchte (was ich nicht tue!), dann spräche dieses nur gegen das Recht Kinder zu adoptieren.
    Bei genauerer Betrachtung hält dieses „Argument“ jedoch keiner Diskussion stand. Denn frei übersetzt bedeutet es ja nichts anderes als das:

    „Wenn Homosexuelle heiraten, sehe ich mich gezwungen das Kind eines solchen Paares zu mobben und auszuschließen. Dies ist dem armen Kind nicht zumutbar. Deshalb verbietet mal besser die „Homo-Ehe“, damit die Kinder vor Arschlöchern wie mir geschützt werden“

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    • Isabelle Dupuis Says:

      Stimmt 🙂 Das denke ich auch immer, wenn wieder so ein Eiferer ankommt mit „Aber wir müssen doch auch an die Kinder denken!“ Kinder sind um einiges toleranter als Erwachsene.

      Ich glaube, die Menschen, die gegen die Ehe für alle sind, sind in Wahrheit gegen Homosexuelle, weil sie das irgendwie eklig finden oder weil sie von ihrer Erziehung mitbekommen haben, dass das „nicht normal“ sei oder Sünde oder ich weiß nicht was noch für einen Quatsch. Wenn man dann auch noch keine Homosexuellen persönlich kennen lernt, kann man seine Vorurteile auch nur schwer abbauen.

      Aber nicht einmal das müssen intolerante Ignoranten ändern, sie können ja selbst dann noch ihre Arschloch-Haltung beibehalten, wenn wildfremde homosexuelle Paare dieselben Rechte wie alle anderen haben. Die Gegner der Ehe für alle können das ja immer noch doof finden, wenn sie nun partout auf ihrem idiotischen Standpunkt beharren wollen. Das geht die ja im Grunde gar nichts an, wenn sie Homosexuelle ohnehin nicht mögen und ohnehin nichts mit ihnen zu tun haben wollen, dann können sie sie doch einfach ihr Leben leben lassen. Aber mit denselben Rechten. Davon bekommen sie ja gar nichts mit, also: wie können sie sich daran stören?

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  5. Essai 143: Über Feminismus | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] gleichberechtigt, aber in der Realität noch lange nicht. Das ist doch ganz ähnlich wie mit der Ehe für alle: Wenn Homosexuelle heiraten dürfen, ändert sich für Heterosexuelle überhaupt gar nichts. Sie […]

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