Essai 67: Über das Flaschenpfand

Dies ist eine wahre Geschichte. Unglaublich, aber dennoch hat es sich so zugetragen: Der Alltagsrassismus beginnt beim Flaschenpfand.

Es war Samstag Nacht und ich hatte Durst. Beim Hauptbahnhof kam ich an einem Kiosk vorbei, ich ging hinein und kaufte eine kleine Flasche Wasser. Mit Flaschenpfand. Und dem entsprechenden, allgemeingültigen Einweg-Flaschenpfand-Zeichen auf dem Etikett. Etwa 100 meter weiter, auf einem anderen U-Bahn-Gleis hatte ich das Wasser bereits ausgetrunken und machte mich frohgemut auf zum nächstgelegenen Kiosk, um die leere Einweg-Pfandflasche abzugeben. Übrigens war es eine türkische Wassermarke, mir war das vollkommen egal, ist aber relevant für den weiteren Verlauf der Geschichte.

Ich gehe also zu diesem Kiosk und sage, dass ich gerne meine Flasche abgeben möchte. Und da antwortet der (ebenfalls türkische) Kioskbesitzer: „Wir nehmen keine türkischen Flaschen.“

Eines muss ich gestehen, da war ich erstmal baff. Sprachlos. Ich musste mir ja als mit französischem Migrationshintergrund gesegnete schon so manchen Quatsch anhören (meistens ziemlich lustige, originelle und kreative Sprüche, die irgendwie Froschschenkel, sämtliche logisch-biologischen Überlegungen widersprechende Spekulationen über die sexuelle Ausrichtung sämtlicher Franzosen, sowie fragwürdige Hygieneauffassungen involvierten), aber dass man jetzt auch noch anfängt, unschuldige Plastikflaschen zu diskriminieren, das ist mir persönlich neu. Erst recht, wenn die Flasche den gleichen Migrationshintergrund hat, wie derjenige, der ablehnt ihr ein Zuhause zu bieten und ihrem Daseinszweck, recycelt zu werden, zuzuführen.

Also, Integration heißt doch nicht, dass man gleich ALLE schlechten Eigenschaften seines neuen Heimatlandes annehmen muss. Wie zum Beispiel eben das doch sehr deutsche „Hamwanich!“ oder die ebenso deutsche Variation „Nehmwanich!“.

Jedenfalls habe ich dann gedacht, das war sicher eine Ausnahme und dann gebe ich es eben beim nächsten Kiosk ab, an dem ich vorbeikomme.

Pustekuchen!

Beim nächsten Kiosk wurde meine Flasche schon wieder diskriminiert, diesmal nicht wegen ihrer Herkunft, sondern wegen ihrer Größe. „Wir nehmen nur die großen Flaschen, die kleinen nehmwanich!“ Da fühlte ich mich als unterdurchschnittlich großer Bürger dann auch gleich persönlich betroffen und weil ich aber so diplomatisch bin, suchte ich den sachlichen Dialog:

„Da ist doch dieses allgemeingültige Zei-“

„Nä. Nehmwanich!“

„Ja. Aber, da ist doch dieses Zeichen, extra für den Einweg-Flaschenpfa-“

„Nehmwanich!“

„Flaschenpfand drauf, das dafür steht, dass man überal-“

„Nehmwanich!“

„überall die Flasche zurückgeben kann.“

„Nehmwanich!“

So. Und dann war mir das entschieden zu blöd und – es tut mir leid, es einzugestehen – aber ich habe die Flasche in den nächstgelegen Mülleimer befördert. Die arme Umwelt muss jetzt für die Starrköpfigkeit der Kioskbesitzer büßen und das ist doof. Aber quer durch die ganze Stadt zu fahren, um die Flasche genau dort abzugeben, wo ich sie gekauft habe, war mir dann auch zu unpraktisch.

Der Punkt mit dem Flaschenpfand ist doch, dass da extra ein einheitliches Zeichen drauf ist, damit man sie überall abgeben kann. Das ist in der Theorie auch prima, denn wer hat schon Lust, quer durch die Stadt zu fahren, um eine popelige Flasche zurückzugeben. Oder auf gut Glück die leere Flasche mal eben ein halbes Jahr in seinem Rucksack mitzuschleifen für den Fall, dass man zufällig an dem einen bestimmten Kiosk vorbeikommt, an dem man sie käuflich erworben hat. Und die 25 cent bekommt man natürlich auch gerne zurück. Ganz zu schweigen von dem ökologisch reineren Gewissen, wenn man sich in dem Glauben wiegen kann, dass die Flasche wiederverwertet wird.

Aber in der Praxis macht es einen einfach echt wahn-sinn-ig, wenn solche Dickköpfe wie die zitierten Kioskbesitzer auf stur schalten, die Flaschen aufgrund von Herkunft oder Beschaffenheit diskriminieren und sich schlichtweg weigern, sie zurückzunehmen, nur weil sie die Flaschen selbst nicht in dieser Form anbieten.

Was bringt eine schöne Idee, wenn die Leute hinterher doch nur machen, was sie wollen? Gar nichts.

Also, irgendwie ist das Mist mit diesem Einweg-Flaschenpfand. Entweder man muss das Gesetz dahin ändern, dass die Kioskbesitzer verpflichtet sind, jede Flasche mit diesem blöden Zeichen zurückzunehmen oder man lässt es ganz bleiben.

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5 Antworten to “Essai 67: Über das Flaschenpfand”

  1. ernst scholz Says:

    Schöne Geschichte. Nur die Überschrift: Über den Flaschenpfand.

    Im deutschen heißt es das Pfand, also auch DAS Flaschenpfand
    Gruß Ernst

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  2. Mr. Pfand Collection Says:

    Hi Isabelle,

    super Geschichte, das Problem kennen wir.
    Daher haben wir einen Verein gegründet, der durch Pfand soziale Einrichtungen unterstützt.

    Mehr über uns findest du im Internet auf http://www.PfandCollection.de oder auf Facebook.

    Schöne Grüße

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    • Isabelle Dupuis Says:

      Hallo Mr. Pfand Collection,

      wie genau funktioniert denn euer Projekt? Setzt das nicht voraus, dass die Flaschen auch tatsächlich angenommen werden? Denn sonst gibt es ja kein Pfand…

      Liebe Grüße von
      Isabelle

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      • Mr. Pfand Collection Says:

        Hi Isabelle,
        es funktioniert ganz einfach.
        Wenn du deine Flasche nicht abgeben willst oder kannst, wirfst du sie einfach in diese Box und unterstützt damit gleichzeitig überwiegend spendenfinanzierte soziale Einrichtungen.
        Und sollte eine eine Plastikflasche sein die kein Pfandlabel hat, polstert sie zumindest die Glasflaschen 😉
        Aber deine Flasche hatte ja wohl so’n Label, wenn ich dich richtig verstanden habe, oder?

        Wie gefällt dir das?

        Gruß
        Mr. Pfand Collection

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