Essai 60: Über das Prinzip

Ich fühle mich unverstanden.

Tja, so ganz immun gegen Selbstmitleid bin ich dann doch nicht. Mist.

Heute geht es mir ums Prinzip. Und zwar um das Prinzip, dass es manchmal eben tatsächlich ums Prinzip geht. Wenn ich das sage, halten mich immer alle bestenfalls für bescheuert und schlimmstenfalls für spitzfindig, pingelig UND bescheuert. Deswegen fühle ich mich ja auch unverstanden.

Vor allen Dingen, sobald ich gesagt habe: „Aber es geht ums Prinzip“ und nach einem „Haha! Ja, klar!“ noch ein verzweifeltes „Aber, es geht mir WIRKLICH ums Prinzip“ hinterhergeschoben habe, halten mich schon alle für dämlich und hören mir gar nicht mehr zu, WAS dieses Prinzip in dem Falle dann überhaupt ist.

So wirklich verübeln kann ich das den meisten Leuten auch nicht, schließlich reagiere ich spontan oft genauso, wenn mir jemand sagt, es gehe aber doch ums Prinzip. Vor allem, wenn es Leute sind, die sowieso schon häufiger durch exzessives Haarespalten und lustvolles Spitzfinden aufgefallen sind. Aber bin ich denn auch so schlimm?

Nä.

Wenn es bei mir prinzipiell ums Prinzip geht, ist das nämlich im Prinzip immer absolut logisch und nachvollziehbar. Meiner Meinung nach. Mit Spitzfindigkeit oder Pingeligkeit hat das gar nichts zu tun. Finde ich.

Das Problem ist, dass jeder, dem es ums Prinzip geht, es genauso sieht. Sprich: Geht es mir ums Prinzip, ist das logisch und nachvollziehbar, wenn es dem anderen ums Prinzip geht, spinnt der. Es ist deprimierend.

Na ja, wahrscheinlich muss man sich da als überzeugter Prinzipienreiter an die eigene Nase fassen und etwas toleranter mit Prinzipienreiter-Artgenossen umgehen. Man kann sich ja zumindest erstmal anhören, worin das Prinzip besteht, um das es geht. Danach hat man dann zwei Möglichkeiten, entweder man findet es einleuchtend und akzeptiert das oder man kann den anderen völlig unbedenklich für bescheuert erklären. Immerhin hat man’s ja versucht. Und vielleicht, wenn man den anderen mit etwas mehr Verständnis begegnet, begegnen sie einem auch mit mehr Verständnis…

Haha! Ja, klar!

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5 Antworten to “Essai 60: Über das Prinzip”

  1. Essai 82: Über die Leiden eines Frustableiters « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] Zeitgenossen passt ständig irgendetwas nicht). Da sind sie dann auch absolut konsequent in ihren Prinzipien (‚Die Anderen‘ sind an allem Schuld!) und lassen nicht mit sich diskutieren. Interessanterweise […]

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  2. Essai 75: Über Coolness « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] halte ich mich an den Grundsatz, man solle die Fresse halten, wenn man von nichts eine Ahnung hat. Im Prinzip bin ich nämlich eine Frau mit Prinzipien, Jawoll. Allerdings – und da offenbart sich die widersprüchliche Natur meiner Wenigkeit – ist […]

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  3. Essai 91: Über selbsterfüllende Prophezeiungen « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] allen Glaubensfragen, ob es sich nun um Religion oder Aberglauben handelt, ist ja eh das gleiche Prinzip. Bevor mich nun alle hauen, weil ich sämtlichen Glaubens-Kladderadatsch in einen Pott geschmissen […]

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  4. Essai 105: Über rhetorische Ablenkungsmanöver | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] zu argumentieren und zu sagen, das allein war jetzt vielleicht nicht so schlimm, es gehe aber ums Prinzip, hatten ziemlich schnell verloren. Gewonnen haben die, die einfach stur darauf herumgepocht haben, […]

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  5. Essai 151: Über das nervige Wörtchen “Hm” | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] Männer, bla. Und ja, es gibt auch Frauen, die bla. Ist mir jetzt aber gerade wurscht, es geht ums Prinzip, und ich schreibe mich hier gerade so schön in Rage, das muss auch alles mal raus. Jeder […]

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