Essai 52: Über den Ton, der die Musik macht

Von Natur aus bin ich eher aggressionsimmun. Man kann sagen, mein Gewaltpotential ist in etwa so hoch, wie das eines Gänseblümchens. Soviel zur Vorgeschichte.

Aber:

Der Ton macht die Musik. Davon bin ich überzeugt. Und ich bin immer wieder verblüfft, wie wenig selbstverständlich selbst dieser Grundsatz ist.

Besonders auffällig ist das bei Gesellschaftsspielen, insbesondere solchen, die kommunikativer Natur sind und deren Regeln mehr Interpretationsspielraum lassen, als die Bibel, die Thora und der Koran zusammen (jetzt werde ich bestimmt gehauen).

Im Prinzip könnte man sich in dem Fall natürlich vorher einigen, wie man die Regeln auffassen will. Anstatt während des Spiels – natürlich nur während die gegnerische Mannschaft dran ist – „das gildet nicht, das gildet nicht!!! Du darfst nicht mit dem Kopf schütteln bei Pantomime!!!“ zu krakeelen. Man könnte auch warten, bis die Sanduhr durchgelaufen ist, um sein Anliegen sachlich und gesittet vorzutragen, anstatt mitten in die Beschreibung eines schwierigen Begriffs – wo die anderen schon alle möglichen Synonyme genannt haben, nur auf das eine Wort kommt schon wieder keiner – hineinzubrüllen, dass man das ja wohl so was von gar nicht dürfe, was man da gerade gemacht hat.

Bis zu einem gewissen Punkt macht das Herumkrakeelen ja auch Spaß. Und zwar bis zu dem Punkt, wo man selber der Ankrakeelte ist und nicht der Krakeelende. (Ich mag dieses Wort: „krakeelen“. Das beschreibt so gut, was es ist)

Ich für meinen Teil – da mag man mich für eine Mimose halten – bin jedenfalls für weniger Herumkrakeele, weniger Gebrüll, weniger Gepolter, Gekreische, Gekeife, Gezicke und Gepampe und für mehr sachlich-gelassene Verhandlungskultur.

So.

Und wer jetzt erraten hat, welches Spiel ich letzte Woche gespielt habe, kriegt von mir einen metaphorischen Keks.

P.S.: Es ist ja nicht nur eine Frage der Höflichkeit, dass man seine Mitmenschen nicht permanent mit penetrantem Herumkrakeele malträtiert. Man hat ja selbst auch was davon, wenn man das unterlässt.

Wem tut man lieber einem Gefallen, wem hört man eher zu, wem ist man eher gewillt auch mal zuzustimmen: Dem menschlichen Pittbull, der einen gar nicht zu Wort kommen lässt und der in der Stimme einen dauernden, unterschwelligen Vorwurf mitschwingen lässt und der die ganze Zeit herumbrüllt. Oder dem, der ganz normal, gelassen und sachlich seine Sicht der Dinge darlegt? Eben.

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Eine Antwort to “Essai 52: Über den Ton, der die Musik macht”

  1. Essai 78: Über 10 Dinge, die ich hasse « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] 9.)    Unangenehme Stimmlagen und -lautstärken. Ich bin sensibel, verdammt noch mal! Also höre man doch bitte auf, mich anzubrüllen, anzukrakeelen oder blöd von der Seite anzuquaken, wenn man mir einen simplen Sachverhalt mitzuteilen gedenkt. Wenn man klar und deutlich spricht, verstehe ich das auch akustisch, ohne dass man herumschreien muss. Und was ich auch hasse, ist, wenn quer durch’s Haus von einem Raum zum nächsten gegrölt wird, weil man zu faul ist, die drei Schritte zu gehen. Meistens hört man nur, dass gegrölt wird, aber nicht, was gegrölt wird. Dann platzt einem erst fast das Trommelfell und dann muss man auch noch das unterbrechen, was man gerade macht, muss zu dem Brüllaffen hingehen und nachfragen, wo denn das Problem liege, nur um zu erfahren, dass man entweder nicht gemeint war oder der Informationsgehalt der Aussage gegen Null tendiert (Etwa: „Da ist eine Kohlmeise draußen am Meisenknödel!“). […]

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