Essai 49: Über Studiengebühren und den geplanten Umzug der Uni Hamburg

Seit 2007 gibt es Studiengebühren an der Uni Hamburg. Das ist natürlich ein Unding, ist die Bildung so nicht mehr für jeden zugänglich. Das steht denke ich außer Frage.

Wenn man also schon so etwas Idiotisches einführen muss, sollte man doch das Geld, das dadurch in die Kassen fließt wenigstens sinnvoll nutzen. Sinnvoll heißt, im Sinne der Zahlenden, also der Studenten. Zugegeben, es gibt jetzt Seifenspender auf den Toiletten, manchmal ist sogar Seife drin, das ist schön. Ob die Papierspender am selben Ort nun automatisch sind oder nicht ist mir persönlich wiederum völlig egal. Ja, und was macht man sonst mit den Studiengebühren? Keine Ahnung.

Man könnte zum Beispiel dafür sorgen, dass eine größere Auswahl an Kursen und Seminaren angeboten wird. Neue Leute einstellen. Das unsägliche Bürokratie-Gedöns in Sachen Bachelor-Master mal vereinfachen und mal ein bisschen Ordnung und Übersicht da rein bringen, anstatt jedes Semester neue Regeln einzuführen wo nachher keiner mehr durchblickt und niemand von den verschiedenen Abteilungen – die offensichtlich nicht miteinander kommunizieren – sich zuständig fühlt. Oder man könnte besseres Essen in der Mensa anbieten. Das Essen ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Außerdem erhöhen sie da auch dauernd die Preise. Man könnte auch einen neuen Studiengang „Theaterwissenschaften/Theaterpädagogik“ einführen, wo Hamburg doch eine der wichtigsten Theaterstädte ist.

Was macht man stattdessen?

Man diskutiert darüber, ob die Uni Hamburg nicht in die Hafencity umziehen sollte.

Da ist nichts. Da will keiner hin. Das kostet schweineviel Kohle. Außerdem gehen sämtliche Läden und die drei millionen Coffee Shops im Grindelviertel pleite wenn die Uni da weg zieht.

Nichts als Nachteile also? Keineswegs, denn die Hafencity ist DAS aufstrebende Schickimicki-Viertel von Hamburg und die Uni da hin zu bugsieren wäre volle Kanne prestigeträchtig. Und das ist nämlich das Ding: Das Prestige wichtiger ist als alles andere. Die Studenten wollen alle im Grindelviertel bleiben? Egal. Die Uni ist gut da wo sie ist, sie müsste nur ein wenig renoviert werden, was viel weniger kosten würde, als sie komplett woanders hin zu verfrachten, so dass Geld übrig bliebe für wichtige Dinge, die WIRKLICH im Argen liegen? Egal. Man macht durch den Umzug völlig überflüssigerweise neue Schulden? Egal. Die Läden im Grindelviertel gehen pleite? Egal. Das Grindelviertel verwaist? Egal. Die Hafencity ist am Arsch der Heide und die U4, die da hinfahren soll ist auch noch lange nicht fertig und wird es so schnell auch nicht werden, weil man sich da mal wieder verkalkuliert hat? Egal.

Und das ist das, was immer wieder auffällt. Man könnte durch pragmatisches, logisches Denken so viel Geld sparen und sich dabei auch noch beliebt machen, aber alles was zählt ist Prestige, Prestige, Prestige. Klotzen, nicht kleckern. Protzen statt nützen.

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Eine Antwort to “Essai 49: Über Studiengebühren und den geplanten Umzug der Uni Hamburg”

  1. Isabelle Dupuis Says:

    Zum Glück haben sie diesen Quatsch ja jetzt gelassen. Kann sein, dass zusätzlich ein Neubau in der Hafencity für die Uni geplant ist, aber im Grindelviertel bleibt vorerst alles beim Alten. Und die U4 ist immernoch nicht fertig. Die Elbphilharmonie übrigens auch nicht, à propos Prestige.

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