Archive for 23. August 2008

Essai 41: Über Freundschaft

23. August 2008

In jede Essai-Sammlung, die was auf sich hält, gehört auch ein Essai über Freundschaft und einer über Liebe. Über die Liebe schreib ich morgen, jetzt ist erstmal die Freundschaft an der Reihe.

Ja, die Freundschaft, ein schwieriges Thema. Ich bin ja der Meinung, das ist auch eine Form von Liebe, halt nur platonisch. Aber interessanterweise ist man in einer Freundschaft toleranter, als in der Liebe. Das hängt wohl mit den Ansprüchen zusammen. Man erwartet weniger von einem Freund, als von dem Partner. Es fällt leichter, den Freund so zu nehmen, wie er ist. Dabei ist die sogenannte „wahre Freundschaft“ wie allseits bekannt, schwer zu finden und oft genug täuscht man sich. Dann ist sie noch schwieriger zu finden.

Manchmal verwechselt man die Freundschaft – wie auch die Liebe – mit Abhängigkeit. Solche Beziehungen kann man nur durch einen Knall beenden mit gebrochenen Herzen, zertrümmertem Vertrauen und tiefen Wunden. Zum Glück verheilt das irgendwann, aber mit der Person, mit der man vorher befreundet zu sein glaubte, kann man nie wieder ein echtes Vertrauensverhältnis aufbauen. Wenn eine Liebesbeziehung zerbricht, kann man die Freundschaft retten. Zerbricht eine Freundschaft, gibt es hinterher nichts mehr. Wenn man Glück hat, wird immerhin keine Feindschaft draus. Eine Zeitlang ist das zwar ganz unterhaltsam, sich gegenseitig anzuzicken, aber auf Dauer ist das extrem anstrengend. Mit zerbrochenen Freundschaften macht man am besten seinen Frieden und versucht für die Zukunft draus zu lernen.

Meiner Ansicht nach ist eine Freundschaft von Gegenseitigkeit geprägt. Denn wenn sie einseitig ist, wird zu schnell Abhängigkeit draus, in jedem Fall aber wird derjenige, der mehr in die Freundschaft investiert über kurz oder lang ziemlich frustriert sein und sich überlegen müssen, ob er auf diese Einseitigkeit auf Dauer Lust hat. Im Großen und Ganzen ist das mit der Freundschaft wohl so, dass man gar nicht genau erklären kann, was das ist. Man merkt, wenn es da ist und man merkt, wenn es nicht mehr da ist.

Essai 40: Über Bedenkenträger und andere Miesepeter

23. August 2008

Es gibt Menschen, die immer an allem irgendwelche Bedenken äußern. Denen darf man eigentlich gar nichts erzählen, von dem man total begeistert ist, weil sie dann wieder mit ihren Bedenken um die Ecke biegen und man hinterher nur frustriert ist.

Das klingt dann etwa so: „Weißt du was toll ist! Ich hab jetzt endlich einen Job, endlich verdien ich mein eigenes Geld und das auch noch in einer Buchhandlung, ist das nicht großartig!“ „Hmpf, willst du nicht was Vernünftiges machen, dir nen richtigen Job suchen? Bücher verkaufen kann doch jeder Idiot.“ Zack, Laune im Keller.

Das sind oft die Gleichen, die mit stolz geschwellter Brust verkünden, keine Pessimisten zu sein, sondern Realisten.

Also erstens ist das schonmal großer Quatsch, denn zu einer realistischen Weltsicht gehören die positiven und die negativen Seiten des Lebens, weder nur die positiven, noch nur die negativen. Und zweitens tut man weder sich, noch irgendwem anders einen Gefallen damit, wenn man immer gleich nur das Schlechte sieht und immer nur vom Schlimmsten ausgeht.

Irgendwann wird man das nicht mehr los und dann wird man zum Miesepeter, auch bekannt als Grummel Griesgram, Stinkstiefel und Meckerpott – und das sind nur die Synonyme die mir gerade spontan einfallen. Dann kann man sich irgendwann über gar nichts mehr wirklich freuen und steckt seine Mitmenschen damit an. Eh man sich versieht hat man dann einen Haufen Trauerklöße (noch ein Synonym) um sich, die sich gegenseitig runterziehen und in Selbstmitleid versinken. Was ich von übermäßigem Selbstmitleid halte, habe ich ja schon geschrieben.

Ich verstehe einfach nicht, was daran so schwer ist, sich für andere Leute zu freuen. Selbst wenn das, worüber sie sich freuen, für einen selbst vielleicht kein Grund zum Jubeln wäre. Aber deshalb den Leuten gleich alles zu vermiesen finde ich einfach überhaupt nicht lustig.

Man kann sich doch einfach darüber freuen, dass der andere glücklich ist, das ist doch nicht schwer. Und wenn man das nicht kann, dann einfach mal den Mund halten.


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