Essai 34: Über (mangelndes) Einfühlungsvermögen

Mag sein, dass ich ein Sensibelchen bin.

Aber ist es wirklich zuviel verlangt, von seinen Mitmenschen ein kleines bisschen Mitdenken zu fordern? Nur ein kleines bisschen? Ich meine, wozu hat man denn ein Hirn? Man kann sich doch denken, dass man morgens, wenn man müde ist, vielleicht sogar noch schläft, nicht von lauten, plärrenden Rufen – von einer erwachsenen Person wohlgemerkt – aus seinem Gedöse herausgerissen werden will. Man kann doch auch vorsichtig an die Schlafzimmertür klopfen, ja, ist das denn so schwer?

Oder wenn man gerade konzentriert in seinem Zimmer arbeitet, zum Beispiel für die Uni lernt, dann will man nichts davon wissen, dass Brigitte Nielsen ihr abgesaugtes Fett versteigert. Überhaupt will man nichts von dieser armen Frau wissen, die sich für nichts zu schade ist, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Tragisch. Passt zum Essai über Imponiergehabe. Und sowas nennt sich dann ganz schamlos „Schönheitschirugie“. Am Arsch. Ja, da wohl auch.

Aber genug von Brigitte Nielsen, zurück zum Einfühlungsvermögen:

Meine Theorie ist, dass das manche Leute einfach nicht haben. Anders kann ich mir nicht erklären, warum Freundschaften über die Handy-Mailbox gekündigt werden oder warum meine Schwester immer den Käse entführt, den ich auch gerne esse. Das Schlimmste ist, dass man diesen Empathie-Zombies hilflos ausgeliefert ist. Man kann nichts gegen sie tun, weil ihnen alles egal ist, was nicht sie direkt betrifft und weil sie einem nicht zuhören, ganz gleich wie gewaltfrei man mit ihnen zu kommunizieren sucht. Sie sind einfach nicht bereit, gewillt, fähig, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen und mal zu überlegen, ob es nicht auch andere Sichtweisen gibt als die eigene.

Immer nur: ICH, ICH, ICH – und die Großbuchstaben sind Absicht.

Ich hab da auch keine Idee, wie man sich da am Besten verhält. Vielleicht muss man das einfach akzeptieren und damit leben und versuchen, sich nicht aufzuregen, wenn man auf die Frage, wo denn die persönliche Lieblings-Kaffeetasse schon wieder abgeblieben sei nur ein pampiges „Ja, dafür hast du mich neulich (vor drei Wochen – Anmerkung der Autorin) im Badezimmer eingesperrt (Die Tür ging nicht sofort auf)“ geschnauzt bekommt. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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2 Antworten to “Essai 34: Über (mangelndes) Einfühlungsvermögen”

  1. Essai 84: Über nervige Single-Männer und das, was Frauen wirklich wollen « Isa09's Weblog Says:

    […] mit so bescheuerten Platitüden um die Ecke. Und lasst bitte dieses Überrumpeln, ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen, meine […]

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  2. Essai 160: Über Mitleid, den bösen Zwilling von Mitgefühl | Isa09 - Angry young woman Says:

    […] dann ist da noch das Mitgefühl. Der Unterschied zwischen Mitleid und Einfühlungsvermögen ist, dass es bei letzterem wirklich um den anderen geht, nicht um einen selbst. Mitleid ist […]

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