Essai 32: Vor- und Nachteile von Gewohnheit

Wie so ziemlich alles im Leben hat auch die Gewohnheit ihre Schokoladen- und ihre Gammelkäseseiten.

Eine der Haupteigenschaften von Gewohnheit ist nämlich, dass sie Gefühle mit der Zeit abschwächt. Das betrifft sowohl positive Gefühle – das ist dann der Gammelkäse – als auch negative Gefühle – Schokolade.

Mit anderen Worten, wenn man sich an Liebe gewöhnt, verblasst sie allmählich und verkommt zu Gleichgültigkeit, was extrem deprimierend ist. Das Gute ist, dass das umgekehrt auch mit Hass funktioniert. Wenn man sich daran gewöhnt, wird es auch zu Gleichgültigkeit, nur dass es in diesem Falle auch Erleichterung bedeutet. Es ist nämlich furchtbar anstrengend jemanden zu hassen, so von wegen dass es einen innerlich auffrisst und solche Geschichten. Wenn man das betreffende Objekt ansieht und sich denkt: „Pfft, soll der doch glücklich werden, ist mir doch egal“, kann man aufatmen und sich wieder mit anderen Dingen beschäftigen. Toll. Hingegen, wenn man bei der goldenen Hochzeit seinen Göttergatten betrachtet und denkt „Wieso sind wir noch gleich solange zusammen? Och, ist ja auch egal.“ dann kann man eigentlich auch gleich die ganze Beziehung vergessen.

Also sollte man versuchen, positive Gefühle in metaphorische Frischhaltefolie zu packen oder regelmäßig mit metaphorischem Wasser zu gießen, damit sie immer wieder neu aufblühen können, während man negative Gefühle am besten akzeptiert und sich an sie gewöhnt, dann langweilen sie sich irgendwann und verschwinden.

Soviel jedenfalls zur Theorie.

Jedenfalls ist sicher, dass Gewohnheiten einem Sicherheit geben können. Umgekehrt heißt das auch, dass wer viele Gewohnheiten, sprich Macken, hat, viel Sicherheit benötigt. Das kann mitunter auf die Umwelt einen schrullig-kauzigen Eindruck machen, muss aber selbstverständlich nicht. Der Nachteil dieser gewohnten Sicherheit ist, dass man mit der Zeit an Flexibilität abnimmt, alles was man nicht kennt doof findet, nur noch am Meckern ist und zum unausstehlichen Sturkopf mutiert, was wiederum eine Erklärung dafür wäre, warum so viele alte Menschen ein wenig – nun ja – schwierig sind. Wobei das „alt“ hierbei einen Geisteszustand meint, keinen biologischen Tatsachenbestand.

An dieser Stelle möchte ich mit einem wie gewohnt klugen Schlusssatz enden.

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2 Antworten to “Essai 32: Vor- und Nachteile von Gewohnheit”

  1. seemSkib Says:

    ehh… love it..

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  2. Essai 82: Über die Leiden eines Frustableiters « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] auf die Welt kommt, dass einem das in den Genen liegt oder so, sondern es ist eine Frage von Gewohnheit und von Verhalten. Von Dingen, die man ändern kann. Das ist dann nämlich tatsächliche Stärke […]

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