Essai 28: Über Romantik oder den Schlüssel zum Unglücklichsein

Romantik ist ja an sich was Schönes.

Ohne Romantik ist das Leben wie ohne Illusionen: trostlos und deprimierend.

Andererseits erlebe ich auch immer wieder, wie man sich mit absolut unrealistischen Ansprüchen an ebendiese Romantik sich mindestens genauso unglücklich macht, wie wenn man ein Leben ohne Romantik führt, was meiner Meinung nach ein wenig zweckentfremdet ist. Besonders auffällig ist das in Beziehungen.

Meistens geht das ja – ich schäme mich das zu gestehen – von den Frauen aus, dass sie irgendwelche romantischen Ansichten haben, wie etwas zu sein hat, es aber nicht sagen, und der Mann weiß von nichts, da er keine Gedanken lesen kann und wundert sich, wenn er dann irgendwann alles auf einmal vor die Füße geknallt bekommt: „Schaatz, ich bin zu Hause!“ „Toll, nie schenkst du mir Blumen und außerdem lässt du dich gehen und was machen schon wieder deine Socken auf dem Badezimmerfußboden.“ Schon sind alle Beteiligten unzufrieden und unglücklich.

Da gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten, die aber leider nicht sehr romantisch sind, sondern eher pragmatisch, es geht nämlich bei beiden Optionen um Kompromisse.

Erstens: Die Frau sagt gleich, wenn sie was stört oder was vermisst, so dass es sich nicht anstaut. Das erfordert dann natürlich von ihrem Männe, dass er es nicht nur zur Kenntnis nimmt und „Mhm“ sagt, sondern, dass er sich wirklich mal Mühe gibt, ihr ab und zu Blumen mitbringt, ein bisschen Sport macht und seine schmutzigen Socken in den dafür vorgesehenen Behälter befördert.

Zweitens: Die Frau schraubt ihre eigenen Ansprüche herunter und gibt sich Mühe, ihren Partner so unvollkommen zu akzeptieren, wie er ist. Solange das auf Gegenseitigkeit beruht, kann das auch funktionieren. Ich halte trotzdem die erste Lösung für erfolgversprechender, weil sie aufrichtiger und offener ist und sich weniger Frust aufhäuft, bis es zur Explosion kommt.

Manchmal können solche unrealistischen Romantikvorstellungen auch zu regelrechten Identitäts- und Midlifekrisen führen. Der Mann kauft sich dann mit fünfzig ein Cabrio, weil er in seinem Alltag das romantische Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit vermisst. Oder er sucht sich aus ebendiesem Grund eine Geliebte. Dann wohl doch lieber das Cabrio. Andere verlassen oder betrügen ihren Partner, obwohl sie glücklich sind, weil sie das romantische Ideal von Feuer, Leidenschaft und Abenteuer vermissen. Dann suchen sie sich einen Lover oder eine Geliebte, die ihnen all das bietet und wundern sich dann, wenn ihre glückliche Beziehung daraufhin in die Brüche geht, wenn das rauskommt, und es kommt früher oder später raus. Dabei ließe sich das alles so leicht verhindern, indem man einfach miteinander kommuniziert und aufeinander eingeht. Aber das ist ja viel zu unromantisch.

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Eine Antwort to “Essai 28: Über Romantik oder den Schlüssel zum Unglücklichsein”

  1. Essai 45: Über Liebeskonzeptionen und den rätselhaften Erfolg der Twilight-Buchreihe « Isa09 – Angry young woman Says:

    […] hab nun schon einen Essai über Liebe geschrieben und einen über Romantik. Nun habe ich mir inzwischen die “Twilight”-Romane von Stephenie Meyer zu Gemüte […]

    Gefällt mir

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