Archive for Mai 2008

Essai 14: Über Schnupfen

13. Mai 2008

Die Beziehung zwischen den Schnupfenviren dieser Erde und mir ist eine recht einseitige. Sie lieben mich, fühlen sich bei mir wie zu Hause und laden regelmäßig alle ihre Kumpels ein. Ich wiederum hasse sie. Ich verstehe auch überhaupt nicht, warum sie mich so mögen. Ich bombardier sie doch mit Vitaminen und ich mach neuerdings sogar Sport. Ich ziehe mich auch nicht mehr zu warm an. Ja, neulich waren es 25°C und ich habe den Schal weggelassen. Ich lüfte regelmäßig mein Zimmer und esse nicht zuviel Fast Food.

Hilft alles nichts.

Der Schnupfen bleibt.

Womöglich sollte ich mal die Engelheilerin fragen, die sich unweit von hier niedergelassen hat. Sie bietet im Übrigen auch Homöopathie für Tiere an. Sollte ich mit meinem Kater mal dort hin? Wer weiß, vielleicht kann sie was gegen seine vegetarischen Anwandlungen unternehme.

Essai 13: Über Bienen

12. Mai 2008

Jemand – ich weiß nicht mehr wer, vielleicht Albert Einstein – hat einmal gesagt: „Wenn es keine Bienen mehr gibt, hat die Menschheit nur noch zwei Jahre“.

Eine gruselige Vorstellung.

Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass die Bienen tatsächlich sterben. Wenn man im Garten sitzt, ist es beängstigend still: das vertraute Summen der Bienen ist verstummt. Es liegt wohl daran, dass viele Bauern an ihren Pflanzen herumgepfuscht haben, um sie resistenter gegen Insekten und Schädlinge zu machen, was auch funktioniert, wie man an den Bienen sehen kann. Nun haben wir also den Salat. Ich mag normalerweise keine Insekten. Jedenfalls nicht, wenn ihr einziger Daseinsgrund darin besteht, arglosen Menschen wie mir auf den Wecker zu fallen, sie zu stechen, oder Krankheiten zu verbreiten.

Aber Bienen habe ich immer schon gemocht.

Und dass sie jetzt zum Tode verurteilt sind, nur weil die Menschen wieder einmal nur bis zu ihrer Nasenspitze gedacht haben, ist unbeschreiblich tragisch. Einmal abgesehen davon, dass mir ein Leben ohne Honig nicht wirklich lebenswert erscheint. Wir kriegen das schon noch hin, die Erde komplett zu zerdeppern, wenigstens eine Sache, auf die man sich verlassen kann.

Essai 12: Über Schuld

11. Mai 2008

Die meisten Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen resultieren wohl daraus, dass man die Schuld an was-auch-immer stets bei dem jeweils anderen sucht. Dabei wäre es doch um einiges konstruktiver, die Schuldfrage einfach mal außen vor zu lassen.

Es ist doch letzten Endes vollkommen wurscht, wer Schuld hat.

Angenommen, ich streite mich mit meiner Schwester, weil sie sich schon wieder etwas von meinen Sachen genommen hat ohne zu fragen und nun ist diese Sache unauffindbar, was mich natürlich stinksauer macht. Was ist wohl erfolgversprechender? Wenn ich ihr die ganze Zeit vorhalte, dass es ihre Schuld sei dass das Dings verschwunden ist und sie mir im Gegenzug auch die Schuld gibt – denn schließlich kann ich ja mein Zimmer auch abschließen, wenn ich aus dem Haus gehe – oder wenn wir beide einfach sagen, es ist egal wer Schuld hat, so taucht der verloren gegangene Gegenstand auch nicht wieder auf.

Wenn man das nämlich einmal eingesehen hat, kann man sich überlegen, was man denn TUN kann, damit das Ding wieder auftaucht. Meine Schwester könnte dann suchen, oder sie kauft mir was Neues, oder was weiß ich. Auf jeden Fall kommt man zu keiner Lösung, wenn man nur auf der Schuldfrage herumpocht.

Das gilt im Übrigen nicht nur für den kleinen Familienkreis, wo solche Geschwisterstreitereien an der Tagesordnung sind, sondern es lässt sich auch ohne Weiteres auf große weltpolitische Konflikte übertragen.

Essai 11: Über Eichhörnchen

10. Mai 2008

Wer schon einmal ein Eichhörnchen dabei beobachtet hat, wie es munter durch den Garten hüpft, mit seinen Artgenossen Fangen spielt, hektisch eine Nuss vergräbt (um sie hinterher nicht mehr wiederzufinden, so dass plötzlich überall Nussbäume aus dem Boden sprießen) oder eifrig eine soeben erbeutete Nuss verputzt, der wird mir sicher beipflichten, wenn ich ganz dreist behaupte: Eichhörnchen sind so ziemlich das Niedlichste, was Mutter Natur zu bieten hat. Da fragt man sich doch, wie sie das gemacht hat – Mutter Natur – um so etwas Süßes und Putziges zusammenzuschustern.

Und da soll mir keiner weismachen, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, gemein, dumm und humorlos wie er ist.

Nein, ich finde Eichhörnchen haben schon eher Anspruch auf diesen Posten, falls überhaupt irgendwas oder irgendjemand darauf Anspruch hat. Und gesetzt den Fall, dass man überhaupt von Schöpfung sprechen kann. Vielleicht sollte man es Krone der Evolution nennen. Und dann ist quasi die ganze Evolution die Krone und sowohl wir, als auch die Eichhörnchen sind Zacken in der Krone, genauso wie alles andere, das zur Evolution gehört.

Essai 10: Über Humor

9. Mai 2008

Mit dem Humor ist das so eine Sache. Entweder man hat welchen, oder man hat keinen. Und interessanterweise ist jeder der Ansicht, welchen zu haben, wohingegen alle, die sich nicht bei allem was man sagt, vor Lachen biegen, keinen haben. Es sei denn natürlich, man hat das, was man gerade gesagt hat, gar nicht witzig gemeint. Dann hält man die Leute, die lachen, nicht nur für humorlos, sondern obendrein auch noch für bekloppt. Wobei es mit Sicherheit mehr Menschen gibt, die bekloppt sind, als welche, die echten Humor haben. Die meisten verwechseln „lustig sein“ mit „Humor haben“. Oder „Bei allem in wieherndes, penetrantes Lachen ausbrechen“ mit „Humor haben“. Dabei hat Humor gar nicht mal so viel damit zu tun, wie laut man lacht oder wie man andere am laufenden Band zum Lachen bringt. Es ist eher eine Art Lebenseinstellung, eine Gegenbewegung zum großen, allgemeinen Jammertum Ewignörgelnder. Ich für meinen Teil habe keinen Humor. Ich nörgel einfach zu gern.

Essai 9: Über das U-Bahnfahren im Frühjahr

9. Mai 2008

Sobald die ersten Sonnenstrahlen die dunklen Winterwolken durchbrechen und die Temperaturen auf 10 °C geklettert sind, teilt sich die U-Bahn-fahrende Bevölkerung in zwei Gruppen: Die einen sind die Fensteraufreisser, die anderen die Fenster-wieder-zu-knaller. Vertreter beider gegnerischen Parteien liefern sich immer wieder erbitterte Diskussionen darüber, was denn nun mit den Fenstern geschehen soll.  Fensteraufreisser erkennt man schon wenn sie den Wagon betreten. Mit dem Schlachtruf „Boah, eine Hitze hier!“ rauschen sie dynamisch und zielstrebig auf die U-Bahn-Fenster zu und reissen sie mit lautem Knall auf. Das ruft dann sofort die Fenster-wieder-zu-knaller auf den Plan. Sie sitzen meistens schon im Wagen und das erste, was man von ihnen hört ist für gewöhnlich undefinierbares Gejammere, in dem immer wieder die Begriffe „Zugluft“, „Erkältung“ und „Muss das sein“ aufblitzen. Es gibt aber auch die Fenster-wieder-zu-knaller, die einfach aufstehen und wütend das soeben aufgerissene Fenster mit einem lauten „Rumms“ wieder zuschlagen, was sämtliche Fahrgäste dazu veranlasst, unwillkürlich zusammenzuzucken.

Der Frühling ist so eine schöne Jahreszeit, aber unter den U-Bahn-Passagieren sät er Zwist und Unmut. Das alles nur, wegen ein paar doofer Fenster. Mein Tipp daher, für diejenigen, die sich diesen Dauerstreitereien entziehen möchten, aber auf das U-Bahn-fahren angewiesen sind, ist: Wenn die Fenster offen sind, am Besten ganz nach vorne im Wagon setzen. Die Zugluft zieht nämlich während der Fahrt immer nach hinten.

Essai 8: Kann man gleichzeitig nett und erfolgreich sein?

5. Mai 2008

Das ist eine Frage, die mich schon seit Längerem beschäftigt. Das Attribut „nett“ wird in unseren Gefilden häufig als Schimpfwort gebraucht.

Warum ist das so? Und warum werden nette Menschen DAUERND verarscht? Meine Vermutung ist, dass die meisten Menschen, insbesondere in Geldangelegenheiten, Arschlöcher sind und beispielsweise nur so viel Gehalt bezahlen, wie sie bezahlen müssen. Das heißt, es gibt keinen Nettigkeitsbonus, sondern man kriegt nur soviel Geld, dass man keinen Aufstand veranstaltet und einigermaßen zufrieden erscheint.

Und das ist der Knackpunkt: Nette Menschen machen den Eindruck, sich mit dem wenigen, was sie bekommen, zufrieden zu geben, schließlich sind sie ja nett und da wird nicht gemeckert. Egoisten sind anspruchsvoll, sie verlangen mehr und sind mit weniger absolut nicht zufrieden. Da ist es also vollkommen logisch, dass die auch mehr bekommen, um zufrieden zu sein. Das ist zwar gemein, aber nachvollziehbar.
Wobei wir beim nächsten möglichen Grund dafür sind, dass Nette immer das Nachsehen haben: Nette haben für alles Verständnis und finden alles nachvollziehbar.
Was kann man also daraus lernen? Die Welt ist schlecht und ich bin zu gut dafür? Vielleicht. Mag ja was dran sein. Aber ist das konstruktiv und trägt zur Besserung der Situation bei, wenn man sich im Selbstmitleid suhlt? Voll nicht.

Besser ist es, man guckt sich an, wie die Nicht-Netten erfolgreich sind, was sie von den Netten unterscheidet. Der Punkt liegt einmal in der Konsequenz: Nette lenken zu schnell ein und trauen sich nicht auf ihr Recht zu bestehen, wenn der Chef besonders imposant auftritt. Dann ist da noch das Durchsetzungsvermögen: Nette sind oft schüchtern, haben Angst zu stören, wollen niemandem zur Last fallen, nicht zuviel verlangen. Kein Wunder, dass sie da zu kurz kommen. Und schließlich die Deutlichkeit: Dadurch, dass Nette nicht nerven wollen, kleiden sie ihren Wunsch in allerlei Füllwörter, die dazu da sind, nett zu wirken, aber nur dazu führen, dass das Gegenüber den Wunsch nicht versteht. Wenn man also nett und freundlich bleibt, seine Wünsche und Ansprüche aber konsequent und deutlich artikuliert und selbstbewusst auftritt, dann sollte es möglich sein, gleichzeitig auch erfolgreich zu sein.
Im Übrigen ist das nicht nur im Berufsleben so. Wie oft habe ich schon von netten Männern (auch Frauen, aber öfter Männer) gehört, sie fänden keine Freundin (oder Freund – politische Korrektheit) weil sie zu nett wären. Aber das ist nicht der Grund. Der Grund ist meist der Gleiche, wie oben genannt. Sie sind zu schüchtern und trauen sich nicht, jemanden anzusprechen. Oder sie drücken sich nicht deutlich aus. Oder sie treten nicht selbstbewusst auf. Damit meine ich nicht arrogantes Arschloch-Posing. Nein, ich meine ganz normales, gesundes Selbstbewusstsein, in dem man sich seiner Schwächen und Stärken bewusst ist und um Himmels Willen aufhört herumzujammern wie gemein die Welt doch ist.

Essai 7: Über unzuverlässige Leute, die sich nicht an Abmachungen halten

1. Mai 2008

Ich bin heute versetzt worden. Sowas ist total doof. Eine halbe Stunde habe ich auf die Person gewartet. Völlig umsonst ans andere Ende der Stadt gefahren. Was ich in der Zeit alles hätte tun können, daran will ich gar nicht denken.

Jetzt mal eine Frage an alle, die sowas mit anderen Leuten abziehen: Was soll das? Was denkt ihr euch dabei? Denkt ihr, andere Leute sitzen den ganzen Tag zu Hause auf der Couch und drehen Däumchen, weil sie rein gar nichts Besseres zu tun haben, als auf Anrufe zu warten, die nicht kommen und auf Leute zu warten, die nicht auftauchen?

Meine Meinung ist, wenn man eine Verabredung nicht einhalten kann, macht man sie gar nicht erst ab, oder sagt zumindest rechtzeitig Bescheid, wenn was dazwischenkommt. Ebenso sollte man nichts versprechen, was man nicht halten kann. Das ist doch ganz einfach. Verdammt noch mal.


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