Essai 15: Über innerhäusliche schwarze Löcher

Bestimmt kennt jeder das berühmteste Exemplar innerhäuslicher schwarzer Löcher: den Waschmaschinen-Socken-Vernichter. Man wäscht ein Paar Socken, heraus kommt nur eine. Die andere ist auf unerklärliche Weise verschwunden, hat sich in Luft aufgelöst oder – wie ich einmal geträumt habe – wurde von Außerirdischen, deren Anführer Arnold Schwarzenegger ist, radioaktiv verseucht, um die gesamte Menschheit zu verzombiefizieren.

Weniger bekannt, aber darum nicht minder gefährlich, sind die schwarzen Löcher, die sich irgendwo im Haus befinden, aber nicht genau lokalisierbar sind. Sie schlucken dann alle möglichen Gegenstände. Das kann mal ein Nagelknipser sein, oder ein Haargummi. Manchmal verschwinden aber auch ganze Kochtöpfe. Wir haben zum Beispiel haufenweise Tupperdosendeckel in der Küche, aber die dazu gehörenden Tupperdosen hat sich das schwarze Loch einverleibt. Nur eine einsame Tupperdose fristet im Schrank ihr trauriges Dasein. Auch sie ist unbrauchbar. Das schwarze Loch hat ihren Deckel entführt.

Ein drittes Exemplar dieser Spezies beeinflusst auf fatale Weise das Raum-Zeit-Kontinuum. Es sorgt dafür, dass jeden Morgen zwischen dem Ende des Frühstückens und dem tatsächlichen Verlassen des Hauses regelmäßig fünf bis fünfzehn Minuten plötzlich verschwunden sind und man doch wieder laufen muss, um die Bahn noch zu kriegen, dabei ist man doch extra – um das zu vermeiden – schon zehn Minuten früher aufgestanden. Man schaut auf die Uhr, wenn man mit dem Frühstück fertig ist: Klasse, noch massig Zeit. Man will sich die Schuhe anziehen, schaut nochmal auf die Uhr: Nanu? Wo sind denn die zehn Minuten abgeblieben? Diese innerhäuslichen schwarzen Löcher sind tückisch und sie lauern überall!

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