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Essai 12: Über Schuld

11. Mai 2008

Die meisten Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen resultieren wohl daraus, dass man die Schuld an was-auch-immer stets bei dem jeweils anderen sucht. Dabei wäre es doch um einiges konstruktiver, die Schuldfrage einfach mal außen vor zu lassen.

Es ist doch letzten Endes vollkommen wurscht, wer Schuld hat.

Angenommen, ich streite mich mit meiner Schwester, weil sie sich schon wieder etwas von meinen Sachen genommen hat ohne zu fragen und nun ist diese Sache unauffindbar, was mich natürlich stinksauer macht. Was ist wohl erfolgversprechender? Wenn ich ihr die ganze Zeit vorhalte, dass es ihre Schuld sei dass das Dings verschwunden ist und sie mir im Gegenzug auch die Schuld gibt – denn schließlich kann ich ja mein Zimmer auch abschließen, wenn ich aus dem Haus gehe – oder wenn wir beide einfach sagen, es ist egal wer Schuld hat, so taucht der verloren gegangene Gegenstand auch nicht wieder auf.

Wenn man das nämlich einmal eingesehen hat, kann man sich überlegen, was man denn TUN kann, damit das Ding wieder auftaucht. Meine Schwester könnte dann suchen, oder sie kauft mir was Neues, oder was weiß ich. Auf jeden Fall kommt man zu keiner Lösung, wenn man nur auf der Schuldfrage herumpocht.

Das gilt im Übrigen nicht nur für den kleinen Familienkreis, wo solche Geschwisterstreitereien an der Tagesordnung sind, sondern es lässt sich auch ohne Weiteres auf große weltpolitische Konflikte übertragen.


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