Archive for 9. Mai 2008

Essai 10: Über Humor

9. Mai 2008

Mit dem Humor ist das so eine Sache. Entweder man hat welchen, oder man hat keinen. Und interessanterweise ist jeder der Ansicht, welchen zu haben, wohingegen alle, die sich nicht bei allem was man sagt, vor Lachen biegen, keinen haben. Es sei denn natürlich, man hat das, was man gerade gesagt hat, gar nicht witzig gemeint. Dann hält man die Leute, die lachen, nicht nur für humorlos, sondern obendrein auch noch für bekloppt. Wobei es mit Sicherheit mehr Menschen gibt, die bekloppt sind, als welche, die echten Humor haben. Die meisten verwechseln „lustig sein“ mit „Humor haben“. Oder „Bei allem in wieherndes, penetrantes Lachen ausbrechen“ mit „Humor haben“. Dabei hat Humor gar nicht mal so viel damit zu tun, wie laut man lacht oder wie man andere am laufenden Band zum Lachen bringt. Es ist eher eine Art Lebenseinstellung, eine Gegenbewegung zum großen, allgemeinen Jammertum Ewignörgelnder. Ich für meinen Teil habe keinen Humor. Ich nörgel einfach zu gern.

Essai 9: Über das U-Bahnfahren im Frühjahr

9. Mai 2008

Sobald die ersten Sonnenstrahlen die dunklen Winterwolken durchbrechen und die Temperaturen auf 10 °C geklettert sind, teilt sich die U-Bahn-fahrende Bevölkerung in zwei Gruppen: Die einen sind die Fensteraufreisser, die anderen die Fenster-wieder-zu-knaller. Vertreter beider gegnerischen Parteien liefern sich immer wieder erbitterte Diskussionen darüber, was denn nun mit den Fenstern geschehen soll.  Fensteraufreisser erkennt man schon wenn sie den Wagon betreten. Mit dem Schlachtruf „Boah, eine Hitze hier!“ rauschen sie dynamisch und zielstrebig auf die U-Bahn-Fenster zu und reissen sie mit lautem Knall auf. Das ruft dann sofort die Fenster-wieder-zu-knaller auf den Plan. Sie sitzen meistens schon im Wagen und das erste, was man von ihnen hört ist für gewöhnlich undefinierbares Gejammere, in dem immer wieder die Begriffe „Zugluft“, „Erkältung“ und „Muss das sein“ aufblitzen. Es gibt aber auch die Fenster-wieder-zu-knaller, die einfach aufstehen und wütend das soeben aufgerissene Fenster mit einem lauten „Rumms“ wieder zuschlagen, was sämtliche Fahrgäste dazu veranlasst, unwillkürlich zusammenzuzucken.

Der Frühling ist so eine schöne Jahreszeit, aber unter den U-Bahn-Passagieren sät er Zwist und Unmut. Das alles nur, wegen ein paar doofer Fenster. Mein Tipp daher, für diejenigen, die sich diesen Dauerstreitereien entziehen möchten, aber auf das U-Bahn-fahren angewiesen sind, ist: Wenn die Fenster offen sind, am Besten ganz nach vorne im Wagon setzen. Die Zugluft zieht nämlich während der Fahrt immer nach hinten.


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