Essai 4: Über Eifersucht

Was ist logischer? Eifersüchtig zu sein, wenn die Freundin Johnny Depp auf der Leinwand anhimmelt? Oder auf den Ex-Freund eifersüchtig zu sein, mit dem sich die Freundin regelmäßig trifft, sehr guten Kontakt hat, der unverschämt gut aussieht und von dem sie immer noch als „meine große Liebe“ spricht? Vorausgesetzt, man kann in Sachen Eifersucht überhaupt von Logik sprechen, so finde ich es doch immerhin verständlicher, auf den Ex-Freund eifersüchtig zu sein, weil der ja eine konkrete Konkurrenz ist und eine „reelle“ Gefahr darstellt. Und Johnny Depp ist weit weg. Außerdem sehen Leinwandstars im Kino natürlich viel toller aus, als in echt, weil sie da geschminkt und zurechtgemacht sind. Und himmelt man nicht vielmehr die Figur an, die der Star auf der Leinwand verkörpert? Ewan McGregor in „Moulin Rouge“ zum Beispiel ist als Christian unglaublich hinreissend, während er in dieser komischen Parfum-Werbung auf dem Motorrad nicht hinreissend ist und außerdem doof synchronisiert. Wenn man für einen Leinwandstar schwärmt, dann schwärmt man für das Bild, das er in dem Moment darstellt. Es ist abstrakt und somit keine „reelle“ Gefahr. Warum also seine Energie darauf verschwenden, auf ein abstraktes Fantasie-Konstrukt eifersüchtig zu sein? Und bei tatsächlich vorhandenen Gefahren zu denken „Pft, wird schon nichts passieren.“?

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